Hunger
IE, GB 2008
- Genre
- Gerechtigkeit
- Inhalt
Für die einen ist er ein Held und Märtyrer, für die anderen ein Terrorist oder ein gewöhnlicher Krimineller. Bobby Sands ist 1981 im Alter von 27 Jahren im Maze-Gefängnis in Nordirland verhungert - aus freiem Willen. Mit seinem Tod wollte er die… — Mehr
Für die einen ist er ein Held und Märtyrer, für die anderen ein Terrorist oder ein gewöhnlicher Krimineller. Bobby Sands ist 1981 im Alter von 27 Jahren im Maze-Gefängnis in Nordirland verhungert - aus freiem Willen. Mit seinem Tod wollte er die britische Regierung zur Anerkennung der IRA-Häftlinge als politische Gefangene zwingen. Nacheinander sind ihm noch neun Mithäftlinge in den Hungertod gefolgt. Sands starb am 5. Mai 1981. Fünf Monate später erlaubte die britische Regierung den Gefangenen, Zivilkleidung zu tragen. Auch die meisten übrigen Forderungen wurden in der Folgezeit erfüllt, wenn die IRA-Häftlinge auch nie offiziell als politische Gefangene anerkannt wurden.
- Cast
- Michael Fassbender, Stuart Graham, Helena Bereen, Liam Cunningham, Liam McMahon, Laine Megaw, Brian Milligan — Mehr
- Regisseure
- Steve McQueen
- Autoren
- Steve McQueen, Enda Walsh
- Laufzeit
- 91 Minuten
- Zeit
- 1980er Jahre
- Ort
- Gefängnis, Nordirland
- Handlung
- Gefangener, Gefängnis, Hunger, Hungerstreik
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Kritiker — Sehenswert 7.1
Der Film Hunger wurde von 8 Kritikern bewertet.
Auch wenn der Nordirland-Konflikt heute weitgehend entschärft und aus dem bewaffneten Kampf ein politischer geworden ist (von Verirrungen wie einigen Anschlägen einer Gruppierung mit dem Namen The real IRA einmal abgesehen), fühlt man sich immer wieder auch an die Gegenwart erinnert, an die Foltergefängnisse von Abu Ghraib, an illegale CIA-Lager und an Guantanamo sowie an all die Stätten des Grauens und des Terrors, von deren Existenz wir allenfalls eine vage Vorstellung haben. Insofern ist Hunger nicht nur die höchst stilisierte Rekapitulation eines genau umrissenen historischen Ereignisses, das sich vor gar nicht allzu langer Zeit mitten in Europa zutrug. Der Film ist auch ein Essay über den Körper als Waffe, über Folter, Widerstand und Krieg, über die Bestie Mensch – jederzeit und überall auf der Welt. Und ein Kunstwerk von verstörender Schönheit, Poesie und entsetzlicher Grausamkeit.
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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film
Mit offenen Augen zeigt Steve McQueen, was es heißt, Hungers zu sterben. Mit bloßem Abmagern ist es mitnichten getan. Wir sehen die Wundmale an Sands Körper, wir sehen ihn Blut speien, wir sehen ihn umkippen, wir sehen seine Visionen von auffliegenden Vögeln. Also sehen wir Sands einerseits elend verenden. Gefilmt aber ist das in fast stummer Abfolge von seltsam lichten Sequenzen. Der Film, der nun ganz und gar mit Sands selbst identifiziert ist, verklärt den sterbenden Körper des IRA-Kämpfers. Willig folgt er ihm, in idyllischen Kindheitsvisionen, aus dieser in eine andere Welt.
