Gnade

Gnade (2012), DE/NO Laufzeit 132 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 18.10.2012

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6.4
Kritiker
19 Bewertungen
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7.0
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187 Bewertungen
38 Kommentare
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von Matthias Glasner, mit Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel

Maria und Niels sind Auswanderer im winterlichen Norwegen und teilen ein düsteres Geheimnis, was sie auf einen Weg zwischen Schuld und Erlösung führt.

Um eine leitende Stelle in einer Gasverflüssigungsanlage anzutreten, zieht Ingenieur Niels (Jürgen Vogel) mit seiner Frau Maria (Birgit Minichmayr) und seinem Sohn Markus (Henry Stange) nach Hammerfest. In Norwegens kalter Eiswüste will die Familie einen Neuanfang beginnen. Doch der startet schlecht. Niels beginnt eine Affaire mit einer Arbeitskollegin, Markus hat Probleme in seiner neuen Schule und Maria kann ihre Beziehung zu Niels scheinbar nicht retten. Stattdessen flüchtet sie sich in ihre Arbeit als Krankenschwester, macht Überstunden und rettet Leben.

Als sie eines Nachts nach Hause fährt und von den faszinierenden Nordlichtern abgelenkt wird überfährt sie etwas. Geschockt und überzeugt, dass es nur ein Hund gewesen sein kann, begeht sie Fahrerflucht. Um sich zu vergewissern schickt sie Niels noch einmal an den Ort des Geschehens, der in der Dunkelheit keine Spuren ausfinding machen kann. Doch als sie in den nächsten Tagen erfahren, dass ein 16-jähriges Mädchen gestorben ist, wird das Paar von Schuldgefühlen geplagt, die ihre Beziehung in eine ungeahnte Bahn lenken.

Hintergrund & Infos zu Gnade
Regisseur Matthias Glasner (Die kommenden Tage) präsentierte den Film Gnade auf der 62. Berlinale und wurde für den Goldenen Bären nominiert. Die Deutschlandpremiere fand am 15. Oktober in Berlin im Kino International statt, die Stars, sowie Regisseur und Autor waren anwesend.

Birgit Minichmayr hat für Gnade Norwegisch gelernt und besuchte ein Sterbehospiz, um ihre Rolle besser zu verstehen und sich vorbereiten zu können. Gnade ist die erneute Zusammenarbeit von Jürgen Vogel und Matthias Glasner, der Film ‘Der freie Wille’ war bereits vor sechs Jahren im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Damals schockierte Jügen Vogel das Publikum als brutaler Vergewaltiger. In einem Intervie betonte der Schauspieler diesmal, wie sehr ihm die Dreharbeiten zu Gande gefielen, selbste möchte er jedoch nicht im kalten und dunklen Norwegen leben. (LB)

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Cast & Crew


Kritiken (17) — Film: Gnade

SoulReaver: CinemaForever

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8.0Ausgezeichnet

[...] Wer nun als Betrachter nicht mit der reflektierten Auffassung arbeitet, wie Glasner es getan hat, der könnte die These aufstellen, der Film würde sich im Schlussakkord in einem naiven Optimismus verrennen. Nur ist Glasners Intention die Kehrtwendung von einem solchen Pseudo-Happy-End, und obgleich der Sommertanz von Hammerfest das Ende einleitet, wirklichen Frieden wird keine der beteiligten Personen jemals wieder erfahren dürften, denn die selbstverschuldeten Narben werden ihre Seele Zeit ihres Leben zieren, egal wie krampfhaft Vergangenes verdrängt werden möchte. Wer einmal um Vergebung gefleht hat in seinem Leben, der weiß, wie exakt Glasner hier formuliert. [...]

Kritik im Original 24 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten

Andy Dufresne

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Sehr schöner Kommentar!


SoulReaver

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Danke!


Movienerd: Movienerd.de Movienerd: Movienerd.de

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3.5Schwach

Bevor Matthias Glasner in Gnade tatsächlich so etwas wie eine thematische Kontroverse heraufbeschwört, quält der Film den Zuschauer mit eindimensionalen Charakteren, oberflächlichen und offensichtlichen Konflikten sowie einer Inszenierung, die außer einer übertriebenen Betonung der thematischen Motive nur wenig zu bieten hat. [...]

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Jan Schulz-Ojala: der Tagesspiegel Jan Schulz-Ojala: der Tagesspiegel

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8.0Ausgezeichnet

Tatsächlich reizt Gnade eine fundamentale moralische Frage extrem aus, und nur wer in Sachen Gnade grundsätzlich allein Gott oder die weltliche Justiz für zuständig hält, dürfte angesichts der seelischen Summe dieses Films erschütternd unerschüttert nach Hause gehen. Filme öffnen Welten, und sie tun es viel zu selten. Hier aber sehr.

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Peter Uehling: Berliner Zeitung Peter Uehling: Berliner Zeitung

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6.5Ganz gut

Matthias Glasners Filmen mag die intellektuelle Anmut eines Christian Petzold fehlen und auch die tiefe Empathie eines Hans Christian Schmid – mit deren Filmen Barbara und Was bleibt konkurrierte Gnade im Berlinale-Wettbewerb dieses Jahres. Was das Gewicht seiner ethischen Fragestellungen angeht, ist Gnade jedoch im deutschen Film ohne Vergleich.

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alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...

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8.0Ausgezeichnet

[...] Wenn sich hier eines erweist, dann die Souveränität zwischenmenschlicher Konfliktlösung gegenüber rechtsstaatlichen Mitteln.

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Jörg Schöning

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5.5Geht so

Das Naturschauspiel, das Glasners Film in tollen Totalen einfängt, trägt seinen Teil dazu bei, die verwirrten Seelen aus der Polarnacht an einen Platz in der Mitternachtssonne zu führen.

