Auslöschung - Die wichtigsten Unterschiede zwischen Buch und Film

Auslöschung: Wie unterscheidet sich der Film von der Romanvorlage?
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Alex Garlands neuer Film Auslöschung sorgte direkt zu seinem Kinostart für Begeisterung und Verwirrung zugleich. Mit dem gestrigen Netflix-Start in Deutschland darf sich nun endlich auch das deutsche Publikum den Kopf über den Science-Fiction-Thriller zermartern. Vor allem Fans der gleichnamigen Romanvorlage von Jeff VanderMeer könnte Auslöschung teilweise sicher irritieren, unterscheidet sich der Film im Grunde doch drastisch vom Buch, das als erster Teil der Southern-Reach-Trilogie erschienen ist. Laut Nerdist ist der Film für Alex Garland wie ein Traum von dem Buch. Demnach seien sowohl Buch als auch Film eigenständige Dinge, die ohne einander und auf völlig unterschiedliche Art und Weise funktionieren würden, und das sei auch gut so. Wir wollen uns die wichtigsten Unterschiede zwischen Buch und Film genauer ansehen. Achtung, es folgen massive Spoiler zu Auslöschung!

Der Schimmer/Area X

Einer der markantesten Unterschiede zwischen dem Buch und dem Film Auslöschung ist die Ausarbeitung der mysteriösen Gefahrenzone. Die Unterschiede beginnen allein schon bei der Konzeption der Grenze. Während diese im Film als eine Art undurchsichtiger, öliger, regenbogenfarbiger Schleier visualisiert und das Gebiet von den Charakteren deshalb sogar als Schimmer bezeichnet wird, beschreibt VanderMeer die Grenze zu der seltsamen Zone als unsichtbar. Im Buch wird die mysteriöse Anomalie als Area X bezeichnet, im Film taucht dieser Name zwar auch auf, meint jedoch die Zone außerhalb der Anomalie, in der sich die geheime Basisstation der Regierung befindet. Im Buch ist die ganze Geschichte nicht wirklich geheim, so weiß sogar die Öffentlichkeit von der Anomalie.

Das Expeditionsteam

Im Buch besteht das Expeditionsteam aus einer Anthropologin, einer Landvermesserin, einer Psychologin und einer Biologin, wobei die Geschichte durch das Tagebuch der Biologin erzählt wird. Keiner der Frauen wird je beim Namen genannt, und auch sonst liefert das Buch wenig Hintergrundinformationen zu den Figuren. Lediglich über die Biologin erfährt der Leser etwas mehr. Auslöschung-Regisseur- und Drehbuchautor Alex Garland gab jeder der Figuren eine Hintergrundgeschichte und somit einen Grund für ihre Teilnahme an der Expedition, er gab den Frauen Namen und veränderte teilweise ihren Beruf und ihre Rolle in der Geschichte drastisch. Im Film besteht das Team schließlich aus der Biologin Lena (Natalie Portman), der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh), der Sanitäterin Anya (Gina Rodriguez), der Physikerin Josie (Tessa Thompson) und der Geologin und Vermesserin Cass (Tuva Novotny). Weiterhin sterben die Mitglieder des Teams auf eine andere Art und Weise als im Buch.

Lenas Ehemann Kane

Im Buch war der Ehemann der Biologin ebenfalls Teil der letzten Expedition in die Gefahrenzone und kehrte plötzlich ohne Erinnerung zurück. Anders als im Film starb er im Buch jedoch bereits vor Beginn der Geschichte an Krebs. Außerdem war er im Buch nicht der Einzige seines Teams, der zurückkehrte: Alle seiner Teamkollegen erlitten dasselbe Schicksal wie er. Ähnlich wie im Film stellt sich auch im Buch irgendwann heraus, dass es sich dabei nicht um ihren echten Mann, sondern viel eher um einen in der Anomalie erschaffenen Doppelgänger handelt. Während Lena im Film herausfindet, dass der echte Kane (Oscar Isaac) tatsächlich im Schimmer gestorben ist, findet die Biologin im Buch Tagebücher ihres Mannes, die auf sein Überleben hindeuten.

