M - Eine Stadt sucht einen Mörder

M - Eine Stadt sucht einen Mörder (1931), DE Laufzeit 117 Minuten, FSK 16, Kriminalfilm, Thriller, Drama, Kinostart 11.05.1931


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von Fritz Lang, mit Peter Lorre und Gustaf Gründgens

Fritz Lang lässt in ‘M – Eine Stadt sucht einen Mörder’ Peter Lorre als pfeifenden Triebtäter auf die Berliner Kinder der 1930er Jahre los.

Berlin in den 1930er Jahren. Die ganze Stadt spricht von den bestialischen Untaten eines Kindermörders. Die Bevölkerung sieht in jedem Fremden einen Verdächtigen. Trotzdem fällt ein Kind nach dem anderen Hans Beckert (Peter Lorre) zum Opfer. Die Polizei unter dem Kommando von Kommissar Karl Lohmann (Otto Wernicke) steht machtlos einem Phantom gegenüber. Da auch die übrige Verbrecherwelt unter der erhöhten Polizei-Präsenz leidet, schließt sich die Unterwelt der Suche nach dem Mörder mit ihren eigenen Mitteln an. Unter der Leitung des Schränkers (Gustaf Gründgens) wollen sie den Mörder vor ihr eigenes Tribunal stellen, um ihre Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen.

Hintergrund & Infos zu M – eine Stadt sucht einen Mörder
M gehört zu den bekanntesten und wertvollsten Werken der deutschen Filmgeschichte. Nach einigen wegweisenden und aufwendigen Spektakeln wie Die Nibelungen: Siegfried oder dem frühen Science-Fiction-Klassiker Metropolis wollte der gebürtige Wiener Fritz Lang ruhigere Töne anschlagen und sich mehr der Psychologie seiner Filmfiguren widmen. Ein vielversprechender Drehbuchentwurf lag schon lange in der Schublade, und als sich Ende der Zwanziger schlimme Gewaltverbrechen in Deutschland häuften, entwickelte er es mit seiner Frau Thea von Harbou weiter zu dem Stoff über einen triebgesteuerten Kindermörder, den wir heute kennen.

Tatsächlich ging in Europa 1930 der reale Fall des Serienmörders Peter Kürten durch die Zeitungen, der als „Vampir von Düsseldorf“ in die Kriminalgeschichte einging und drei Wochen vor der Premiere des Films hingerichtet wurde. Schlaue Marketingmenschen witterten einen Erfolg und brachten das Werk in Spanien unter dem Titel M – El vampiro de Düsseldorf und in Italien als M – Il mostro di Düsseldorf in die Lichtspielhäuser. Wo der Film eigentlich spielt, ist jedoch nicht zuletzt aufgrund des gesprochenen Dialekts eindeutig: Berlin. Für seinen Film recherchierte der Regisseur ausgiebig. Er ging in Gefängnisse, Psychatrien, und Kontakte zur Berliner Kripo erlaubten es ihm sogar, in die Akten realer Fälle Einsicht zu nehmen.

Für M. – Eine Stadt sucht einen Mörder, nutzte Fritz Lang erstmal den Tonfilm. Viele Regisseure neigten dazu, mit dem aufregenden neuen Stilmittel unüberlegt die alten Vorgehensweisen zu ersetzen. Fritz Lang hingegen ergänzte und verbesserte die in den vorhergegangenen Jahren etablierten Stummfilmtechniken. Lange Passagen der gespenstisch bedrückenden Stille zerreißt jäh ein schriller Soundeffekt – die Wirkung ist heute wie damals ausgesprochen stark. Und bekanntlich wird auch der Mörder anhand des Tons identifiziert. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es letztlich ein blinder Ballonverkäufer ist, der das Pfeifen erkennt, mit dem der wunderbar psychopatisch spielende Peter Lorre seine Schandtaten ankündigt: er pfeift „In der Halle des Bergkönigs“ aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Nebenbei gab es aber auch finanzielle Gründe für den sparsamen Einsatz des Tons. Tobis hatte damals das Monopol auf die junge Technik und verlangte hohe Lizenzgebühren von der Produktionsfirma.

Die 1931 der Zensur-Freigabe vorgelegte Version hatte eine Laufzeit von 117 Minuten. Diese Fassung wurde 1934 von den Nazis verboten. Nach dem 2. Weltkrieg erschien nur noch eine Fassung mit 99 Minuten Länge. Dank sorgfältiger Recherche konnte für eine DVD-Veröffentlichung 2003 eine Fassung arrangiert werden, die mit 108 Minuten dem Original am Nähsten kam – die fehlenden 9 Minuten sind nach wie vor unauffindbar. (DL)

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Kommentare (98) — Film: M - Eine Stadt sucht einen Mörder


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timmoe

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Bewertung6.5Ganz gut

Ordentliche Kriminalgeschichte über die Jagd eines Mörders durch die ganze Stadt. Zeitlos in puncto Thematik, originell in der Machart, dafür aber mit vielen spannungsarmen Szenen.

