Gnade

Gnade (2012), DE/NO Laufzeit 132 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 18.10.2012


Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
6.5
Kritiker
19 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.1
Community
276 Bewertungen
28 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Matthias Glasner, mit Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel

Maria und Niels sind Auswanderer im winterlichen Norwegen und teilen ein düsteres Geheimnis, was sie auf einen Weg zwischen Schuld und Erlösung führt.

Um eine leitende Stelle in einer Gasverflüssigungsanlage anzutreten, zieht Ingenieur Niels (Jürgen Vogel) mit seiner Frau Maria (Birgit Minichmayr) und seinem Sohn Markus (Henry Stange) nach Hammerfest. In Norwegens kalter Eiswüste will die Familie einen Neuanfang beginnen. Doch der startet schlecht. Niels beginnt eine Affaire mit einer Arbeitskollegin, Markus hat Probleme in seiner neuen Schule und Maria kann ihre Beziehung zu Niels scheinbar nicht retten. Stattdessen flüchtet sie sich in ihre Arbeit als Krankenschwester, macht Überstunden und rettet Leben.

Als sie eines Nachts nach Hause fährt und von den faszinierenden Nordlichtern abgelenkt wird überfährt sie etwas. Geschockt und überzeugt, dass es nur ein Hund gewesen sein kann, begeht sie Fahrerflucht. Um sich zu vergewissern schickt sie Niels noch einmal an den Ort des Geschehens, der in der Dunkelheit keine Spuren ausfinding machen kann. Doch als sie in den nächsten Tagen erfahren, dass ein 16-jähriges Mädchen gestorben ist, wird das Paar von Schuldgefühlen geplagt, die ihre Beziehung in eine ungeahnte Bahn lenken.

Hintergrund & Infos zu Gnade
Regisseur Matthias Glasner (Die kommenden Tage) präsentierte den Film Gnade auf der 62. Berlinale und wurde für den Goldenen Bären nominiert. Die Deutschlandpremiere fand am 15. Oktober in Berlin im Kino International statt, die Stars, sowie Regisseur und Autor waren anwesend.

Birgit Minichmayr hat für Gnade Norwegisch gelernt und besuchte ein Sterbehospiz, um ihre Rolle besser zu verstehen und sich vorbereiten zu können. Gnade ist die erneute Zusammenarbeit von Jürgen Vogel und Matthias Glasner, der Film ‘Der freie Wille’ war bereits vor sechs Jahren im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Damals schockierte Jügen Vogel das Publikum als brutaler Vergewaltiger. In einem Intervie betonte der Schauspieler diesmal, wie sehr ihm die Dreharbeiten zu Gande gefielen, selbste möchte er jedoch nicht im kalten und dunklen Norwegen leben. (LB)

  • Gnade
  • Gnade
  • Gnade
  • Gnade

Mehr Bilder (7) und Videos (1) zu Gnade


Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Gnade
Genre
Drama
Zeit
2010er Jahre
Ort
Norwegen
Handlung
Affäre, Auswanderer, Beziehung, Ehebruch, Ehemann-Ehefrau-Beziehung, Ehepaar, Fahrerflucht, Familie, Krankenhaus, Krankenschwester, Mann-Frau-Beziehung, Neuanfang, Norweger, Schnee, Schuld, Schuldgefühl, Seitensprung
Verleiher
Alamode Film - Fabien Arséguel e.K.
Produktionsfirma
Badlands Film, Knudsen & Streuber Filmproduktion, Neo, Ophir Film, Schwarzweiss Filmproduktion, ZDF/Arte