Weiterhin ist die Ehe der beiden grundsätzlich anders in Buch und Film. Im Buch haben die beiden schon länger Schwierigkeiten miteinander, die Biologin jedoch keine Affäre wie im Film. Die Unterschiede in der Beziehung der beiden machen außerdem deutlich, was für einen großen Einfluss diese Details auf die Dynamik der Geschichte haben. So ist der Ehemann im Buch für die Biologin keine Motivation dafür, an der Expedition teilzunehmen, der Verdacht auf sein Überleben hält sie jedoch an, zum Ende des Romans in der Anomalie zu bleiben, um nach ihm zu suchen.

Der Turm

Im Buch finden die Figuren irgendwann einen Tunnel mit einer Wendeltreppe in Area X. Die Biologin bezeichnet diesen merkwürdigerweise als Turm, was weiterhin die Veränderung der Wahrnehmung von Sprache innerhalb der Anomalie zeigt und worauf vor allem in späteren Büchern erneut eingegangen wird. Im Turm stößt das Team auf eine merkwürdige, religiös konnotierte Inschrift an den Wänden, die tatsächlich aus einer Art Pflanze besteht. Die Biologien atmet Sporen dieser Pflanze ein und beginnt daraufhin, sich zu verändern. Im Film wurde der Turm vollständig ignoriert, lediglich die Höhle im Leuchtturm zum Ende des Films hin erinnert in gewisser Weise an den Turm aus dem Buch.

Das Ende

Vor allem im dritten Akt der Geschichte unterscheiden sich Buch und Film stark voneinander, sogar so sehr, dass die gesamte Botschaft und Dynamik im Film zu etwas ganz Eigenem werden. Im Buch läuft die Handlung schließlich darauf hinaus, dass alle tot sind, die Biologin die Tagebücher ihres Mannes findet und daraus liest, dass dieser womöglich am Leben ist. Sie entschließt sich, zurück in den Turm zu gehen, wo sie jedoch auf die körperliche Manifestation, den Kern der Anomalie trifft. Sie nennt das Wesen den Crawler, es handelt sich dabei um die Mutation des ersten Menschen, mit dem die Anomalie je in Kontakt kam. Die Biologin erkennt schließlich den Leuchtturmwärter in dem Wesen. Das Buch endet damit, dass sie entscheidet, in Area X zu bleiben und nach ihrem Mann zu suchen.

Anders als der Roman, der den ersten Teil einer Trilogie bildet, steht Alex Garlands Auslöschung als Einzelwerk da. Dies wird vor allem mit dem Ende des Films deutlich. Lena konfrontiert ebenfalls den Kern der Anomalie in einer humanoiden Form und zerstört diesen. Anders als im Buch löst sich dadurch jedoch der Schimmer auf, sie kehrt zurück zur Basisstation, und auch Kane ist geheilt. Es stellt sich jedoch heraus, dass die beiden nicht dieselben sind, dabei bleibt offen, was genau sie tatsächlich sind. Fest steht lediglich, dass die Anomalie sie verändert hat, verändern sich doch die Augenfarben der beiden auf mysteriöse Art und Weise.

Die Bedeutung des Titels

Während Buch und Film definitiv das Grundmotiv der Selbstzerstörung als Kernelement der menschlichen Identität teilen, stellen beide Werke dieses Motiv letztendlich in einen völlig anderen Kontext. Laut Nick Statt von The Verge interessiere sich VanderMeer für diese Idee eher auf größerer ökologischer Ebene, das Buch könne somit einwandfrei als Allegorie auf die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen gelesen werden. Während sich der Autor mit dem Titel weiterhin auf die Auslöschung menschlicher Rationalität und Kontrolle beziehe, scheine Garland den Begriff in seinem Film anders aufzufassen. Im Film gehe es eher um die Auslöschung der schieren Vorstellung eines Selbst und somit im Grunde um die Frage nach Identität auf einer persönlicheren Ebene.

Letztendlich unterscheiden sich der Roman von Jeff VanderMeer und der Film von Alex Garland wirklich enorm voneinander. Im Grunde übernimmt Garland lediglich die Prämisse des Romans und erschafft etwas völlig Neues, wodurch die Grundidee aus zwei verschiedenen Perspektiven behandelt wird. Auslöschung ist seit dem 12.03.2018 auf Netflix verfügbar.

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