Pans Labyrinth

El Laberinto del Fauno, MX, US, ES 2006

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7.6

Sehenswert

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Kritiker: 8.0

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Genre
Politdrama, High Fantasy, Gegenwartsfantasy, Familiendrama
Zielgruppen
Über 18
Inhalt

Die kleine Ofélia zieht mit ihrer hochschwangeren Mutter zum Stiefvater in eine ländliche Gegend Nordspaniens. Der Stiefvater hat dort den Auftrag übernommen, im Jahr 1944 kurz nach General Francos Sieg, die republikanischen Rebellen zu bekämpfen… Mehr

Cast
Ivana Baquero, Doug Jones, Sergi López, Ariadna Gil, Maribel Verdú, Álex Angulo, Roger Casamajor Mehr
Regisseure
Guillermo del Toro
Autor
Guillermo del Toro
Laufzeit
119 Minuten

Über diesen Film

Pans Labayrinth spielt im Jahre 1944, und somit nach dem Spanischen Bürgerkrieg und vor Ende des Faschismus, in der spanischen Provinz.

Handlung

Die zwölfjährige Ofelia (Ivana Baquero) und ihre hochschwangere Mutter C… Mehr

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Kritiker — Ausgezeichnet 8.0

Der Film Pans Labyrinth wurde von 55 Kritikern bewertet.

Fricki76: Asianfilmweb.de

9.0Herausragend

Pünktlich zur Oscarverleihung, die in der kommenden Nacht um 2.00 Uhr stattfindet, kommt meine Meinung zum sechsfach nominierten mexikanischen Fantasy-Drama „Pans Labyrinth“ vom Regisseur Guillermo del Toro, der mit „Mimic“, „Blade II“ und „Hellboy“ schon mehrere Filme realisiert hat, die in punkto „düsterem Touch“ in eine ähnliche Richtung gehen.

Spanien 1944. Der Bürgerkrieg ist beendet und Diktator Franco hat die Macht übernommen. Doch in den Bergen Nordspaniens liefern sich Partisanen mit den Regierungstruppen unter Hauptmann Vidal (Sergi Lopez) einen ungleichen Kampf. Dieser hat unlängst die Witwe Carmen (Ariadna Gil) geheiratet, die ein Kind erwartet. Gemeinsam mit Carmens Tocher aus erster Ehe, Ofelia (Ivana Baquero), holt er sie zu sich in sein Lager. Ofelia hat eine besondere Affinität zu Märchen und Fantasiegeschichten. Kurz nach der Ankunft bei ihrem grausamen Stiefvater wird sie von einer Elfe in eine nahes Ruinenlabyrinth geführt, wo… Mehr

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Gnislew: Sneakfilm - Kino mal anders

9.0Herausragend

"Pans Labyrinth" ist kein Kinderfilm und mit Sicherheit auch kein fröhlicher Fantasyfilm. Guillermo del Toros Film ist allerdings ein Meisterwerk. Fesselnd verbindet der Regisseur die Schrecken des Krieges und die Abenteuer eines jungen Mädchens in einer Fantasywelt. Fantastisch!

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Xander8112: at the movies

8.0Ausgezeichnet

Irgendwie weiß ich den Film nicht so ganz einzuordnen - Kriegsdrama, Fantasyfilm, modernes Märchen - “Pans Labyrinth” ist alles auf einmal und legt sich zu keinem Zeitpunkt fest.

Viel habe ich von dem Film erwartet - der Trailer damals war sehr vielversprechend und die allgemeinen Kritiken durchweg sehr positiv. Dabei bin ich allerdings eher von einem Fantasymärchen ausgegangen und weniger von einem Bürgerkriegsdrama mit Fantasy-Elementen - doch genau das ist es. Dies ist allerdings weniger schlimm. Auf beiden Ebenen funktioniert der Film und auch beide Teile würden ohne weiteres eigenständige Filme abgeben. Inhaltlich gibt es zwischen den beiden Welten auch Bezüge, insbesondere was die drei Aufgaben angeht, welche Ofelia erfüllen muss.

