Disney's Eine Weihnachtsgeschichte
© Walt Disney Productions
Natürlich sind alle Kritiker des Lobes voll über die Möglichkeiten, die das neue 3D-Verfahren liefert und die in Eine Weihnachtsgeschichte von Robert Zemeckis auch umgesetzt worden sind. Aber das war es auch schon. Allerorten wird die Geschichte kritisiert, die wieder einmal nicht mit dem Stand der Technik mithalten kann. Flache Story in 3D, titelt Daniel Sander im Spiegel. “Der unbändige Willen zu spektakulärer Technik tut der Geschichte nicht immer gut. Ständige wilde Kamerafahrten wollen aus dem 3D-Effekt Nutzen schlagen, ohne das es in der Handlung immer besonders wild zugeht. Ganze Szenen werden darauf verwendet, mal eine Nase oder einen Finger aus der Leinwand hervorstechen zu lassen, ohne dass sonst etwas Nennenswertes passiert. Was im Gegenzug bedeutet, dass Robert Zemeckis eher eilig durch die Handlung prescht.”
Für Barbara Petsch von der Presse ist es durch Eine Weihnachtsgeschichte mit der Romantik im Kinderzimmer vorbei. “Harter und immer härterer Stoff muss her – und immer früher. Bald wird man Fantasy für Babys drehen. Gleich zu Beginn liegt Marley im Sarg. Missmutig kratzt Scrooge mit langen Krallenfingern Trinkgeld für den Sargträger aus seinem Beutel. Dann reißt er dem Leichnam die zwei Münzen weg, die seine toten Augen verdecken. Eltern kleinerer Kinder sollten überlegen, ob sie ihrem Nachwuchs diese brachiale Version zumuten wollen – auch wenn es Komisches gibt. Zum Beispiel den herrlich lebhaften Jim Carrey, der Scrooge und andere Figuren spielt.”
Das neue Verfahren ist laut Carmen Böker von der Berliner Zeitung zwar gut, aber allein reicht es nicht aus, wie Eine Weihnachtsgeschichte beweist. ” Jim Carrey zum Beispiel spielt dank dieses Verfahrens nicht nur den zur Hungerharke gebogenen Scrooge, sondern auch sämtliche Weihnachtsgeister, die mal wie eine Kerze mit dickem Gesicht, mal wie eine Mischung aus Barbarossa und Poseidon, mal wie ein böser Batman aussehen. Dass das technisch geht, ist in der Tat beeindruckend, wie auch die halsbrecherischen Vogelflüge über Dächer, Kirchtürme und Schornsteine hinweg. Aber zu rühren vermag einen dieses zum Setting umgerechnete Schicksal kein bisschen mehr. Früher war eben doch mehr Lametta.”
Eine Weihnachtsgeschichte hat ein Problem mit dem Rhythmus, meint Dirk Knipphals von der taz. “Die einzelnen Bilder und Sequenzen dieser Verfilmung von Charles Dickens’ “Weihnachtsgeschichte” sind beeindruckend – vielleicht etwas zu betont beeindruckend, beeindrucken-wollend, aber jedenfalls beeindruckend. Trotzdem findet Regisseur Robert Zemeckis zu keinem Fluss, keinem Flow. Manchmal verlangsamt Robert Zemeckis das Tempo zu sehr, um sich auf der schieren Wirkmächtigkeit der Bilder auszuruhen, so etwa wenn Ebenezer Scrooge vom Geist seines längst verstorbenen Kollegen (und noch größeren Geizkragens), Joseph Marley, heimgesucht und zur Lebensumkehr animiert wird. Spätestens beim zweiten der drei Weihnachtsgeister, die Scrooge die Erbärmlichkeit seines Lebens aufzeigen, würde man gern ein wenig vorspulen.”
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist über Eine Weihnachtsgeschichte etwas zwiegespalten, genauso wie der Film selbst. Robert Zemeckis Film “ist auf eine ausgesprochen zwiespältige Art großartig, die an Walt Disney selbst erinnert. Einerseits ist da eine Liebe zum Biedermeier und der technischen Illusion, die heute ausgesprochen altbacken wirkt. Nach dem Vorbild von Disneys Pinocchio taucht die Kamera – und man muss das unbedingt in einem 3D-Kino sehen – in eine Zuckerbäckerstadt ein, die nicht das Mindeste mit dem London von Dickens zu tun hat. Die Kamera fliegt dabei derart haarscharf um Schornsteine und durch schmale Öffnungen, als hätte Mary Poppins sie persönlich geführt. Dann aber gibt es in diesem Film auch einen erstaunlichen Sinn für märchenhaften Horror, wie er nur mit einem weiteren unvergesslichen Disney-Moment zu vergleichen ist, der Flucht von Schneewittchen durch den finsteren Wald.”
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Ines Walk (Ines Walk) 2009/11/05 11:01:00
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Kommentare
über Verrisse von Disneys Eine Weihnachtsgeschichte
Kommentar schreibenBatzman 2009/11/05 14:53:09
Kommentar löschenIch hab auch meine Probleme mit MoCop - aber das ewige Gegreine hier oder auch bei Oben, das die Filme zu hart für Kinder sind, finde ich unerträglich. Von Bettelheims "Kinder brauchen Märchen" - die auch Düsternis und Horror einschließen, sind wir bei einem überprotektiven WischiWaschi-Verständnis gelandet, nach dem Kindern gar nichts mehr zugemutet werden darf, was nicht Herzallerliebst und Treudoofharmlos ist. Eltern die sich um nichts mehr kümmern wollen und die Erziehung am liebsten ganz abgeben wollen, regen sich über alles auf was ihre lieben Kleinen vielleicht nicht alleine verarbeiten können. Da sind die düsteren Momente in Coraline, Oben oder eben hier schon zuviel. Doch Kinder sind nicht so dumm und gefährdet und kapieren eine ganze Menge. Und Kids gruseln sich auch gerne mal, wenn sie wissen, das sie Eltern haben die ihnen beistehen und ihnen helfen das Ganze einzuordnen und zu verarbeiten.
