Jack Reachers Schöpfer spricht

Lee Child über die Vorteile fiktiver Gewalt

Jack Reacher
© Paramount
Jack Reacher

Jack Reacher ist gerade frisch in den heimischen Kinos angelaufen. Basierend auf der äußerst erfolgreichen Roman-Vorlage One Shot (zu deutsch: Sniper) erzählt der Film die Geschichte des titelgebenden Ex-Militärpolizisten (Tom Cruise). Wir haben uns mit Lee Child, dem britischen Schöpfer der beliebten Vorlage, getroffen und mit ihm über die Verfilmung seines Buchs, die Vorteile fiktiver Gewalt sowie künftige Projekte gesprochen.

moviepilot: Ihr Werk umfasst mittlerweile siebzehn Bücher. Wie kam es dazu, dass ausgerechnet mit dem neunten Roman One Shot jetzt das Kinodebüt in Angriff genommen wurde?

Lee Child: Ich schreibe Bücher, die grundsätzlich für sich alleine stehen. Der Leser muss nicht die vorherigen Bücher gelesen haben, um das gegenwärtige Buch zu verstehen. Aus diesem Grund hätten sie praktisch mit jedem Buch beginnen können. Jedoch die Art und Weise wie Jack Reacher in der Vorlage One Shot eingeführt wird, macht die Leute neugierig. Der Anfang kommt zunächst ohne ihn aus. Er tritt erst später in Erscheinung. Die Verantwortlichen waren der Meinung, dass sich daraus eine sehr filmische Herangehensweise an den Charakter Jack Reacher ergibt. Außerdem war ihnen wichtig, dass das Material spannungsreich und voll unvorhersehbarer Wendungen ist. Aus diesem Grund bot sich One Shot perfekt an.

mp: Der Film hält sich in vielen Details sehr originalgetreu an Ihre Vorlage. Wie involviert waren Sie in die laufende Produktion?

LC: Die Verantwortlichen hinter Jack Reacher sind große Fans der Vorlagen. Sie lieben die Bücher und kannten sie aus diesem Grund sehr genau. Ich war zwar in den Entstehungsprozess mit eingebunden, aber nur als Freund. Nur aus Freude daran, vor Ort zu sein. Ratschläge meinerseits waren nicht nötig, da alle genau wussten, worauf es bei einer Verfilmung des Stoffs ankommt. Mehr konnte ich nicht dazu beitragen.

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mp: Es war zu lesen, dass die erste Verfilmung möglicherweise der Start eines neuen Franchises ist. Existieren bereits Pläne für eine Fortsetzung? Kam vielleicht auch die Idee auf, einen ihrer Romane wie Bad Luck and Trouble zu verfilmen, in welchem Jack Reacher auf seine alte Sondereinheit trifft?

LC: Logischerweise existieren in Hollywood immer derartige Pläne. Hollywood plant für jedwede Eventualität, um bereit zu sein. Ich bin mir sicher, dass, wenn der erste Film erfolgreich wird, auch weitere folgen. Welcher Roman es sein könnte, ist derzeit noch nicht abzusehen. Aber ich bin mir sicher, dass Bad Luck and Trouble definitiv zur engeren Auswahl zählen. Im Gegensatz zu vielen meiner anderen Reacher-Romane, die den Protagonisten als Einzelgänger zeigen, ist dies ein Ensemblestück. Ich denke, er wird definitiv mit im Gespräch sein.

mp: Sie hatten in Jack Reacher einen kurzen Cameo-Auftritt als Polizist, der Tom Cruise auf dem Polizeirevier seine Wertsachen aushändigt.

LC: Das Team wollte mich dabei haben, also haben sie mir diese Nebenrolle angeboten. Es ist eine sehr doppeldeutige Szene. Ich gebe Jack Reacher seine Zahnbürste zurück. Aber es ist auch irgendwie so, als ob Lee Child den Staffelstab an Tom Cruise weiterreicht. Ich hielt das für eine nette und spaßige Idee. Jetzt kann ich behaupten, dass ich neben Tom Cruise in einem Hollywood-Film mitgespielt habe. Damit hätte ich niemals gerechnet.

mp: Sind Sie durch diese Erfahrung vielleicht auf den Geschmack an der Schauspielerei gekommen?

LC: Ich mache es so wie Alfred Hitchcock. Wenn es mir gestattet wird, möchte ich in jedem weiteren Film eine winzige Nebenrolle.

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