Star Wars: Schicksalsmächte zwischen Inspiration und Kommerz

Star Wars: Die Mächte des Schicksals
© Lucasfilm/Disney
Star Wars: Die Mächte des Schicksals
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Neben den ersten bewegten Bildern aus Star Wars: Die letzten Jedi gab es dieses Jahr auf der Star Wars Celebration auch die Ankündigung einer neuen Animationsserie, die sich vor allem auf die weiblichen Figuren der Star Wars-Saga konzentriert und den Titel Star Wars: Die Mächte des Schicksals trägt. Seit knapp zwei Wochen werden die rund zwei- bis dreiminütigen Episoden auf dem YouTube-Kanal von Disney veröffentlicht und feiern heute auch auf dem deutschen Disney Channel ihre Premiere. Erzählt werden Kurzgeschichten, die offiziell Teil des neuen Kanons sind und sich zwischen den Eckpfeilern der bereits erschienenen Filme und Serien abspielen. Einmal wandert so zum Beispiel Rey mit BB-8 durch die Wüste von Jakku und wird dabei mit einem Ungeheuer konfrontiert, das in Star Wars: Das Erwachen der Macht lediglich angedeutet wurde. Ein anderes Mal laufen sich Prinzessin Leia und Sabine aus Star Wars Rebels über den Weg.

Die Episoden sind recht kurzweilig gehalten, folgen einer klaren Dreiaktstruktur und kehren vorzugsweise an Orte zurück, die Star Wars-Fans unlängst verinnerlicht haben sollten. Corouscant und Endor sind nur zwei der Planeten, die dank ihrer prägnanten Kulisse schnell wieder zu erkennen sind. Auch darüber hinaus wartet Star Wars: Die Mächte des Schicksal mit vielen vertrauten Details auf, die vorzugsweise Lücken füllen. Dennoch hat die Webserie eine klare Botschaft: Nicht nur Luke Skywalker und Han Solo sind cool, sondern auch Padmé Amidala, Jyn Erso und Ahsoka Tano. Hier muss niemand als Damsel in Distress gerettet werden. Stattdessen sind die Frauen hier tonangebend, genauso wie Kathleen Kennedy als Chefin von Lucasfilm im Hintergrund die Zügel lenkt. Die Inspiration für die junge Zielgruppe liegt auf der Hand. Darüber hinaus transportiert Star Wars: Die Mächte des Schicksals aber noch eine weitere Botschaft.

Mit der Veröffentlichung der einzelnen Episoden auf YouTube wurde nicht nur potentiellen Nachwuchsfans der Zugang zu den Heldinnen des Star Wars-Franchise gewährt, sondern eine gewaltigen Merchandise-Maschinerie in Gang gesetzt, die eine Kinderbuchreihe zur Serie sowie eine Spielzeuglinie umfasst, die sich zwischen klassischen Actionfiguren und Puppen wiederfindet. Die Vermarktung der Marke ist nicht neu. Seit es Star Wars gibt, gibt es Star Wars-Spielzeuge. Star Wars: Die Mächte des Schicksal offenbart sich in dieser Hinsicht trotzdem als sehr schönes Beispiel, um zu verstehen, wie Disney mit seiner vor fünf Jahren erworbenen IP (Intellectual Property) umgeht. Das crossmediale Erzählen ist ein Begriff, der dabei nicht selten fällt. Gemeint ist die Expansion der erzählenden Medien. So wird etwa die Vorgeschichte des Kinofilms Rogue One: A Star Wars Story in Form eines Romans geschildert.

Star Wars: Die Mächte des Schicksal knüpft hierbei gleich an mehreren losen Enden der vorherigen Filme und Serien an und wählt als Plattform YouTube, was ideal geeignet ist, um die junge Zielgruppe zu erreichen, die fortan mit dem Wissen um die Heldentaten von Leia, Rey und Co. aufwachsen und im gleichen Atemzug die Spielzeuge auf ihrem Wunschzettel setzen. Über die Verwerflichkeit dieses kommerziellen Hintergrundgedanken kann gestritten werden und er sollte jedem bewusst sein. Viel ärgerlicher ist in diesem Fall aber das offensichtliche Kalkül im Deckmantel einer lobenswerten Sache - inklusive einer Ausführung, die wirklich nur die notwendigste Vorarbeit leistet, damit die Rechnung aufgeht. So nett und süß die bisherigen Episoden sind, genauso schnell verschwinden sie aus der Erinnerung all jener, die sie zufällig beim Scrollen in den Empfehlungen entdeckt haben, selbst wenn Lucasfilm mit Kanonhoheit und Originalsprecherinnen protzt.

Doch nicht einmal die Verpflichtung von Daisy Ridley, Felicity Jones und Ashley Eckstein kann darüber hinwegtäuschen, dass die Animationen bloß für das Nötigste herhalten und das Interesse an den Figuren pure Behauptung ist. Jenseits der üblichen Referenzen erweitert Star Wars: Die Mächte der Finsternis sein Universum nur bedingt. Die meisten Episoden folgen dem gleichen Muster und versetzen ihre Protagonistinnen in Situationen, die in Star Wars: The Clone Wars wohl maximal zur Überbrückung von zwei wirklich wichtigen Sequenzen stattfinden würden. Wenn sich zwei Heldinnen mit den Worten verabschieden "I hope one day we will fight together", dann verpufft diese verheißungsvolle Aussage so schnell in der Luft, wie sie ausgesprochen ist. Richtiges Gewicht wird Star Wars: Die Mächte der Finsternis nicht zugestanden. Das ist schade und irritiert, bemüht sich Lucasfilm aktuell doch sonst so um ein wohliges Narrativ, bei dem alles sehr sorgfältig ausgearbeitet ist.

Somit steht Star Wars: Die Mächte der Finsternis sinnbildlich für die Gratwanderung, die Lucasfilm unter dem Dach von Disney gerade absolviert: Auf der einen Seite sorgt die vorbildliche Unternehmung, die starken Frauenfiguren in den Vordergrund zu rücken, zuerst für Begeisterung und frischen Wind. Auf der anderen wartet die Enttäuschung mit dem Produkt, das zielgerichtet umgesetzt wird und nur die Mindeststandards erfüllt, um wahrgenommen zu werden. Sicherlich kann argumentiert werden, dass die Webserie bei ihrer Zielgruppe durchaus auf Zuspruch trifft - und dagegen ist erst einmal auch nichts einzuwenden. Wenn wir Star Wars aber als generationenübergreifende Marke betrachten, dann zeigt Star Wars: Die Mächte der Finsternis, wie schmal der Grat ist zwischen einer Weltraumsaga, die wir lieben, und dem Produkt, das wir konsumieren.

Habt ihr euch schon einen Eindruck von Star Wars: Die Mächte des Schicksals verschafft?

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