Optisch und akustisch macht der Film einiges her und ist das beste, was man seit langem im Kino (oder auf DVD) sehen durfte. Die Fantasy-Elemente sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die Computereffekte sind auch nicht mit einem Blick als solche erkennbar.

Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann diesen: Die Verknüpfung der beiden Handlungen entsteht teilweise sehr willkürlich. Das heißt, das nach ca. 15 min. Kriegsdrama dem Regisseur scheinbar aufgefallen ist, das es ja noch Fantasy einzubauen gilt - prompt folgen wir Ofelia wieder in ihre Fantasy-Welt. Fließende Übergänge sind etwas anderes - und doch trübt dies den Gesamteindruck nur geringfügig.

Ein Meisterwerk ist “Pans Labyrinth” also nicht, aber dennoch ein gutes, unterhaltsames Märchen für Erwachsene.

http://xander81.wordpress.com/2008/11/16/kritik-pans-labyrinth/

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Alle Kritiken (14)


Kommentare — Sehenswert 7.6

Der Film Pans Labyrinth wurde von 4927 Mitgliedern bewertet.

SpicyMåcHaggis

Bewertung10.0Lieblingsfilm

tragisches märchen für erwachsene und poetisch indirekte aussage des faschismus, in dem unheimliche Fantasy und blutige Realität verschmelzen: ein Meisterwerk des mexikaners guillermo del toro

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melkor1122

Bewertung8.0Herausragend

Sehr sehr schöner Film mit ganz tollen fabelwesen und Bildern, der Pan war das highlight für mich des ganzen filmes, diese art wie er gestaltet ist is für mich gaaannnzzz groß, die burtalität des Hauptmanns wird auch sehr gut rübergebracht, vorallem VORSICHT SPOILER die stelle an der er dem Bauer das Gesicht zersrümmert war schockierend SPOILER ENDE.
Alles in allem hat der FIlm eine 8,0 verdient da er sehr tole Bilder hat und definitiv unterhält :)

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jlorenz1

Bewertung9.5Lieblingsfilm

"Pans Labyrinth" ist ein äußerst eigenwilliger und bemerkenswerter, unerwartet dichter und ungewöhnlicher, häufig unverstandener Antifaschismusfilm. Zwei unwirklich erscheinende Welten - Faschismus als äußerer Alptraum und Märchenwelt als innerer Zufluchtsort - bespiegeln sich gegenseitig. In ihrer Mythenhaftigkeit gleicht "Pans Labyrinth" eher einer der Erzählungen E.T.A. Hoffmanns als einem reinen Fantasyfilm oder Politdrama.

Die Welt des Faschismus tritt in der autoritären Herrschaft des El Caudillo („Anführer“) Hauptmann Vidal auf. Er foltert. Er ist zynisch. Er ist machtbesessen. Er kontrolliert und dies nicht nur mit der Taschenuhr des Vaters. Er inszeniert sich selbst. Er ist perfide. Er ist teuflisch. Er ist verlogen. Er fordert unbedingten Gehorsam von Soldaten, Frauen und Kinder, kurzum von allen ein. Er ist menschenverachtend, frauenverachtend (Im Verhör von Mercedes "Es ist doch bloß eine Frau." 1:28:16). Er ist letzte Instanz (Im Verhör von dem stotternden Partisanen "Schau nicht ihn an. Ich bin der Chef. Über mir gibt es nämlich keinen mehr. Garcés?" "Ja, Herr Hauptmann?" "Wenn ich dieses arme Schwein laufen lasse, wird mir dann jemand widersprechen?" "Niemand, Herr Hauptmann. Dann kommt er frei." 1:12:24). Er ist Ursupator - selbst fünfzig Partisanen duldet er nicht.

