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Vertigo - Aus dem Reich der Toten

Vertigo (1958), US Laufzeit 128 Minuten, FSK 12, Thriller, Drama, Kinostart 03.02.1959


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8.6
Kritiker
70 Bewertungen
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7.7
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6928 Bewertungen
103 Kommentare
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von Alfred Hitchcock, mit James Stewart und Kim Novak

Vertigo – Aus dem Reich der Toten gilt als Klassiker des Meisters des Suspense, Alfred Hitchcock. James Stewart versucht als Cop sein Trauma von der Angst vor Höhen zu bewältigen.

Polizist John ‘Scottie’ Ferguson (James Stewart) leidet an Höhenangst, seit er einen Kollegen bei der Verfolgung eines Verbrechers über Dächer in den Abgrund hat stürzen sehen. Eigentlich möchte er deswegen seine Arbeit aufgeben, als der ehemalige Schulfreund Gavin Elster (Tom Helmore) ihn bittet, seine Frau Madeleine (Kim Novak) zu beschatten. Diese scheint, wie sich herausstellt, vom Geist ihrer Großmutter besessen zu sein, welche sich mit 26 Jahren das Leben nahm. Auch Madeleine stürzt sich in die Bucht von San Francisco und Scottie, der sie dabei beobachtet hat, kann ihr gerade noch das Leben retten und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Scottie verliebt sich in die schöne unbekannte, doch der Fluch ist noch nicht gebrochen.

Hintergund & Infos zu Vertigo – Aus dem Reich der Toten
Für die Kamera-Arbeit etablierte Alfred Hitchcock in Vertigo eine Technik, welche das Schwindelgefühl bei Höhenangst simulieren soll. Dabei wird gleichzeitig mit der Kamera zurückgefahren und auf das Objekt herangezoomt. Dadurch bleibt das Objekt zwar scheinbar unverändert, doch verschiebt sich die gesamte Perspektive des Hintergrunds, als ob dieser seine Position verändert. Dieser Effekt, der den natürlichen Sehgewohnheiten widerspricht, erweckt im Zuschauer den Eindruck, den Boden unter unter den Füßen zu verlieren, da die widersprüchlichen Informationen des Stillstands und der schnellen (Fall-)Bewegung in einem Bild vereint sind. Diese Technik wird nach ihrer erstmaligen Nutzung Vertigo-Effekt genannt.

Alfred Hitchcock hat einen Cameo-Auftritt, kurz bevor Scottie Gavin Elsters Büro betritt. Es existierten ursprünglich drei deutsche Synchronfassungen. Die erste aus dem Jahre 1958 ist verloren gegangen, während heute nur noch die Version von 1997 verwendet wird. Die 1984er-Version wird nicht mehr gezeigt. (ST)

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Mehr Bilder (8) und Videos (3) zu Vertigo - Aus dem Reich der Toten


Cast & Crew


Kritiken (6) — Film: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

Hisayasu S: DAS MANIFEST.COM

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10.0Lieblingsfilm

Ich kann einfach nicht in Worte fassen, wie sehr ich diesen Film liebe. Sorry.

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SoulReaver: CinemaForever, D3M

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10.0Lieblingsfilm

[...] Hitchcock, ein Meister seines Fachs, inszeniert 'Vertigo' mit einer unglaublichen Brillanz wie man sie von ihm gewohnt ist. Der Film beginnt direkt mit einer tollen Szene, in der Scottie in einer Verfolgungsjagd über den Dächern von San Francisco abrutscht und zusehen muss wie ein Polizei-Kollege in den Tod stürzt. Danach nimmt Hitchcock den Fuß vom Gas und nimmt sich Zeit für seine Charaktere. Das dürfte für manche vielleicht langatmig sein, doch die Zeit benötigen die Charakter nun mal um ihnen die nötige Tiefe zu verleihen. 'Vertigo' lädt zu den verschiedensten Interpretationen und Analysen ein. Denn wie wir schon in '12 Monkeys' gesagt bekamen: Vertigo verändert sich nicht, nur der Zuschauer verändert sich und wird den Film immer wieder mit anderen Augen sehen. Hitchcock bleibt seinem Suspense-Image nicht im herkömmlichen Sinne treu. Er lässt die Bombe schon viel früher Platzen und richtet die Spannung so in eine ganz andere Richtung: Wie wird der gerade aus der Psychiatrie entlassene Scottie, nach dem Sturz seiner geliebten, auf Judy reagieren und wie wird er die Wahrheit aufdecken und verkraften? [...]

Kritik im Original 25 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

Teezy123

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naja,nun mal nicht übertreiben... sowohl Hitchcock als auch Stewart haben schon weit Besseres abgeliefert.... aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden :-)


SoulReaver

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Jap, zum Glück is das deine Meinung.


Mr Vincent Vega: Die 5 Filmfreunde, gamona, ...

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10.0Lieblingsfilm

Wahrscheinlich der beste Film, der je gedreht wurde.

28 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

sebastian.boehler

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Entschuldigung, werter Herr Vega, aber da du hier oft viele Filme mittels gut ausgewählter Formulierungen auf jedoch nicht sehr subtile Weise runtermachst, könntest du in diesem Fall auch mal erklären, WARUM "Vertigo" der beste Film, der je gedreht wurde, sein soll. Ich bitte darum.
Ich selbst habe ihn noch nicht gesehen...


Flibbo: Wie ist der Film?

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9.0Herausragend

[...] Brillant, wie Hitchcock sich die Möglichkeiten des Farbfilms zunutze macht und mit kleinen Tricks verstörende Bilder erzeugt, deren Wirkung von der Musik noch verdoppelt wird. Der großartige, zum Teil hypnotisch-beklemmende Score von Bernard Herrmann (Mitte der 50er bis Mitte der 60er Hitchcocks Stammkomponist) trägt eine nicht zu unterschätzende Verantwortung für die atmosphärische Dichte, die sich durch den ganzen Film zieht. [...]

Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

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8.0Ausgezeichnet

Auch wenn er etwas schwer in die Gänge kommt aus heutiger Sicht, lohnt sich Film alleine wegen Jimmy Stewarts Darstellung. Sein Charakter erscheint höchst ambivalent und fasziniert durch seine unheimliche Besessenheit. Die Farbdramaturgie und Bernard Hermans hypnotischer Score bleiben noch lange im Gedächnis.

5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Evie: www.inderzange.de

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1.0Ärgerlich

Für heutige Verhältnisse absolut schlecht, nichtssagend und auch nicht überraschend, für damalige Verhältnisse sicherlich gut, wie alle Hitchcock Filme doch, der Film ist für mich einfach nur langweilig.

3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 8 Antworten

Pyro 91

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"Nicht überraschend"? Du hast das Mörderkomplott also vorhergesehen? "Nichtssagend"? Hitchcocks persönlichster Film, der so viel über ihn als Person, aber auch über universielle Themen wie Obsession, Vergänglichkeit, Schuld, Melancholie etc. aussagt?
Es empfiehlt sich den Film nochmal zu gucken.