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littledrummerboy01

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Bewertung9.0Herausragend

"M" übertrifft in meinen Augen sogar noch Langs Utopie-Meisterwerk "Metropolis". Dieser Film ist so kraftvoll, mit einem für die Zeit erstaunlich flotten Tempo, mit toll choreographierten Szenen, hervorragenden Darstellern und dem mit durchdachtesten Einsatz von Ton, den ich jemals erlebt habe. Vielleicht sollte man als Filmemacher wie Fritz Lang starten - ohne Ton, um dann rein visuell großartig erzählen zu können (seine Bildkomposition ist überragend) und dann nur noch emotional mit dem Ton zu ergänzen. Entlarvend benutzt er die Montagetechnik, wenn er Verbrecher und Polizei in verschiedenen Räumen quasi miteinander brainstormen lässt, genauso meisterhaft zeigt er den Tod des Mädchens, vom Schatten über dem Zeitungsartikel, über die Mutter, die nach ihrem Kind sucht, bis hin zu dem Ball, der einsam davon rollt. Hier greift alles ineinander, und gerade die Entscheidung, immer wieder auf Ton zu verzichten, intensiviert an diesen Stellen das Geschehen. Am Ende gibt es dann die große Farce im Kellergericht, in der Lang sogar noch Empathie für den Mörder evozieren kann, genauso wie er es schafft, die anklagende Menge abstoßend erscheinen zu lassen. In diesem Film ist so vieles angelegt, was später großen Einfluss auf das Schaffen von so vielen Regisseuren hat, von einem der ersten Voice-Over Versuche (was wäre Scorsese zum Beispiel ohne seine Erzählerstimmen), über noir-artige Beleuchtung und Charakterisierung, bis hin zu subtilen politischen Tönen und großer Gesellschaftskritik. "M" ist ein äußerst komplettes Meisterwerk, hochintelligent und niemals langweilig. Sollte man unbedingt gesehen haben!

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Rocci

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Bewertung9.0Herausragend

Der Film "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" aus dem Jahr 1931 ist ein wahres filmhistorisches Kunstwerk. Fritz Lang versteht es perfekt in seiner Inszenierung eine bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen, die ausgefüllt ist mit der Hysterie und Nervosität einer ganzen Stadt.
Da ich im Nachfolgenden auch unbedingt auf das interessante Ende eingehen möchte, gilt ab sofort Spoiler-Alarm.

Zu Beginn des Films geht es noch nicht einmal um die Taten an sich, die von einem Kindermörder verübt werden, sondern um die daraus resultierende Angst in der Bevölkerung. Leute werden zu Unrecht beschuldigt, der Kindermörder zu sein, auch wenn sie von einem Kind nur nach der Uhrzeit gefragt werden. Dem Zuschauer erscheint der unbekannte Mörder zunächst nur als Schatten auf einem seiner Fahndungsplakate als er sein nächstes Opfer anspricht: "Du hast aber einen schönen Ball."Das Grauen bleibt gesichtslos. Doch die Schlinge zieht sich immer weiter zu, da sowohl die Polizei als auch die in der Unterwelt agierenden Ringvereine den Druck erhöhen.
Der Ton wird, als eine im Jahr 1931 noch sehr junge Technik, zwar sparsam, aber gekonnt eingesetzt und die Momente absoluter Stille erhöhen die Spannung ungemein.
Fasziniert hat mich die Passage als das nächtliche Krisentreffen von Polizei und Ringvereinen parallel dargestellt werden und die Sprünge zwischen den zwei verschiedenen Handlungsorten unter anderem durch ineinander übergehende Handgesten begleitet werden - herrlich!
Als die Verbrecher der Unterwelt den lang gesuchten Kindermörder in ihrer Gewalt haben, lässt sich dem Film auch ein gesellschaftskritischer Unterton entnehmen. Es kommt zur Selbstjustiz und einem von Verbrechern geführten Prozess in einer alten Schnapsfabrik, weil diese kein Vertrauen in die damalige Rechtssprechung besitzen. Ihrer Meinung nach würde der Täter bei einem echten juristischen Verfahren lediglich in eine psychatrische Anstalt eingeliefert werden und könne dort auch viel zu leicht wieder ausbrechen. Im Angesicht von wohl hunderten Gesichtern, die nichts wollen außer seinen Vergeltungstod, bricht der Mörder Hans Beckert zusammen und offenbart sich und seine Geisteskrankheit. Es erlaubt tiefe Einblicke in die verworrende Psyche eines Mannes der von sich selbst sagt, dass er "das Verfluchte, das Feuer, die Stimme, die Qual" in sich trägt, wodurch er zu seinen Taten getrieben wird. Verkörpert wird er durch Peter Lorre, der genau an diesem Punkt seinen großen Auftritt hat und mit einer unglaublich guten Schauspielleistung den Charakter ausfüllt. Stellte sich sofort Gänsehaut bei mir ein!

Es bleibt festzuhalten, dass Lange ein Werk geschaffen hat, dass eine Menge technischer Raffinesse aufweist und definitiv von einer großen Fortschrittlichkeit geprägt ist. Mithilfe der Gerechtigkeit als Motiv und der detaillierten Charakterzeichnung eines psychisch Kranken wird ein interessantes Gesellschaftsbild aufgezeigt. Als einer der größten deutschen Filme überhaupt, der auch richtungsweisend für die Entwicklung des gesamten Kinos war, zählt dieser Film auf jeden Fall zu den Werken, die man sich unbedingt mindestens ein Mal angesehen haben sollte.