Ideologische Unterstützung erhält El Caudillo im besonderen Maße von der katholischen Kirche. Auf dem Bankett, das er "zu Ehren" seiner Frau gibt, pflichtet ihm der Pfarrer zu seiner linken als erster sofort bei. ("Die Seelen dieser Leute hat schon Gott zu sich genommen, was mit ihren Körpern geschieht ist für den Allmächtigen nicht wichtig." 0:38:03). Später erläutert die katholische Kirche bei der Trauerrede von Ofelias Mutter ihre menschenverachtenden, etwas kruden Ansichten. "... denn wenn wir uns ihm [Gott] öffnen, nimmt die Erde nur mehr eine leere und sinnlose Hülle zu sich. Fern schon ist die Seele in der Herrlichkeit in Ewigkeit, denn es ist der Schmerz in dem wir den Sinn des Lebens finden. (...) Und nur durch sein körperloses Wesen [des Menschen] wird der Raum unermesslich, den er [Gott] in unserer Seele einnimmt" 1:22:28).

Beide Welten - Faschismus und Märchenwelt - haben ihre Mythen und ... ihre Symbole (nur greift der Faschismus unvergleichlich stärker in den Alltag ein). Der Faschismus hat das Symbol der Falange http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Falange_espa%C3%B1ola_Yugo_y_flechas.jpg - jenes Symbol aus Joch und Pfeilen, dass auf allen schwarzen Limousinen mehrmals zu sehen ist, die zum Bankett fahren, um dem Führer ihre Aufwartung zu machen.

In der Märchenwelt ist Pan das Symbol, der Ofelia antwortet "Ich? Ich hatte schon so viele Namen, alte Namen, die nur der Wind und die Bäume aussprechen können. Ich bin der Berg und der Wald und die Erde. Ich bin ... ich bin ein Pan, Euer ergebenster Diener Hoheit.". Er gleicht aber eher einem Satyr aus der griechischen Mythologie. Falange, Pan oder Satyr - alles ist griechischen Ursprungs. Der Ausdruck "Falange" entstammt in der Herkunft dem griechischen Wort "Phalanx", jene furchterregende aneinander gereihte Kriegerkette, die in Filmen so häufig am Horizont erscheint.

Während der Faschismus über Tage wütet, herrscht die Märchenwelt unter Tage - der Ort, den der Faschismus noch nicht in Besitz genommen hat. Diese Märchenwelt ist verloren, sobald der letzte Mensch dem Faschismus verfällt, denn dieser Faschismus duldet keine andere Welten neben sich. In der "Unendlichen Geschichte" taucht dieses Thema auch auf, jedoch wesentlich unpolitischer.

Mercedes glaubt nicht mehr an Märchenfeen und ihre Welt, aber sie wehrt sich gegen den um sich greifenden Faschismus, obwohl sie sich in allernächster Nähe zu El Caudillo befindet und auch Teil seines Systems ist. Sie fühlt sich "wie Abschaum" 1:10:08 deswegen, weil sie sich - auch wenn es nur zum Schein ist - dem Faschismus unterworfen hat. In ihrer tiefen Zerrissenheit ist nicht die Mutter von Ofelia, sondern Mercedes das zentrale weibliche Wesen im Film.

Den Partisanen hilft sie durch heimliche Informationen und Essenslieferungen. Für den El Caudillo ist sie Hauswirtschafterin und für Ofelia wird sie zusehends Ersatzmutter, weil ihre eigene Mutter mit Leib, Geist und Seele dem Caudillo verfallen ist. (0:47:20)

Ofelia ist noch im wahrsten Sinne des Wortes ein unbefangenes Kind, das aus einer gewissen Natürlichkeit und kindlichen Intuition dem neuen Vater, dem El Caudillo, sich nicht unterwirft - selbst dann nicht als ihre engste Bezugsperson - ihre Mutter - dies tut und sie dazu sogar anhält. Ähnlich wie in jedem Märchen wird Ofelia Prüfungen - einer Initiation - unterworfen, in dem sie den Schritt vom Kind zum Erwachsenen macht.