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Michael Ranze: film-dienst Michael Ranze: film-dienst

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7.5Sehenswert

Bemerkenswert, bei aller Irritierung, ist auch Glasners Mut und Bereitschaft, für seine Geschichte Deutschland zu verlassen, um in der Schneewüste Norwegens, während der zweimonatigen Polarnacht, die durch zahlreiche Lichter im Haus oder auf den Straßen wie ein Jahrmarkt erleuchtet ist, eindringliche Bilder zu finden.

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V. Robrahn: Filmszene.de V. Robrahn: Filmszene.de

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8.0Ausgezeichnet

[...] Mit starken Schauspielern und genauso beeindruckenden [...] Bildern hinterlässt 'Gnade' trotzdem einen tiefen Eindruck, der nach dem Betrachten zweifellos Stoff zum Diskutieren bietet, unter den Haupt-Stichpunkten Schuld, Sühne und Vergebung.

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Ulrike Frick: BR Ulrike Frick: BR

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6.5Ganz gut

Am Schluss von 'Gnade' mag man es kaum fassen: So gewaltig und aufregend kann er sein, der deutsche Film.

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José Garcia: Textezumfilm

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8.0Ausgezeichnet

Die Schwere der Schuld schlägt sich in den grandiosen Aufnahmen der vereisten Winterlandschaft von Kameramann Jakub Bejnarowicz nieder. Sie kontrastieren mit den warmen Farben der Innenszenen, so dass das Zusammenwirken der stark spielenden Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr zusammen mit der metaphorischen Kameraführung eine bemerkenswerte Balance aus kammerspielartigem Melodram und gewaltigen Naturbildern hervorruft. Um die Seelenzustände von Niels und Maria zu verdeutlichen, setzt Regisseur Matthias Glasner eine Distanzierung, eine Brechung ein: Ihr Sohn Markus macht Handy-Aufnahmen von seinen Eltern, die er auf seinem Computer mit dramatischer Musik unterlegt. Im Laufe der Handlung gibt aber auch Markus seine Beobachterposition auf und beginnt, am Leben seiner Familie nicht nur medial, sondern unmittelbar teilzunehmen.

Glasners „Gnade“ macht seinem Titel alle Ehre: Der Film spricht tiefgreifende Fragen der menschlichen Existenz an, insbesondere im Zusammenhang mit einer schweren…

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Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de Günter H. Jekubzik: Filmtabs.de

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7.0Sehenswert

„Gnade“ transportiert viele Themen, viele spannende Aspekte von Schuld, Vergebung und - selbstverständlich - Gnade. Das vermittelt manchmal das Gefühl, er verzettelt sich.

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Claudia Nitsche: Radio Köln Claudia Nitsche: Radio Köln

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6.5Ganz gut

Sicher ist, dass der Betrachter mit 'Gnade' Geduld haben muss. [...] Es stimmt schon, dieses Mal hinkt die Geschichte über längere Strecken, sie humpelt voran, so gar nicht elegant, fast wie das Leben selbst.

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BuzzG: filmfutter.com, kino-zeit.d...

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2.0Ärgerlich

[...]In endlos langen, bedeutungsschwangeren Einstellungen werden menschliche Schwächen, Fehler und Leid thematisiert. Wunden heilen und werden wieder aufgerissen. Doch wohin führt diese Reise, was genau hat der Regisseur hier mit uns vor?[...]„Gnade“ hat mich nicht berührt, inspiriert oder zum Nachdenken angeregt. Er hat mir nicht enden wollendes Elend in einer weiten, schön eingefangenen Landschaft präsentiert. Matthias Glasner bezeichnet in einem Interview seine Wirklichkeit als „destruktiv“. Vielleicht können Zuschauer, die diese Sichtweise teilen, mehr mit seinem Werk anfangen.

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Sigmund

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Nicht enden wollendes Elend? Verstehe ich nicht. Da ist doch eine Menge von der titelgebenden Gnade in dem Film. Erstaunlich viel Hoffnung sogar, angesichts des bitteren Unfalls.
Hier bitte nur Filme bewerten und nicht Interviewstatements von Regisseuren.


BuzzG

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Dann hat die arg unterkühlte Inszenierung vielleicht nur für mich die Hoffnung auf Eis gelegt. Das Interviewstatement habe ich allerdings nicht bewertet.


Cristina Nord: taz Cristina Nord: taz

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4.0Uninteressant

Der Regisseur unterläuft das Harsche des Sujets, indem er allzu schwelgerisch inszeniert. [...] Wie eine Schneewehe begräbt die Ausstattung die existenziellen Fragen unter sich, und die leicht unglücklich geratenen Diaolge tun ein Übriges.

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Julia Stache: Outnow.ch Julia Stache: Outnow.ch

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7.5Sehenswert

Erstaunlicherweise wird jede der Erwartungen grandios unterlaufen. Dabei wird nie nach Gut und Böse unterschieden.

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Chr. Buß: Spiegel Online Chr. Buß: Spiegel Online

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5.0Geht so

Leider beschränkt sich der Regisseur nicht darauf, von der Schuld zu erzählen und von der eigentümlichen Dynamik, die von ihr ausgehen kann. Er will auch noch, dass dem Paar Gnade zuteil wird.

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Sigmund

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Jetzt mal nicht so verkopft hier.


SchnabelPower: filmosophie.com

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8.0Ausgezeichnet

Immer wieder deutet die Geschichte mögliche Auflösungen der Situation an: Wird das Geheimnis ans Licht kommen? Die Schneelandschaft von Norwegen ist ein atemberaubendes Setting für dieses Drama, das sich aber meiner Meinung nach nicht recht entscheiden kann, ob es eine Beziehungskiste oder das Thema Schuld und Sühne ins Zentrum rücken will. So kann die intensive Stimmung leider nicht über die gesamte Laufzeit gerettet werden. Den Buh-Ruf aus dem Publikum habe ich trotzdem nicht verstanden.