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cj durden

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Bewertung9.0Herausragend

M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist ein absolut grandioser Film! Von der Kamera hin bis zur Soundkulisse alles fügt sich wunderbar zu einem großen Ganzen zusammen, welches den Klassiker-Status absolut verdient. Zwar gab es für mich einige Lacher aufgrund des Alters des Films und des schwarz-weiß Formates (Stichwort: Rotstift), aber selbst darüber lässt es sich locker hinwegsehen. Es ist halt alles ein Produkt seiner Zeit. Die absolute Kirsche auf diesen klassischen Schwarz-Weiß Kuchen ist für mich aber die Performance von Peter Lorre. Besonders in einer Szene gegen Ende des Films zeigt er mit einer Rede, welche voll Verzweiflung und Abgründigkeit gefüllt ist, was für ein Talent der Mann hatte. Ich war einfach bloß atemlos. M ist Pflichtprogramm für jeden Film-Fan und vermag es auch nach 83 Jahren immer noch zu fesseln.

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keko24

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Bewertung9.5Herausragend

"[...]Aber ich kann nicht! Kann mir nicht entkommen! Muss, muss den Weg gehen, den es mich jagt! Muss rennen! Und mit mir rennen die Gespenster von Müttern, Kindern."

***Spoiler Alert***
M! Es geht um einen serienmäßigen Kindermörder der durch seine Triebe, seiner psychologischen Spaltung dazu gezwungen wird. In dem Film geht es um die Suche nach eben diesem. Die zwei Parteien die nach ihm suchen, Polizei und Verbrechernetzwerk arbeiten mit unterschiedlichsten Methoden. Der Kontrast der hierbei entsteht ist einer der Hauptpfeiler für die enorme Spannung die diesen Film trägt. Die Polizei bedient sich "falschen" Methoden wie Lügen, wohingegen das Verbrechernetzwerk auf die Bettler setzt. Ein Pfeifen was den Mörder schlussendlich verrät, die Melodie aus "Hail of the Mountain King" einfach nur genial! Allein für die schauspielerische Leistung beim Geständnis seiner Tat, bei der Beschreibung seines Zwangs, allein dafür gehört Peter Lorre zu meinen absoluten Helden! Die Themen der Unzurechenbarkeit, des Todesurteils werden gut und kontrovers angesprochen und bleiben auf jeden Fall im Gedächtnis hängen. Pluspunkte gab es für den Ton: Das aprupte Einsetzen von schrillen Tönen direkt nach stummen Szenen schafft es die Spannung zu Steigern wie keine der tausenden Actionproduktionen die von Hollywood am Fließband produziert werden.

Fazit: Hervorragend! Ein großes Kunstwerk das jeder Filmliebhaber mal gesehen haben sollte. Ich werde den Film nach einer angemessenen Zeit nochmal schauen und wenn er mich wieder mit diesem Gefühl lässt so werde ich meine Bepunktung noch nach oben wandern lassen.

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Kalleyeti

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Peter Lorre bringt hier sicher eine wenn nicht die beste schauspielerische Leistung der Filmgeschichte ! Das einsetzen von schrillen Tönen nach stummen Szenen -ist das gewollt von Fritz Lang oder liegt das am alter des Filmes das der Ton einfach fehlt ???


Line3105

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Zum aller ersten Mal gesehen gestern. Woahr, nicht übel. Vorallem das Ende. Trotz das der Film schon alt ist, man damals noch nicht die Mittel wie heute hatte und schwarz weiß immer schwierig für uns verwöhnten "Kids von Heute" ist, muss man ehrlich sagen: an Spannung kaum Übertreffbar. Peter Lorre (kannte ich bis dahin zu meiner Schande auch noch nicht!), spielt fabelhaft. Ich mochte dieses theatralisch, überdrehte Eingeständnis seiner Taten.

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christian.hi.77

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Peter Lorre ist ein ganz Großer seiner Zeit gewesen.


Line3105

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Casablanca habe ich gesehen, kann mich aber nicht mehr an Peter Lorre erinnern. (Mein Mann verwies mich auch direkt darauf hin). Ich werde den Film wohl nochmal intensiver anschauen müssen bei Gelegenheit.


Don Cerebro

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Bewertung7.0Sehenswert

Heißer Kandidat für die Rewatch-Liste. Bin da anfangs nicht so wirklich reingekommen wegen der sprunghaften Inszenierung und einiger Längen, allerdings fand ich einige einzelne Aspekte ziemlich beeindruckend in Szene gesetzt: die aufkeimende Paranoia, der Lynchmob, der Prozess und der Täter selbst. Auch die Verfolgung war mit das spannendste, was ich seit langer Zeit gesehen habe

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Don Cerebro

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7 ist immer noch sehr gut. Ich gebe ohnehin nicht viel auf Zahlen und die Aspekte, die du nennst, habe ich auch positiv hervorgehoben. Allerdings habe ich, wie gesagt, etwas gebraucht um ins Geschehen zu finden. Vielleicht lag das nur an meiner damaligen Stimmung und ich bewerte den Film bei der nächsten Sichtung besser. ;)


brucelee76

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Ist schon okay :)


Medardus

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Bewertung9.0Herausragend

Vollkommen zeitloser Überfilm von Lang. Durch den hab ich eine Liebe zu FilmNoir Filmen entwickelt und mich in Peter Lorre verliebt.