Kommentare (27) — Film: Gnade


Sortierung

Niotq

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Was die Filme angeht, die ich mir so aussuche, halte ich mich ja für relativ leicht zufriedenzustellen, aber etwas schwerer restlos zu begeistern. Umso schwerer wiegt nach einer 9.5 für die erste Vogel-Glasner-Zusammenarbeit nun auch noch eine 9.0 für "Gnade". Das wohlgemerkt, obwohl ich Matthias Glasner doch den einen oder anderen Vorwurf machen kann - unter anderem den, eine Katharsis fast schon etwas ZU offensichtlich herbeiführen zu wollen als gut für ihn ist, indem er seine nicht vom Glück verfolgten Figuren in Konstellationen positioniert, die sich mehr als ausreichend durch die Schattenseiten des Lebens charakterisieren lassen. Das war bei besagtem "Der freie Wille" so, in dem ein Vergewaltiger und eine psychisch misshandelte, gequälte Frau gemeinsam über mehr als zweieinhalb Stunden versuchen, sich eine eigene Existenz aufzubauen, und das ist beim Konzept von "Gnade" fast noch etwas mehr so.

Um das zu untermauern, reichen der Plot und eine Herde subtiler Rufzeichen: Niels und Maria, ein Ehepaar, er ein nicht übermäßig empathischer notorischer Fremdgänger(!), sie eine Hospizarbeiterin(!!), will seine zerrüttete Ehe(!!!) retten und beschließt Kiel den Rücken zu kehren. Es darf natürlich nicht das sonnige Acapulco oder wenigstens irgendetwas sein, das auch nur ansatzweise Lebensfreude evozieren würde, nein, Hammerfest(!!!!) samt winterlicher dauerdüsterer Polarnächte soll es richten, wo mit dem gemeinsamen Sohn ein Bauernhof bezogen wird, doch kaum kehrt der trostlose Alltag ein, baut Maria einen Unfall samt Fahrerflucht(!!!!!), dessen Folgen für die Familie den Rest des Filmes dominieren.

Was "Der freie Wille" schon so vorbildlich bewerkstelligt hat, gelingt "Gnade" allerdings auch sehr gut: das Innenleben der Figuren für den Zuseher greifbar zu machen. War es bei Ersterem noch diese ungemeine, gedehnte Leere mitten im Großstadtmoloch, die bestimmt den seelischen Zustand des Theo Stör wiederzugeben beabsichtigte, so sind es hier die endlosen, weißen Weiten Norwegens mit langen Kamerafahrten über das Eismeer, und hier macht sich ein allzu menschliches Paar auf die Suche nach dem persönlichen Glück und findet es paradoxerweise vielleicht erst ein winziges klein wenig im jeweils anderen, als das große Unglück schon geschehen ist.

Ganz generell ist "Gnade" ein zutiefst menschlicher Film, und das meine ich in den positiven wie auch den manchmal unter den Tisch fallen gelassenen negativen Ausprägungen menschlicher Schwächen. Hier finden wir beide Arten, diejenige Schwäche, die Maria aus Angst vor den Folgen Fahrerflucht begehen und für den Tod eines Mädchens verantwortlich sein lässt, aber auch diejenige Schwäche, die sie und ihren Mann ihr Leben nicht so einfach weiterführen können lässt wie bisher - und die sie sich dann doch noch auf eine Suche nach dem titelgebenden Wort begeben lässt.

Der Titel bleibt in seinem Sinn und Zweck eher mysteriös, ein wenig musste ich hier an Hanekes "Amour" denken (dem man aufgrund des Titels ja sogar Zynismus unterstellte), dessen Absicht vermutlich eine nicht ganz unähnliche war: Wörter mit einem relativ breit gefächerten Bedeutungsspektrum, um das sich die Geschichte des jeweiligen Filmes zu ranken beginnt, wobei es letzten Endes dem Zuseher überlassen ist, wie er Titel und Inhalt nun wirklich in Einklang bringen will. Sehen wir hier ein Happy End, haben Niels und Maria ihre Gnade gefunden, wie es uns auch der Text auf der DVD-Verpackung weismachen will? Ist es ein Film v.a. über die Sehnsucht danach, nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel"? Handelt es sich um zwischenmenschliche Gnade, oder gar - Maria singt in einem Kirchenchor - eine religiöse oder zumindest spirituelle? "Gnade" bleibt in diesen Belangen schön vage und ruft beim Zuseher damit eine Auseinandersetzung mit dem Gesehenen hervor, die - das sieht man ja auch bei den Kommentaren sehr schön - die unterschiedlichsten Ergebnisse hervorbringen kann.