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Kommentare (21) — Film: Gnade


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frink

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Bewertung7.0Sehenswert

Kalt und dunkel ist es am nördlichen Rande der Welt.
Kalt und dunkel ist es die meiste Zeit in "Gnade".
Kalt und dunkel, so scheint die Gefühlswelt der Protagonisten.

Ein furchtbares Ereignis erschüttert die Beziehung einer kleinen Familie. Manchmal, haben solche Beben auf Betroffene aber unterschiedliche Wirkungen. Zerstörend für die einen, heilsam im Zeitverlauf für die anderen. "Gnade" zeigt dank hervorragendem Schauspiel der Akteure äußerst authentisch die Facetten eines solchen Bebens, ohne zu übertreiben, ohne zu dick aufzutragen. In aller Stille.
Dabei verliert sich der Film leider hin und wieder in seiner Stille, verliert kleinere Handlungsstränge aus den Augen, zeigt unter Umständen zu wenig, um bei mir persönlich die ganz große Beklemmung auszulösen, die vielleicht intendiert war. Unterbrochen wird diese Stille aber immer wieder durch großartige Szenen, wunderschöne Aufnahmen und das, wie bereits erwähnt, erstklassige Schauspiel. Das etwas zu lasche Ende verhindert den ganz großen Sprung. So reicht es aber noch gerade so zu einem knappen "sehenswert".

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Laserdance

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Bewertung1.5Ärgerlich

Für die einen Kunst für andere Wertlos. Also ich fand den Film einfach nur stink langweilig. Das ganze hätte man auf 30 Minuten zusammenkürzen können, wäre nix verloren.

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MrDepad

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Bewertung7.5Sehenswert

"Gnade" ist ein recht schönes Beispiel, dass es auch noch gute Filme aus unserem Land zu sehen gibt.
Niels, toll gespielt von Jürgen Vogel, zieht mit seiner Frau und seinem Sohn nach Norwegen, wo er eine Festanstellung als Ingenieur bekommen hat. In der Ehe kriselt es und Niels nutzt die Gelegenheit, um sich direkt in eine Affäre zu stürzen, während seine Frau teilweise Doppelschichten im Krankenhaus arbeitet. Doch eines Tages ereignet sich ein schrecklicher Vorfall, durch den das Leben von beiden in ihren Grundfesten durcheinander gebracht wird.
Regisseur Matthias Glasner drehte dieses Drama im norwegischen Hammerfest im Winter während der Zeit der Polarnacht. In diesem Zeitraum scheint die Sonne für ganze 8 Wochen nicht. Dieses Setting erzeugt schon eine ziemlich bedrückende Atmosphäre, in der Glasner dann noch mutig zwei auf den ersten Blick unsympathische Hauptfiguren platziert. Vor allem Jürgen Vogel gelingt es sehr gut, dass man den von ihm gespielten Niels nicht wirklich leiden kann. Er vernachlässigt seine Frau, stürzt sich in eine Affäre und macht sich nicht mal die Mühe, die norwegische Sprache zu erlernen, weshalb er nach 6 Monaten Aufenthaltszeit nur einige Wörter sprechen kann. Seine Frau Maria, ebenfalls klasse gespielt von Birgit Minichmayr, ist zwar eindeutig in der Position der Leidtragenden, ist allerdings auch nicht frei von moralischen Fragwürdigkeiten.
Das schicksalhafte Ereignis, was dann nach der Einführung folgt, sorgt dafür, dass sich die beiden Eheleute mit grundsätzlichen Fragen nach Schuld, Gnade und Moral auseinandersetzen müssen. Der Film hat dabei im Mittelteil leider einen kleinen Durchhänger, wo er ein wenig auf der Stelle tritt, bietet aber insgesamt einige wirklich intensive und eindringliche Momente, die vor allem durch die tollen Darsteller getragen werden. Das Ende ist dann durchaus polarisierend und sorgt für Diskussionsstoff, mir persönlich hat es leider nicht wirklich gefallen.
"Gnade" ist ein intensives Drama, nicht frei von Längen und Schwächen, dafür aber hervorragend bebildert und gespielt.

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mondauge

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Die Einführung der Charaktäre findet sehr genau statt, damit man später im Beziehungsgefüge nicht den Überblick verliert und man sich besser in ihre Welt und ihre Motive einfühlen kann. Es wird sich zeigen, dass jeder der drei Familienmitglieder eine Leiche im Keller haben wird. Die einen Menschen können damit Leben, die anderen plagt das Gewissen. Wie werden sich die drei entscheiden?

Die Hauptkatastrophe bahnt sich ziehmlich gemächlich an aber man spürt kurz vorher den Zeitpunkt nahen, wann es passieren wird an dem das Mädchen überfahren wird. Zunächst erfolgt der Schock, das Kleinreden und die Flucht vor der Wahrheit, danach setzen Ungewissheit und Zweifel ein, es erfolgt Gewissheit, Versuche der Verdrängung und dann das lange Verharren in Gewissenskonflikten und plagenden Schuldgefühlen.

Man hat Zeit zum mitdenken und zum mitfühlen. Um die schon gemächliche Fahrt herauszunehmen singt immer wieder der Chor in accapella nordische Weisen, die sich geradezu mit kontemplativer Wirkung in den Film einfügen. Es ist wunderschön dem dem beruhigenden Gesang zuzuhören und dabei die endlos karge kalten und schneeweißen Landschaft zu sehen.

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_Martin_

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein leiser, einfühlsamer Film, der seine Figuren in das Zentrum stellt, die überdies brilliant gespielt werden.

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annaberlin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Unterschätzt ohne Ende - Gnade gehört zu den beeindruckendsten deutschen Filmen der letzten Zeit. Der Plot fesselt, die Landschaft ebenso, Vogel&Minichmayr harmonieren. Absolut sehenswert, aber beklemmend.

