What Is Dead May Never Die

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 3

 Arya Stark kann das Grauen nicht vergessen
© HBO
Arya Stark kann das Grauen nicht vergessen

Es gibt nicht wenige, die Game of Thrones als vor Blut und Brüsten überquellenden Trash abtun. Manche Folgen bestärken diesen Eindruck. Obwohl es What Is Dead May Never Die, Episode 3 von Staffel 2, an beiden Elementen nicht mangelt, ist sie ein gutes Beispiel für die Highbrow-Qualitäten der Serie. Gemächlich wird auf die Konfrontation der mittlerweile fünf Konfliktparteien hingearbeitet, während zentrale Motive in Gestalt von neuen Figuren wieder und wieder gespiegelt, verzerrt oder überzeichnet werden. Anders gesagt: What Is Dead May Never Die ist wie schon The Night Lands eine dieser Folgen, die zeigen, warum Game of Thrones bei HBO läuft und nicht bei Starz.

Was passiert: Jon und die Night’s Watch müssen Craster’s Keep gezwungenermaßen verlassen, so dass der spektakuläre Cliffhanger von letzter Woche im Sand bzw. Schnee verläuft. Bran träumt wieder, er ist eins mit dem Wolf Summer, und damit auch davon, wieder zu gehen, doch Maester Luwin glaubt, diese Magie sei aus der Welt verschwunden (genauso wie, ähem, Drachen). Wir erblicken zum ersten Mal in der zweiten Staffel das Antlitz Renly Barratheons, ein weiterer Anwärter auf den Thron der Sieben Königreiche und jüngerer Bruder des toten Königs Robert. Theon Greyjoy entscheidet sich auf den Iron Islands dafür, Robb Stark nicht davon in Kenntnis zu setzen, dass sein Vater Balon den Norden angreifen will. Tyrion baut seine Macht in King’s Landing geschickt aus, wobei Grandmaester Pycelle unter die Räder gerät, und er bringt seine Geliebte Shae, anders als in der Vorlage, aber trotzdem passend, als Sansas Dienstmädchen unter.

Der Kampf um die Macht: Wenn Game of Thrones in einem brilliert, dann sind es die Frauenfiguren. Natürlich, meine persönlichen Favoriten Littlefinger, Varys und Tyrion sind Schätze der eleganten, verbalen Unterhaltung und meine Tagträume bestehen aus einer Sitcom, die ausschließlich im Small Council spielt. Die Basis dafür findet sich schon früh in den Büchern. Was die Serie dagegen schon jetzt aus Sansa, Cersei und nun Margaery Tyrell (Natalie Dormer aus Die Tudors) gemacht hat, spricht für die Könnerschaft in der Adaption des Werks von George R.R. Martin. Letztere spielt in A Clash of Kings nur eine kleine Rolle. Hier nimmt sich die Serie dagegen die Zeit, um ihre komplexe Beziehung zu ihrem (sehr schwulen) Ehemann Renly zu zerlegen. Auf die Abweisung (Some say that the beauty most desired is the beauty concealed.) folgt berechnende Flexibilität in der Partnerwahl ihres Mannes. Hauptsache, er schenkt ihr ein Kind.

Game of Thrones ist nicht nur eine Serie über Macht und die Frage, wie diese richtig ausgeübt wird. Frauen und Männer bevölkern die Show, die in der streng ständisch aufgeteilten Gesellschaft keinen rechten Platz innehaben. Cersei hat das Zeug zur Herrscherin, aber sie hat einen Nachteil: Sie ist kein Mann. Brienne of Tarth (hühnenhafte 1,91 Meter: Gwendoline Christie) besitzt die Statur und das Können eines Kriegers, doch die Häme, als sie in Renlys Rainbow Guard (!) aufgenommen wird, bleibt ihr nicht vewehrt. Jon Snow wurde mit zukünftigen Königen erzogen, wird aber auf ewig der Bastard sein. Theon Greyjoy bleibt ein Fremder in seiner eigentlichen Heimat und diese Staffel wird sich damit befassen, wie weit er zu gehen gedenkt, um endlich den Respekt seines Vaters zu erhalten. Seine Taufe am windigen Strand der Iron Islands ist deswegen eine der stärksten Szenen der Folge. Die Liste könnte mit Arya, Bran und anderen weitergführt werden. Höchstens einer wie Ned Stark scheint mit seiner Ehrhaftgikeit in der richtigen Position gelandet zu sein. Doch was aus ihm wurde, wissen wir ja.

Meine Lieblingsszene aus What Is Dead May Never Die ist deshalb jene Großaufnahme von Petyr Baelish, als Tyrion ihm den Titel des Lords von Harrenthal verspricht. Das Blitzen in seinen Augen, die Aussicht, irgendwann nicht mehr nur Littlefinger zu sein, verrät mehr über die undurchdringbaren Hierarchien in Westeros als tausend Worte.

Die Blut- und Titten-Szene des Tages: Die Brüste des Tages™ verdanken wir Natalie Dormer, aber der Kopfschmerzen bereitende Abgang Yorens, Bruder der Nachtwache, Beschützer von Arya und Gendry, beeindruckt umso mehr: “I always hated crossbows. Take too long to load!” Autsch.

Der Skyrim-Gedächtnispreis: Armer blond gelockter Lommy. I used to be a a recruit in the Night’s Watch, then I took an arrow in the knee…

Zitat des Tages: Power resides where men believe it resides, It’s a shadow on the wall and a very small man can cast a very large shadow. (Varys, der hier sicher nicht nur über Tyrion spricht)

Tyrion Lannister, Awesome Guy: In einer leichtfüßig geschnittenen Sequenz testet Tyrion, ob Littlefinger, Varys oder Grandmaster Pycelle Informationen an Cersei liefern. Letzterer wird entlarvt. Tyrion: “Cut off his manhood and feed it to the goats.” – “There are no goats, half-man.” – “Well, make do!”

Weitere Game of Thrones-Recaps
The North Remembers – Staffel 2, Folge 1
The Night Lands – Staffel 2, Folge 2

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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