Soziologisch sehr interessant aufgebaut und mit seinem Psychogramm des Täters für die damalige Zeit bahnbrechend. Bekomme heutige Filme auch noch nicht hin.

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FilmFan92

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Bewertung9.0Herausragend

Die Deutschen werden wohl eher selten mit hervorragenden Film in Verbindung gebracht. Vorallem in den letzten Jahre spülte die deutsche Kinowelle ziemlich viel Schrott an Land. Ja es gab amüsante, wenn auch nicht gerade innovative, Werke, wie bspw. "Fack ju Göthe", aber so richtige Meisterwerke blieben aus. Daher kann ich die Kritik am deutschen Film irgendwie nachvollziehen. Was die meisten dabei allerdings außer Acht lassen, ist wohl Fritz Lang. Dessen Meisterwerk "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" fügt sich ohne Weiteres in eine Reihe mit Über-Klassikern wie "Citizen Kane" oder "Vertigo" ein. Ein bahnbrechender, visuell überragender Krimi, der neben einer spannenden Geschichte, auch ein großartiges Bild der (damaligen) Gesellschaft zeichnet und nebenbei, Themen wie Paranoia, Lynch-Justiz und Gerechtigkeit abarbeitet.
"Das macht unsere Kinder auch nicht wieder lebendig." Ein Kindermörder treibt in einer nichtgenannten Stadt (Dass es sich hierbei um Berlin handelt, ist wohl hinreichend geklärt) sein Unwesen. Jeder könnte der Täter sein. Jeder verdächtigt Jeden. Menschen werden aus wahllosen, unbegründeten Tatbeschuldigungen verhaftet, doch der Mörder bleibt auf freiem Fuß. Wegen andauernden Razzien und Untersuchungen der Polizei in der Unterwelt, beschließen die Ringvereinige dem Mörder selbst auf die Spuren zu kommen, um der Hysterie in der Stadt ein Ende zu setzen und die ständige Belastung durch die Polizei zu beenden.
Vorallem die überragende Optik und die Verspieltheit von Schnitt und Kamera, die nicht nur vor Innovation strotzt, sondern auch diese erschreckend beklemmende Atmosphäre des Krimis kreiert, macht unfassbar viel Spaß. Trotz der recht frühen Entlarvung des Täters, bleibt "M" immer spannend, vorallem wenn der Untergrund die Verfolgung aufnimmt und dem pfeifenden Mörder dicht auf den Fersen ist.
Mal fängt die Kamera ein Gespräch ein, wobei lediglich die sich bewegenden Schatten der Dialogführenden zu sehen sind, mal wird durch extreme Winkelstellung in einem Dialog, die (unbegründete) Herablassung und das eigene Emporheben auf die Spitze getrieben, was auch immer für Bilder eingefangen werden, sie nehmen den Zuschauer ebenso gefangen.
Das Schauspiel ist durchweg auf hohem Niveau, überzeugen tut natürlich Peter Lorre als fehlgeleiteter Kindermörder, der in der letzten Viertelstunde ein wahrhaftes Meisterwerk der Schauspielkunst abliefert und den psychisch-kranken Mörder, grandios überzeugend darstellt.
Hier könnten sich leichte Spoiler einschleichen, also seid gewarnt.

Um auf das oben genannte Zitat zurück zukommen, "M" zeigt erschreckend wie Grausamkeiten eine Gemeinschaft zusammen schweißen kann, gleichzeitig aber auch gegenseitiges Misstrauen und Paranoia hervorruft. Anfangs verdächtigt jeder den Anderen, als der Mörder allerdings gefasst ist, wollen alle das Selbe. Seinen Tod. Aber, ist Lynchjustiz (bzw. auf gewisse Art, Selbstjustiz) zurechtfertigen? Eine schwierige Frage, die Lang mit diesem Werk stellt und teilweise beantwortet. Hat ein mehrfacher Kindermörder, trotz offensichtlicher psychischer Labilität, den Tod verdient? Das Gericht (das Ende der von mir gesehenen Fassung beinhaltet diese Szene nicht, Quelle: Wikipedia) verurteilt den Mann schließlich zu Tode, das selbe Ergebnis zu dem auch der Ringverein kam, bzw. gekommen wäre. Ist dies Genugtuung oder Gerechtigkeit? Heilt es die Wunden der Betroffenen Eltern? Die Menschen die urteilen, sind nicht direkt betroffen, weshalb sie "objektiver" handeln, doch die Mutter eines der Opfer bringt es auf den Punkt. "Das macht unsere Kinder auch nicht wieder lebendig." Und das ist die bittere Wahrheit, Lang lässt zwar den Mörder nicht am Leben, die Wunden der Betroffenen bleiben aber bestehen.

Spoilerwarnung aus!

Fritz Lang hat eines der großen und wegweisenden Meisterwerke der (deutschen) Filmgeschichte abgeliefert, technisch wie inhaltlich. Visuell beeindruckend, spannend, zeitlos, genial. Der deutsche Film hat vielleicht lange kein Meisterwerk mehr abgeliefert, aber er hat das gesamte Medium Film entscheidend beeinflusst und dafür sollten wir dankbar sein.