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Kommentare — Sehenswert 7.0
Der Film Hunger wurde von 96 Mitgliedern bewertet.
dbeutner 2010/02/14 23:21:27
Lorion42' Kommentar bringt im ersten Absatz den Inhalt gut auf den Punkt, das hätte ich sonst fast genauso geschrieben. Und dennoch möchte ich mit dem Film weniger hart ins Gericht gehen. Gerade mit wenigen Tagen Abstand entwickle ich vor dem Film doch einen gewissen Respekt. Vielleicht liegt's aber auch an der Ausgangssituation des Betrachters, was er mit dem Film und seiner sehr eigenen und gegen den Strich gebürsteten Dramaturgie anfangen kann.
Man erfährt so gut wie nichts über den Irland-Konflikt. Wenn man den Film also als irisch-spezifischen Film sehen möchte, sollte man einen guten Grundstock von Basiswissen mitbringen. Verfüge ich nur in Ansätzen drüber. Aber doch so viel, dass ich den Film zumindest einordnen konnte.
Als Knastfilm ist er in seiner Härte und Unnachgiebigkeit wiederum etwas zu überspitzt, um Generalität in Anspruch zu nehmen - so wie die Härte und Unnachgiebigkeit des Irlandkonflikts eben "etwas überspitzt" sind. Dennoch ist das Thema Entmenschlichung von Gefangenen schon gut auf den Punkt gebracht, und das hat natürlich durchaus gewisse aktuelle und vergleichende Züge. Auch wenn die interne Entwicklung und Diskussion zum Hungerstreik nicht thematisiert wird (was ich tatsächlich als Schwachpunkt empfinde, auch wenn der Film sehr bewusst Lücken lässt, geradezu riesige Lücken ihn auszumachen scheinen) - so wird doch der "Alltag" ausreichend beschrieben, um einen solchen Entschluss nachvollziehen zu können - abseits jeder politischen "Verblendung".
Beeindruckend die eingespielten Statements von Margaret Thatcher - die auch ohne den Film schon ausreichend brutal, höhnisch, achundwasweißichalles sind. Aber im Film kommt das dann durchaus besonders dicke.
Kurzum: Der Film hat mich mehr beschäftigt, als ich es zunächst erwartet hätte. Kein Spaß, ganz sicher nicht, extrem gewalttätig - aber tja, darum geht's ja. Wer also ein Faible dafür hat, sich mit Knast, Repression, Entmenschlichung und Widerstand zu beschäftigen, für den ist es schon irgendwo ein MustSee. Ein außergewöhnliches, und vielleicht kein "tolles". Aber ein Film, der sich seinen Standpunkt erspielt.
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Lorion42 2010/02/01 21:45:39
Erst sieht man 45 Minuten in den den fast kein einziges Wort gesprochen wird und die auch mit keinerlei Musik hinterlegt sind, dann ein 25 minütiger Dialog und die letzten 20 Minuten sieht Leid und Schmerzen (wobei der Tod darstellerisch herausragend erzählt wird in einer Traumszene die absolut konträr zum bisher gezeigten ist).
Sehr viel mehr hat der Film nicht zu bieten. Niemand sollte denken, dass er mit diesem Film unterhalten wird. Aber mit dieser Einstellung geht an so einen Film wohl auch niemand heran. Meine Erwartung war, dass mir der Film einen Blick in die Welt von Bobby Sands gewährt. Doch stattdessen habe ich mich gelangweilt. Mir fehlte die Musik. Der Film lässt sich Zeit. Sehr viel stumme Zeit. Ausschweifend werden Details des Gefängnisaltags gezeigt und am Ende bleibt die trübe Erkenntnis, dass man gerade ein Stück Filmkunst betrachtet hat. Ohne dass viel erzählt wird, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen und ohne den Zuschauer auch nur einen klitzekleinen Augenblick unterhalten zu wollen.
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Kill_Diether 2010/01/28 22:03:13
Lange, unter die Haut gehende Kamera-Einstellungen.
Schockartige psychische und physische Gewalt.
Mehr will der Mensch gar nicht sehen. Es reicht die
permanente Bedrohung und die wichtigen Dialoge
dazu. Dadurch wird das Ganze vorstellbar und unerträglich.
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