NWO@Movie

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Komisch. Ich hab bei der Beilage gelesen dass Vertigo 10 Jahre seit der Erstaufführung verkannt war.



Kommentare (97) — Film: Vertigo - Aus dem Reich der Toten


Sortierung

cule0809

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Bewertung9.0Herausragend

Seit Jahren endlich mal wieder diesen Klassiker angeguckt. Am Anfang stark kritisiert, gilt dieser Film heute als der beste Hitchcock-Film. Dem kann ich nicht zustimmen, für mich bleibt es Psycho aber trotzdem ist der Film klasse und super spannend inszeniert. Im Gegensatz zu Psycho, fand ich das Ende aber schon immer sehr vorhersehbar. Aber geht es in diesem Film überhaupt darum? Denke eher nicht. Es geht eher um die Frage wie verhält sich Scottie sobald er mit der Wahrheit konfrontiert wird? Diesen leicht depressiven und immer wieder vom Pech verfolgen Scottie wird unglaublich gut gespielt von James Stewart. Dennoch ist dieser Film weder hoffnungsvoll noch pessimistisch. Er bricht beide Gefühlswelten auf und zerrt uns in die Gedankenwelt von Scottie. Nur das ende, mein einziger Kritikpunkt am Film, kam mir etwas zu schnell vor.

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Medardus

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Überregisseur, Überfilme und hier ist einer davon.

Kaum Worte um das zu fassen, was hier passiert. Daher nicht lang schnacken, ein Meisterwerk unter vielen bei Alfred :)

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

LaLaland2000

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

So musst jetzt auch mal was schreiben zu mein Lieblingsfilm...Lange genug raus gezügert.Ist Aber Doch bis lang geworden :o)

(Achtung: dieser Review kann Spuren von Spoilern enthalten!)

Ist die Rede von Hitchcocks größten Filmen, kommt man am Titel “Vertigo” nur schwer vorbei(wie meine Wendigkeit). Ende der 50er Jahre, in einer damals ungünstigen (Nachkriegs-)Zeit, kam das traumwandlerisch-psychologische Thriller-Melodram mit James Stewart und Kim Novak in die Kinos - und wurde von einem Großteil der Zuschauer- wie Kritikerschaft abgelehnt. Heute hat man die Klasse des Films längst erkannt; er gilt als Richtungsweiser und Blaupause für Regisseure vom Schlage eines David Lynch ("Mulholland Drive"), Brian de Palma ("Dressed to Kill") oder Paul Verhoeven ("Basic Instinct"). “Vertigo”, in der übersetzten Form synonym für Schwindel oder Höhenangst, ist eine brillante Reflexion über Sein und Schein, ein manipulatives Spiel um Liebe und Tod mit doppeltem Boden!

Das Suspense-Kino eines Alfred Hitchcock lebt seit jeher von einem perfekt durchkomponierten Spannungsbogen. In “Vertigo” wird diese Technik auf die Spitze getrieben und bis an die Grenzen “psychologisiert”. Zunächst baut Hitch gekonnt eine Atmosphäre der Unsicherheit auf, in der wir Zuschauer und ebenso die (beiden männlichen) Hauptprotagonisten im Unklaren darüber gelassen werden, was es denn nun mit der Frau, die sich Madeleine nennt, und deren mysteriöser Vergangenheit, auf sich hat. Das Einführen von Figuren, die nicht konkret einzuordnen sind, aber einen Schlüssel zur Lösung des Geschehens zu bergen scheinen, gehört zu den wichtigsten Elementen dieses Suspense. Hitchcock lässt uns lange, sehr lange in der Luft hängen. Ist Madeleine geisteskrank oder paranoid? Der Sprung in die Wasserbucht scheint darauf hinzudeuten, zumal ihr nahe stehende Personen davon sprachen, sie sei von dem Geist ihrer Urgroßmutter Carlotta besessen, deren Bild sie auch immer wieder im Museum aufsucht. In den darauf folgenden Gesprächen mit Scottie gibt sie sich zwar selbstbeherrscht, weist aber merkwürdige Gedächtnislücken auf. Nach dem plötzlichen und erschütternden Tod Madeleines, der Scottie in eine tiefe seelische Verzweiflung stürzt (erstens weil er sich nun erneut verantwortlich für den Tod einer ihm vertrauten Person fühlt und zweitens weil er die Frau, die er liebte, verloren hat), zieht Hitchcock einen völlig neuen Handlungsfaden auf. Die von Unsicherheit und Rätseln dominierte Stimmung weicht nun einer anderen Form des Suspense. Der liebeskranke Scottie glaubt steif und fest, seine Frau sei noch am Leben. Diese Einschätzung beruht aber nicht (oder zumindest nur unbewusst) auf einer festen Überzeugung, sondern mehr auf dem Wunsch, das Tote, das Vergangene zurückholen zu können. Wenn er schon nicht über seine Krankheit hinweg kommt, dann will er wenigstens das wiederhaben, was ihm genommen wurde.

Als Scottie dann tatsächlich eine Frau (Judy) in einem Hotel trifft, in der er das Ebenbild Madeleines glaubt erkannt zu haben, steigert er sich in eine Art Wahn hinein, für den die vielen Schicksalsschläge die Ursache darstellen. Judy hat zwar keine blonden, sondern dunkle Haare, doch ansonsten gleicht sie Madeleine bis auf einige kleinere äußeren Anzeichen exakt. Er überredet Judy, sich mit ihm wieder und wieder zu treffen, was so weit führt, dass Scottie ihr vorschreibt, sich genau wie die Tote zu kleiden und zu stylen. Diesen Wahn seitens von Scottie, den der Zuschauer über weite Strecken eben nur für einen übertriebenen Wahn hält, das in seinen Augen Perfekte, Reine, für sich festzuhalten, lässt Hitchcock kurz darauf, nach einer erklärenden Sequenz, in völlig neuem Licht erscheinen und schafft somit eine emotionale Zwickmühle. Judy kennt Scottie sehr wohl und auch kennt sie Madeleine, weil sie nämlich Madeleine ist. Gavin Elster entpuppt sich auf einmal als die Schlüsselfigur in der durchaus vertrackten Angelegenheit, die Scottie als zentrale Person zum Zweck der Vertuschung eines Mordes instrumentalisieren wollte und nun dadurch, dass Scottie sich in Madeleine verliebt hat, etwas Unvorhergesehenes in Gang gebracht hat. Der Schwindel wird aufgedeckt und weicht einer schicksalhaften Tragödie. Eine wahrhaft schwindelerregende, verblüffende Wendung, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht, hier aber im Detail nicht weiter erörtert werden soll. Hitchcock spielt hier sehr schön und elegant die Klaviatur der psychologischen Abgründe, so dass es einem eiskalt den Rücken herunter laufen möchte.

