Was Blockbuster von Terminator 2 lernen können

Nach 25 Jahren wieder im Kino: Terminator 2 – Tag der Abrechnung
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Nach 25 Jahren wieder im Kino: Terminator 2 – Tag der Abrechnung
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Meint es gut mit den Menschen.

Heimkino hat Wiederaufführungen scheinbar hinfällig gemacht. Sogenannte alte Filme, die manchmal jahrelang im Kino zu sehen waren oder regelmäßig dorthin zurückkehrten, schauen wir heute nur noch in den eigenen vier Wänden – erst recht, seit bequeme Streaming-Angebote auch noch den vermeintlichen Umweg über DVD und Blu-ray ersetzen. Ein breites Publikumsbedürfnis nach Wiederaufführungen wird vielleicht auch dadurch verunmöglicht, dass Gegenwartskino und –Fernsehen im Modus ständiger Iteration operieren, es sich also bei den vielen Reboots, Remakes und Rückgriffen aufs Bekannte schon um permanente Wiederaufführungen des ewig Gleichen handelt. Erstaunlich wirken deshalb jene momentan zahlreichen Kinoneuveröffentlichungen älterer Filme, die an künstlerische Umjustierungen des New Hollywood (Die Reifeprüfung) oder Experimente des französischen Surrealismus (Belle de jour), an das Erhabene des chinesischen Wuxia-Films (Dragon Inn, A Touch of Zen) oder einstmalige Qualitäten des Auteur-Blockbusters (Unheimliche Begegnung der dritten Art, Das fünfte Element) gemahnen.

Ein solcher Auteur-Blockbuster kommt nun auch mit Terminator 2 - Tag der Abrechnung erneut in die Kinos, gezeigt wird er als 4K-restaurierte und 3D-konvertierte Fassung. Wichtiger als die technische Neubearbeitung, sagte James Cameron im Interview, sei die Möglichkeit, den Film überhaupt wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Als Blaupause des digitalen Blockbusters müsste er sich nahtlos einpassen in eine mehr denn je von teuren Eventfilmen besiedelte Kinolandschaft, die zumindest ästhetisch umsetzt, was Eventfilmpioniere wie Cameron vorgaben. Tatsächlich aber könnte sich Terminator 2 von seinen Tentpole-Erben kaum stärker unterscheiden, im direkten Vergleich vermittelt der Film über 25 Jahre nach Kinostart eher disparate Eindrücke. Ganz ähnlich verhielt es sich schon mit der (3D-)Wiederaufführung von Jurassic Park, dem zweiten großen Wegbereiter für das gepixelte Überwältigungskino der 1990er Jahre und darüber hinaus. Angesichts der vielen jungen Filmemacher, die sich heute auf James Cameron und Steven Spielberg berufen, scheint es seltsam, wie wenig sie ihre Vorbilder erfassen bzw. erfassen dürfen.

Zum Beispiel Selbstspiegelungen

Terminator 2 gehört zu den ersten Hollywoodproduktionen, in denen sich postmoderne und bald schon übel beleumundete Inszenierungsstrategien im Bewusstsein ihrer selbst nachweisen lassen. Der vormals mörderische Terminator soll niemanden mehr terminieren, die gefühllose Maschine wird ein empfindsamer und schließlich lernfähiger Ersatzvater. Sicherlich hat der Imagewandel von Arnold Schwarzenegger diese Umkehrung (oder wie es im Film treffender heißt: Umprogrammierung) der Titelfigur motiviert, doch nimmt Camerons Fortsetzungskonzept auch sonst zahlreiche Brüche vor. Der Beginn ist eine beinahe parodistische Variation des Vorgängers, die Zeitreiseprämisse einigermaßen absurd (das Zurücksenden der Cyborgs zur Abwendung der Apokalypse erweist sich als eigentliche Ursache des Weltuntergangs) – und neben zitierfähigen Punchlines ("Hasta La Vista, Baby", "Null problemo") machen einige äußerst selbstreflexive Einstellungen auf sich aufmerksam (Schwarzeneggers Gegenspieler, der aus Flüssigmetall bestehende T-1000, steht verdutzt vor einer silbernen Schaufensterfigur).

Bei James Cameron sind solche Momente hintersinnige Reflexionen eigener Entstehungsbedingungen oder allenfalls Gags am Rande, Spielberg hatte sie hingegen auf eine höhere, möglicherweise bereits letztgültige Ebene gebracht. Jurassic Park erzählte von Dinosaurierattraktionen, um zur Vergnügungstour durch sich selbst zu werden, mitsamt des eigenen Filmlogos und jener ins Bild gesetzten Merchandise-Produkte, die sich millionenfach verkaufen sollten (besonders selbstreflexive Einstellungen gab es auch hier, am Ende schimmern die Lichtkreisel eines Luftschachgitters auf dem Dinosaurierkopf wie Computerrechenpunkte). Derart intelligente oder romantische Ironie ist im jüngeren Blockbuster-Kino selten zu finden. Es kehrt Bedeutung nicht um, sondern versucht sie gänzlich zu vermeiden, und fühlt sich wohl in jenen überkommenen Niederungen ausgestellter Hanswurstigkeit, die seit Jahren auf eine Renaissance des puren Empfindens hoffen lassen. Besonders Superheldenfilme und deren fast nie ernst gemeinte Bedrohungsszenarien zelebrieren diesen Rückfall. Auf der Bild- und Tonebene scheinen sich darin ständig irgendwelche Witze gegen Profundes absichern zu wollen.

Weil es um etwas gehen darf

Dass die Trennlinie zwischen sanfter Doppeldeutigkeit und grobem Unernst mittlerweile derart scharf verläuft, hat offenbar mit einer Signifikanzen ebenso wie Gefühle scheuenden Risikopanik zu tun. Terminator 2 mag vielleicht nicht primär als tiefsinnige Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz oder der Angst vor einer Vernichtung menschlicher Zivilisation in die Filmgeschichte eingegangen sein. Doch ganz bestimmt hat James Cameron für seine Geschichte der nuklearen Katastrophe (verursacht durch militärische Computersysteme und letztlich die Menschen selbst) nachhallende Kinobilder gefunden, die sie in ein fortwährend beunruhigendes Verhältnis zum Spektakel setzen. Bei Cameron geht es immer auch um Dramaturgie. In der ersten Verfolgungsjagd ergibt sich Spannung weniger aus der (ohnehin theoretischen) Frage nach dem Überleben des jugendlichen Protagonisten, als vielmehr durch seine Unwissenheit darüber, dass einer der ihn verfolgenden Cyborgs gute Absichten hat. Manche rührt Terminator 2 sogar zu Tränen. Welcher Action-Blockbuster kann das noch von sich behaupten?

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