Koch-Rezept

Was gehört in einen klassischen Film noir?

Die Spur des Falken
© Universal Pictures
Die Spur des Falken

Laut der gängigen Literatur liegt der Höhepunkt des klassischen Film Noir zwischen 1940 und 1960. Der Beginn dieser sagenumwobenen Ära bildet der 1941 erschienene Film Die Spur des Falken mit Humphrey Bogart, als Abschluss wird allgemein Im Zeichen des Bösen von Orson Welles gesehen. Dazwischen ist jede Menge passiert und viele Veränderungen und Elemente des Film noir wirken bis heute nach. Nicht umsonst hat sich für moderne Filme, die Stilmittel des Noir verwenden, der Begriff Neo Noir eingebürgert. Film noir ist nach wie vor ein Thema und der Zuschauer ist immer wieder überrascht, wie oft er Noir-Elementen im alltäglichen Filmkonsum begegnet. Für alle noch Unwissenden oder Interessierten haben wir deshalb eine kleine Zusammenstellung von Zutaten für euch, die einen Film noir ausmachen und denen das Publikum häufig begegnet.

Inhalt und Motive – Mord und Totschlag in Rückblenden

Der Inhalt – Verbrechen von und mit Pessimisten
In der Geschichte muss mindestens ein Verbrechen vorkommen. Besonders beliebt sind und waren Morde aus Geldgier oder Eifersucht, aber auch andere kriminelle Handlungen wie Überfälle, Betrug, Verschwörungen oder Affären sind möglich. Eine Möglichkeit für den Plot ist, dass der Protagonist (Detektiv) mit der Auflösung des Falles beschäftigt ist. Wie auch immer die Handlung aussieht, die Hauptsache ist eigentlich, dass die Charaktere allesamt riesige Probleme haben, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht lösen, sondern eher noch verschlimmern werden. Die Figuren finden sich in unvorhergesehenen Situationen wieder, aus denen sie sich nicht befreien können. Die Welt ist dunkel und böse und alle potentiellen Retter korrupt und in Wirklichkeit die Bösen, denen sich lieber nicht anvertraut werden sollte. Der Polizei kann schon gar nicht vertraut werden, abgesehen davon haben die Charaktere sowieso zuviel Dreck am Stecken, als dass sie sich an die Staatsgewalt wenden könnten. Die Handlung sollte auf jeden Fall von möglichst großer Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet sein und natürlich völlig ohne Happy End auskommen.

Die Erzähltechnik – Ein wunderbares Durcheinander
Heutzutage hat sich der Zuschauer vielleicht schon daran gewöhnt, trotzdem sollte unbedingt auf möglichst viele Rückblenden und eine nicht-lineare Erzählweise geachtet werden. Besonderes Augenmerk ist außerdem auf den Protagonisten zu legen, eine äußerst subjektive Darstellung der Ereignisse oder auch das Filmen aus dem Blickwinkel der Hauptfigur sollte schon sein. Traumsequenzen und Halluzinationen können auch gern einmal ins Surreale abdriften und sind ausdrücklich erwünscht. Um den armen Zuschauer nicht völlig aus der Fassung zu bringen, sollte der Filmemacher ihm als Halt in der verwirrenden Welt des Film noir ein Voice-Over schenken. Die Erzählerstimme aus dem Off schildert (auch gern am Anfang) die absolute Ausweglosigkeit der Situation, führt in das Geschehen ein und nimmt das fatale Ende der Geschichte vorweg.

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