Vor 20 Jahren kam es zum großen Umbruch: Die Grenzen zwischen den beiden deutschen Staaten wurden über Nacht geöffnet. Uns moviepiloten interessiert dabei nur eine einzige Frage: Wie wird das welthistorische Ereignis in Film und Fernsehen dargestellt? Hier sind sieben Antworten.
7 Crazy Race 2 – Warum die Mauer wirklich fiel (TV)
Warum den Mauerfall nicht auch mal als Klamauk inszenieren? Ganz einfach, Kritiker und moviepilot-community sind sich darüber einig, dass der zweite Teil der Crazy Race-Reihe ziemlicher Trash ist. Dennoch kann nicht mal RTL mit so viel tiefergelegtem deutsch-deutschen Humor die Wucht des historischen Ereignisses nachträglich ausbremsen.
6 Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (TV)
Das Politdrama schildert die letzten Tage der DDR: Wie viele andere befindet sich auch Katja (Anja Kling) mit ihrem sechsjährigen Sohn Sven an der ungarisch-österreichischen Grenze, um nach Westdeutschland einzureisen. Nachdem sie durch einen Sturz das Bewusstsein verloren hat, wacht sie im Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen auf. Katja verzweifelt unter der psychischen Folter, sprichwörtlich in letzter Sekunde rettet der Fall der Mauer sie vor dem Selbstmord.
Die Event-Movie-Abteilung der privaten Sender bietet – ganz wie wir es gewohnt sind – große Gefühle rund um ein historisches Ereignis. Die Quote war für einen Mega-TV-Film eher durchwachsen: Teil eins sahen 3,97 Millionen, Teil zwei 4,41 Millionen Zuschauer. Doch die Kritiker waren durchaus angetan: Schließlich wurde die Sat.1-Produktion mit einem Fernsehpreis für den besten Mehrteiler ausgezeichnet.
5 Das Leben der Anderen (Kino)
In dem Moment, als er von dem Fall der Berliner Mauer im Radio hört, verlässt ein abtrünniger Stasi-Offizier den DDR-Geheimdienst ohne zu zögern, da er die ganze Unmenschlichkeit des Systems kennen gelernt hat. Das Leben der Anderen liefert für die Wende eine sehr deutliche, aber auch überaus simple Auslegung: Die DDR ist ein Unrechtsstaat per se, das Gute in Form der BRD triumphiert letztendlich – die US-Amerikaner belohnten diese bei ihnen gern gehörte These mit einem Oscar.
4 Helden wie wir (Kino)
“Nach zehn Jahren falscher Tatsachenberichte, Halbwahrheiten und Lügen kommt endlich die ganze Wahrheit ans Licht: Ich, Klaus Uhltzscht, habe die Berliner Mauer geöffnet” – diese Worte stammen von der Hauptfigur aus Helden wie wir, einer Romanverfilmung von 1999. Aber wie hat Klaus Uhltzscht den Umsturz bewerkstelligt? Flapsig ausgedrückt in etwa so: Ein Mann öffnet seine Hose, worauf die Berliner Mauer umfällt. Dabei sind die Ostdeutschen doch eigentlich an FKK gewöhnt.
3 Die Unberührbare (Kino)
Achtung, es wird arthousig: Hanna Flanders (großartig: Hannelore Elsner) lebt in Westdeutschland, wo sie sich einen Namen als Autorin mit linken Themen gemacht hat. Als die Berliner Mauer fällt, liegen auch die alten Ideale der Schriftstellerin in Trümmern. Sie zieht von München nach Berlin, um einen Neuanfang zu wagen, doch letztlich findet sie keinen Platz mehr im vereinigten Deutschland. In Die Unberührbare steht der Fall der Mauer für den Bruch in einem Einzelleben mit tragischen Konsequenzen, während fast überall in West und Ost die Wende gefeiert wird. Grund zu feiern hatte auch Oskar Roehler, dem mit Die Unberührbare der Durchbruch als Arthouse-Regisseur gelang.
2 Herr Lehmann (Kino)
In der Rolle der titelgebenden Figur gelang Christian Ulmen der Sprung vom Fernsehen ins Kino: Herr Lehmann, der eigentlich Frank heißt, ist eine lokale Szenegröße im Kreuzberg der 1980er Jahre. Sein Leben verläuft zwischen seiner Arbeit als Barmann, den Trinkgelagen mit seinen Kumpels und der Liebe zur „schönen Köchin“ Katrin. Was hat das alles mit dem Mauerfall zu tun? Ganz einfach, Herr Lehmann wird am 30. November 1989 30 Jahre alt. Das historische Ereignis vollzieht sich in Herr Lehmann konsequenter Weise ganz und gar aus der Sicht seines Helden, also aus der Kreuzberger Perspektive: Es geht die Angst um, dass das Biotop der Lebenskünstler an der Grenze zu Ostberlin ein Ende hat. Nach anfänglicher Skepsis sieht Herr Lehmann den Fall der Mauer jedoch als Signal für einen persönlichen Neubeginn – heute lebt er wahrscheinlich mit Frau und Kindern in Prenzlauer Berg.
1 Goodbye, Lenin! (Kino)
Eine aufrechte Sozialistin fällt in ein so lange währendes Koma, dass sie die Grenzöffnung verpasst. Um sie nach dem Erwachen zu schonen, spielen ihr ihre Kinder und die Nachbarn vor, die Mauer wäre nie gefallen. Stoff genug, für eine tragikomische Geschichte über marode, einstürzende Fassaden und eine Zeit des Neubeginns. Goodbye, Lenin! war sowohl in Deutschland, als auch international sehr erfolgreich – unter anderem deshalb wird der Film auf unabsehbare Zeit das kollektive Bild von der Wendezeit prägen.
Außer Konkurrenz: Die größte aller Komödien über den Mauerfall
Günter Schabowski verliest am Abend des 9. November 1989 auf einer internationalen Pressekonferenz die neue Regelung zur Reisefreiheit der DDR-Bürger. Auf die Frage, wann diese neue Regelung in Kraft trete, antwortete der Funktionär:
“Also Genosse, mir ist dat hier also mitgeteilt worden, dass eine solche Mitteilung heute schon öh verbreitet worden ist. Sie müsste eigentlich in ihrem Besitz sein. [...] Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.”
Mit diesem letzten, aufreizend ungelenken Satz besiegelte Genosse Schabowski den Fall der Berliner Mauer – es war also doch alles eine große Komödie…
Das war sie also, unsere Top 7 der Filme, in denen die Mauer fiel. Wie steht es mit Euch? Vermisst ihr einen Wende-Streifen in der Liste? Wie habt Ihr den Fall der Mauer erlebt?
Malu (Martin Lukas) 2009/11/06 14:00:00
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News aus der Rubrik 20 Jahre Mauerfall
Kommentare
über Sieben Filme, in denen die Mauer fiel
alanger 2009/11/07 11:48:10
Sonse 2009/11/09 00:44:48
Da erst vor kurzem gesehen, werfe ich mal noch "Hedwig And The Angry Inch" in die Runde, obwohl dieser Hintergrund ja eher symbolisches Beiwerk ist:
http://www.moviepilot.de/movies/hedwig-and-the-angry-inch-2
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"Die DDR ist ein Unrechtsstaat per se". nein, die ddr war ein ganz doll lieber rechtsstaat. per se.
und 'sonnenallee' ist perdu? pervers.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
Schlegel 2009/11/07 16:30:46
"Das Leben der Anderen" war dennoch etwas flach.
alanger 2009/11/07 17:56:53
keine frage.