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AgentGuhl86

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Bewertung9.0Herausragend

Genauso kurz wie der Titel, lässt sich der Film "Gnade" ebenso kurz auf den Punkt gebracht beschreiben: beklemmend. Es ist dieses Gefühl, das man hat, wenn man einen Fehler begeht und man sich auf der Grenze zwischen Verschweigen und Gestehen befindet. Es ist das Gefühl, was sich bei einem einschleicht, wenn man stets und ständig in Gedanken darüber ist, wie die Umgebung reagieren könnte, nachdem man Fehler eingestanden hat. Die Geschichte um die Frau, die ein Mädchen überfährt ist ein dramatisches Beispiel für ebendieses beklemmende Gefühl. Es ist etwas, das man irgendwie nachempfinden kann ohne sich im Klaren zu sein, wie man selbst mit dieser Situation umgehen würde.
Während des Films gibt es kaum musikalische Begleitung, was den einzelnen Ton sehr intensiv erscheinen lässt. Meiner Meinung nach ein sehr guter Ansatz, der die Anspannung der Protagonisten gut in den Kinosaal bzw. ins Wohnzimmer projeziert. "Gnade" ist wahrlich kein Werk, das man sich eben mal ansieht. Es bleibt im Kopf, schon lange nachdem der Abspann gelaufen ist. Es beschäftigt und erfüllt damit neben der Unterhaltung eine zweite wichtige Funktion des Mediums Film. 9 Punkte für eine großartige deutsch-norwegische Koproduktion.

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Indigomiau

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Gnade" ist so ein Film, der einen auch nach dem Kinobesuch noch beschäftigt. Er gefällt mir auch sehr gut, nur das Ende, das hat irgendwie nicht so richtig reingehauen. Eigentlich war es sogar sehr enttäuschend. Das Verhalten der Eltern des verstorbenen Mädchens auf Marias spätes Geständnis hin, hätte ich mir doch wirklich anders vorgestellt. Schade...es wäre durchaus noch mehr drin gewesen, zumal Jürgen Vogel in dieser Rolle einen ziemlich guten Job macht.

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fleeting

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Yes! Der deutschsprachige Film ist wieder da! Nach "Halt auf freier Strecke" und "Die Wand" nun schon das dritte beeindruckende Werk in nur zwei Jahren! Das kann sich wahrlich sehen lassen! (Nicht, dass mir deutschsprachige Filme irgendwie mehr als andere am Herzen lägen. Man muss ja nicht mitmachen bei all dieser Deutschtümelei. Die Entzückung beruht in diesem Fall eher auf einer denkbar niedrigen Erwartung als auf dem Wunsch nach einem "Platz an der Sonne". Nur, damit wir das auch mal noch geklärt hätten.)
"Gnade" ist vor allem deshalb so beeindruckend, weil er aus einer relativ einfachen Handlung eine komplexe Geschichte mit hochphilosophischen Fragen macht. Und das ohne dabei irgendwie verkopft oder erzwungen intellektuell daherzukommen. Er stellt schwierige Fragen ohne eindeutige Antworten zu geben. Und er überzeugt sowohl in seinen Bildern als auch durch seine Schauspieler_innen. Nicht zuletzt erzeugt er eine permanente, fast schon quälende Spannung, die manchmal kaum auszuhalten ist. "Gnade" ist an keinem einzigen Punkt auch nur ansatzweise vorhersehbar. Das macht ihn zu einem außergewöhnlich starken Film, in dem alles, einfach alles zusammenpasst... Wäre da bloß nicht diese grauenhafte Inszenierung des iPhones am Ende... Ein großartiger Film endet mit einer kommerziellen Werbeästhetik und verkommt zur plumpen Verkaufsveranstaltung... Wer UM HIMMELS WILLEN hat sich das denn ausgedacht?!?!

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zmpfl

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Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß sich der Regiesseur Gedanken gemacht wg der eventuellen Werbewirkung der letzten Einstellung.
Der Sohn hatte das iPhone im Film auch benutzt und damit sollte nochmal verdeutlicht werden, daß die abschließenden Szenen eben damit aufgenommen wurden. Wahrscheinlich kam der Gedanke gar nicht auf, dass das jetzt Werbung sein könnte. Oder es war unwichtig.


fleeting

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Ich denke, da hast du recht. Trotzdem fand ich es irgendwie unpassend. Hätte mir ein anderes Abschlussbild gewünscht.


Janus Winter

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich bin nicht so ganz überzeugt. Das Ende ist schon eine ziemliche Enttäuschung. Da löst sich so viel Spannung plötzlich in Wohlgefallen auf. Während man selbst, als unbeteiligter Zuschauer, noch mit den vielen Konflikten hadert, die sich hier aufgetan haben, kommt der polare Sommer und überall wo man hinsieht, Liebe und Frieden und so... geht das doch nicht! Da erzählt uns GNADE von einem offensichtlich sadistischen Jungen, der in seiner Freizeit mit der Waffe des Vaters Tiere erschießt. Die Vorgeschichte eines anderen Dramas, das klanglos im Nichts endet. So wie die vielen anderen, die uns um die Ohren und Augen fliegen. So wie der Schnee, der atemberaubende Landschaften schafft, ohne dass etwas damit gemeint ist. Es ist einfach da.
Scheiß Drehbuch, alles andere stimmt eigentlich. Schade drum.

Bunnyfaktor: 3

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bobo-lemon

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Lieber Sigmund, diese "komplexen philosophischen Dimensionen" konnte ich bei GNADE in dieser Deutlichkeit nicht entdecken. Ich hätte sie mir gewünscht! Aber alles, was GNADE in dieser Hinsicht zu bieten hatte, spielte sich auf seichter und eher theologischer Ebene ab. Wobei für mich der Akt der Vergebung auch aus säkularer Sicht einen unerlässlichen Wert darstellt. Klar, der Film hat so auch eine starke und positive Botschaft, geht mir aber zu sehr an der Realität vorbei.