Alfred Hitchcock arbeitet auf mehreren psychologischen Ebenen und mit unterschiedlichen Perspektiven. Die Liebe über den Tod hinaus, die Liebe zu einer Frau, welche lange als Trugbild erscheint, genauso ein Trugbild wie die Liebe zu dieser Frau an sich. Aus dem Grund seiner Höhenangst kann Scottie nicht verhindern, dass sein Kollege stirbt. Aus dem Grund seiner Höhenangst kann er nicht verhindern, dass schließlich Madeleine stirbt. Aber genau genommen hat er dies ja gar nicht verhindern können, weil Madeleine nie gestorben ist. Am Ende fällt Madeleine wirklich vom Glockenturm. Das Schicksal hat zugeschlagen und der Schwindel, der Betrug seitens Judy/Madeleine und Gavin Elster hat seine Opfer gefordert. Der Leidtragende ist im Endeffekt Scottie, der die ganze Zeit nur Instrument zweier Mordkomplizen war. Das Festhalten an der Frau ist fehlgeschlagen, dafür hat er nun seine Höhenangst überwunden. Diesen Schluss mag man deuten, wie man will. Auf jeden Fall ist dies aber eine der beeindruckendsten und cleversten Finals der Filmgeschichte. Was für Judy bzw. Madeleine gilt, hat sie Scottie die ganze Zeit geliebt und nur darauf gewartet, dass er ihrem “zweiten Ich” begegnet. Gestehen kann sie ihm diese Liebe nicht, weil sie dann das ganze Komplott, welches um diese Beziehung gestrickt ist, beichten müsste. Als der Schwindel auffliegt, führt dies unausweichlich in die Katastrophe. “Another thing I have to do now!”, sagt Scottie am Ende. Dieser Satz, den Madeleine zuvor sagte, kurz bevor sie (scheinbar) vom Turm stürzte, bedeutet, dass er ihr zeigen will, dass er die Wahrheit erfahren hat. An einer Halskette, die auch Carlotta auf dem Gemälde trug, hat er sie erkannt. Judy ist in ihrer perfekten Tarnung ein kleiner Fehler unterlaufen…

Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob einige Aufnahmen nicht doch im Studio entstanden, sind die Bilder durchgehend von somnambuler Faszination. Hervorgehoben seien an dieser Stelle zunächst einmal zwei Sequenzen am Anfang und in der Mitte des Films, die verstörende, paranoia-ähnliche Bildspielereien gebrauchen, um den Effekt psychischer Verzweiflung und Hilflosigkeit zum Ausdruck zu bringen. In einem Traum, den Scottie nach dem “Tod” Madeleines hat, sieht man seinen Kopf inmitten von einer Art buntem Kaleidoskop, er fällt hinunter in den gähnenden Abgrund, ins Bodenlose - eine doppeldeutige Szene. Der Abgrund charakterisiert sowohl seinen Zustand und sein zum Scheitern verurteiltes Bestreben, an der ewigen Liebe festzuhalten, wie auch den Fall Madeleines selbst in den Abgrund. Das Fallen steht - neben dem Grundton der Nekrophilie - ohnehin zentral in “Vertigo”. Alleine schon die Höhenangst Scotties impliziert die Angst davor, zu fallen.

“Vertigo” lebt des Weiteren von einer Reihe versteckter und sich stetig wiederholender Symbole. Als Scottie Madeleine auf den Glockenturm folgt, entfernt sich der Boden in seiner Einbildung in rasender Geschwindgkeit immer mehr und wird zum spiralenförmigen Strudel. Jenen Strudel findet man auch andernorts im Film wieder. Nämlich als kleinen Wirbel im Hinterkopf in der Frisur von Madeleine und ebenso in dem Porträt Carlottas im Museum. Dann wäre da noch der rote Speisesaal im Restaurant, in dem sich einige Spiegel befinden, so dass man die vorbeigehenden Personen wie Madeleine aufgrund eines günstigen visuellen Blickwinkels doppelt sieht. Dies ist wohl als Metapher auf Madeleines “Doppelrolle” im Allgemeinen zu verstehen. Beeindruckend auch die Szenen, in denen sowohl Scottie als auch Madeleine den Tathergang aus ihrer Perspektive gedanklich rekapitulieren. Eine dieser Sequenzen beinhaltet auch die Erkenntnis Scotties, dass es sich bei den beiden Frauen um ein und dieselbe Person handelt. Hitchcock zeigt die rote (!) Halskette erst an Judy und kurz darauf an Carlotta auf dem Gemälde. In Carlottas Augen blitzt das Schmuckstück kurz auf. Sie scheint in diesem Moment lebendig zu sein. Eine Gänsehaut-Szene! Überhaupt weiß Hitchcock perfekt mit Lichteffekten und dem Ausleuchten von Szenen umzugehen.

James Stewart, anfangs noch schlichter Sympathieträger mit leichtem Hang zur Selbstironie, wandelt sich immer mehr zur tragischen Figur. Er ist das hilflose Opfer und zugleich das alles entscheidende Rädchen in der Aufklärung des Todesfalles, weil er sich in Madeleine verliebt. Kim Novak steht in der Tradition der so genannten “kühlen Blonden”, die bei Hitchcock und beim film noir im Allgemeinen so beliebt war, die mysteriöse Frauenrolle, die ein Geheimnis birgt. Weiterhin sind Barbara Bel Geddes und Tom Helmore mit dabei, wenngleich die Geddes mit dem Mord/Selbstmord selbst gar nichts zu tun hat, sondern eher als psychische Stütze und beste Freundin Scotties fungiert. Die Musik schrieb erneut Bernard Hermann, der hier wohl eine seiner besten Arbeiten unter Hitchcock ablieferte und dessen Stil wie immer unverkennbar ist.

Alfred Hitchcocks “Vertigo” ist eine dunkle Thriller-Tragödie, die sich mit voranschreitender Laufzeit immer tiefer in seelische Abgründe verstrickt und den Zuschauer vollends in seinen Bann zieht. Ein filmischer Drahtseilakt zwischen logisch aufzuklärender, nüchterner Realität und dem träumerischen, eleganten Stil der (Film-)Kunst.

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sushi97

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Bewertung9.5Herausragend

So, nach fast zweieinhalbmonatiger Abstinenz, kehre ich mit diesem Kommentar "aus dem Reich der Toten" zurück ;-)
Dieser Film ist einfach unfassbar. Schon sehr lange Zeit war ich nach einem Film nicht mehr so berührt, so mit meinen Gedanken in ein Werk vertieft, wie nach dem Ansehen von "Vertigo". Ich war völlig hin- und hergerissen. Über 50 Jahre alt und dann so spannend, so perfekt inszeniert. Ein Meisterwerk.
Zu Beginn lässt sich der Film viel Zeit und geht besonders gut auf die vorkommenden Personen ein. Man macht sich Bilder, zum Teil falsche Bilder von den Personen und stellt Vermutungen an. Vermutungen über den weiteren Verlauf. Diese enorme Tiefe, die hier hergestellt wird, ist extrem wichtig für den weiteren Verlauf des Filmes. Denn "Vertigo" spielt mit den Personen und deren Charakterzügen. Und das in einer beeindruckenden, feinfühligen Art.
Die beiden Hauptdarsteller bieten auch eine ganz feine Vorstellung. Besonders James Stewart verkörpert seine Rolle als höhenängstlicher Verfolger und Liebhaber einmalig imposant.
Die nervenzerrende Hintergrundmusik lässt dich noch mehr mit den Personen in den jeweiligen Situation mitfiebern.
Zum Ende hin gibt es einen Twist nach dem anderen. Man lernt immer Neues über die Personen kennen und erweitert so sein Bild über sie, bis man wieder daneben liegt. Zum Ende hin, wenn man eigentlich fast alles weiß, wird es noch spannender und unglaublich dramatisch. Da überschlagen sich die Ereignisse bis zu einem perfekten Ende. Erst war ich über den Schluss sehr traurig, weil alle Hoffnungen geplatzt sind. Ja, ich habe so sehr mitgefiebert, ich war eigentlich schon mittendrin und habe versucht selbst einzugreifen. Aber ich konnte nicht. Und nachdem ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es gut so war. Denn das Ende hat eine solche Aussagekraft, die du mit deinen verwirrten Gedankengängen erst gar nicht sofort erkennst.
Ich kann den Film nur jedem ans Herz legen; er wird dich verfolgen! Und das in einer faszinierenden Art.