Glasner ist dann wohl ganz eindeutig auch für die Zukunft (50 ist ja wohl kein Alter!) eine große Hoffnung - wenn er weiterhin seine unterkühlten Dramen mit einer derartigen Intensität ausstattet, steht uns vielleicht noch das eine oder andere Meisterstück ins Haus.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

dannydiaz

Antwort löschen

Kim Fupz Aakeson ist der herrvorragende Drehbuchautor, dieses zweisprachigen Unikats von Filmgenuß.
Der Däne gehört neben Anders Thomas Jensen zur europäischen Autoren Garde.


Niotq

Antwort löschen

In beide muss ich mich noch einarbeiten - im Falle von Aakeson verrät mir Wikipedia aber schon einmal, dass der Mann ein unheimliches Arbeitstier ist. Wow.


jorg.hoffmann.9849

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Niels und Maria wandern zusammen mit Sohn Markus aus nach Hammerfest in Nordnorwegen. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause fährt Maria eines Abends ein Kind an, welches schließlich stirbt. Ohne jede Spur auf den Täter behalten Maria und Niels das Geheimnis für sich. Ihr Gewissen findet jedoch keine Ruhe.

Gnade, ist ein herausragender und bedrückender deutscher Film über Liebe, das Leben, den Tod,Schuld und Vergebung.Die eisige norwegische Winterlandschaft, erinnerte mich von den Bildern her, an Tom Tykwers brilliantes Erstlingswerk Winterschläfer.Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel brillieren als Paar, daß durch den Unfall nie zur Ruhe kommen sollte und letztendlich den letzten Schritt gehen.

Als Zuschauer zittert man mit und stellt sich die Frage, was würde man selber tun.Für mich seit langen das beste deutsche Kino, mit einer ungeheuren Wucht, der man sich kaum entziehen kann.Schuld und Sühne wurden in keinem Film so emotional bewegend rübergebracht, wie in Gnade.Von mir bekommt der ruhig, erzählte und mainstreamfreie Film 8/10 und die hat er sich verdient.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

freakualizer

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Das war intensiv!
Herausragende Darsteller, hypnotische Bilder. Top!
Das Deutsche Kino ist noch nicht tot, es zuckt noch!

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Gabster

Kommentar löschen
Bewertung6.0Ganz gut

Etwas langatmiges Schulddrama, getragen von einer fesselnden Hauptdarstellerin. In manchen Szenen etwas zu sehr Abklatsch der dänischen Dogma-Filme, aber das ist zu verkraften. Vor allem gegen Ende zieht der Film mächtig an, nachdem er gefühlt die erste Hälfte nur so vor sich hin dümpelt. Der Schlussakkord trifft genau den richtigen Ton zwischen all den Möglichkeiten von Kitsch bis zu emotionaler Kälte, Optimismus bis Nihilismus, Melodram bis Psychostudie. Keine Frage, der Regisseur kann was. Aufgebauscht wird das ganze von einer Handvoll Nebenhandlungen, die teilweise sehr stimmig, teilweise aber auch sehr störend sind. Alles in allem durchaus weiterzuempfehlen.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

marcowski

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Unfassbar bewegender Film, getragen von meisterlichen Schauspielern, dessen intensive charakterliche Wandlungen zu jeder Zeit glaubhaft und nachvollziehbar und dennoch nie wirklich vorhersehbar sind.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Filmfreak21

Kommentar löschen
Bewertung3.5Schwach

Ganz schwaches Werk. Obwohl ich die zwei Schauspieler sehr mag, wurde ich schon von Anfang an enttäuscht. Die Charaktäre entwickeln für mich keine Empathie und lassen einen kalt. Liegt wohl am gruseligen Drehbuch was hier so einiges ruinierte. Die Story und Geschichte hätte weitaus mehr ausholen können. Jedoch entwickelt sich alles sehr langatmig. Der Film versucht zu minimalistisch zu sein, jedoch muss dann jeder Dialog sitzen um den Film die richtige Würze zu verleihen. Ich hatte leider keine Gnade mit dem Film. Er fiel bei mir glatt durch. Aber sowas von glatt!