Sigmund

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@bobo:
Ist schon über ein halbes Jahr her dass ich den Film sah – weshalb ich die Details für eine punktgenaue Argumentation leider nicht mehr präsent genug habe.
Aber ich unterscheide generell nicht ob etwas einen theologischen oder welchen Überbau auch immer hat – sondern, sagen wir mal, mir geht es vor allem um seelisch-psychologische und künstlerische Stimmigkeit.
Wenn ich dagegen irgendwo ein bürgerliches Moralisieren oder akademische Verkopftheit oder sonstwelche Schubladerei wittere, bin ich eigentlich sehr empfindlich. War hier aber durchweg begeistert von den äußerst ambivalenten, freigeistig klugen und dabei immer nachvollziehbaren Entwicklungen.
Am liebsten würde ich sowas natürlich diskutieren während man den Film vor sich hat und schön anhalten und notfalls zurückspulen kann. Sollten wir eines Tages vielleicht mal ins Auge fassen :)
Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir doch mal vor, mit KlapTrap einen zu heben... Hätte sich der Hasenfuß nicht dünne gemacht! :P


bobo-lemon

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Bewertung7.0Sehenswert

Leider kann ich über den Film nichts schreiben ohne auf ein paar Aspekte der Handlung einzugehen. Wer sich den Film also noch unvoreingenommen ansehen möchte, dem sei hier von der weiteren Lektüre abgeraten.

GNADE war für mich in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Das Drama in atemberaubender nordischer Kulisse zeichnet sich durch einen extrem hohen Grad an Realismus aus, den ich so schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Schauspieler und die Inszenierung sind über jeden Zweifel erhaben und auch das etwas abgegriffene Thema wird ohne aufgesetztes Pathos angegangen. Dennoch: Einer höheren Punktevergabe stand leider der Verlauf der Handlung im Wege.

(An dieser Stelle nochmals eine Warnung - jetzt geht's ins Detail!)

Dass in der 3-köpfigen Familie bis zur Mitte des Films dann jeder sein Päckchen zu tragen hat, war mir etwas too much. Sicher, Niels chronische Fremdgeherei und die alles überschattende Fahrerflucht von Marie sind für die Geschichte essentiell, aber der Erzählstrang von Sohnemann Markus kam recht bemüht daher. Doch das ist natürlich nicht alles. Am meisten hat es mich entäuscht, dass quasi alle drei am Ende das "Richtige" tun. Das war mir nach dem anfänglich goutierten Realismus zu brav und wirkte aufgesetzt moralisch. Und den schwersten Fehler begeht das Drehbuch an der Stelle, an der Niels seine Frau dazu überredet, sich den Eltern des getöteten Mädchens als die Schuldige zu offenbaren. Marie war bis zu dieser Szene der für mich interessanteste Charakter, denn sie schien mit ihrer Lüge und dem Geheimnis zwischen sich und ihrem Mann sehr gut leben zu können. War der Film bis dahin angenehm dialogarm, konnte ich es nicht fassen, dass man an dieser Stelle darauf verzichtet, den Zuschauer am Gespräch der Beiden teilhaben zu lassen. Ich empfand das als etwas feigen Kunstgriff um den Film zum versöhnlichen Ende zu bringen, das mir leider wie ein etwas einfältiger, moralischer Wink mit dem Zaunpfahl daher kam. Handelten die Figuren etwa anfänglich nicht egoistisch? Wie ist das mit dem schlechten Gewissen? Beruht denn der befreiende Akt der "Beichte" und der damit errungenen Vergebung nicht ebenso auf egoistischer Motivation? Diese Antwort bleibt einem GNADE leider schuldig. Moral und Ethik sind eben nicht so eindimensional wie sie uns gerne verkauft werden.

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Thomas479

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es ist kalt in Norwegen. Hammerfest ist eine der nördlichsten Städte der Welt. Genau hierhin zieht es Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmeyr) mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange). Was die Familie in den Norden zieht, wird nur angedeutet, der Zuschauer ahnt es aber bald: es soll eine Art Neuanfang werden. Die Familie lebt sich auch recht schnell in der neuen Umgebung ein, doch glück-lich scheint keiner wirklich zu sein. Niels beginnt (mal wieder) eine Affäre, Maria arbeitet fast rundum die Uhr im Hospiz und der Sohn schottet sich sowohl von Familie als auch von den Mitschülern wei-testgehend ab. Eines Nachts auf dem Nachhauseweg von der Arbeit ist Maria einen Moment unauf-merksam und fährt etwas an. Panisch flüchtet sie nach Hause in die Arme ihres Mannes und erzählt diesem von dem Vorfall. Erst Tage später wird tragische Gewissheit, was in dieser Nacht passiert ist.

Das eine junge Familie alles hinter sich lässt und ans Ende der Welt zieht, ist trotz aller Andeutungen schwer nachzuvollziehen. Doch die Dramaturgie wollte es so und so sollte man es akzeptieren. Der Zuschauer braucht viel Geduld und Sitzfleisch. Es gibt viele lange Einstellungen, in denen kaum ein Wort gesagt wird, es gibt aber auch viele lange Einstellungen mit langen Dialogen. Es gibt auf der anderen Seite lange, grandiose Kamerafahrten über das schneebedeckte Land. Regisseur Matthias Glasner, der zuletzt das großartige und vor allem mutige Projekt „Die kommenden Tage“ ins Kino brachte, das leider komplett unterging, macht es auch diesmal dem Publikum nicht einfach. Unwillkür-lich wird man sich mehrmals fragen, wie hätte ich in der Situation reagiert?