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alanger 2009/11/05 17:20:35
Antwort löschenwahre worte. für wie blöd kinder gehalten werden kann man schön bei vielen unsäglichen kinderbuchneuerscheinungen sehen.
KuoDyNe 2009/11/05 22:06:17
Antwort löschenDenken wir doch einfach mal an die Klassiker "Unten am Fluss" und "Felidae", um nur zwei Beispiele zu nennen. Wenn man mal im bekanntenkreis fragt, wer diese Filme als Kind gesehen hat, gehen sicher viele Hände nach oben und geschadet hat es auch nie jemanden. Klar sind das Filme, die ich heute sehe und denke "Gott, wie konnte ich das früher nur verarbeiten?" aber es sind nunmal auch schon damals Lieblingsfilme von mir gewesen, weils halt mal was anderes als das andere weichgespülte war. Immer heile Welt ist auch für Kinder langweilig, deswegen kapier ich diese diskussion um dieses "zu gruselig" überhaupt nicht.
nurleben 2009/11/05 15:17:37
Kommentar löschenHm, warum nur wusste ich das schon beim ersten unfreiwilligen Schauen des Trailers vor "Oben" :D.
Wenn man schlicht keine guten Geschichten mehr erzählen kann, sollte man als Filmemacher lieber mal die Fresse halten :P.
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Mr Vincent Vega 2009/11/05 16:26:09
Kommentar löschenHabe mal an der Umfrage teilgenommen.
Zum Film: Verschenkt.
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Norrington55 2009/11/05 20:30:39
Kommentar löschenIch glaube, diese Geschichte eignet sich einfach nicht zu einem 3-D-Spektakel für Kids. "Die Weihnachtsgeschichte" ist keine leichtverdauliche Kindergeschichte. Ich habe mich als Kind davor gegruselt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kinder heutzutage alle so abgebrüht sind.
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Brennegan 2009/11/06 00:58:16
Kommentar löschenDas viel größere Problem ist doch, dass seit einiger Zeit die neuen Errungenschaften eher dazu tendieren, den eigentlichen Kern des Films zu überspielen. Heute gibt es wirklich wenig Filme, die nicht durch den Inhalt, sondern eher durch das Aussehen brillieren wollen. Ich denke, dass es schon immer ein Problem war. Aber in der heutigen Zeit ist es immer mehr zu einem Grundkriterium des Films geworden.
Zwar habe ich den neuen Disneyfilm noch nicht gesehen, aber was ich so lesen durfte, scheint genau in die Richtung zu deuten. Ich will den Film nicht verurteilen, bevor ich ihn gesehen habe, aber man sollte vorsichtig sein. Trotzdem werde ich ihn mir ansehen.
Damals, mit Einführung der CGI-Effekte kam das erste Leid. Anstatt den Filmen eine gute Würze zu geben, versteifte man sich (oftmals) darauf, nur die Effekte spielen zu lassen. Mit Motion-Capturing ging es in die nächste Runde. Viele der tollen Animationsfilme sind dann doch eher mittelmäßig geworden, während viele gezeichnete Pendants häufig mehr Wirkung erzielen! Und nun soll auf einmal der 3D-Film das Kino revolutionieren.
Ich will damit keiner der Entwicklungen ihre positiven Möglichkeiten absprechen. Aber ein Film der Errungenschaft wegen ist für mich ein Sakrileg. Der Inhalt sollte noch immer im Vordergrund stehen. Und wenn selbst Vorlagen, wie eben die Weihnachtsgeschichte von Dickens unter solchen Entwicklungen leidet, spricht es für sich.
G-Force ist kein Kinderfilm mehr, Transformers kein Anspruch mehr. Star Wars ist nicht mehr Star Wars, Ster Trek ist zum Star Wars-Prequel verkommen. Aber das Herz fehlt allen Filmen.
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Warum ist Zemeckis eigentlich so geil auf diese Stop-Motion Technologie? Seine letzten Filme sehen furchtbar aus. Eine live-action "Weihnachtsgeschichte" mit Jim Carrey wäre doch viel interessanter gewesen. Da schaue ich mir doch lieber ein so liebevoll gestaltetes Werk wie "Fantastic Mr. Fox" an. Immer nur CGI ist langweilig.
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Kängufant 2009/11/05 12:09:30
Antwort löschenUnterschrieben! Davon abgesehen: Die realistische Darstellung von Menschen funktioniert einfach noch nicht richtig. Da ist immer noch etwas, das unnatürlich und befremdlich wirkt. CGI ist super für ohnehin irreale Filme und Effekte, aber warum man für so einen Film keine Schauspieler nimmt... als wäre Polar Express nicht schon schlimm genug gewesen.
Da schau ich mir doch lieber nochmal die Muppets Weihnachtsgeschichte an, als mit einem halbechten Jim Carrey über London rumzudüsen.