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

frink

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Kalt und dunkel ist es am nördlichen Rande der Welt.
Kalt und dunkel ist es die meiste Zeit in "Gnade".
Kalt und dunkel, so scheint die Gefühlswelt der Protagonisten.

Ein furchtbares Ereignis erschüttert die Beziehung einer kleinen Familie. Manchmal, haben solche Beben auf Betroffene aber unterschiedliche Wirkungen. Zerstörend für die einen, heilsam im Zeitverlauf für die anderen. "Gnade" zeigt dank hervorragendem Schauspiel der Akteure äußerst authentisch die Facetten eines solchen Bebens, ohne zu übertreiben, ohne zu dick aufzutragen. In aller Stille.
Dabei verliert sich der Film leider hin und wieder in seiner Stille, verliert kleinere Handlungsstränge aus den Augen, zeigt unter Umständen zu wenig, um bei mir persönlich die ganz große Beklemmung auszulösen, die vielleicht intendiert war. Unterbrochen wird diese Stille aber immer wieder durch großartige Szenen, wunderschöne Aufnahmen und das, wie bereits erwähnt, erstklassige Schauspiel. Das etwas zu lasche Ende verhindert den ganz großen Sprung. So reicht es aber noch gerade so zu einem knappen "sehenswert".

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Laserdance

Kommentar löschen
Bewertung1.5Ärgerlich

Für die einen Kunst für andere Wertlos. Also ich fand den Film einfach nur stink langweilig. Das ganze hätte man auf 30 Minuten zusammenkürzen können, wäre nix verloren.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

MrDepad

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

"Gnade" ist ein recht schönes Beispiel, dass es auch noch gute Filme aus unserem Land zu sehen gibt.
Niels, toll gespielt von Jürgen Vogel, zieht mit seiner Frau und seinem Sohn nach Norwegen, wo er eine Festanstellung als Ingenieur bekommen hat. In der Ehe kriselt es und Niels nutzt die Gelegenheit, um sich direkt in eine Affäre zu stürzen, während seine Frau teilweise Doppelschichten im Krankenhaus arbeitet. Doch eines Tages ereignet sich ein schrecklicher Vorfall, durch den das Leben von beiden in ihren Grundfesten durcheinander gebracht wird.
Regisseur Matthias Glasner drehte dieses Drama im norwegischen Hammerfest im Winter während der Zeit der Polarnacht. In diesem Zeitraum scheint die Sonne für ganze 8 Wochen nicht. Dieses Setting erzeugt schon eine ziemlich bedrückende Atmosphäre, in der Glasner dann noch mutig zwei auf den ersten Blick unsympathische Hauptfiguren platziert. Vor allem Jürgen Vogel gelingt es sehr gut, dass man den von ihm gespielten Niels nicht wirklich leiden kann. Er vernachlässigt seine Frau, stürzt sich in eine Affäre und macht sich nicht mal die Mühe, die norwegische Sprache zu erlernen, weshalb er nach 6 Monaten Aufenthaltszeit nur einige Wörter sprechen kann. Seine Frau Maria, ebenfalls klasse gespielt von Birgit Minichmayr, ist zwar eindeutig in der Position der Leidtragenden, ist allerdings auch nicht frei von moralischen Fragwürdigkeiten.
Das schicksalhafte Ereignis, was dann nach der Einführung folgt, sorgt dafür, dass sich die beiden Eheleute mit grundsätzlichen Fragen nach Schuld, Gnade und Moral auseinandersetzen müssen. Der Film hat dabei im Mittelteil leider einen kleinen Durchhänger, wo er ein wenig auf der Stelle tritt, bietet aber insgesamt einige wirklich intensive und eindringliche Momente, die vor allem durch die tollen Darsteller getragen werden. Das Ende ist dann durchaus polarisierend und sorgt für Diskussionsstoff, mir persönlich hat es leider nicht wirklich gefallen.
"Gnade" ist ein intensives Drama, nicht frei von Längen und Schwächen, dafür aber hervorragend bebildert und gespielt.

bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

mondauge

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Die Einführung der Charaktäre findet sehr genau statt, damit man später im Beziehungsgefüge nicht den Überblick verliert und man sich besser in ihre Welt und ihre Motive einfühlen kann. Es wird sich zeigen, dass jeder der drei Familienmitglieder eine Leiche im Keller haben wird. Die einen Menschen können damit Leben, die anderen plagt das Gewissen. Wie werden sich die drei entscheiden?

Die Hauptkatastrophe bahnt sich ziehmlich gemächlich an aber man spürt kurz vorher den Zeitpunkt nahen, wann es passieren wird an dem das Mädchen überfahren wird. Zunächst erfolgt der Schock, das Kleinreden und die Flucht vor der Wahrheit, danach setzen Ungewissheit und Zweifel ein, es erfolgt Gewissheit, Versuche der Verdrängung und dann das lange Verharren in Gewissenskonflikten und plagenden Schuldgefühlen.

Man hat Zeit zum mitdenken und zum mitfühlen. Um die schon gemächliche Fahrt herauszunehmen singt immer wieder der Chor in accapella nordische Weisen, die sich geradezu mit kontemplativer Wirkung in den Film einfügen. Es ist wunderschön dem dem beruhigenden Gesang zuzuhören und dabei die endlos karge kalten und schneeweißen Landschaft zu sehen.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

_Martin_

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein leiser, einfühlsamer Film, der seine Figuren in das Zentrum stellt, die überdies brilliant gespielt werden.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

annaberlin

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Unterschätzt ohne Ende - Gnade gehört zu den beeindruckendsten deutschen Filmen der letzten Zeit. Der Plot fesselt, die Landschaft ebenso, Vogel&Minichmayr harmonieren. Absolut sehenswert, aber beklemmend.

bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

AgentGuhl86

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Genauso kurz wie der Titel, lässt sich der Film "Gnade" ebenso kurz auf den Punkt gebracht beschreiben: beklemmend. Es ist dieses Gefühl, das man hat, wenn man einen Fehler begeht und man sich auf der Grenze zwischen Verschweigen und Gestehen befindet. Es ist das Gefühl, was sich bei einem einschleicht, wenn man stets und ständig in Gedanken darüber ist, wie die Umgebung reagieren könnte, nachdem man Fehler eingestanden hat. Die Geschichte um die Frau, die ein Mädchen überfährt ist ein dramatisches Beispiel für ebendieses beklemmende Gefühl. Es ist etwas, das man irgendwie nachempfinden kann ohne sich im Klaren zu sein, wie man selbst mit dieser Situation umgehen würde.
Während des Films gibt es kaum musikalische Begleitung, was den einzelnen Ton sehr intensiv erscheinen lässt. Meiner Meinung nach ein sehr guter Ansatz, der die Anspannung der Protagonisten gut in den Kinosaal bzw. ins Wohnzimmer projeziert. "Gnade" ist wahrlich kein Werk, das man sich eben mal ansieht. Es bleibt im Kopf, schon lange nachdem der Abspann gelaufen ist. Es beschäftigt und erfüllt damit neben der Unterhaltung eine zweite wichtige Funktion des Mediums Film. 9 Punkte für eine großartige deutsch-norwegische Koproduktion.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Indigomiau