Bis zu der Szene mit dem Unfall, hat Glasner das Innenleben der Familie bereits deutlich offengelegt. Was anschließend kommt ist für den Zuschauer noch schwerer zu ertragen. Wie unter einem Mikro-skop wird jede einzelne Gefühlsregung, jede Emotion seziert. Dabei gibt es keinen Sympathieträger. Niels und Maria tun alles dafür, dass der Zuschauer sich entsetzt abwendet. Das ändert sich erst spät. Niels und Maria teilen sich nicht nur ein schreckliches Geheimnis, sie finden dadurch auch wieder näher zusammen. Es gibt einen kleinen zusätzlichen Handlungsstrang um den Sohn, der zwar gut gemeint ist, irgendwie aber ins Leere läuft.

Über das Ende wurde viel diskutiert, von grandios bis trivial war die Rede. Jeder sollte sich selbst ein Urteil bilden. Es ist auf jeden Fall mutig, in mancherlei Hinsicht utopisch und fügt sich doch perfekt in den gesamten Film ein. Es bleiben einige Fragen offen. Die wichtigste Frage muss aber jede Zu-schauerin und jeder Zuschauer selbst beantworten: hätte sie, hätte er Gnade walten lassen?

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homeaffairs

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Bewertung9.5Herausragend

Auch dieser Film zeigt wieder die unglaubliche Kraft des Teams Glasner und Vogel und macht für mich nun endgültig Matthias Glasner zum zur Zeit besten deutschen Regisseur. Nachdem Glasners und Vogels gemeinsam produzierte Werke "Der freie Wille" und "This is Love" schon durch unglaublich packende Geschichten, ein fantastisches Schauspielensemble, tolle Bilder und das richtige Gespür für Erzählgeschwindigkeit & -stimmung überzeugen konnten, wird diesmal nicht selber produziert, dennoch aber auf das bewährte Regie-Schauspieler-Team gesetzt.
Das Resultat ist ein Film, der einen unmittelbar anpackt, ein Film der leise und dennoch eindringlich zu erzählen weiß, ein Film, der einfach die richtigen Töne trifft und in seiner Gesamtheit überzeugt. Man kann nur hoffen, dass dieses Gespann noch viele weitere Werke zusammen realisieren wird...

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Elman Smithee

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Tolle Schauspieler vor noch tollerer Kulisse. Mein nächster Winterurlaub in Hammerfest ist gebucht!

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Ripley1

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

„Ich bin nicht so ein Mensch, der andere tötet. Das bin ich nicht. Das bin ich nicht!“

In einer säkularen Welt von Sündenfall und Gnade zu erzählen, das wagt Matthias Glasner, dessen Mut ich auch schon in „Der freie Wille“ bewundert habe. Mut, weil man sich dabei auch leicht verheben kann und beispielsweise in „Versöhnungskitsch“ abdriften, wie einige Kritiker meinen.

Schuld

Alle drei Protagonisten der deutschen Kleinfamilie machen sich schuldig im norwegischen Hammerfest. Niels verletzt seine Frau durch fortgesetztes Fremdgehen. Markus, der Junge, beteiligt sich am Mobbing eines Außenseiters in der Klasse. Maria, die „gute“ Maria, die im Hospiz aufopferungsvoll Sterbende pflegt, überfährt ein Mädchen aus Unachtsamkeit und verlässt in Panik den Unfallort. Weil das Mädchen stirbt, ist diese Schuld die schwerste, nicht wiedergutzumachende.

Wenn im Kino Schuld verhandelt wird, dann gibt es meist jede Menge Handlung. Nach dem Unrecht / Verbrechen folgt die Aufklärung, die Überführung des Schuldigen, mal als Gerichtsdrama, mal als Selbstjustiz / Vergeltung. Danach ist der Fall „gelöst“. In den besseren Filmen sind die moralischen Verstrickungen etwas komplexer, multiperspektivisch, wirklichkeitsnäher. Grautöne statt Schwarzweiß.

In Glasners Film wird die Schuldfrage ganz nach innen verlagert. Schuld ist eine Frage der (Selbst-) Erkenntnis, des individuellen Gewissens. Es gibt keinen Detektiv, keinen Gesetzeshüter, keinen äußeren Druck. Aber das Schweigen über die Schuld wäre verhängnisvoll für die Familie; sie würde daran zugrunde gehen, wenn das Schweigen sich ausbreitete. Das scheinen die Beteiligten instinktiv zu wissen.

Sühne und Vergebung (ab jetzt Spoiler)

Vergebung kann nur von den Opfern kommen. Markus, der Junge, sucht seinen Klassenkameraden auf und bittet um Entschuldigung. Die wird ihm nicht gewährt, weil die Verletzung beim anderen zu tief sitzt.
Maria und Niels machen sich auf zu den Eltern des getöteten Mädchens und erzählen die ganze Geschichte. Die Eltern sind fassungslos, hilflos. Was sollen sie mit der Beichte anfangen? Das Eingeständnis der Schuld bleibt ohne Konsequenzen.
Niels erzählt Maria von seiner Affäre. Sie vergibt ihm. Ganz einfach. Aus Liebe. Die Beziehung wird wiederhergestellt, ja, vertieft. So etwas ist menschenmöglich.

Sühne ist ein Begriff aus religiösen Kontexten. Man versteht darunter ein Abtragen der Schuld dadurch, dass man ein Opfer, eine Strafe oder eine andere Ausgleichshandlung auf sich nimmt. Ziel ist, das rechte Verhältnis zu Gott wiederzufinden. Im säkularen Kontext gibt es daher keine Sühne. Einige Kritiker bemängeln, dass die Familie im Film nicht büßen muss, ja am Ende sogar belohnt wird, weil sie scheinbar unbeschadet weiterleben darf. Ist das gerecht? Ist das überhaupt möglich? Ist das Drehbuch naiv und will uns mit einem Happy End abspeisen?