Die Entscheidung für die erste Prüfung ist gleichzeitig eine Entscheidung für die Märchenwelt und gegen den Faschismus, da das Festbankett des Caudillos unmittelbar bevorsteht, auf dem auch sie "repräsentiert" werden und im eigens neues Kleidchen erscheinen soll, das sie wie Alice im Wunderland aussehen lässt. In Märchen steht der Schlüssel immer für den Beginn der Handlungsfreiheit. So rät in "Eisenhans" der wilde Mann dem Prinzen den Schlüssel zu stehlen, den seine Mutter unter ihrem Kopfkissen versteckt hat. Die Riesenkröte steht für den alles vereinnahmenden Faschismus und die den Baum des Lebens als sichtbares Verbindung zwischen der Welt unter und über Tage - zum Absterben bringt. "Zu Beginn der Zeit, als der Wald noch jung war, lebten Tiere, Menschen und magische Wesen einträchtig zusammen .. Sie beschützten einander und schliefen gemeinsam im Schatten eines prächtigen Baumes, der auf der Anhöhe wächst ... in der Nähe der Mühle. Doch jetzt stirbt dieser Baum ..." 0:29:46 Im Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" ist eine Kröte, die einen Brunnen zum Versiegen bringt.

Der Schlüssel spielt auch über Tage eine wichtige Rolle. Der Caudillo verwahrt die Essensvorräte in einem abgeschlossenen Lagerraum der Mühle, dessen vermeintlich einziger Schlüssel er alleine verwahrt. Mercedes übergibt den Zweitschlüssel den Partisanen, die den Lagerraum später plündern. Der scharfsinnige Caudillo erkennt am nicht aufgebrochenen Schloss einen Verräter im eigenen Lager.

In turbulenten Ereignissen geht es ein wenig unter, dass Ofelia mit Essensentzug für erste Prüfung bestraft wurde und hungrig zur zweiten Prüfung antritt. Die Öffnung durch die Wand erinnert noch an "Alice in Wunderland". Das reich gedeckte Bankett mit dem Ungeheuer, das laut Pan kein menschliches Wesen ist und dennoch entfernt menschliche Wesen trägt und an der Stirnseite sitzt, erinnert jedoch an das Bankett des Caudillos in der Mühle. Zeichnungen an den Wänden und einen kurz gezeigten Schuhhaufen 0:55:42 zeigen das Ungeheuer als ein Menschen verschlingendes Unwesen. Interessanterweise gleicht der gefolterte stotternde Partisan nach der Prozedur unfreiwillig jenem nicht mehr menschlich wirkenden Wesen - ein versteckter Hinweis wohl darauf, dass der Faschismus Menschen freiwillig zu solchen Ungeheuer macht oder sie dazu mit Gewalt zwingt. Ofelia muss nun eines von drei Schlössern in der Wand öffnen. Eine der Fee zeigt wie im Märchenbuch gemalt (0:53:45) auf das mittlere. Im letzten Moment entscheidet sich Ofelia für das linke Schloss und findet richtiger Weise tief am Boden der hinter dem Schloss liegenden Aushöhlung einen unbenutzten Dolch.

Es ist mir unklar, wofür die drei Schlösser stehen. Sind es die drei politischen Grundrichtungen links, Mitte, rechts? Wenn es so wäre, hätte Ofelia sich für die Partisanen und gegen den Faschismus entschieden. War es die Handlungsfreiheit, die Ofelia mit der ersten Prüfung gewann, so ist es Selbstvertrauen in die eigene Intuition oder kurzum Selbstsicherheit in der zweiten. Bei "Krabat" erkennt die Liebste unter den vielen Raben, zu dem der Liebste auch verwandelt wurde, intuitiv ihren Liebsten und rettet ihn dadurch. Der Glaube an die eigene Intuition, an die innere Stimme steht auch im Widerspruch zum Faschismus, der blindes Vertrauen zum Führer einfordert und Eigenmächtigkeiten nicht duldet.