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Gnade" ist so ein Film, der einen auch nach dem Kinobesuch noch beschäftigt. Er gefällt mir auch sehr gut, nur das Ende, das hat irgendwie nicht so richtig reingehauen. Eigentlich war es sogar sehr enttäuschend. Das Verhalten der Eltern des verstorbenen Mädchens auf Marias spätes Geständnis hin, hätte ich mir doch wirklich anders vorgestellt. Schade...es wäre durchaus noch mehr drin gewesen, zumal Jürgen Vogel in dieser Rolle einen ziemlich guten Job macht.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

fleeting

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Yes! Der deutschsprachige Film ist wieder da! Nach "Halt auf freier Strecke" und "Die Wand" nun schon das dritte beeindruckende Werk in nur zwei Jahren! Das kann sich wahrlich sehen lassen! (Nicht, dass mir deutschsprachige Filme irgendwie mehr als andere am Herzen lägen. Man muss ja nicht mitmachen bei all dieser Deutschtümelei. Die Entzückung beruht in diesem Fall eher auf einer denkbar niedrigen Erwartung als auf dem Wunsch nach einem "Platz an der Sonne". Nur, damit wir das auch mal noch geklärt hätten.)
"Gnade" ist vor allem deshalb so beeindruckend, weil er aus einer relativ einfachen Handlung eine komplexe Geschichte mit hochphilosophischen Fragen macht. Und das ohne dabei irgendwie verkopft oder erzwungen intellektuell daherzukommen. Er stellt schwierige Fragen ohne eindeutige Antworten zu geben. Und er überzeugt sowohl in seinen Bildern als auch durch seine Schauspieler_innen. Nicht zuletzt erzeugt er eine permanente, fast schon quälende Spannung, die manchmal kaum auszuhalten ist. "Gnade" ist an keinem einzigen Punkt auch nur ansatzweise vorhersehbar. Das macht ihn zu einem außergewöhnlich starken Film, in dem alles, einfach alles zusammenpasst... Wäre da bloß nicht diese grauenhafte Inszenierung des iPhones am Ende... Ein großartiger Film endet mit einer kommerziellen Werbeästhetik und verkommt zur plumpen Verkaufsveranstaltung... Wer UM HIMMELS WILLEN hat sich das denn ausgedacht?!?!

bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

zmpfl

Antwort löschen

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß sich der Regiesseur Gedanken gemacht wg der eventuellen Werbewirkung der letzten Einstellung.
Der Sohn hatte das iPhone im Film auch benutzt und damit sollte nochmal verdeutlicht werden, daß die abschließenden Szenen eben damit aufgenommen wurden. Wahrscheinlich kam der Gedanke gar nicht auf, dass das jetzt Werbung sein könnte. Oder es war unwichtig.


fleeting

Antwort löschen

Ich denke, da hast du recht. Trotzdem fand ich es irgendwie unpassend. Hätte mir ein anderes Abschlussbild gewünscht.


Janus Winter

Kommentar löschen
Bewertung6.5Ganz gut

Ich bin nicht so ganz überzeugt. Das Ende ist schon eine ziemliche Enttäuschung. Da löst sich so viel Spannung plötzlich in Wohlgefallen auf. Während man selbst, als unbeteiligter Zuschauer, noch mit den vielen Konflikten hadert, die sich hier aufgetan haben, kommt der polare Sommer und überall wo man hinsieht, Liebe und Frieden und so... geht das doch nicht! Da erzählt uns GNADE von einem offensichtlich sadistischen Jungen, der in seiner Freizeit mit der Waffe des Vaters Tiere erschießt. Die Vorgeschichte eines anderen Dramas, das klanglos im Nichts endet. So wie die vielen anderen, die uns um die Ohren und Augen fliegen. So wie der Schnee, der atemberaubende Landschaften schafft, ohne dass etwas damit gemeint ist. Es ist einfach da.
Scheiß Drehbuch, alles andere stimmt eigentlich. Schade drum.

Bunnyfaktor: 3

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

bobo-lemon

Antwort löschen

Lieber Sigmund, diese "komplexen philosophischen Dimensionen" konnte ich bei GNADE in dieser Deutlichkeit nicht entdecken. Ich hätte sie mir gewünscht! Aber alles, was GNADE in dieser Hinsicht zu bieten hatte, spielte sich auf seichter und eher theologischer Ebene ab. Wobei für mich der Akt der Vergebung auch aus säkularer Sicht einen unerlässlichen Wert darstellt. Klar, der Film hat so auch eine starke und positive Botschaft, geht mir aber zu sehr an der Realität vorbei.