Gnade

Gnade ist eigentlich etwas ganz Unerhörtes. Man bekommt sie geschenkt, und zwar von einer höheren Instanz. Ob man sie bekommt, kann man nicht beeinflussen. Wenn aber in einer säkularen Welt eine höhere Instanz (Gott) nicht gegeben ist, was ist dann Gnade? Läuft der Film nicht spätestens am Schluss ins Leere, wenn alle Figuren, die Schuldigen und die Opfer, das Mittsommerfest feiern?

Das Schweigen Gottes

Von Gott keine Spur. Stattdessen schwelgt der Film in grandiosen Landschaftsaufnahmen. Die Schönheit der Bilder ist wirklich ergreifend, aber auch ambivalent. Die Landschaft ist weit und wüst und völlig unberührt von den menschlichen Dramen. Wenn nach der langen Polarnacht das Mittsommerfest folgt, ist das dann nur eine billige Metapher für die geglückte Läuterung?
Bei Kertesz kann man lesen, dass auch in Auschwitz die Sonne schien. Das ist eigentlich unfassbar.

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Sigmund

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So ist es!
Höchst beachtlicher Film, der zu meiner Verblüffung auf der Berlinale komplett leer ausgegangen ist. Vielleicht müssen seine Qualitäten erst eine Weile sacken, bis man sie angemessen würdigen wird?!


fleeting

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Sehr schöner Kommentar zu diesem wundervollen Film! Meinen größten Respekt!


Jenny von T

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Nachdem sich dieses Jahr bereits die Herren Haneke und Pölsler Bestnoten verdient haben, lässt spätestens Matthias Glasners neuester Streich keine Zweifel mehr zu: Deutschsprachige Filmemacher lassen es wieder menscheln und sind eventuell sogar auf dem Weg hin zu einem neuen, modernen Kino-Realismus.
Bereits einmal fiel die Regie-Darsteller Kombo Glasner/Vogel auf fruchtbaren Boden und wem DER FREIE WILLE ein Begriff ist, der ahnt es vielleicht bereits im Vorhinein: Kuschelkurs is' trotzdem nich.
Das Ehepaar Niels und Maria wandert mit Sohn Markus aus ins norwegische Hammerfest. Die neue Heimat hält jedoch Hindernisse bereit: Maria verursacht, als sie eines Abends von der Arbeit nach Hause fährt, einen tragischen Unfall, der sich im Folgenden mannigfaltig auf die Familie auswirkt.
Es wäre töricht zu behaupten, GNADE würde uns ein komplett unbekanntes Grundszenario verkaufen und dennoch handelt es sich um einen enorm weitsichtigen Film, der für meine Begriffe aus der Masse hervorsticht, denn ich halte es für ein beachtliches Wagnis, die Wahrheit so darzustellen, wie sie ist: Mehrdimensional.
Schuld(bewältigung) ist ein heißes thematisches Eisen - ich habe das Gefühl, dass immer, wenn die Filmbranche es anpackt, der Zuschauer am Ende gerne irgendeine Form von Erlösung im Sinne einer Endgültigkeit serviert bekommen möchte, sei es in die eine oder andere Richtung.
GNADE spielt nördlich des Polarkreises. Dort ist es während der Sommerzeit Tag und Nacht hell, im Winter dagegen nur dunkel. Korrespondierend dazu sind wir oft geneigt, in Schwarz/weiß-Dimensionen zu denken. Glasners Film allerdings - und das muss das Publikum erst einmal schlucken - zeigt auf, dass die Realität vermutlich irgendwo dazwischen liegt - eine Realität, die denkende, fühlende, manchmal auch triebhafte und feige Menschen kennt, die aber dennoch über ein Gewissen verfügen, das im Idealfall selbst dann nicht dauerhaft zurücksteckt, wenn der innere Schweinehund groß ist.
Ich habe bereits einige Rezensionen gelesen, die GNADE demzufolge ein eindeutiges Bekenntnis zum Optimismus zuschreiben; dem möchte ich allerdings widersprechen. Ich glaube nicht, dass man sich in diesem Fall auf das titelgebende Substantiv versteifen sollte, vielmehr zeigt der Film lediglich Optionen auf oder stellt vielleicht sogar die Frage, inwieweit Gnade überhaupt existiert beziehungsweise wer (oder was) sie letztendlich inne trägt: Wir selbst, die - wie wir uns gerne einreden - allumfassend Macht über uns und manchmal auch andere ausüben - oder vielleicht doch Zufall oder ein höheres Schicksal, das wir gerade nicht bestimmen, sondern dem wir unterworfen sind?
Zu nachdenklich stimmten mich hier Glasners lange Kamerfahrten auf ewigem Eismeer und endlosen Straßen, deren Ziel ebenso ungewiss scheint wie der Lebensweg eines jeden einzelnen, der ebenso wie der Film stets gleichermaßen Höhen wie Tiefen kennt.
GNADE zeigt Verständnis für allzu menschliches Verhalten, setzt uns aber trotzdem auf die Anklagebank. Urteilsspanne: Freispruch bis "lebenslänglich". Richter: Unbekannt. Revision: Unmöglich.
Der Lichtblick am Horizont: Egal ist unser Handeln keineswegs.
Und doch wissen wir alle: Auch im echten Leben ist Gnade keinesfalls obligatorisch.

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DerDude_

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Klingt gut...


VisitorQ

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Bewertung5.5Geht so

Bis jetzt hat mir alles was ich von Matthias Glassner gesehen habe gefallen. Mir Gnade hatte ich aber so meine Probleme. Wo ich zum Beispiel bei "der freie Wille" jede Minute des langen Filmes förmlich aufgesogen habe, musste ich bei Gnade hart kämpfen. Ich fand die Charaktere erstaunlich schwach (und einige waren in meinen Augen auch einfach unnötig) und auch das Drehbuch konnte mich nicht überzeugen. Hätte der Film nicht einige starke Momente gehabt und ich nicht gewusst hätte, dass es sich um einen Glassner Film handelt, wäre meine Wertung wahrscheinlich noch etwas schlechter ausgefallen. Schade.

