Der Club der Toten Dichter
Dead Poets Society, US 1989
- Genre
- Erwachsenwerden
- Inhalt
Ein bewegender Film und gleichzeitig ein Aufruf zum selbständigen Handeln und Freidenkertum. Ein neuer Lehrer auf einer Eliteschuke sorgt sowohl bei seinen Kollegen als auch bei den Schülern mit seinem Motto Carpe Diem, was so viel heißt wie "Nutze den Tag!" und ein lyrisches Stilmittel ist, für Unruhe.
- Cast
- Robin Williams, Ethan Hawke, Josh Charles, Gale Hansen, Dylan Kussman, Norman Lloyd, Alexandra Powers — Mehr
- Regisseure
- Peter Weir
- Autor
- Tom Schulman
- Laufzeit
- 128 Minuten
- Zeit
- 1959
- Ort
- Vereinigte Staaten von Amerika, Vermont
- Handlung
- Antiautoritäre Erziehung, Bruder-Bruder-Beziehung, Dichter, Erpressung, Erste Liebe, Freundschaft, Gedicht, Geheimbund, Höhle, Individuum, Internat, Jugendlicher, Lehrer, Lehrer-Schüler-Beziehung, Lernen und Lehren, Literatur, Lyrik, Philosophie, Pädagogik, Rede, Schauspielern, Schüchternheit, Selbsterkenntnis, Suizid, Sündenbock, Theater, Vater-Sohn-Beziehung, Wald, William Shakespeare
- Stimmung
- Berührend
Über diesen Film
Handlung
Der neue Englischlehrer
An der Welton Academy, einem konservativen Jungeninternat in den Bergen von Vermont, beginnt das Schuljahr 1959 zunächst wie jedes andere. Die Schüler lernen einander oder ihre neue Umgebung kenn… — Mehr
Handlung
Der neue Englischlehrer
An der Welton Academy, einem konservativen Jungeninternat in den Bergen von Vermont, beginnt das Schuljahr 1959 zunächst wie jedes andere. Die Schüler lernen einander oder ihre neue Umgebung kennen. Zu ihnen gehören auch Todd Anderson (Ethan Hawke) und sein Zimmergenosse Neil Perry (Robert Sean Leonard), deren Perspektive der Film zum Großteil wahrnimmt.1 Der schüchterne Todd gehört zu den Neulingen im Jahrgang und tritt in große Fußstapfen: auch sein älterer Bruder Jeffrey war Schüler der Akademie und gehörte zu den besten Schülern der Schule. Der smarte und aufgeweckte Neil hingegen kämpft an anderer Front: sein übereifriger Vater (Kurtwood Smith) bestimmt nicht nur über seine Zukunftspläne, sondern auch darüber, wie Neil seine Zeit im Internat zu verbringen hat.
Welton versteht sich als Vorbereitungsschule für Elite-Universitäten, welche ihre Schüler von “schädlichen“ Einflüssen abschirmt und sie – ganz im Sinne der Eltern – auf ihre Karrieren als Mediziner, Rechtsanwälte, etc. vorbereitet. Seit über hundert Jahren lauten die Grundsätze der elitären Akademie: Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung. Von den Schülern werden diese Schlagwort auch gern einmal abgeändert in Travestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie.2
Am ersten Schultag lernen Todd, Neil und ihre Mitschüler den neuen Englischlehrer John Keating (Robin Williams) kennen, der als Aushilfspädagoge an die Schule, deren Schüler er selbst einmal war, gekommen ist. Schon in der ersten Englischstunde wird klar, dass Keating anders als die restlichen Lehrer ist. Alternativ zu “Mr. Keating” sollen seine Schüler ihn auch gern mit “O Captain, mein Captain!” begrüßen – eine Anspielung auf ein Gedicht Walt Whitmans. Er nimmt die Schüler mit nach draußen in die Natur oder lässt sie vor den Bildern ehemaliger Absolventen über das barocke “carpe diem“ (dt. Nutze den Tag!) reflektieren: “Macht etwas Außergewöhnliches aus Eurem Leben!“ Sehr zum Missfallen des Lehrerkollegiums fordert der liberale Keating seine Schüler zu selbständigem Handeln, freiem Denken und Nonkonformität auf. Und das, wenn es sein muss, auch einmal mit unorthodoxen Unterrichtsmethoden.
In einer weiteren Unterrichtsstunde lässt er einen Schüler die Einleitung des Lyrik-Lehrbuches lesen, welche die Möglichkeit beschreibt, die Qualität eines Gedichtes mit einer Note zu bewerten, um es so in einem Koordinatensystem zu verorten. Keating ist der Ansicht, ein so mathematischer Umgang mit Literatur sei nicht zulässig, denn Poesie sei nur mit dem Herzen zu verstehen und in sich selbst zu entdecken. Als er die Schüler dazu auffordert, die Seite mit dem Aufsatz aus ihren Büchern zu reißen, zögern diese kurz, um schließlich Keatings Wunsch mit großer Schadenfreude zu entsprechen. Und um ihnen die Wichtigkeit von Perspektivwechseln nahe zu bringen, steigt Keating zunächst selbst auf sein Pult, um es anschließend jeden Schüler einzeln nachtun zu lassen.
