The Rains of Castamere

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 3, Folge 9

Game of Thrones
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Game of Thrones

Buchkenner warteten wahrscheinlich sehnlichst auf die Umsetzung der sogenannten Red Wedding. Nun hat Game of Thrones in der vorletzten Episode von Staffel 3 Nägel mit Köpfen gemacht. The Rains of Castamere dürfte in seiner Schockwirkung nur von Baelor aus Staffel 1 übertroffen werden und Neulinge im Lied von Eis und Feuer ein für alle Mal klar machen, dass George R.R. Martin so gut wie jeden Charakter über die Klinge springen lassen würde (und wird?). Eine spannende Episode, die vielen lahmenden Handlungssträngen mehr Aktionen zugestand als in der gesamten dritten Staffel, war Folge 9 noch dazu.

Was passiert: Obwohl oder gerade weil das Lied The Rains of Castamere eine grausige Lannister-Anekdote besingt, ist die gleichnamige Game of Thrones-Folge ungewöhnlich Stark-lastig. Abgesehen von Daenerys, deren neuer Gefolgsmann Daario sich im Kampf um Yunkai als nützlich erweist, und dem belesenen Sam, beschränken sich die Autoren David Benioff und D.B. Weiss diesmal größtenteils auf die verbliebene Stark-Verwandtschaft. So kreuzen sich unwissentlich die Wege von Bran und Jon. Der zweitjüngste Stark-Sohn hatte in den vergangenen Folgen kaum Akzente gesetzt und so frage ich mich, ob seine übernatürlichen Kräfte wegen der Vernachlässigung der Wolf Dreams für Nichtkenner des Buches nun zu überraschend kommen. Dass Bran nun endlich etwas zu tun bekommt (er schläfert Hodor (Hodor!) ein) und eine wichtige Entscheidung fällt, ist in jedem Fall zu begrüßen. Konfrontiert mit der sehr realen Gefahr der Wildlings scheint er endlich ein Bewusstsein für sein eigenes Schicksal und seine Verantwortung entwickelt zu haben, wirkte er doch bislang etwas ziellos und damit umso mehr von den Reeds abhängig.

Im Konflikt mit den Wildlings und seinem eigenen Gewissen fällt Jon in The Rains of Castamere ebenfalls eine Entscheidung. In Staffel 2 streckte er Qhorin Halfhand mit dessen Einverständnis nieder, um seine Wildling-Loyalität unter Beweis zu stellen. Den Sinn seines Doppelagententums vermochten nicht nur die Drehbuchautoren in Staffel 3 kaum zu untermauern. So sucht er schließlich, anstatt den Bauer wie befohlen zu töten, das Weite und lässt Ygritte sprichwörtlich im Regen stehen. Die hat sich vorher eindeutig auf die Seite der Ex-Crow geschlagen und wirkt angemessen enttäuscht über den Fluchtreflex ihres Lovers. Den Gedanken an ein Entkommen hat Arya hinter sich gelassen. Warum auch nicht, führt der Hound sie doch direkt zu ihrer Familie. Bei den Twins wartet allerdings das Grauen auf die wehrhafte Stark-Tochter. Immerhin muss sie Robbs Tod nicht mit eigenen Augen ansehen, könnten wir meinen. Die Hinrichtung von dessen Direwolf Grey Wind schlägt eine Brücke zu jenen Moment in Staffel 1, in dem Arya Zeugin der Ermordung ihres Vaters wurde. Bei all dem Grauen, dass dieses Mädchen schon erfahren hat, überrascht ihre Härte gegenüber den Ängsten ihres Entführers und dem Kopf eines unschuldigen Bauern nur noch den Hound selbst.

In den Hallen der Freys sieht alles nach Party aus. Selbst Edmure freundet sich mit seiner Braut an. Der umtriebige Walder Frey, der seinen ersten Auftritt übrigens in Baelor feierte, hat freilich ganz andere Pläne. Zu den Tönen von The Rains of Castamere werden die Türen der Hochzeitsgesellschaft geschlossen, die Starks und ihre Verbündeten niedergemetzelt, bevor als letztes auch Catelyn dran ist. Diese muss noch zusehen, wie ihr ältester Sohn vom Verräter Roose Bolton einen Dolch in den Leib gestoßen bekommt. Was lernen wir daraus? Traue niemals einem Lehnsherr, der einen Mann mit abgezogener Haut auf seinem Banner trägt und… keinen Alkohol trinkt.

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