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Agentin Erdbeere

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

„Gnade“ bzw. „Mercy“ erweist einem tatsächlich die Gnade, indem er einen freilässt aus seinem Sog der wunderschönen Landschaftsbilder, der kalten Atmosphäre, den ständigen Fragen, was man denn an der Protagonisten Stelle machen sollte, dem Bewusstsein der Schuld und der realistischen Abbildung einer Familie, Alltagsproblemen und kleinen sowie großen „Steinen im Weg“. Norwegens faszinierende Natur steht im Kontrast zu den Hauptfragen, die die Familie, um die es geht, in allen Aspekten ihres Alltags fortan begleitet: Wie stark ist die Schuld? Hilft es mir, wenn ich darüber spreche? Soll ich es denen gestehen, die es unmittelbar betrifft? Wie kann ich die Schuld ertragen? Deshalb wirkt der Titel „Gnade“ wie ein letztes Urteil, wie der richtungsweisende Richterspruch, der am Ende des Films ertönt: „Begnadigt.“ Denn so schwer Schuld auch sein mag und das (schlechte) Gewissen, mit der es einhergeht, muss man letztlich davon ablassen, da es unnötig ist. Nur leider gelingt es den Hauptfiguren des Films nicht, was verständlich ist. Es ist nur menschlich, diese Schuld zu empfinden und man braucht eine gewisse Zeit, damit zurechtzukommen. Ähnlich wie direkt Betroffene (z.B. Traumatisierte) Zeit brauchen, sich damit abzufinden, brauchen die, die Schuld trifft, sofern eine Tat nicht absichtlich verübt wurde, eine ebenso lange Zeit, mit ihrer Schuld abzuschließen. Gnade wird denen gewährt, die zu ihrer Schuld stehen und sie bereuen und darunter leiden.
Der Film zieht einen mit, obschon er nicht mal das ist, was man als spannend bezeichnen würde. Er ist einfach intelligent gemacht und wirkt auf den Zuschauer gleichermaßen mitfühlend wie mitziehend.

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Huni

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Ich find, die Landschaft war gar kein so großer Kontrast. Sie hat die Seelenlandschaft gewissermaßen widergespiegelt.


Oberlaender

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Bewertung5.5Geht so

Langweilig, langsam, trist, vorhersehbar und dick aufgetragen... Wenn man weiß, dass es um das Thema Fahrerflucht geht und den Titel liest, weiß man bereits den Plot und hat keinen Grund mehr den Film zu sehen, außer man steht auf das Leid anderer Menschen, welches Vogel und Dingens sehr gut rüberbringen... Oft allerdings viel zu theatralisch.

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Sigmund

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Bewertung9.0Herausragend

Von den drei deutschen Wettbewerbsbeiträgen auf der 2012er Berlinale hat mich überraschenderweise GNADE am meisten überzeugt.
Ausgerechnet Matthias Glasner, der noch in den 90ern prätentiöse Peinlichkeiten wie DIE MEDIOCREN und FANDANGO angeboten hatte und auch in seinem letzten Film THIS IS LOVE so manchen kreissägenartigen Misston produzierte, gelingt hier ein Schulddrama von erstaunlicher Vielschichtigkeit und Tiefe.
Dabei ist der Auslöser der Geschichte, ein Unfall mit Fahrerflucht, ein denkbar häufig erzähltes Motiv mit hoher Klischeegefahr. Doch das meisterliche Drehbuch des Dänen Kim Fupz Aakeson (EN SOAP, EINE FAMILIE) umschifft die abgegriffenen Aspekte des Themas und legt anhand seiner modernen, selbstreflektierten Charaktere neue Dimensionen frei.
Auch die titelgebende Gnade spielt eine interessante Rolle, wenn mehrfach das alte Drehbuchgesetz, das die schlimmstmögliche Wendung fordert, gebrochen wird. Nein, die fast schon christlichen Werte Demut und Dankbarkeit angesichts der vielen Unkontrollierbarkeiten des Lebens, die uns z.B. in Form anderer Menschen schnell mal am Wickel haben – und doch meist vor dem Schrecklichsten verschonen – haben sich mir schon lange nicht mehr so nachhaltig offenbart.
Undramatisch ist der Film trotzdem in keinem Moment. Glasner erzählt unaufgeregt, aber präzise und intensiv – kleinere Regieschnitzer wie die Besetzung eines Mädchens, das ein paar Jahre zu alt ist für ihre Worte „über den Regenbogen gehen“ (als Euphemismus für den Tod), fallen nicht ins Gewicht. Die polare Landschaft und die vielen norwegischen Schauspieler erzeugen eine einzigartige Atmosphäre, und auch Birgit Minichmayr unterstreicht eindringlich, dass ihr grandioses Spiel in ALLE ANDEREN kein Zufall war.

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Sigmund

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Dann bin ich schon mal gespannt auf Deine Einschätzung! Aber sei gewarnt: Der Film entzieht sich einigen Aspekten klassischer Moral auf irritierende Weise – ich halte ihn in dieser Hinsicht für sehr ehrlich und konsequent, andere scheint der Film eher unangenehm angefasst zu haben. Aber recht behalte natürlich ich. :P


Jenny von T

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Dasselbe lässt sich auch über DER FREIE WILLE sagen, und schon da wusste mich das Gespann Glasner/Vogel zu überzeugen. Gerade durch diese beiden Namen bin ich hier erst so richtig hellhörig geworden. Insofern gehe ich einmal tendenziell davon aus, dass wir am Ende - wie so oft - einer Meinung sein werden und uns nicht zoffen brauchen. ;-)



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