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Aktion Lieblingsserie

Böser Kapitalismus einmal anders - Better Off Ted

06.08.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Better Off Ted
© Comedy Central/moviepilot
Better Off Ted
Bisher haben wir in unserer Aktion Lieblingsserie nur Serien behandelt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Heute widme ich mich dafür einer unbekannteren Comedyserie, die in Deutschland niemals eine Chance hatte, aber eine verdient gehabt hätte.

Spätestens seit The Big Bang Theory haben Nerds bei den Fernsehzuschauern in aller Welt ja nahezu einen Stein im Brett. Sheldon Cooper, Leonard Hofstadter und Co. gehören zu den erfolgreichsten Serienhelden oder vielmehr -antihelden überhaupt. Doch sie sind nicht die einzigen genialen Freaks, die in den letzten Jahren versucht haben, die Fernsehschirme zu erobern. Heute möchte ich euch in unserer Aktion Lieblingsserie deshalb mit Better Off Ted – Die Chaos-AG eine Serie ans Herz legen, die ein echter Insidertipp ist, aber leider ein viel zu frühes Ende fand.

Im Grunde genommen ist es keine wirkliche Überraschung, dass die Sendung hierzulande kein Bein auf den Boden bekommen hat. Die grottige deutsche Übersetzung hat nämlich einen Platz im Pantheon der größten Synchroverbrechen seit Menschengedenken verdient. Sie raubt der Serie jeglichen Esprit und eigentlich vorhandenen Biss. Denn gerade in der Originalversion blüht Better Off Ted mit seinem verschrobenen Humor, der zwischen Klamauk und fast bösartigem Zynismus über die Welt der Wirtschaft hin- und herpendelt, geradezu auf.

Willkommen bei Veridian Dynamics, dem größten Konzern für ja, für was eigentlich? ‘Wir machen einfach alles, Industrieprodukte, Biomedizin, Cryotechnik, Rüstungstechnik’, verkündet Ted Crisp (Jay Harrington), der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, bereits am Anfang der allerersten Episode vollmundig. Da wird dann eben mal von den skrupellosen Bossen in Form von Teds attraktiver, aber eiskalter Chefin Veronica Palmer (Portia de Rossi) ein Killerkürbis, eine hitzeverträgliche Computermaus oder ein sich selbst ernährender Fleischklops verlangt.

‘Es geht eben nicht um richtig oder falsch, es geht hier um Erfolg.’ Veridian Dynamics macht vor nichts Halt, und die ausführenden Organe der Entwicklungsabteilung müssen es ausbaden. So wird Phil Myman (Jonathan Slavin), eines der beiden Tüftlergenies unter Teds Ägide, auf die Schnelle für ein Jahr eingefroren. Sein Partner Lem Hewitt (Malcolm Barrett) darf sich 365 lange Tage ohne ihn austoben – denkt er zumindest. Durch ein Missgeschick taut Phil wesentlich früher auf, als gedacht, im doppelten Sinne – und die innige Hassliebe der zwei Wissenschaftler geht weiter.

Überhaupt sind die beiden tölpelhaften Wunderkinder ein wahrer Segen für Better Off Ted, eine Art Pat & Patachon oder Felix und Oscar aus Männerwirtschaft unserer Zeit. Ihr Zusammenspiel sorgt für einige Momente in der Serie, die schier zum Brüllen sind. Für den Östrogenanteil in der Entwicklertruppe ist Linda Zwordling (Andrea Anders) verantwortlich, mit der Ted eine On-Off-Affäre verbindet. Mit ihrer tolpatschigen Liebenswürdigkeit ist sie in einem Unternehmen wie Veridian Dynamics eigentlich völlig fehl am Platze.

Linda ist die gute Seele in einem sonst inhumanen Konzern. Doch auch der alleinerziehende Vater Ted versucht, trotz des Erfolgsdrucks eine Art ‘Kapitalismus mit menschlischem Antlitz’ in der Firma zu etablieren. Er ist der Problemlöser bei Veridian Dynamics, ständig bemüht, zwischen den Konfliktherden zu vermitteln. Privat sieht er sich ständig in einer Zwickmühle zwischen den drei Frauen in seinem Leben: Veronica, Linda und seiner goldigen Tochter Rose (Isabella Acres). Für uns als Zuschauer sorgt Teds ständiges Hin und Her natürlich für ein paar Spannungsmomente in der Serie und ein weibliches Kontrastprogramm zu der verqueren testeronlastigen Bromance von Phil und Lem.

Better Off Ted beinhaltet also viele der typischen Elemente aktueller Sitcoms, wie den bereits erwähnten Nerds aus The Big Bang Theory oder den Büroalltag à la Stromberg und Das Büro, aber irgendwie auch noch so viel mehr. Sie kritisiert auf lustige Weise den modernen Kapitalismus und die Arbeitswelt der heutigen Zeit. Wo sonst in der Fernsehlandschaft finden wir schon einen Kindergarten, in dem die Kleinen den Parkplatz zum Wohle der Firma bemalen dürfen oder Rose von Veronica dazu missbraucht wird, ihre Angestellten möglichst schmerzfrei und ohne Folgeprozesse loszuwerden?

Dazu bedient sich Better Off Ted moderner Inszenierungstechniken. In beinahe jeder Folge sehen wir Fake-Werbespots für Veridian Dynamics, mit der sich die Firma ins rechte Licht rücken will, aber einfach nur äußerst lächerlich macht. Außerdem durchbricht Ted diverse Male die vierte Wand und spricht direkt zu uns, um uns über Begebenheiten aus seinem Leben oder dem Unternehmen auf dem Laufenden zu halten. Better Off Ted ist sich also durchaus darüber bewusst, dass es nicht mehr als eine Serie, eine Inszenierung ist, und kokettiert streckenweise geradezu mit dieser Künstlichkeit. So übertrieben satirisch und giftig ist kaum eine andere Comedyserie.

Aus genau diesem Grund hat Better Off Ted auch mein Herz wie nur wenige Serien in den letzten Jahren gewonnen, Absetzung nach zwei Staffeln und nur 26 Folgen in den Staaten wie bei uns hin oder her. Ich jedenfalls kann euch die Sendung nur wärmstens empfehlen und hoffe, ihr laßt euch gebührend auf sie ein. Ihr werdet es nicht bereuen, zumindest nicht in der Originalfassung, sofern ihr des Englischen mächtig seid.

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