The Ghost of Harrenhal

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 5

Wem kann Dany trauen?
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Wem kann Dany trauen?

Shit got real. Die träge Phase der Exposition hat Staffel 2 von Game of Thrones nun hinter sich gelassen. In der letzten Folge gebar Priesterin Melisandre ein Schattenmonster und in The Ghost of Harrenhal dürfen wir und der arme Renly Barratheon es im Einsatz beobachten. Weniger gehetzt als Garden of Bones präsentiert Folge 5 trotzdem einige der wichtigsten Ereignisse in Staffel 2. Dabei zeigt sich die Serie bei Abweichungen von George R.R. Martins Vorlage so selbstbewusst wie selten. Die Serie Game of Thrones ist längst ein ganz eigenes Biest geworden, das auch von jenen Zuschauern gezähmt werden muss, die die Bücher in und auswendig kennen.

Was passiert: Der letzte Cliffhanger war einer der coolsten der ganzen Serie. Insofern muss der etwas überstürzte Einsatz von Melisandres Schattenmonster ein bisschen enttäuschen. Es ersticht Renly Barratheon gleich zu Beginn der Folge. Im Buch schlitzt er ihm hingegen die Kehle auf, was mir persönlich besser gefällt, was aber wiederum auch nach einem langen Gespräch mit einem Psychiater schreit. Catelyn und Brienne fliehen jedenfalls aus dem Lager. Tyrion entdeckt gigantische Reserven von tödlichem Wildfire in den Katakomben von King’s Landing und macht das einzig richtige: Er reißt sie an sich. Theon schmiedet einen fatalen Plan, um sich als Schiffskapitän zu behaupten und nimmt Winterfell ins Visier. Arya bietet Tywin Lannister in Harrenthal Paroli und Jaqen H’ghar, den sie vor dem Tod gerettet hatte, bietet ihr als Begleichung seiner Schuld drei Leben ihrer Wahl an. Dany steht diesmal nicht in der Wüste (zum Glück), sondern macht die Bekanntschaft der eigenwilligen Bewohner von Qarth, noch immer “the greatest city that was and ever will be.”

Der Kampf um die Macht: Was macht einen König zum König? Eine der wichtigsten Fragen von Game of Thrones spielt in The Ghost of Harrenthal wieder eine große Rolle. Joffrey besitzt die Macht, aber ist er deswegen mehr als nur Träger eines Titels? Wie die frischgebackene Witwe Margaery Tyrell richtig ausführt: ‘Calling yourself king, doesn’t make you one.’ Renly, der Krieg am liebsten nachgespielt hat, scheiterte daran. Sein Bruder Stannis fehlt es nicht an Entschlusskraft, aber ein Versöhner, einer der einen dauerhaften Frieden schafft, ist er nicht. Am liebsten würde er all jene ehemaligen Renly-Treuen bestrafen, die zu ihm übergelaufen sind. Das hat viel mit seinem Rechtsempfinden zu tun, wenig mit kluger Politik. Tyrion, kein Königsanwärter, hat zur Zeit ebenfalls Macht inne, doch im Volk wird er ungeachtet seiner Maßnahmen mit der Lannister-Mischpoke zusammengeworfen, die ihn so anwidert.

Daenerys dagegen scheint all das zu verkörpern, was den anderen fehlt. Sie zieht wie Renly die Liebe des Volkes an, ihre Rechtschaffenheit ist weder so verbohrt wie jene Stannis’, noch so blind wie die der Starks und ihr Wille zur Macht nicht so grausam wie Joffreys. Danys größte Macht ist das Feuer, was eine extrem süße Szene mit einem extrem süßen Drachen verdeutlicht, der ein Stück Fleisch herzhaft angrillt. Das Feuer ist eines der wichtigsten Motive der Folge, auch wenn wir kaum Flammen sehen. Tyrion bringt das extrem gefährliche Wildfire unter Kontrolle. Arya rettet Jaqen vor tödlichen Flammen und erhält im Gegenzug drei Leben. Nördlich der Wall scheinen Flammen zudem das einzige Gegenmittel gegen die White Walker zu sein.

Dass Dany allerdings leicht zu beeinflussen ist, wissen wir seit der letzten Staffel. Qarth steckt voll von manipulativen Gesellen wie Pyat Pree (der abgemagerte graue David Dopperfield), Quaithe (die säuselnde Dame mit der unpraktischen Maske) und Xaro Xhoan Daxos (der Dany und ihre Drachen am liebsten heiraten würde), die ihr Feuer unter ihre Fittiche nehmen wollen. Daenerys bringt die Eigenschaften einer echten Herrscherin mit, aber ebenso die Naivität einer jungen Frau.

Die Blut- und Titten-Szene des Tages: Wenig Blut und gar keine Brüste gab es in dieser Folge zu bestaunen. Es ist schon seltsam, dass die auf Freizügigkeit bedachten Game of Thrones-Autoren ausgerechnet die Qarth’sche Sitte streichen, nach der die Frauen stets eine Brust unverhüllt lassen. Dafür können wir Gendry ohne Shirt bei Schwertkampfübungen beobachten. Das harte Leben als Schmied hat eben doch Vorteile…

Der Ezio Auditore-Gedächtnispreis: Jaqen H’ghar, gespielt vom Deutschen Tom Wlaschiha, Star aus Die Nacht, in der ganz ehrlich überhaupt niemand Sex hatte, sieht zwar überhaupt nicht aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Er trifft mein abstraktes Bild des Assassinen aber trotzdem perfekt. Klingt komisch. Ist aber so.

Das eiskalte Lächeln seiner neuen Freundin Arya, als sie über dem Leichnam des Folter-Experten The Tickler steht, ist wiederum Ausdruck ihrer fortwährenden Verrohung. Es zeigt allerdings, wie die tolle Szene mit Tywin Lannister, dass diese Arya schon ein paar Schritte weiter in ihrer Entwicklung ist als jene aus A Clash of Kings. Kenner des Buches dürfen spekulieren, für wen die Serie die restlichen Morde aufbraucht, denn in der Vorlage ist der Tickler kein Opfer des Assassinen.

Zitat des Tages: “Anyone can be killed.” (Arya)

Tyrion Lannister, Awesome Guy: Tyrions zu klein geratene Trage und die Art, wie sich Lancel da hineinquetschen muss, spricht Bände über Tyrions Methoden der Manipulation. Sein bester Moment ist trotzdem, wie er, die Liebe des Volkes erwartend, angeekelt seinen neuen Spitznamen ausspricht: “Demon Monkey?!”

Weitere Game of Thrones-Recaps
The North Remembers – Staffel 2, Folge 1
The Night Lands – Staffel 2, Folge 2
What Is Dead May Never Die – Staffel 2, Folge 3
Garden of Bones – Staffel 2, Folge 4

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