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torwei

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wo sind denn dann die restlichen 0.5 Punkte hin? ;)


natedb

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Bewertung9.0Herausragend

Hitchcocks "Vertigo" ist ein eleganter, tragischer Thriller und Liebesfilm zugleich, mit einer betörenden Kim Novak und einem doppelbödigem Plot. Die Fotographie ist beispiellos und San Francisco bietet die perfekten Kulissen für diesen bildgewaltigen Klassiker, welcher teils so hypnotisch und vereint mit Bernard Hermanns unverkennbarem Score beinahe gespenstisch daherkommt. Ein düsteres Labyrinth, einer der größten, mitreißendsten, schönsten Filme die je gedreht wurden, auf ewig!

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Revolvermann

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Bewertung7.5Sehenswert

Eigentlich gefällt er mir ganz gut. Aber für den völlig überflüssigen beknackten Sturz am Ende gibt es einen Punkt Abzug!

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icebo3rg

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Zu 100% mein Gedankengang gerade. Ich war auch bei 8.5 und dann dieser dämliche Sturz...unpassend und unnötig.


vega_vincent

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Bewertung5.0Geht so

Vielleicht mache ich mich unbeliebt, vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch gewesen, aber Vertigo hat mich nun wirklich nicht vom Hocker gerissen. Für seine Zeit mag der Film sicher visionär und handwerklich äusserst gut gemacht gewesen sein. Der Vertigo-Effekt, wenn man den so nennen kann, ist auch jetzt noch beeindruckend, viele Kamera-Einstellungen sind ungewohnt und ungewohnt gut. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich, wird einem aber leider so platt ins Gesicht geklatscht, dass es weh tut. Die Musik ist viel, wirklich viel zu aufdringlich und wird deshalb schnell nervend. Gefühlte zwei Drittel des Films fahren die Protagonisten in ihren Wägen durch Frisco, was dem Film ordentlich Tempo wegnimmt. Die Romanze ist schnulzig und kitschig – ja, richtig triefend, grässlich. Schade. Ach, Kim Novak ist der Hammer, das muss man schon sagen! :-)

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gunnar.wilhelmi

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"Die Musik ist viel, wirklich viel zu aufdringlich und wird deshalb schnell nervend."
Wirklich? Ich kenne eigentlich kaum einen Film, wo der Score so viel zur Atmosphäre beiträgt.
Allein schon in der Museumsszene:
https://www.youtube.com/watch?v=d-kcczAff40&list=PL518C3FE4926104E6&src_vid=FZ65jfSwpAk&feature=iv&annotation_id=annotation_891935
wird wahnsinnig viel Mysterie allein durch den Score aufgebaut. Und schließlich nicht zu vergessen, die beste Szene im Film und wahrscheinlich eine der besten der Filmgeschichte:
https://www.youtube.com/watch?v=tesqTwX7cpc&list=PL518C3FE4926104E6


vega_vincent

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Du hast dir zwei grossartige Szenen als Beispiele ausgesucht, keine Frage. Die Szenen an sich sind klasse; die musikalische Untermalung ist klasse. Das sind aber auch – von der Musik her – zwei eher subtilere Szenen. Zwischendurch ist die Musik zu aufdringlich und zu platt, so im Sinne von: «Hier, jetzt ist das und das gemeint, capiche?» Ich kann es nicht viel besser ausdrücken, aber die Musik ist teilweise so präsent, dass sie ernsthaft stört und dass der Zuschauer den Eindruck erhält, er werde für dumm verkauft und müsse mit dem Vorschlaghammer eingetrichtert erhalten, was der Regisseur zum Audruck bringen will.


razzo

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Bewertung5.0Geht so

Ach Alfred, was mach ich nur mit dir?!

Du hast mal gesagt: ''Spannung ist Kaugummi fürs Gehirn." Aber was tun, wenn sich die Spannung wie Kaugummi zieht?!

Den Master of Suspense hab ich hier leider nicht gesehen. Eher schon den Meister der ausschweifenden Theatralik.

Schmachtende Hollywood-Küsse, gekünstelte Leidenschaften, dramatischste Musik bei jedem kleinsten Anflug von Emotion oder Spannung. Hinter dieser ''Oberfläche'' ist es nicht leicht Hitchcocks Tiefgründigkeit zu entdecken.

Dabei hat die Handlung einiges zu bieten. Ein originelle, wendungsreiche Geschichte, die mit ihrer Konsequenz durchaus zu überraschen weiß. Nur leider wird diese Geschichte mit dem Tempo einer gemächlichen Kutschfahrt erzählt. Die Aussicht war schön, aber nach ner halben Stunde wollte ich eigentlich ganz gern wieder aussteigen.

Fazit: ''Vertigo'' ist für mich kein schwindelerregendes Meisterwek. Viel mehr ein zweistündiger Balanceakt zwischen Kunst und Künstlichkeit. Altmodisch (auch für seine Zeit) verpackt und langatmig inszeniert.

Noch will ich die Hoffnung mit mir und Alfred Hitchcock aber nicht aufgeben.

Nächster Versuch: Psycho.

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MarikBob

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Von Michael Bay :D


razzo

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Michael Bay dreht Vertigo - eine Nachricht die hier einen nie da gewesenen Amoklauf auslöst ;)


Brainybab

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Bewertung6.0Ganz gut

Nicht wirklich mein Lieblings-Hitchcock-Film - oder mein Lieblings Jimmy-Stewart-Film - oder mein Lieblings-Film überhaupt.
Die erste Stunde vergeht in gähnender Langeweile, fast ohne Dialoge oder Handlung und nur dadurch gefüllt, dass Menschen einander folgen.
Der Rest des Films erfüllt mich auch nicht gerade mit Frohlocken.
Immerhin, gut gespielt, Bilder schön durchgestylt, passende Musik. Wem das genügt, um den Film als Meisterwerk einzustufen, der möge das gerne tun.
Für mich ist er das nicht.
Die Punkte, die er bekommt, bekommt er für die tollen alten Bäume und Jimmy Stewart - und aus Reverenz an Alfred Hitchcock. Wäre das nicht, würde ich ihn noch schlechter einstufen, denn mit Kim Novak konnte ich mich leider nie so recht anfreunden. Ihre Garderobe ist aber superschick gewählt.