Der Club der toten Dichter
Schnell gewinnt der neue Lehrer die Herzen der Jungen, welche anfangen, Nachforschungen über Keating anzustellen. In einem alten Jahrbuch von Welton finden sie heraus, dass Keating während seiner Zeit im Internat Mitglied im sog. Club der toten Dichter war, einer Gruppe von Schülern, die sich nachts heimlich in einer Höhle trafen, um sich gegenseitig Gedichte und Erzählungen von verstorbenen Autoren vorzulesen oder – wie Keating es ausdrückt – “das Mark des Lebens in sich aufzusaugen“. Neil beschließt, den Club mit seinen Freunden wieder ins Leben zu rufen. Zur geheimen Vereinigung gehören neben Neil und Todd auch Knox Overstreet (Josh Charles), Charlie Dalton (Gale Hansen), Steven Meeks (Allelon Ruggiero), Gerard Pitts (James Waterston) und Richard Cameron (Dylan Kussman). Die nächtlichen Treffen in der wiedergefundenen Höhle geben nicht nur Gelegenheit zu Poesie und romantischem Lebensgefühl fernab der rigiden Welton-Regeln, sondern auch zu Tabak- und Alkoholkonsum.
Doch Keatings emanzipatorische Arbeit trägt weitere Früchte. Charlie nennt sich bei einem Clubtreffen in “Nuwanda“ um und veröffentlicht in der Schülerzeitung einen Aufsatz darüber, warum auch Mädchen in Welton zugelassen werden sollten. Der strenge Schulrektor Nolan (Norman Lloyd) sieht sich auf den Plan gerufen, um den oder die Schuldigen zu ermitteln. Auf der einberufenen Schulversammlung inszeniert Charlie einen Anruf von Gott, welcher Nolan ausrichten lässt, dass auch Mädchen in Welton willkommen sein sollten. Nach seinem Bekenntnis wird der aufmüpfige Schüler vom Rektor in dessen Büro nicht nur verwarnt, sondern auch kräftig versohlt.
Und auch Neil gerät in Konflikt mit seiner Umwelt. Er entdeckt seine Liebe zum Schauspiel und soll in einer Inszenierung von Shakespeares Klassiker Ein Sommernachtstraum die Rolle des Puck übernehmen. Als er seinem Vater davon berichtet, fordert dieser ihn auf, seine Theaterambitionen aufzugeben und den Auftritt abzublasen. Neil solle Mediziner werden und seine Zeit nicht mit Dingen verschwenden, die mit seinem zukünftigen Studium nicht in direktem Zusammenhang stünden. Trotzdem hält der eigensinnige Schüler an seiner Rolle im Stück fest und bekommt zur Premiere vom Publikum, in dem auch sein Vater sitzt, Standing Ovations. Um der Strafe seiner Eltern, die Neil nun auf eine Militärakademie schicken wollen, zu entgehen, erschießt sich der Verzweifelte mit dem Revolver seines Vaters.
Die Tragödie Neils führt zu Untersuchungen des Rektors, der den guten Ruf der Schule nicht geschädigt wissen will. Mit Hilfe von Richard, einem Schüler, der Keating von Anfang an kritisch bis ablehnend gegenüberstand, erfährt der Direktor von der Existenz des geheimen Clubs. Letztlich wird so Keating für den Tod seines Schülers verantwortlich gemacht und entlassen. Die Clubmitglieder müssen unterschreiben, dass ihr Lehrer sie Ideen ausgesetzt habe, die ursächlich für Neils Suizid waren. Charlie wird von der Schule verwiesen, da er seine Unterschrift verweigert; Todd wird von seinen Eltern zur Unterschrift gezwungen.
In der ergreifenden Schlussszene betritt Keating noch einmal das alte Klassenzimmer, um seine persönlichen Sachen aus einem Nebenzimmer zu holen. Rektor Nolan selbst hat den Englischunterricht übernommen und lobt gerade den Keating verhassten Lyrikaufsatz. Kurz bevor Keating den Raum verlassen will, erweist der stets unentschlossene Todd seinem Lehrer eine letzte Ehre. Er ruft ihm nach, dass man ihn zur Unterschrift gezwungen habe, steigt trotz hartnäckiger Einschüchterungsversuche des Rektors auf sein Pult und ruft Keating ein “O Captain, mein Captain!“ hinterher. Trotz des tobenden Nolan tun die anderen es ihm nach.
Quellen
1 http://www.antiromantic.com/dps/art_summary.asp
2 Im Original lauten die Prämissen “Tradition, Honor, Discipline and Excellence” bzw. “Travesty, Horror, Decadence and Excrement”.
Poster und Merchandise zum Film im Fanshop
Kritiker — Sehenswert 7.4
Der Film Der Club der Toten Dichter wurde von 36 Kritikern bewertet.
Kommentare — Sehenswert 7.6
Der Film Der Club der Toten Dichter wurde von 3504 Mitgliedern bewertet.
abalahamma 2010/01/10 19:17:22
Der mit einem Oscar (bestes Drehbuch) ausgezeichnete Film gibt durch den überzeugend gespielten Lehrer Keating (Robin Williams) eine sehr wichtige Botschaft mit: Carpe Diem!