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Ben Kenobi

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Sehr, sehr gut geschrieben.


FilmFan92

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Danke euch beiden :)


Roldur

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

In seinem Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, spricht Fritz Lang bereits Anfang der 30er Jahre ein Thema an, welches bis heute heiß diskutiert bleiben sollte.
Man erinnere sich nur an unangenehme Facebook-Posts, die „Tod für Kinderschänder!“ schrien, natürlich mit großer Freude von der offiziellen NPD-Seite unterstützt. 10.000 mal geteilt, noch häufiger „geliked“, mehr als genug Erinnerungen daran, dass wir trotz Filmen wie „M“ heute kein Stück weiter sind.
Lang inszeniert mit seinem Film eine Hetzjagd, in der zu keiner Zeit Schwarz und Weiß voneinander zu trennen sind, natürlich bildlich gesprochen. Peter Lorre spielt den Triebtäter beängstigend und bemitleidenswert zugleich und kann trotz seiner wenigen Dialogzeilen eine angenehme Ambivalenz aufkommen lassen, die „M“ sehr modern erscheinen lässt. Die theatralische Inszenierung tut ihr Übriges und lässt die recht gewöhnliche Kriminalgeschichte schnell zu einer Abhandlung über Menschliche Schuld werden. Gibt es überhaupt so etwas wie Gerechtigkeit? Ist denn jetzt das „unschädlich“ machen eines Kindermörders gerecht oder sollte er lieber ins Gefängnis? Mit all' diesen offenen Fragen lässt uns „M“ zurück und die großartige Symbolik brennt sich ins Gedächtnis. Hätte Lang den Zuschauer nicht in der Endszene als zu dumm zur Reflektion erklärt, dann wäre das ganze sogar noch ein Quäntchen interessanter gewesen. Tolle Bilder, interessanter Inhalt, toller Film! Ich kann mit einem einfachen Kommentar, diesem epochenmachenden Klassiker nicht wirklich gerecht werden, dennoch kann ich die unangreifbare Aktualität des Themas nur erneut unterstreichen. Allein deshalb hat jeder, noch so schlechte Kommentar zu "M" eine Berechtigung, er macht aufmerksam.

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Thanatos1

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Bewertung7.0Sehenswert

M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist zumindest für damalige verhältnisse eine Granate von Film.
Wären heute die frühen 30er würde ich dem Film mit sicherheit eine 10/10 geben, denn die hatte er sich damals wirklich verdient, aus heutiger sicht leider nichtmehr so ganz.
Vermutlich liegt das daran dass ich mich zu sehr an gute Schauspieler (auch in den Nebenrollen) und eine gewisse Dramatik gewöhnt habe die dem Film fehlt, denn auf die Opfer oder die Betroffenen wird leider kaum eingegangen.
Dadurch wirkt der Film allerdings auch nicht so schnulzig und rührselig wie viele andere Filme und das ist wiederrum gut.

Natürlich hat der Film auch für heutige verhältnisse noch einiges zu bieten wovon sich einige Regisseure und Autoren unserer Zeit ne Scheibe von abschneiden könnten, dennoch würde ich sagen, ist der Film für meinen Geschmack etwas zu überbewertet.

Die 7.5/10 hat er sich trotzdem verdient, also auf jeden Fall kann man mal nen Blick riskieren.

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Bandrix

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist ein Film, den man schon allein aus filmhistorischer Sicht gesehen haben sollte.
Jedoch ist es völlig legitim auch einen Klassiker zu verschmähen. Manch ein Film altert nun mal nicht besonders gut, die Gefahr bei „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist aufgrund seines enormen Alters ziemlich hoch.
Umso überraschender, dass Fritz Langs Kriminalgeschichte auch heute noch ungemein packend ist und tatsächlich seine Botschaft immer noch brandaktuell ist.
Es ist auch erstaunlich in wie vielem Lang hier seiner Zeit voraus war und sogar Filme, die weit weniger Jahre auf dem Buckel haben, hinter sich liegen lässt und deutlich weniger Staub angesetzt hat.
Die erste Hälfte des Filmes besteht aus akribischer Polizeiarbeit. Der Mörder bekommt noch sehr wenig Raum, wird selten gezeigt. Viel mehr steht die Suche nach dem Täter im Vordergrund. Manch einem wird dies sauer aufstoßen und langweilen, denn spannend wird es (noch) nicht. Ich allerdings war fasziniert von der Art, wie die Polizisten in dieser Zeit Spuren nachgingen. Zudem klinkt sich auch die Berliner Unterwelt in die Jagd mit ein, da diese sich von den vielen Razzien bedroht fühlt.
Ab hier beginnt die Spannungskurve stetig zu steigen. Die Schlinge um des Mörders Hals wird immer enger, seine Angst ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Peter Lorre verkörpert das Monster ungemein beängstigend. Der Drang zu töten, wie er versucht sich zu beruhigen und wie er doch nicht widerstehen kann – meisterhaft.
Sobald der Fokus mehr auf den Täter gerichtet ist, entfaltet „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ seine ganze Kraft. Die Hatz ist unfassbar spannend, Lang verwendet zudem schöne Plansequenzen und Bildmontagen, mit denen die Suche noch mitreißender wirkt. So etwas hatte ich nicht in einem Film dieses Alters erwartet.
Wenn Lang schlussendlich auch noch die menschliche Natur in Frage stellt, das Tier in jedem Menschen entblößt, ist der Zuschauer fassungslos. Gesellschaftspolitisch von Belang, ein tiefer Einblick in die Psyche eines kranken Täters und ein Ende, das förmlich zum Nachdenken zwingt. Themen werden aufgeworfen, die auch heute nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Sei es Lynchjustiz oder die Frage nach der Ursache, nach dem Monster im Menschen.
Ganz großes Kino made in Germany.