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Brainybab

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Sorry, dem kann ich mich leider nicht anschließen, aber so etwas ist immer Geschmackssache. Ich mag einfach andere Hitchcock-Filme wesentlich lieber: Marnie, Die Vögel, Cocktail für eine Leiche, Das Fenster zum Hof ... um nur einige zu nennen ...


Brainybab

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BTW: ich hab den Film auf Englisch gesehen ;)


Copacabanasun

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Bewertung9.0Herausragend

"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität."
(Alfred Hitchcock)
.
.
"Es ist, als ob ich einen langen Korridor entlang gehe, der einmal Spiegelwände hatte, und davon hängen immer noch Bruchstücke an den Wänden. Und wenn ich ankomme am Ende des Korridors, ist da nichts als Dunkelheit. Und ich weiß, wenn ich in diese Dunkelheit gehe, sterbe ich."

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benni565

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...ist ein Klassiker, mehr verrat ich nicht !
Aber wenn ihr nach dem "Genuss" dieses Film sagt :
"Mag ich nicht", "langweilig" oder "Sch..."....
dann sucht Euch wirklich ein anderes Hobby als Filmeschauen raus !!


Copacabanasun

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benni :D


Jek-Hyde

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Speuler
Aus dem Reich der Toten ist in Wirklichkeit wohl eher aus dem Reich der Hoden (verzeiht den Vergleich, aber er hing quasi einfach dran) denn hier geht es tatsächlich um eine Modernen Frankenstein im traumatische, psychischen Sinne, der seine "perfekte" Frau erschafft. Sogar mehrere Frauen werden erschaffen, die im Grunde genommen die gleichen sind. Hier zeigt sich wiedermal, dass Hitchock einfach en Genie war. Allein bei den ganzen Optischen Faszinationen, die der Film zu bieten hat, über die anfangs unvorhersehbare Geschichte, die in einem ach so vorhersehbaren Drama endet, doch wenn wir ehrlich sind...anders haben wir es gar nicht gewollt, den es geht um Frauen...wie immer. Die Natur hat uns im Griff, leibe Freunde. Sie ist quasi unser Puppenspieler. Ein Gefängnis mit Gitterstäben aus Hormonen. Aber was wären wir schon ohne sie? Wir wüssten weder aus (und hierauf besonderes Augenmerk) noch EIN. Vertigo ist eine Abwärts- und Aufwärtsspirale sondergleichen. Ganzer Personen werden kreiert und verworfen und neu Kreiert. Hitchock spielt Puppenspielergelich mit unseren Gedanken, indem er uns gerade genug Informationen gibt (mir persönlich zu wenig! Ich will wissen, warum der Typ nochmal seine Frau umgebracht hat) so dass wir geradeso klar kommen, sien böses Geheimnis lüften, dass er speziell für uns versteckt hat.
Oh ja, von Hitchock lernte ich eine menge über gute Geschichtenerzählern. Auch wenn Vertigo überraschenderweise nach der ersten Sichtung etwas an Schwang verloren hat, bleiben uns noch immer die Gedanken und die Ahnungen, die Gewissheiten und Ungewissheiten die "Zufälle" die Spirographengelich sich in die Höhe schrauben, bis...man oben runterstürzt:
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH...bum!

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AgentGuhl86

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Bewertung6.5Ganz gut

In meinem motivierten Vorhaben nun mal nach und nach die Klassiker der Filmgeschichte zu schauen, bin ich dank unterschiedlichster Ranking nicht an Hitchcocks "Vertigo" vorbeigekommen. Leider war mein Erwartungshorizont ziemlich groß. Tatsächlich habe ich mir etwas ganz anderes vorgestellt, als ich an Story zu sehen bekommen habe. Natürlich ist die Geschichte spannend erzählt und man knobelt über weite Strecken der Auflösung des Ganzen hinterher. Letztendlich war es aber - speziell das Ende - ziemlich enttäuschend. Da fehlte mir der große Clou und die Konsequenz den Handlungsfaden bis zum Ende zu spinnen.
Positiv im Gedächtnis verbleiben aber viele schöne Aufnahmen von San Francisco und Umgebung. Vermutlich werden die Filme Hitchcocks mich nie gänzlich vom Hocker reißen, obwohl sie spannende Geschichten erzählen. Der große Nervenkitzel blieb bei mir aber meistens aus (Psycho, Das Fenster zum Hof), mal abgesehen von "Die Vögel". Somit reiht sich Vertigo mit 6,5 Punkten ganz gut in diese Aufzählung mit ein.

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cpt. chaos

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Bewertung6.0Ganz gut

Dank der wahrlich meisterhaften Restauration, erstrahlt "Vertigo" in voller farbenfroher Pracht. Die Drehorte - allen voran San Franciscos Straßenbild, mit all den alten amerikanischen Limousinen, oder aber auch die Szenerie am Fuße der Golden Gate Bridge - sind ebenso grandios, wie die Geschichte selbst, oder aber auch die klasse Besetzung mit James Stewart und der kurvenreichen Kim Novak.

An den Kinokassen floppte Alfred Hitchcocks "Vertigo" und wurde von den Kritikern zerrissen. Als er nach einer aufwendigen Restauration 1984 wieder im neuen Glanz erstrahlte und neu veröffentlicht wurde, änderte sich die Sichtweise der Kritiker gravierend.
Mir hingegen gefällt nach wie vor die Aufmachung und die Geschichte, obwohl mir andere Werke des Altmeisters der Suspense besser gefallen ("Der unsichtbare Dritte", "Das Fenster zum Hof", "Psycho", "Bei Anruf Mord", "Die Vögel" und "Im Schatten des Zweifels").

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Simon Moon

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Ach die Kritiker... Die mochten auch den Adolf. WTF Kritiker?!? Ich mag das den wo eine Leiche im Wald finden am meisten. Da hat er am meisten keinen Respekt (der Meister) vor den Kritikern. Hat der sich nicht meistens überlegt wie er genau die kaputte Branche provozieren kann?


cpt. chaos

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Der verschrobene Kauz hat sein Ding gemacht - war sicherlich auch gut so! Du meinst "Immer Ärger mit Harry"! Konnte ich leider nicht sonderlich viel mit anfangen.


chmul_cr0n

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Bewertung7.5Sehenswert

mag das Ende immer noch nicht :(

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Pyro 91

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Wieso? Das Ende ist doch total genial! Der endgültige Tod von Scotties Illusion. :)


Suki93

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Von dem in 1957 gedrehten „12 angry men“ bin ich nun ins ein Jahr später gedrehte Meisterwerk von Alfred Hitchcock gewandert. Ein Film mit wortwörtlichen Höhen und Tiefen. Mein Film Nr.:
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☆#998 – „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ ☆
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“You know, the Chinese say that once you've saved a person's life, you're responsible for it forever.” - John “Scottie”