Nutze den Tag! Handle jetzt, handle bevor es zu spät ist, du hast nicht ewig Zeit! Sei individuell, mach etwas Außergewöhnliches!
Jeder Mensch sollte für sich ganz persönlich sein Leben planen und auch gegen den Strom schwimmen dürfen. Jeder Mensch sollte die Chance haben sein Leben zu etwas außergewöhnlichem machen zu dürfen und nicht durch viel zu simple Lehren, die das Leben nur aus einer Perspektive zeigen, eingesperrt leben.
Keating erklärt dies anhand der Poesie: Man kann sie nicht mit wissenschaftlichen Methoden bewerten und analysieren, wie es von der Schule verlangt wird. Die Poesie ist nichts, was man trocken und einfach bewerten kann. Man muss sie spüren, sie leben und versuchen sie wiederzugeben. Er stellt sie als eine Hilfe dar, sich auszudrücken und seine Gefühle mitzuteilen. So bringt er Todd dazu sich das erste Mal preiszugeben und schafft es mit einem Zitat von Walt Whitman auch, dass er endlich aus sich rauskommt und lockerer wird.
Keating praktiziert seine Lehre selber. Er behandelt jeden seiner Schüler individuell und schafft es so, dass sie ihm mehr und mehr entgegenkommen und sich von anfänglichen Zweifeln lösen und sie die Schönheit und Kreativität der Sprache entdecken.
Jeder Schüler merkt nach und nach was sie durch ihn gewinnen und zollen ihm am Ende durch die erhebende Geste ihren Respekt und ihre Dankbarkeit. Er hat sie auf ihrer geistigen Reise stets geleitet und weiter gebracht; er war ihr Kapitän...
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Jason Bourne 2010/01/03 16:23:24
Ausgerechnet in den Ruhigen Filmen brilliert Robin Williams großartig. Die Handlung ist dazu auch ganz nett. Der Club der Toten Dichter ist ein guter Film der wahrscheinlich beim jungen Publikum das Interresse an Dichtung und Literatur wecken soll.Aber das hat bei mir jetzt nicht wirklich funktioniert.
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Rezerwat 2009/12/26 22:16:42
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Der Film Der Club der Toten Dichter gehört zum Genre Erwachsenwerden. Regie führte Peter Weir.

Trügerisch ist die Erinnerung. Denn als der Film herauskam war ich von ihm beeindruckt und hielt ihn für treffend, tiefsinnig und sehr poetisch und anspruchsvoll. Nunja, ich war jung und Fan von Robin Williams, dem ich viel zu viele schlechte Filme verziehen habe. Dead Poets Society ist, ähnlich wie Donnie Darko, ein Film der schamlos an den selbstgerechten Teenager appeliert, dessen Weltsicht schwarz-weiß und oft genug noch sehr eingeschränkt ist. Und man muß wohl Teenager sein, um sich mit ganzem Herzen für die trivialen Lehren dieses Filmes begeistern zu können. Sieht man ihn nach 20 Jahren wieder und schiebt die nostalgischen Gefühle von damals beiseite, fällt es schwer nachzuvollziehen, was einen einstmals so begeisterte. Im Direktvergleich mit witzigen und geistreichen Filmen wie "History Boys" erscheint Weirs Film erstaunlich trivial und in seinem Zugang zu Lyrik und Literatur effekthascherisch und verlogen. Nicht der Zauber gesprochenen Wortes wird hier z… — Mehr
Link zu vollständiger Kritik (externer Link)
4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 4 Antworten
mistral36 2009/07/06 11:51:17
Als ich die ersten Zeilen des obigen Kommentars las, fiel mir spontan folgender Ausdruck vom werthen Herrn Picasso ein:
„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“
:-)
pixtur 2009/07/06 15:11:09
Auch wenn ich wieder mal anderer Meinung bin, diese Kritik gefällt mir trotzdem.
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Sonse 2009/07/06 16:32:05
Jetzt habe ich Angst den Film jemals wieder zu sehen...
GOgo6969 2009/12/22 22:59:53
Naja, ich bin ganz froh, dass auch ich mich "nach der Pubertät tatsächlich noch weiterentwickelt" habe... ohne dabei heute die Erinnerung an das, was mich damals bewegt hat, zu verleugnen!
Nur weil man jetzt ein Erwachsener, aber nicht unbedingt ein Erleuchteter ist, die Gefühle der eigenen Jugend als "trivial" zu bezeichnen, zeugt weder von besonders neuer, noch von besonders tiefgreifender Erkenntnis.
Oft werden aus jugendliche Revoluzzern im Alter einfache Spießer, die dann aber gerne und oft, möglichst wortgewaltig, die eigene Selbstherrlichkeit zelebrieren.
Da sage ich nur: CARPE DIEM!
Meiner Meinung nach die uneingeschränkt positive Aussage, dieses schönen Films, der allerdings noch nie ein Film für selbsternannte Film- oder Literaturkritiker war.