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Andy Dufresne

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An dem Kommentar stimmt echt mal einfach alles.Top!


Bandrix

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Danke euch! :)


Kamell

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Bewertung10.0Herausragend

Zu Zeiten, in denen Kulturprodukte meist wie in Plastik gegossene Hundertware wirken, drängte sich mir der Vergleich mit frühneuzeitlichen Altarschnitzereien auf: Jedes noch so winzige Detail ist liebevoll von Hand gestaltet, das Material trotzt dem Alter, die Figuren sind überaus plastisch, jede hat bei genauem Hinsehen interessante Eigenheiten, die Unebenheiten im Holz werden zu wertvollen Insignien der Einmaligkeit.
Das Auge kann sich sattsehen und die Auseinandersetzung mit dem Werk nimmt ihm nichts, es gewinnt eher noch an Faszination.
Da möchte man dem Film glatt auf einem Altar huldigen und gleich noch eine Pilgerstätte für deutsche Filmemacher einrichten. Allerdings wären die Voraussetzungen zur Nachahmung fraglich, denn wo gibt es diesen Menschen- und Schauspielerschlag noch? Die Zeit hat sie fortgeschwemmt und uns fehlt diese in sich ruhende (ja, auch betuliche, altväterliche), würdige Selbstgewissheit. Ein Spiegel für das Zeitalter der Hektiker und Zukurzgekommenen; nur die moralischen Fragen haben sich kein bisschen verändert.

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sushi97

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"M - Eine Stadt sucht einen Mörder" ist für seine Zeit zweifelsohne einzigartig. Er erzeugte an einigen Stellen mehr Spannung als viele Thriller heutzutage in einem ganzen Film. Dann gibt es wiederum Szenen, besonders im Mittelteil, die sehr langatmig und teilweise sogar zäh sind. Zum Ende hin nimmt er dann wieder richtig Schwung auf und gipfelt in einer großartigen Schlussszene.
Die Lynchjustiz entscheidet. Was ist das richtige Strafmaß für einen Kindermörder? Was ist das richtige Strafmaß für einen psychisch kranken Kindermörder? Muss man da unterscheiden? Gehört er gelyncht oder vor ein staatliches Gericht? Die Ironie an der Sache besteht darin, dass das Gericht selbst aus Verbrechern, die teilweise sogar schon selbst getötet haben, besteht. Fritz Lang schafft es eine interessante Debatte um Gerechtigkeit, in der ohne Frage nicht perfekten Gesellschaft, zu entfachen. Er betreibt hier Gesellschaftskritik vom Feinsten!
Peter Lorre spielt hier die Rolle des manchmal hilflos, dann wieder eiskalt wirkenden Mörders phänomenal. Die Leistung von Gustaf Gründgens als der Kopf der Verbrecherbande hat mich aber auch stark angesprochen und beeindruckt.
Außerdem finde ich die Schnitte sehr gelungen; genau wie den Humor und die umgangssprachlichen Dialoge mit Akzent.
Man merkt hier nicht, dass der Film schon über 80 Jahre alt ist - das ist eine Kunst!

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jacker

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80 Jahre.
Muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen!
Diese Justizkritik hat mich auch voll überzeugt!


jp@movies

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Meine Fresse, was hat der alte Fritz da vorgelegt! Um zu unterstreichen wie weit der Film seiner Zeit voraus war, ziehe ich mal ein paar Parallelen, die nicht an den Haaren herbei gezogen sind. Der Filmanfang liefert z.B. gleich die Vorlage für NIGHTMARE ON ELMSTREET, die Unschuld, mit der das Lied über den Mörder in das Kinderspiel integriert wird. Dann folgt eine erste Parallelmontage, die ohne Worte das Verschwinden eines Kindes erzählt, mit visuellen Ideen, die so glasklar sind, das einem noch heute der Atem stockt. Hier ist ein Stummfilmmeister am Werk, der auch mit dem Ton umzugehen weiß. Ja, das ist alles auch künstlich, weil im Studio gedreht, aber daran gewöhnt man sich schnell.