Vertigo, die (lat. „Umdrehung“); Schwindel, mit Schweißausbrüchen, Übelkeit u. a. objektiven Symptomen verbundener Zustand, der besonders durch Gleichgewichtsstörungen charakterisiert wird. Diese „Akrophobie“ unter die der arme Ex-Polizist Scottie leidet, kennen sicher viele. Auch ich konnte mich gut in seiner Angstsituation hineinversetzen, nachdem ich früher ungesichert 80m über freien Boden in einer offenen, wackelnden Gondel saß. Wenn man dann auch noch nach unten guckt, sieht man nur noch wie der tiefe Abgrund sich noch mehr in die Tiefe streckt. Tiefer als der Schlund Cthulhus…
Traumatisiert war auch Scottie nach der Verfolgungsjagt über den Dächern der Stadt. Er musste mit ansehen, wie sein Kollege in die Tiefe stürzt, während Scottie selbst baumelnd an einer Dachrinne hängt. Seitdem ist er aus seinem Dienst als Polizist ausgestiegen. Doch er wird von seinem alten Schulfreund Gavin Elster gebeten seine Frau zu beschatten, weil sie anscheinend vom Geist ihrer Großmutter besessen ist. Doch später kommt alles anders wie gedacht…
Die ganze Story ist verzwickt mit seltsamen Szenen und Traum Erscheinungen, mit Geistern und Mozart und was weiß ich nicht alles… aber so verrückt die Story auch sein mag, sie ist einfach toll! Hier und da hat es mir zwar ein wenig an Spannung gefehlt. Hier und da war es mir ein wenig schnulzig, aber alles in einem ist es doch ein weiterer super Film von Hitchcock!

Ich finde es zudem interessant, dass sich der gute Alfred in diesen Film so mit der Menschlichen Psyche auseinander gesetzt hat, und den Urängsten der Höhenangst nachgegangen ist. Besonders die Effekte und Kamerafahrten mit denen er den Zuschauern dieses Höhen- und Schwindelgefühl geben will, sind ihn wirklich gut gelungen. Auch der Cast wurde meiner Meinung nach mit James Stewart als Scottie und Kim Novak als Madeleine perfekt besetzt. „Vertigo“ ist das wahrhaftige Meisterwerk vom Altmeister Hitchcock.
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“Only one is a wanderer. Two together are always going somewhere.” – Madeleine

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jacker

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Viel zu viele um 'den besten' zu kühren ;)
Jetzt bin ich auch auf die nächsten 2 gespannt!


Suki93

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Ich könnte kaum sagen was für mich der beste Film wäre... Herr der Ringe? Irgendein Tarantino Werk? hmm :>
Ok, ich habe grade den 999. Film gesehen und... damn it, was zu Hölle war DAS?! I can't tell... Bewertung und Kommi gibts morgen. Ich muss meine Gedanken erst mal wieder klar kriegen...


ezemeze

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Bewertung3.0Schwach

Ein Film sollte sich selbst tragen können, Vertigo wird von sich selbst schwindelig.

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Hornblower

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Toll, dass Du Deinen Standpunkt so ausführlich darlegst!
(SPOILER:)
Mich hat der Film emotional total mitgerissen (optisch sowieso): Zunächst tappt der Zuschauer mit Jimmy Stewart im Dunkeln und erlebt die Geschichte aus seiner Sicht. Dann wird überraschend früh verraten, was für ein fieses Spiel mit ihm gespielt wird und man fiebert mit ihm mit, ob und wie das Komplott gegen sich aufdecken kann. Während dies geschieht wird Jimmy aber immer besessener und der Zuschauer schlägt sich mit seiner Sympathie immer mehr auf Kim Novaks Seite - aus dem Opfer ist nach und nach eine Art Täter geworden. Für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle!
(SPOILER-Ende)
Das hat bei Dir offenbar nicht funktioniert - schade, aber ist halt so; nicht jeder Film funktioniert bei jedem gleich gut. Zu blöd bist Du sicher nicht. :)
Ich bin übrigens total Deiner Meinung, dass nicht jeder Hitchcock ein Meisterwerk ist. Vor einiger Zeit hab ich "Riff-Piraten" (auch "Jamaica Inn" genannt) gesehen - für mich nicht mehr als ein altbackener Abenteuer-Film. Auch das Original von "Der Mann, der zuviel wusste" hat mich nicht vom Hocker gerissen, ebensowenig, wie seine Filme ab "Der zerrissene Vorhang".
"39 Stufen muss ich noch nachholen", danke für den Tipp! :)


ezemeze

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Gern geschehen. 39 Stufen ist für sein Alter in seinem Humor wirklich brilliant im Original. Vielleicht funktioniert Vertigo in ein Paar Jahren für mich:)


MrDepad

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Bewertung10.0Herausragend

Alfred Hitchcock - Collection [Blu-ray] -7/14-"Vertigo"
Eine visuell beeindruckende Titelsequenz leitet diesen Film ein und schon der Einstieg fesselt den Zuschauer. Nach einem traumatischen Erlebnis legt der Polizist John "Scottie" Ferguson den Dienst nieder. Aufgrund seiner Höhenangst fühlt er sich für den Job nicht mehr fähig. Da beauftragt ihn ein alter Schulfreund, seine Frau Madeleine ein wenig zu beschatten, da er glaubt, der Geist einer Verstorbenen würde immer wieder Besitz von ihr ergreifen.
Bereits mit der ersten Hälfte liefert Hitchcock wahre Filmkunst ab. Sobald Scottie beginnt, Madeleine zu verfolgen, ensteht eine sehr mysteriöse, fast surreale Atmosphäre. Die perfekte Kameraarbeit und der geniale Score sorgen für einen hypnotischen Sog, dazu kommt ein beeindruckendes Farbenspiel, wobei man die Bilder am liebsten aufsaugen würde. Wenn Scottie Madeleine über einen prächtigen Friedhof folgt, während das Bild in einen nebeligen Schleier verhüllt wird, ist das einfach pure Filmmagie. Äußerst gefesselt hab ich ständig gerätselt, was es mit dem eigenartigen Verhalten von Madeleine auf sich hat, während ich mich zudem an dem tollen Schauspiel von James Stewart und Kim Novak ergötzt hab. Nach einem weiteren harten Twist und einem regelrechten Richtungswechsel wird die Geschichte nicht minder spannend, bis Hitchcock dann schließlich förmlich eine Bombe platzen lässt. Von nun an ist man als Zuschauer zwar recht genau im Bilde, doch ab hier verschieben sich auch noch die Verhältnisse der Identifikationsfiguren. Das Ende kommt dann nochmal ziemlich unvorbereitet und man wird mit der Frage allein gelassen, für wen der Figuren dieser Schluss nun Erlösung oder Bestrafung darstellt.
"Vertigo" ist ein absoluter Klassiker, der mit seinem hypnotischen, leicht surrealen Stil wahnsinnig fesselt, perfekte Schauspieler bietet und dazu mit der wendungsreichen Story immer wieder überrascht. Ein zeitloses Kunstwerk, welches zum Nachdenken anregt und zu erneuten Sichtungen einlädt.