Beim Rückzug nascht die hungrige Ofelia mit dem Rücken (!) zum Ungeheuer von den Trauben, das fast unerkannt sich von hinten an sie heranschleicht (als Mercedes später mit Ofelia im Regen in die Berge flieht, steht der Caudillo auch nach einer Drehung plötzlich vor ihr 1:26:51) - wären da nicht die Feen als selbstlose Freundinnen. Originell ist wie das eigentlich augenlose Ungeheuer sich die wachen Augen in die Krallenhände einpflanzt und diese wie Fächer gespreizt sich vor das Gesicht hält. Das Ungeheuer scheint irgendwie von Hieronymus Bosch oder Francisco Goya und das Auge als solche dem Allsehenden Auge entsprungen zu sein. Der kurze Abstand zwischen Auge und Krallen stehen wohl symbolisch für den schnellen Zugriff des Faschismus. Die Augen spielen der "realen" Welt auch eine Rolle. Einer der beiden Wilderer des Nachts starrt den Caudillo unentwegt an, der unvermittelt mit dem Dolch auf dessen Augen und ins Gesicht wild einsticht (0:16:18).

Ofelia entkommt, jedoch hat sie die Prüfung nicht vollends bestanden. Die Entsprechung findet sich in den ausgehungerten Partisanen. Der Caudillo hatte die Reduzierung der Lebensmittelkarten auf dem Bankett angeordnet, damit nicht Reste an die Partisanen abgegeben werden können. Die Partisan starten zwar einen ablenkenden Scheinangriff auf die Eisenbahn um im Tumult ähnlich wie Ofelia vom reich gefüllten Lagerraum zu "naschen". Ähnlich wie bei Ofelia scheitert fast die Mission. Eine Gruppe von Partisanen kommt um. Der stotternde Partisan kann der Folter nicht standhalten und verrät fast alles. Hier sterben zwei Elfen, dort der Partisan unter Folter.

Die dritte Prüfung leitet das Finale ein. Ofelia soll ihren neugeborenen Bruder für ihre Heimkehr ins Märchenreich opfern, in dem sie sein Blut in das Labyrinth fließen lassen soll, und diesmal wird sie vom Faschismus in seiner wahren Filmgestalt, nämlich die des Hauptmann Vidals, verfolgt. Mit dem Bruder im Arm - hoffentlich interpretiere ich das nicht falsch - entdeckt sie ihr weibliches Wesen und weigert sich. Hauptmann Vidal erschießt eiskalt seine Stieftochter und reißt seine leiblichen Sohn und wohl "Nachfolger" an sich. Nur um wenig später von den Partisanen gestellt zu werden. Die Uhr seines Vaters symbolträchtig umklammert, fordert er Soldatenehre ein, die ihm verweigert wird. "Und sagt meinem Sohn ... zu welcher Stunde sein Vater gestorben ist. Sagt ihm, dass ich ..." "Nein, er wird nicht mal Ihren Namen erfahren." Mit dem Mord des "Tyrannen" stirbt auch unausgesprochen der Faschismus.

Auch der Name hat einen märchenhaften Charakter. In einigen Märchen verleiht die Kenntnis des richtigen Namens die Macht über den anderen. Märchenhaft und grandios in seiner Auflösung der Story ist auch das Ende von Ofelia. In 1:41:01 sagt der Pan "Weißt Du, das Tor wird sich nur dann öffnen, wenn wir das Blut eines Unschuldigen opfern." Zweimal besiegte Ofelia den Faschismus in verschiedenen Gestalten, das dritte Mal scheitert der Giftanschlag auf Vidal, aber nur zum Schein gewinnt der Faschismus: Vom Hauptmann erschossen und vor dem Labyrinth zusammengebrochen, rinnt ihr Blut in das Labyrinth des Pans. Tot in der diesseitigen Welt wird Ofelia von ihrer Mutter und ihrem für sie unbekannten Vater und dem Pan in der Märchenwelt willkommen geheißen und dies ist keine Halluzination infolge von eintretender Blutarmut! Auch wenn es unglaublich klingt, steht sie auch in der Märchenwelt gegen den Faschismus ein ...