Was mich beim Wiedersehen mit M begeistert, ist gerade die erste Hälfte, jene, die im Prinzip gänzlich ohne Peter Lorre auskommt. Lang verzichtet(!) hier komplett auf übliche Strukturen wie einen Protagonisten (klassischer Weise ein ermittelnder Polizist), sondern zeichnet mit präzisen Strichen ein Gesellschaftsbild, das noch heute aktuell ist: Zu Beginn gibt es nur ein Plakat an der Litfaßsäule, und von Erwachsenen allein gelassene Kinder. Als das neunte Kind verschwindet, greifen es die Medien (hier die Zeitungen) auf, das Extrablatt verkauft sich prächtig, unkritisch wird selbst das "Bekennerschreiben" publiziert - wohl der Auflage wegen. Man sieht die leere Straße, die Zeitungsjungen, und dann füllt sich das Bild, das "öffentliche Interesse" beginnt. Am Stammtisch kocht es zuerst hoch, jeder verdächtigt jeden. Das zeigt Fritz Lang mit einem wunderbar bösen bis albernen Humor - wenn sich die Menschenmenge mit zunehmenden Abstand zum Geschehen "verhört", und unbescholtene Bürger zu belästigen beginnt, oder wenn ein Kind einen älteren Mann nach der Uhrzeit fragt, und andere erst danach auf die Szene aufmerksam werden; wenn dann der Muskelprotz auf den kleinen alten Mann herunter blickt, ist man einer Cartoon-Bildsprache ebenbürtig. Derlei Momente gibt es zuhauf. Wunderbar beobachtet, und uns den Spiegel vorhaltend.

Aber damit nicht genug: Natürlich gehen den Politikern die Ermittlungen der Polizei nicht schnell genug, die später zu immer drastischeren Mitteln greift. Hier gibt es eine großartige Sequenz, in der die Polizei bei ihrem systematischen Vorgehen gezeigt wird, wie sie Indizien und Zeugenaussagen nachgeht, Fingerabdrücke vergleicht und die Handschrift des mutmaßlichen Mörders analysiert. Dann greift man aber (auf Druck der Politik?) zu immer fragwürdigeren Methoden, Generalverdächtigung und Massenverhaftungen machen der Akribie Platz - der Film ist von 1931, wohlgemerkt! Der Polizei kommt es sehr gelegen, dass ihr dabei Kleinkriminelle im Dutzend ins Netz gehen. Wer sich darüber nicht freut, sind deren Organisationen, die nun ebenfalls beschliessen, auf Mörderjagd zu gehen, weil dieser "Eine" ihnen das Geschäftverpfuscht. Das wird in einer Parallelmontage im Wechsel mit den "Guten" (Polizei/Politik) erzählt, die ebenfalls nach neuen Methoden suchen, um den Mörder dingfest zu machen. Dabei geht es jeweils um das eigene Ansehen oder wirtschaftliche Faktoren - das ursprüngliche Verbrechen spielt dabei längst keine Rolle mehr, es ist längst instrumentalisiert worden. Hätte es die Taten nicht gegeben, man hätte sie glatt selbst erfinden müssen. Das ist wie THE WIRE in fünf Minuten, und gequalmt wird dabei wie in einer Staffel MAD MEN. Der Schlüssel zum Erfolg ist dann die Einbeziehung der Ärmsten, der Bettler, heute wäre es ein 1-Euro-Job für Hartz IV Empfänger zur "Heranführung" an den Arbeitsmarkt. Als Spitzel. An jeder Straßenecke. Überwachungsstaat, ganz ohne NSA, und es funktioniert. Nicht die Polizei tut dies, sondern die Untersten im Volk, mit dem Versprechen des Aufstiegs durch die Belohnung. Die Kamerafahrt, in der die Organisation der Bettler eingeführt wird, ist atemberaubend - verdammt, die Dinger waren damals selber so groß wie ein Haus! Und die schwebt hier wie losgelöst durch Räume, aus dem Keller durch die Decke (mit einem unsichtbaren Schnitt), danach noch in bester David Fincher Manier durch ein Fenster in die Amtsstube. Alles "in der Kamera".

Erst danach konzentriert sich Lang auf die Verfolgung des Mörders - sowohl die "Guten" wie die "Bösen" sind ihm auf den Fersen. Die Bösen treiben ihn in die Enge, und versuchen ihn dort selbst zu stellen. Dabei gibt es eine Szene, in der einer der Anführer der Gangster als Polizist verkleidet einen Wachmann foltert, um zu erfahren, wie viele Kollegen er noch im Gebäude hat. Und ich möchte Fritz Langs Gebeinen huldigen, dass er die Folter nicht zeigt, sondern nur suggeriert. Alles in nur einer(!) Einstellung erzählt, und auf der Tonebene gibt es nur das wesentliche zu hören.

Und der Humor kommt bei allem Ernst nicht zu kurz. Ein Beispiel noch: Wenn die Bettler sich beim Beschatten gegenseitig ablösen, gehen einmal zwei hinter einer Litfaßsäule vorbei, der rechts hat ein Holzbein (und wurde bereits früher eingeführt). Auf der anderen Seite der Säule kommen dann zunächst der Linke wieder ins Bild, nur an seiner Seite geht jetzt einer mit zwei gesunden Beinen. Auch das wieder ohne Schnitt, ohne Ausrufezeichen, sondern nur für den, der es bemerkt. Für die Story relevant ist nur, dass sich die Bettler abwechseln. Famos.

Dann die Doppelmoral der "falschen" Gerichtsverhandlung in der Schnapsfabrik(!). Ein Anwalt, der auch vor einem "richtigen" Gericht eine gute Figur gemacht hätte, aber vor schlechten Richtern, die ihr Urteil längst gemacht haben, die taub und blind für eine andere Sichtweise sind. Dazu eine Masse, der die Lynchjustiz ins Gesicht geschrieben steht, und ein hilfloser, allein gelassener Kranker, der sich an niemanden wenden kann. Gesellschaftskritik, die nie mit dem Zeigefinger daher kommt, sondern nüchtern beschreibt, beobachtet, zeigt.