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mariega

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Bewertung9.0Herausragend

Vertigos Spiel von Spiegelungen
Nach Rebeccas Schattenspiel (1940), wo Hitchcock meisterhaft die Abwesenheit Rebeccas, die verstorbene Frau von Maxim de Winter filmt - Sie erscheint nie auf der Leinwand aber wie ein Geist überschattet sie den ganzen Film - filmt er in Vertigo, in einem verwirrenden Spiel von Spiegelungen, die Leere. Das Virtuelle flirtet unaufhörlich in einem expressionistischen Licht-Effekt mit der Wirklichkeit. Hitchcock trägt wie ein Maler die drei primären Lichtfarben - blau, rot und grün - aus seiner Palette auf die Leinwand um Effekte ins Licht zu bringen. Blau, die beruhigende Farbe des Himmels und des Wassers, als Atempause; Rot, die drohende Farbe des Alptraums, als Filter im Vorspann, in der Bar wo Scottie Madeleine zum ersten mal trifft, rot wie die Brücke von San Francisco, rot wie der fatale Schmuck; Grün, die Farbe des Todes, die Farbe des Rasens vor dem Friedhof und dem Turm, grün wie Madeleines Kleid und Auto.

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andaction94

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Bewertung4.5Uninteressant

Sowas von ärgerlich! Der Film beginnt überaus interessant erzählt, mit spannenden Autofahrten durch die Straßen von San Francisco. Außerdem besitzt er eine gute Portion Mystery. Man fragt sich, was denn überhaupt los ist, wieso manche Dinge geschehen. Hitchcock lässt den Zuschauer im Dunkeln tappen. Und das gelingt ihm überaus genial. Zu diesem Zeitpunkt des Films denkt man sich Dinge wie "ein Meisterwerk"; "großartig"; "toll gemacht". Und dann kommt der Wendepunkt, und ab hier lassen sich Spoiler leider nicht mehr vermeiden.
Madeleine (Kim Novak) stirbt. Scottie (James Stewart) war in sie verliebt und hat Kummer aufgrund dieses Verlustes. An diesem Punkt könnte der Film eigentlich vorbei sein. Aber nein. Dann lernt Scottie plötzlich eine Frau kennen, die seiner ehemaligen Geliebten sehr ähnlich sieht. Er zwingt sie dazu, sich genauso anzuziehen, wie Madeleine und geht mit ihr in unzählige Geschäfte, um ihr Kleidung zu kaufen. Dann erst bemerkt er nach langer Zeit, dass Judy, seine Neue, eigentlich Madeleine, seine Alte, ist.
Hier ist die Story viel zu langgezogen, James Stewarts Darstellung wird langsam unglaubwürdig und die lange andauernde Besessenheit Scotties, Judy in Madeleine zu verwandeln, nervt extrem. Dann klärt sich alles auf, und Madeleine fällt von jenem Turm, von dem sie angeblich schon einmal in den Tod gestürzt ist. Dieser Tod ist sowas von unnötig. Das Ende des Films ist meiner Meinung nach überaus enttäuschend.
Trotz guter Kamerarbeit und einprägsamer Musik ein vertanes Meisterwerk. Und es hätte so gut sein können.

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Ripley1

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Vertigo
Hitchcock selbst hat auf diesem sperrigen Titel bestanden, der ein medizinischer Fachausdruck für „Schwindel“ ist. Scottie Fergusons (James Stewart) Erkrankung ist jedoch keine physiologische; seine „Akrophobie“ – als solche wird sein Problem in der deutschen Synchronisation bezeichnet – verweist auf einen neurotischen Komplex, der die Dramaturgie und die Bildsprache des Films bestimmt. Wie so oft bei Hitchcock wird der Zuschauer eingeladen / verführt, die Perspektive eines Gestörten einzunehmen und sich ein Stückweit mit ihm zu identifizieren.

Scottie
Nachdem man James Stewart in „Rear Window“ als gehandicapten Voyeur im Rollstuhl erleben konnte, fällt ihm in „Vertigo“ wiederum die Rolle des gebrochenen Helden zu. Der Film beginnt mit einem Trauma: Bei einer Verfolgungsjagd über die Dächer San Franciscos rutscht der Polizist Scottie aus und hängt an einer Dachrinne. Hier wendet Hitchcock zum ersten Mal den später berühmt gewordenen „Vertigo-Effekt“ an, d.i. eine vertikale Kamerafahrt mit gegenläufigem Zoom, um Scotties innere Lähmung und Desorientierung zu veranschaulichen. Und dann stürzt sein Kollege, der ihn retten will, in die Tiefe: Angst und Versagen werden mit einem Schuldkomplex verknüpft. Und das ist nur der erste von drei Stürzen...

Midge
Midge (Barbara Bel Geddes), das klingt nicht nach Traumfrau wie „Madeleine“ oder „Carlotta“. Aber sie ist die Frau, die zu Scottie passen würde, wenn dieser nicht seinen Traumfantasien nachjagen würde. Sie ist Scottie zugetan mit aufrichtiger Liebe, ist aber auch so klug und lebenspraktisch, dass sie die Idee einer Ehe mit Scottie längst aufgegeben hat. Stattdessen wurde sie zur treuen Freundin, die eine Art Mutterfunktion eingenommen hat. Als Scottie den neuartigen BH in Augenschein nimmt, den Midge konstruiert hat, und die Frage stellt, was das denn sei, antwortet sie: „Du kennst doch solche Sachen. Du bist doch kein kleiner Junge mehr.“ Nachdem Scottie einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, tröstet sie ihn mit den Worten: „Mutter ist hier.“ Diese Mutterfixierung finden wir bei vielen Hitchcock-Helden.
Die Freundschaft mit Midge wirft ein weiteres Licht auf Scotties Charakter: Er ist ein unreifer Neurotiker, sexuell gehemmt und weit davon entfernt, eine reale Liebesbeziehung eingehen zu können.

Obsession
Besessenheit, das ist das eigentliche Thema des Films. Wenn bereits im Vorspann das Gesicht Kim Novaks zu sehen ist, schön, unnahbar, dann im Detail (Mund, Augen), gefolgt von Saul Bass’ genialer Animation mit Spiralen und Farben, dann ist klar: Dieses Gesicht, diese Frau ist eine enigmatische Projektionsfläche für Scottie Ferguson; und die Meisterleistung Hitchcocks liegt darin, dass wir Scotties Perspektive einnehmen und seiner kranken Traumreise folgen.

