Garden of Bones

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 4

Joffrey Barretheon - Der geborene Tyrann
© HBO
Joffrey Barretheon - Der geborene Tyrann

Wenn die ersten Folgen der zweiten Staffel von Game of Thrones eines gemeinsam haben, dann ist es ihr bedächtiges Tänzeln um Fragen der Machtausübung und der Hierarchien, ob sie nun Kleinwüchsige oder Frauen betreffen. Dadurch liefen die ersten drei Folgen allerdings auch Gefahr, auf der Stelle zu treten. Immerhin haben wir die Hälfte der zweiten Staffel bald hinter uns (so traurig das ist) und große Konfrontationen müssen wir mit der Lupe suchen. Garden of Bones zieht nun das Tempo kräftig an, springt von Location zu Location, ohne Blick zurück. Dadurch wirkt Episode 4 etwas lose, aber auch höchst kurzweilig. Am Ende winkt eine der abgefahrensten Szenen der ganzen Serie. Wenn das keine Belohnung ist…

Was passiert: Furzwitze sind doof und werden mit dem Tod durch wölfisches Zerfleischen der Eingeweide bestraft. Abgesehen von dieser lehrreichen Einleitung darf Robb Stark, King of the North, nach einem kurzen Treffen mit Roose Bolton (für Buchkenner: !!!) seine Flirttechnik erproben. Er hilft einer energischen jungen Dame dabei, einem armen Lannister-Soldaten den fauligen Fuß abzusägen. Wer braucht da noch ein Dinner bei Kerzenschein? Ob die Dame eine Abwandlung von Jeyne Westerling ist, werden wir in den nächsten Folgen herausfinden (für Buchkenner: ???). Viel interessanter ist Joffrey, der seinen Arschlochfaktor in ungeahnte Höhen treibt, aber dazu später mehr. Derweil findet Littlefinger in Margaery Tyrell eine ebenbürtige Strippenzieherin (“You seem quite interested in our marriage.” – “Your marriage is quite interesting.”) und versucht seine alte Flamme Catelyn dazu zu verleiten, ihren Sohn Robb zu hintergehen. Daenerys steht noch immer in der Wüste, aber diesmal verlangt sie Einlass in “the greatest city that was and ever will be.” namens Qarth, ausgesprochen wie Qarth. Klaro?

Der Kampf um die Macht: Garden of Bones dürfte eine der düstersten Folgen von Game of Thrones sein. Das fängt an beim Leid der kleinen Leute, die auf den Schlachtfeldern für Herrscher wie Robb oder Joffrey Füße und Leben lassen. Ersterer mag nichts schlechtes im Schilde führen. An die Konsequenzen seines Feldzugs, an die Zeit nach dem siegreichen Abzug denkt er nicht. Ebenso wenig durchdacht handelt Joffrey, der seine zukünftige Braut Sansa Stark vor dem versammelten Hof demütigt. Joffrey ist wie ein unkontrollierbarer, präpubertärer Junge mit einem sehr großen Messer. Seine Gewalt, sowohl über Sansa, als auch die beiden Prostituierten, die Tyrion ihm zur Abreaktion ‘gönnt’, ist nicht sexuell motiviert. Selbst das Zeichen, das er Tyrion in Gestalt der malträtierten Frau schicken möchte, wirkt eher wie eine Trotzreaktion. Damit erhält Joffrey mitsamt seiner kranken Schaulust im Vergleich zur Vorlage eine deutlich negativere Schattierung, was durchaus Sinn macht, schließlich wirkt Jack Gleeson längst nicht wie ein 14-Jähriger. Der Serien-Joffrey ist stärker ein Produkt und Spiegelbild seiner unmittelbaren Umgebung. Tyrions Verweis auf den Mad King Aerys Targaryen, Vater von Dany, scheint nicht weit hergeholt.

Traumatisierende Bilder muss auch Arya verarbeiten, die in Harrenthal Folteraktionen von Gregor Clegane (The Mountain) und dem Tickler beobachtet. Arya hatte in Staffel 2 noch nicht viel zu tun, aber dafür häuft sie vor dem Einschlafen à la “Ich packe meinen Koffer” eine ordentliche To-Do-Liste an. Auf der stehen beispielsweise Joffrey, Cersei, The Hound und ein paar Namen werden sicher hinzukommen. Wir müssen uns hier vor Augen halten, dass Arya bereits jemanden getötet hat. Umso unheimlicher wirkt es, wenn das kleine Mädchen nachts all diese Namen voller Überzeugung vor sich hinflüstert. Das sind keine leeren Drohungen. Ob Tywin Lannister, der neue Herr von Harrenthal, davon etwas mitbekommt, werden wir in der nächsten Folge sehen. Gegen einen weiteren Monolog beim Ausweiden eines Tieres hätte ich nichts.

Die Blut- und Titten-Szene des Tages: Der WTF-Moment der Folge (oder Staffel?) geht ganz klar an die verehrte Melisandre, von Davos Seaworth liebevoll The Red Woman getauft. Besagte Melisandre versprach Stannis Barratheon vor zwei Folgen noch einen Sohn. Ob er sich bewusst war, dass sie in einer Höhle vor den Augen von Davos und den Zuschauern fix ein Schattenmonster gebären würde? Neben den verbrannten Türmen Harrenthals ist das Schattenfiech eindeutig das Effektehighlight der bisherigen Staffel. Kombiniert mit dem an die 80er gemahnenden Dröhnen, das als musikalisches Thema für Stannis fungiert, war das ein gothic-artiger Cliffhanger allererster Güte. Die wichtigste Frage aber bleibt: Gibt’s für Schattensöhne überhaupt ein Betreuungsgeld?

Der Paul Walker-Gedächtnispreis: Eine Ratte, ein Eimer und ein bisschen Feuer sorgen für mehr als nur ein wuschiges Gefühl in den Eingeweiden. Das wissen wir spätestens seit diesem Meisterwerk der Filmgeschichte.

Zitat des Tages: Leider kein Varys diese Woche, aber es gibt andere eloquente Männer in King’s Landing: “There’s no cure for being a cunt.” (Bronn)

Tyrion Lannister, Awesome Guy: Letzte Woche demontierte Tyrion Cerseis Vertrauten Pycelle. Diese Woche macht er sich ihren Lover und Cousin Lancel zum Informanten. Tyrion über Pycelle: “I could swear that I had not harmed a single hair on his head, but that would not, strictly speaking, be true.”

Weitere Game of Thrones-Recaps
The North Remembers – Staffel 2, Folge 1
The Night Lands – Staffel 2, Folge 2
What Is Dead May Never Die – Staffel 2, Folge 3

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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