A Man Without Honor

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 7

Ein Mann ohne Ehre?
© HBo
Ein Mann ohne Ehre?

Der Titel gibt das Thema vor. A Man Without Honor, Folge 7 der zweiten Staffel von Game of Thrones, befasst sich mit einem der wichtigsten Konzepte feudaler Gesellschaften, bzw. der feudalen Gesellschaften unserer Vorstellung. Das eigene Ehrgefühl treibt einige Figuren im Lied von Eis und Feuer an, andere quält es und wieder andere können es sich auf Grund ihrer Herkunft nicht leisten. A Man Without Honor ist eine Folge voller Dialoge und all jene, die Game of Thrones nicht nur wegen Littlefingers Bordell mögen, dürften an Episode 7 ihre Freude haben.

Was passiert: In einem Versuch, seine nicht existente Autorität zu stützen, tut Theon Greyjoy etwas unglaublich dummes. Jon, überraschender Bruder im Geiste, tut es ihm nach und läuft schnurstracks in den Hinterhalt der Wildlings (das kommt davon, wenn einer sein Schwert nicht oft genug… schärft). Charles Dance und Maisie Williams teilen eine weitere tolle Szene, in der Tywin über sein Erbe philosophiert, die Geschichte Harrenhals rekapituliert und seine Vermutungen bezüglich Aryas Identität äußert. Robb flirtet weiter mit dem Mystery-Girl. Sansa wird ungewollt zur Frau, bekommt aber extrem nützliche Ratschläge von der zukünftigen Schwiegermutter (“The more people you love the weaker you are” und “Love no one but your children.”). Cersei entfährt zudem die Untertreibung des Jahrhunderts (“Joffrey has always been difficult.”). Ihr Seelenverwandter Jaime taucht zum ersten Mal seit The North Remembers auf und killt mal eben einen Verwandten, um aus dem Käfig zu fliehen. (Jaime rulez!) Daenerys traut sich leider noch nicht ins House of the Undying, erlebt stattdessen aus dramaturgischen Gründen einen Coup d’Etat in Qarth mit und lernt (zum wiederholten Male), dass sie niemandem trauen darf. (D’uh!)

Der Kampf um die Macht: Jon Snow kann manchmal eine ganz schöne Nervkuh sein und das liegt vor allem an einem Erbe von Ned Stark: ein Ehrgefühl, das an Sturheit, um nicht zu sagen Dummheit, grenzt. Das zeigt sich besonders, wenn er auf, sagen wir mal, dynamischere Figuren trifft, wie etwa Tyrion in Staffel 1 oder nun Ygrette. Die bringt ein paar valide Argumente an den Mann (und den legendären Satz: “Did you pull a knife on me in the night?”), wenn sie von der Freiheit der Wildlings und der Unterdrückung durch die Herrscher südlich der Wall spricht. Jon, der von einer derart freigeistigen Frau überfordert ist, reagiert darauf mit dem hilflosen Beharren auf all die Floskeln, die er in seinem Leben in Winterfell und an der Wall aufgesaugt hat wie ein Schwamm. Es wird sich zeigen, ob er in Gefangenschaft ein Eigenleben entwickelt, das aus mehr als nur endlosen Schuldgefühlen besteht.

Vielleicht sollte Jon bei Jaime Lannister in Therapie gehen. Der bewahrt sich selbst dann noch seine Würde, als er umgeben von Urin und Exkrementen mit einem entfernten Verwandten Erinnerungen austauscht. Das Unterträgliche an Jaimes Gegenwart ist nicht so sehr die Tatsache, dass er Joffrey gezeugt und einen hilflosen Jungen aus dem Fenster geschmissen hat. Jaime ist eine der wenigen Figuren, die sich an die Wahrheit hält (so weit es geht) und diese als Waffe benutzt. Selbst gefesselt und im Dreck sitzend gewinnt er trotzdem die Oberhand über Catelyn, entblößt die Heuchelei am Hofe Winterfell und stellt das ganze Konzept der Ehre angesichts widersprüchlicher verwandtschaftlicher und politischer Verpflichtungen in Frage. In seinem kleinen Monolog rüttelt der King- und Kinslayer an den Pfeilern, die eine Gesellschaft wie jene von Westeros aufrecht erhalten. Das kann nur einer, der das morsche Innenleben mit eigenen Augen gesehen hat.

Die Blut- und Titten-Szene des Tages: Die Schauwerte halten sich abgesehen von beeindruckenden Aufnahmen von Harrenhal und dem hohen Norden in Grenzen. Dafür gibt’s ordentlich Pyat Pree-Action. Zwar wurde der Putsch in Qarth nur eingebaut, damit in the greatest city that was and ever will be überhaupt etwas passiert, bevor Dany ins House on Haunted Hill wandert. Der Anschlag des gestaltwandelnden Warlocks ist trotzdem ein schönes Beispiel für den wohldosierten, weniger effekteheischenden Einsatz von Magie in der Reihe. Und verdammt, sieht der Typ creepy aus!

Der Umberto Eco-Gedächtnispreis: In seiner pubertären Hilflosigkeit angesichts seiner Triebe erinnert Jon an einen gewissen Adson von Melk. Die Frage ist nur: Geht Hodor als Salvatore durch?

Zitat des Tages: “He was a painter. A painter who only used red.” Für weniger poetisch veranlagte Fanboys und -girls unter euch: “You know nothing, Jon Snow!” (Bazinga!)

Tyrion Lannister, Awesome Guy: Nur eine Szene hat Tyrion in Folge 7, doch die hat es in sich. Der Moment, in dem er den Instinkten eines Bruders folgen und Cersei trösten will, nur um dann, sich auf die Realität besinnend, zu stoppen, ist jetzt schon einer meiner liebsten der Staffel. Auf dem Pegel innerfamiliärer Hassliebe im Game of Thrones-Universum rangiert sie gleich hinter jener zwischen Robert und Cersei aus Season 1.

Weitere Game of Thrones-Recaps
The North Remembers – Staffel 2, Folge 1
The Night Lands – Staffel 2, Folge 2
What Is Dead May Never Die – Staffel 2, Folge 3
Garden of Bones – Staffel 2, Folge 4
The Ghost of Harranhal – Staffel 2, Folge 5
The Old Gods and the New – Staffel 2, Folge 6

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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