Ein Meisterwerk, größer als METROPOLIS, er findet alles im Kleinen, und verweist uns auf unsere gesellschaftliche Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Unser aller Kinder, nicht nur die eigenen. Das am Vorabend des Faschismus in Deutschland. Hut ab, Herr Lang. Ein großer Wurf. Ein ganz Großer.

Muss jetzt unbedingt sein drittes großes "M" sehen, denn seinen Mabuse habe ich als Einzigen noch nie gesehen, keinen von beiden. Und ich freue mich darauf wie ein großes Kind :)

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Markbln

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Interessante An- und einsichten zu diesem Kultfilm. Aber magst du Peter Lorrre hier nicht? Ich sehe sofort sein gequältes Gesicht, wenn ich an M denke.


jp@movies

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Wieso sollte ich ihn hier nicht mögen? Seine Leistung ist nicht zu übersehen, und hier in den Kommentaren mehr als ausreichend gewürdigt worden. Was mir fehlt und untergeht ist die großartige erste Hälfte, die alles andere als langweilig ist, und mit Konventionen bricht. Dafür wollte ich mal eine Lanze brechen. Knick knack.

PS: Ich hab (leider) immer das hier vor Augen - http://www.youtube.com/watch?v=4WHcq6oaHUE


Couga[MH]

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Bewertung6.0Ganz gut

Ein Meilenstein in der Filmgeschichte, da besteht kein Zweifel. Doch man merkt dem Film finde ich an, dass er kurz nach der Stummfilmäre gedreht wurde. Bedeutung und Intention schön und gut, aber der Film ist für mein Empfinden speziell im Mittelteil verdammt zäh und langatmig und auch die Atmosphäre lässt mich recht kalt. Die Prämisse an sich ist aus auch nichts wirklich besonderes mehr und wurde zumindest aus Story-Sicht nicht so toll ausgenutzt, zumindest aus heutiger Sicht. Doch das grandiose Ende und dessen Bedeutung holen dann noch EINIGES raus und macht ihn für mich so zumindest grade so sehenswert.

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philipp.endres.18

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Ging mir einfach ganz genauso. Wäre der tolle Schluss nicht gewesen gäbe es bei mir wohl auch deutliche Punktabzüge!


Couga[MH]

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Jop, würde ihn gern besser finden. ^^


DerBaertige

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Bemerkenswert gut gealterter Thriller, der zum Ende hin richtig aufdreht. Einige unleugbare Längen auf dem Weg dorthin verhindern eine höhere Wertung, trotzdem zweifelsohne ein wichtiger Film und eine beeindruckende Leistung von Peter Lorre.

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Cayopei

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Auch nach über 80 Jahren bekommt man bei Lorres Plädoyer noch Gänsehaut:
Will nicht! Muß!
Großartiger Film.

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Rei

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Fritz Langs eindrucksvolles Kunstwerk hat bis zum heutigen Tage nichts an Brisanz und Aktualität eingebüßt. Ein wirklich phänomenaler Film mit einem genial agierenden Peter Lorre, der im Berlin der 30er Jahre einen Triebtäter spielt und Panik bei der Bevölkerung hervorruft. Welches Mädchen wird sein nächstes Opfer sein? Wie kann ich mein Kind schützen? Bei der kleinsten Auffälligkeit gerät der harmloseste Bürger bereits in Verdacht, die Bestie in Menschengestalt zu sein. Von den Nazis 1934 verboten, ist der Nachwelt dieses Meisterwerk des Wieners Fritz Lang glücklicherweise zugänglich, wenn auch 9 Minuten des Ursprungs-Materials bis heute verschwunden bleiben. Diesen Film muß man gesehen haben! Rei

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mariega

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Bewertung9.0Herausragend

M LE MAUDIT so der Titel auf französisch. Zum ersten Mal muss ich gestehen, dass ich einen Film gefunden habe, dessen Titel in der Übersetzung mir besser gefällt als der Original. Da ich immer die Erste bin, die meckert und dauernd von Titelvergewaltigung spricht, bin ich mit dieser Übersetzung eigentlich mehr als zufrieden! Man muss auch eine gute Sache ausdrücken. Ich erkläre: Der französische Titel enthält ein Wortspiel: M wird wie "AIME" gesprochen also "M der Verdammte"oder "Liebe den Verdammten!". Ich finde in diesem Fall den französischen Titel interessanter. Was die spanische Übersetzung betrifft ist es auch einer Bemerkung wert: "M, el vampiro de Düsseldorf" (in Argentinien: El vampiro negro). Obwohl der Film von Fritz Lang in Berlin stattfindet (mehrere Details weisen darauf hin), basiert er in Teilen auf dem Fall des Serienmörders Peter Kürten (* 26. Mai 1883 in Mülheim am Rhein; † 2. Juli 1931 in Köln), genannt „Der Vampir von Düsseldorf". Auf deutsch sollte der Film ursprünglich "Mörder unter uns" heißen aber die Anspielung auf die Nazibewegung wäre zu deutlich gewesen.

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Boogers666

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Schön :D



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