Sigmund

Antwort löschen

@bobo:
Ist schon über ein halbes Jahr her dass ich den Film sah – weshalb ich die Details für eine punktgenaue Argumentation leider nicht mehr präsent genug habe.
Aber ich unterscheide generell nicht ob etwas einen theologischen oder welchen Überbau auch immer hat – sondern, sagen wir mal, mir geht es vor allem um seelisch-psychologische und künstlerische Stimmigkeit.
Wenn ich dagegen irgendwo ein bürgerliches Moralisieren oder akademische Verkopftheit oder sonstwelche Schubladerei wittere, bin ich eigentlich sehr empfindlich. War hier aber durchweg begeistert von den äußerst ambivalenten, freigeistig klugen und dabei immer nachvollziehbaren Entwicklungen.
Am liebsten würde ich sowas natürlich diskutieren während man den Film vor sich hat und schön anhalten und notfalls zurückspulen kann. Sollten wir eines Tages vielleicht mal ins Auge fassen :)
Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir doch mal vor, mit KlapTrap einen zu heben... Hätte sich der Hasenfuß nicht dünne gemacht! :P


bobo-lemon

Kommentar löschen
Bewertung7.0Sehenswert

Leider kann ich über den Film nichts schreiben ohne auf ein paar Aspekte der Handlung einzugehen. Wer sich den Film also noch unvoreingenommen ansehen möchte, dem sei hier von der weiteren Lektüre abgeraten.

GNADE war für mich in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Das Drama in atemberaubender nordischer Kulisse zeichnet sich durch einen extrem hohen Grad an Realismus aus, den ich so schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Schauspieler und die Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben und auch das etwas abgegriffene Thema wird ohne aufgesetztes Pathos angegangen. Dennoch: Einer höheren Punktevergabe stand leider der Verlauf der Handlung im Wege.

(An dieser Stelle nochmals eine Warnung - jetzt geht's ins Detail!)

Dass in der 3-köpfigen Familie bis zur Mitte des Films dann jeder sein Päckchen zu tragen hat, war mir etwas too much. Sicher, Niels chronische Fremdgeherei und die alles überschattende Fahrerflucht von Marie sind für die Geschichte essentiell, aber der Erzählstrang von Sohnemann Markus kam recht bemüht daher. Doch das ist natürlich nicht alles. Am meisten hat es mich entäuscht, dass quasi alle drei am Ende das "Richtige" tun. Das war mir nach dem anfänglich goutierten Realismus zu brav und wirkte aufgesetzt moralisch. Und den schwersten Fehler begeht das Drehbuch an der Stelle, an der Niels seine Frau dazu überredet, sich den Eltern des getöteten Mädchens als die Schuldige zu offenbaren. Marie war bis zu dieser Szene der für mich interessanteste Charakter, denn sie schien mit ihrer Lüge und dem Geheimnis zwischen sich und ihrem Mann sehr gut leben zu können. War der Film bis dahin angenehm dialogarm, konnte ich es nicht fassen, dass man an dieser Stelle darauf verzichtet, den Zuschauer am Gespräch der Beiden teilhaben zu lassen. Ich empfand das als etwas feigen Kunstgriff um den Film zum versöhnlichen Ende zu bringen, das mir leider wie ein etwas einfältiger, moralischer Wink mit dem Zaunpfahl daher kam. Handelten die Figuren etwa anfänglich nicht egoistisch? Wie ist das mit dem schlechten Gewissen? Beruht denn der befreiende Akt der "Beichte" und der damit errungenen Vergebung nicht ebenso auf egoistischer Motivation? Diese Antwort bleibt einem GNADE leider schuldig. Moral und Ethik sind eben nicht so eindimensional wie sie uns gerne verkauft werden.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Thomas479