"Es heißt, dass die Prinzessin in das Reich ihres Vaters hinab stieg und dass sie dort mit Güte und Gerechtigkeit herrschte, viele hundert Jahre lang, dass sie von ihren Untertanen geliebt wurde und dass sie kleine Spuren hinterließ von ihrem kurzen Dasein auf Erden, sichtbar nur für diejenigen, die wissen, wo sie suchen müssen."

Faschismus und Fantasy stellvertretend für Gedankenfreiheit scheinen hier einen irrwitzigen Kampf in der Person von Vidal und Ofelia auszutragen. Aber so irrwitzig ist es schon nicht mehr, wenn man an die Bücherverbrennungen während des Faschismus und den in ihr enthaltenen Welten denkt. Insofern ergeben die Worte Vidals nach aufgedeckter Flucht in die Berge in 1:27:18 einen neuen Sinn "Wie lange machst Du Dich schon über mich lustig?"

Ich könnte noch so vieles schreiben und vor Zeilen übersprudeln, diesen und jenen Gesichtspunkt ausarbeiten, Kritiken hier widersprechen oder bestätigen, die Webspacegrenzen eines Filmkommentares sprengen und dennoch will es nicht tun.

Schauspielerisch ist es eine große Leistung aller. Allen voran aber Sergi López als Hauptmann Vidal, Maribel Verdú als Mercedes und Ivana Baquero als Ofelia. Die Kamera, Dramaturgie, Inszenierung und Drehbuch sind exzellent. Die Dialoge sind perfekt. Sie gehen aber wie die Kameraführung im Trubel der Ereignisse etwas unter.

Es liegen mir nur zwei Sachen auf der Seele. Wie kann man nur einen politischen Film mit einem Fantasyfilm kreuzen? Guillermo del Toro macht dies äußerst raffiniert, in dem er beides in das Mythenhafte hebt. So kommt der menschliche Alptraum des Faschismus am ehesten zur Geltung - mehr noch als in einem nüchternen Dokumentarfilm, der bestrebt ist Fakten aufzuzählen. So meine ich.

An einigen Stellen ist "Pans Labyrinth" unsäglich brutal und fast blutrünstig. Es reicht schon aus, mit welchen Worten El Caudillo zweimal die Folter einleitet. Um ehrlich zu sein, habe ich beim ersten Mal weggeschaut und mich gefragt, ob dies sein muss? Ich meine ja. Der spanische Bürgerkrieg zwischen Juli 1936 und April 1939 (! - der Film spielt 1944) war mehr als grausam - sogar einigen Falange-Anhängern und das will etwas heißen. Es gab die von der deutschen Legion Condor zerstörte Stadt Guernica, die Pablo Picasso zu seinem Monumentalgemälde Guernica bewegte, welches in schwarzen, grauen und weißen Farbtönen den Schrecken jenes Apriltages zeigt und bis heute als denkwürdige Anklage gegen den Krieg gilt...

Ähnlich wie Picassos Monumentalgemälde halte ich "Pans Labyrinth" für ein cineastisches Monumentalwerk und ernste Anklage gegen Gräueltaten jenes spanischen Bürgerkrieges, obwohl ich schon mich verwundert frage, was einen Guillermo del Toro, der doch über Tausende Kilometer fernab von Spanien in Mexiko aufwuchs und das erst 25 Jahre später, bewegt ein solchen aufrüttelnden und engagierten Antifaschismusfilm zu entwerfen und zu filmen!

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