Jonathan Demme, Regisseur von Das Schweigen der Lämmer, mit 73 Jahren gestorben

26.04.2017 - 17:06 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Jonathan Demme am Set von Ricki - Wie Familie so ist
© Sony
Jonathan Demme am Set von Ricki - Wie Familie so ist
Jonathan Demme, Oscarpreisträger und Regisseur von Das Schweigen der Lämmer, Stop Making Sense und Philadelphia, ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Er drehte einflussreiche Musikdokumentationen und prägte das Serienkiller-Genre. Intime Familiendramen lagen Jonathan Demme ebenso wie schnittige Thriller, Komödien und aufrüttelndes Oscar-Kino. Wie soeben bekannt wurde, ist der Regisseur von Das Schweigen der Lämmer, Rachels Hochzeit und Stop Making Sense heute im Alter von 73 Jahren gestorben. Demme erlag nach einer Meldung von Indie Wire  einer Krebserkrankung.

Auch wenn er heute wohl am meisten mit dem Hannibal Lecter-Film Das Schweigen der Lämmer und dem Aids-Drama Philadelphia assoziiert wird, hinterließ Demme bereits in den 1980er Jahren unverkennbaren Eindruck und Einfluss in der Filmwelt. Sein Weg führte den am 22. Februar 1944 in Nassau, im US-Bundesstaat New York geborenen Demme zunächst zu Roger Corman. Das hatte er mit vielen seiner Zeitgenossen gemein, deren Karriere im Dunstkreis des New Hollywood starteten. Demme arbeitete für den B-Film-Paten ab 1971 als Produzent und Autor (The Hot Box) und führte drei Jahre später bei Caged Heat - Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen erstmals Regie. In diesen Jahren arbeitete Demme entweder für Cormans New World Pictures oder aber fürs Fernsehen, wie etwa bei Columbo (Murder under Glass). Sein erster Film für ein Hollywood-Studio (Flotte Sprüche auf Kanal 9) sammelte positive Kritiken und die Tragikomödie Melvin und Howard von 1980 sollte Demme stärker in den Fokus der Kritiker bringen. Der Film um die skurrile wie reale Geschichte rund um das Erbe von Hollywood-Gigant Howard Hughes gehört zu den besten in der vielfältigen Filmografie von Jonathan Demme.

Doch während Demme in den 80ern weiter Komödien drehte, etablierte er sich zur selben Zeit als Dokumentarfilmer. Seine vielleicht berühmteste Arbeit in dieser Hinsicht, Stop Making Sense, ist ein Konzertfilm über die avantgardistisch angehauchte Band Talking Heads und Demmes Inszenierung ist auf die Präsenz und Bühnenshow von David Byrne und den anderen Musikern dermaßen präzise abgestimmt, dass die Doku stilbildend für das Genre wurde. Diese Könnerschaft zeigte sich zuletzt in Justin Timberlake + The Tennessee Kids, der ebenfalls unter Demmes Regie entstand.

Der Gourmet-Serienkiller Hannibal Lecter sollte Jonathan Demme allerdings seinen Regie-Oscar einbringen. Mit Schweigen der Lämmer hatte der zurückgezogen lebende Demme es in die erste Garde der Hollywood-Regisseure geschafft. Ein Aufstieg, der mit Philadelphia 1993 bestätigt wurde. In den Folgejahren wechselte der Regisseur weiter zwischen Studiofilmen und Dokumentationen, drehte Der Manchurian Kandidat, Neil Young: Heart of Gold und Rachels Hochzeit. In letzterem verband Demme am markantesten klassische dokumentarische Stilmittel, etwa den unmittelbar wirkenden Einsatz von Handkameras, mit einem Familiendrama in der Tradition von Mike Nichols.

Seine Liebe und tiefe Kenntnis des Mediums zeigte Demme auch außerhalb des Sets, wo er Filmreihen kuratierte. Laut Indie Wire wurde Jonathan Demme bereits 2010 wegen Krebs und einer Herzerkrankung behandelt. Seit 2015 hatte sich sein Zustand jedoch wieder verschlechtert. Demme wurde 73 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Joanne Howard und drei Kinder.

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