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es ist kalt in Norwegen. Hammerfest ist eine der nördlichsten Städte der Welt. Genau hierhin zieht es Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmeyr) mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange). Was die Familie in den Norden zieht, wird nur angedeutet, der Zuschauer ahnt es aber bald: es soll eine Art Neuanfang werden. Die Familie lebt sich auch recht schnell in der neuen Umgebung ein, doch glück-lich scheint keiner wirklich zu sein. Niels beginnt (mal wieder) eine Affäre, Maria arbeitet fast rundum die Uhr im Hospiz und der Sohn schottet sich sowohl von Familie als auch von den Mitschülern wei-testgehend ab. Eines Nachts auf dem Nachhauseweg von der Arbeit ist Maria einen Moment unauf-merksam und fährt etwas an. Panisch flüchtet sie nach Hause in die Arme ihres Mannes und erzählt diesem von dem Vorfall. Erst Tage später wird tragische Gewissheit, was in dieser Nacht passiert ist.

Das eine junge Familie alles hinter sich lässt und ans Ende der Welt zieht, ist trotz aller Andeutungen schwer nachzuvollziehen. Doch die Dramaturgie wollte es so und so sollte man es akzeptieren. Der Zuschauer braucht viel Geduld und Sitzfleisch. Es gibt viele lange Einstellungen, in denen kaum ein Wort gesagt wird, es gibt aber auch viele lange Einstellungen mit langen Dialogen. Es gibt auf der anderen Seite lange, grandiose Kamerafahrten über das schneebedeckte Land. Regisseur Matthias Glasner, der zuletzt das großartige und vor allem mutige Projekt „Die kommenden Tage“ ins Kino brachte, das leider komplett unterging, macht es auch diesmal dem Publikum nicht einfach. Unwillkür-lich wird man sich mehrmals fragen, wie hätte ich in der Situation reagiert?

Bis zu der Szene mit dem Unfall, hat Glasner das Innenleben der Familie bereits deutlich offengelegt. Was anschließend kommt ist für den Zuschauer noch schwerer zu ertragen. Wie unter einem Mikro-skop wird jede einzelne Gefühlsregung, jede Emotion seziert. Dabei gibt es keinen Sympathieträger. Niels und Maria tun alles dafür, dass der Zuschauer sich entsetzt abwendet. Das ändert sich erst spät. Niels und Maria teilen sich nicht nur ein schreckliches Geheimnis, sie finden dadurch auch wieder näher zusammen. Es gibt einen kleinen zusätzlichen Handlungsstrang um den Sohn, der zwar gut gemeint ist, irgendwie aber ins Leere läuft.

Über das Ende wurde viel diskutiert, von grandios bis trivial war die Rede. Jeder sollte sich selbst ein Urteil bilden. Es ist auf jeden Fall mutig, in mancherlei Hinsicht utopisch und fügt sich doch perfekt in den gesamten Film ein. Es bleiben einige Fragen offen. Die wichtigste Frage muss aber jede Zu-schauerin und jeder Zuschauer selbst beantworten: hätte sie, hätte er Gnade walten lassen?

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

homeaffairs

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Auch dieser Film zeigt wieder die unglaubliche Kraft des Teams Glasner und Vogel und macht für mich nun endgültig Matthias Glasner zum zur Zeit besten deutschen Regisseur. Nachdem Glasners und Vogels gemeinsam produzierte Werke "Der freie Wille" und "This is Love" schon durch unglaublich packende Geschichten, ein fantastisches Schauspielensemble, tolle Bilder und das richtige Gespür für Erzählgeschwindigkeit & -stimmung überzeugen konnten, wird diesmal nicht selber produziert, dennoch aber auf das bewährte Regie-Schauspieler-Team gesetzt.
Das Resultat ist ein Film, der einen unmittelbar anpackt, ein Film der leise und dennoch eindringlich zu erzählen weiß, ein Film, der einfach die richtigen Töne trifft und in seiner Gesamtheit überzeugt. Man kann nur hoffen, dass dieses Gespann noch viele weitere Werke zusammen realisieren wird...

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Elman Smithee

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Tolle Schauspieler vor noch tollerer Kulisse. Mein nächster Winterurlaub in Hammerfest ist gebucht!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Fans dieses Films mögen auch