Der Plot (Spoiler)
Gavin Elster will seine Frau Madeleine beseitigen und kommt dafür auf eine perfide Idee: Er beauftragt Scottie Ferguson (wissend von dessen Akrophobie), seinen ehemaligen College-Kameraden, seine Frau zu observieren, weil diese angeblich von einer Toten, ihrer Urahnin Carlotta Valdez, besessen sei. Diese Urahnin hat mit 26 Jahren Suizid begangen, und Elster befürchtet, so behauptet er, seine Frau könne dasselbe Schicksal erleiden.
In Wirklichkeit beauftragt Elster die Verkäuferin Judy, ein einfaches Mädchen vom Lande, Madeleine zu spielen, damit Scottie sie verfolgt und Zeuge ihres Sturzes vom Kirchturm einer ehemaligen spanischen Mission wird. Weil Scottie aufgrund seiner Phobie Judy / Madeleine nicht auf den Kirchturm folgen kann, muss er ihrem Sturz hilflos zusehen. In Wahrheit stürzt aber nicht Judy, sondern die von Elster überwältigte wirkliche Madeleine vom Turm. Judy, Elsters Geliebte, ist Komplizin, Scottie ist der ohnmächtige Zeuge, dessen Schuldkomplex neue Nahrung erhält. Er fällt anschließend in eine tiefe Depression.
Typisch für Hitchcock ist, dass es nur vordergründig um die Kriminalgeschichte geht. Das Rätsel / der Fall wird weit vor dem Ende des Films aufgeklärt; Elster und seine ermordete Frau verschwinden aus der Handlung. Worum es wirklich geht, ist das Melodram um Scottie und seine obsessive Liebesgeschichte.

Vertigo zum Zweiten
Ein wiederkehrendes Motiv ist die Spirale: im Vorspann, in der Frisur der Carlotta und der falschen Madeleine, in der Wendeltreppe im Kirchturm, in der Straßenführung auf Scotties langen und langsamen, traumhaften Verfolgungsfahrten.
Die Spirale hat zwei Dimensionen: den Kreis und die Vertikale. Der Kreis symbolisiert die Wiederholung (drei Stürze, drei Tode, drei Verluste), die Vertikale die Abwärtsbewegung, das Fallen, den Kontrollverlust, den Strudel, den Schlund: Vertigo. Die Vertikale lässt sich auch geografisch festmachen (die Höhenunterschiede in San Francisco, wo Madeleine und Scottie sich bewegen), aber auch chronologisch / historisch. Immer wieder taucht die Vergangenheit auf, ob in der Geschichte der armen Carlotta, von der Madeleine angeblich besessen ist, und in den vielen historischen Schauplätzen (Friedhof, Museum, Mission) oder auch in dem vergeblichen Versuch Scotties, die tote Madeleine zurückzubekommen.

Die Gretchen-Frage oder: Was ist mit Judy?
In „Vertigo“ bekommt die kühle, unnahbare Hitchcock-Blondine, wie wir sie aus vielen Filmen kennen, eine eigene Geschichte, eine eigene Identität, ein eigenes Ziel. Das ist neu. Scottie verliebt sich in Madeleine, in der sich aber Judy verbirgt, die sich ihrerseits in Scottie verliebt. Konsequenz: Nach „Madeleines“ Tod trifft der depressive Scottie „zufällig“ Judy, deren „zufällige“ Ähnlichkeit mit Madeleine ihn fasziniert. So wie Pygmalion sich in seine eigene Schöpfung Galatea verliebt, so will Scottie aus Judy sein Idealbild Madeleine machen, bis ihn der Schlag trifft: Er erkennt, dass er einer Täuschung aufgesessen ist, dass er missbraucht wurde. Diese Erkenntnis, dieses Aufwachen aus dem Traum und aus dem Trauma, führt in die Katastrophe: Er führt Judy abermals auf den Kirchturm, jetzt ohne Akrophobie, und die panische Judy stürzt ab, als sie sich vor einer plötzlich auftauchenden Nonne erschreckt.
Die Figur der Judy hat ihre eigene Tragik: Sie ist auch eine Suchende, die enttäuscht wird. Ihr Geliebter Gavin Elster lässt sie fallen, nachdem der Mordkomplott geglückt ist. Und Scottie lässt sie ja auch fallen (vom Kirchturm), nachdem er erkannt hat, dass hinter der idealen Madeleine nur eine Judy steckt. Und dem Zuschauer geht es ähnlich wie Scottie: Wir mögen Judy viel weniger als Madeleine und sind enttäuscht. Beide, Scottie und Judy, verfehlen ihr Liebesziel.

Freiheit und Macht
In einem Antiquariat erfährt Scottie die Geschichte der Carlotta: der schönen Carlotta, der armen Carlotta, der irren Carlotta. Ihre tragische Geschichte aus der Frühzeit San Franciscos ist die einer unglücklich Liebenden, die von Männern missbraucht wird und schließlich Suizid verübt. Die Carlotta-Geschichte ist kein MacGuffin: Sie wiederholt sich bei Gavin Elster, der seine Frau Madeleine umbringt, und letztlich auch bei Scottie, der Judy zugleich mit seiner Liebesillusion sterben lässt. „Damals hatten die Männer die Macht und die Freiheit“, sagt der Antiquar. Die Geschichte wiederholt sich: Vertigo.

Traum und Wahrheit
Als Scottie die Wahrheit erkennt über Judy und über sich selbst, dann ist das keine Erlösung. Seine Höhenangst hat er vielleicht überwunden, aber am Schluss steht er allein mit leeren Händen und ohne Ziel. Der Traum ist zu Ende, die Obsession verloren. Aber die Wirklichkeit.... sie ergibt keinen Sinn.

Der enttäusche Platoniker
Scottie hat ein Ideal, d.i. Madeleine. An dieses Ideal will er Judy angleichen mittels Garderobe, Kosmetik, Frisur... Erst als Judy Carlottas Kette anlegt und Scottie erkennt, dass es Madeleine nie gegeben hat, da gerät er in einen Furor und muss auch Judy, das Trugbild, zerstören. Hier liegt also eine psychologische Notwendigkeit für Judys Tod. Warum dieser Furor? Warum die Gewaltlösung? Weil am männlichen Blick die männliche Identität hängt: Durch das unablässige Betrachten Madeleines sucht Scottie eine Selbstvergewisserung, eine Kompensation für seine tiefe Gestörtheit. Wenn das Bild nicht mehr stimmt, dann stimmt auch die Spiegelung nicht. Das Verstörende ist, dass auch Judys Tod für Scottie keine Heilung bringt, sondern Identitätsverlust.

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boxcarsboxcars

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Es gibt im durchaus lohnenden Buch von Stoichita ‘Der Pygmalion-Effekt’ ein Kapitel über ‘Vertigo’, das mir sehr gut gefallen hat. Auch der kleine Jelinek Artikel ist schön (http://www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fvertigo.htm). Ansonsten natürlich die Klassiker, ‘A Hitchcock Reader’ von Deutelbaum, Boyds ‘Perspectives on Alfred Hitchcock’. Auch wirklich gut ist ein etwas neuerer Text von Paul Elliott, Hitchcock and the cinema of sensations. Embodied film theory and cinematic reception, heißt der. Ich hab diesen Sammelband Henry Keazor herausgegeben noch nicht in der Hand gehabt (‘Hitchcock und die Künste’), kennst du den? Die Autorenliste sagt mir nicht viel.


Ripley1

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Danke für die Hinweise! In der Flut von Hitchcock-Büchern kann man Empfehlungen gebrauchen.



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