David Niven in In 80 Tagen um die Welt
© Michael Todd Company
Wer gab nicht alles schon den exzentrischen-wettbesessenen Phileas Foog, der in der unterhaltsam-spannenden Jules Verne-Verfilmung per Ballon eine Weltenumfahrt startet. In frühen Stummfilm-Zeiten Conrad Veidt, später auch Pierce Brosnan oder Steve Coogan. Aber am besten hat diese Rolle wohl der Brite David Niven in seiner Version des Films In 80 Tagen um die Welt verkörpert. Er stellte auf den Punkt genau den Typ des unerbittlichen, starrköpfigen, immer die Haltung bewahrenden Engländers dar, der ein Gentlemen und Kavalier der alten Schule ist. Ein Engländer, wie er im Buche steht.
Dabei sah es gar nicht so aus, als würde David Niven ein Schauspieler mit Oscar-Würden werden. Er wuchs in einer schottischen Garnisonstadt auf, militärische Ordnung und Strenge gehörten zu seiner Kindheit und Jugend. Er war immerhin der Sohn eines Generals und einer adligen Lady, die ganz bedacht darauf waren, dass ein britischer Edelmann aus ihrem Sohn wird. Auf dem Königlichen Militär-College von Sandhurst wurde er erzogen, nach dem Tod seiner Eltern entschied er sich für die Militärakademie, brachte es bis zum Leutnant. Aber Anfang der 1930er Jahre hatte er genug vom Militär, quittierte seinen Dienst und begann eine Weltreise. Er wanderte nach Kanada aus, jobbte dort als Zigarettenverkäufer, Wäschereibote, Holzfäller, als Barkeeper und Ponny-Stallbesitzer. Er wanderte nach New York und San Fransisco, verkaufte Alkohol oder zeigte sein Talent als Kunstreiter. Sein Leben war bewegt und könnte einen Roman füllen.
1934 fand er sich in Los Angeles wieder und kam mit dem Filmgeschäft in Kontakt, erste Rolle erhielt er in Wildwest-Filmen. Allerdings durfte er nicht sprechen, denn sein englischer Akzent wurde nicht begeistert aufgenommen. Aber er brachte es auf immerhin 27 Filme, in denen er ohne Worte zu sehen war. Dann entdeckten ihn bedeutende Regisseure: Michael Curtiz, Ernst Lubitsch, John Ford, William Wyler oder Otto Preminger. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erregt er erstmals größter Aufmerksam in der Sinclair Lewis-Verfilmung Dodsworth. Als aber der Krieg ausbricht, kehrt er zurück nach England und tritt in die Armee ein, wird später Leiter des Rundfunks der alliierten Streikkräfte. Nach dem Krieg haben andere seinen Platz übernommen, für die Rolle des jungendlichen Liebhabers ist er zu alt geworden und so stagniert seine Schauspiel-Karriere.
Dann kommt 10 Jahre später die Rolle des Abenteurers Phileas Foog und schlagartig ist David Niven ein Star. Er macht Schlagzeilen in einem neuen Fach: der seriöse Gentlemen mit angegrauten Schläfen. Für seine Rolle in Getrennt von Tisch und Bett erhält er seinen Oscar als Bester Hauptdarsteller. In der Rolle des sexuell-verklemmten britischen Offiziers liefert er eine präzise Studie ab. Damit hat er es ins seriöse Charakterfach geschafft; die 1960er Jahre sind die produktivsten des Schauspielers. Er dreht in Hollywood, Frankreich, England und auch in Deutschland; in seiner Filmographie stehen mehr als 100 Filme.
David Niven verkörpert viel auf der Leinwand: den redlichen Soldaten, den strengen Diener Gottes, den tadellosen Gentlemen, den kleinen Spitzbuben oder den Komödianten. Dabei war es weniger seine Verwandlungskunst oder seine körperliches Spiel, welches faszinierte. David Niven war ein Meister des Dialogs, feinsinnig spitzte er die Zunge, gepflegt setzte er auf elegante Konversation, eher still war sein Humor. Wer sich auf diese Kunst einlässt, wird viel Interessantes an den Leinwand-Auftritten des Schauspielers finden.
Ines Walk (Ines Walk) 2010/03/01 09:00:00
Kommentare
über David Niven wäre heute 100 Jahre alt geworden
Kommentar schreibenzouzou 2010/03/01 11:18:30
Kommentar löschenOha, in der Tat eine interessante Biographie.
Leider hab ich nur wenige Filme mit ihm gesehen (auf Anhieb fallen mir nur 3 ein), aber als Phileas Fogg ist er definitiv großartig!
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Tytus 2010/03/01 13:30:51
Kommentar löschenguter Schauspieler der einige rollen Perfekt gespielt hat.
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
doctorgonzo 2010/03/01 16:56:24
Kommentar löschenWäre heut 100 geworden, ist in Wahrheit aber unsterblich, ob als Mr. Fogg, Sir Charles Lytton, Dick Charleston oder einfach als "Das Superhirn". Einer meiner unbestrittenen All-Time-Favourites.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Blonder 2010/03/01 19:49:43
Kommentar löschenFür mich ist er immer noch einer der ganz Großen. Es gab sogar mal eine Zeit, da habe ich mir einen Film angesehen nur weil David Niven mitspielt.
Er ist bis heute ein Garant für gute Filme geblieben.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Deine Meinung zum Artikel David Niven wäre heute 100 Jahre alt geworden
Bitte logge dich ein oder registriere dich um einen Kommentar zu schreiben.



David Niven war ein ganz Großer, für mich der Gentleman par excellence. Und ich möchte auch noch an seinen fantastischen Auftritt in "Eine Leiche zum Dessert" erinnern - einfach grandios...
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
doctorgonzo 2010/03/01 16:05:00
Antwort löschenJaaa "Murder by Death" ist die wohl beste Krimikomödie überhaupt...