Rocky Balbea hakt nach

Das Sally Field-Phänomen oder Hollywoods Matheschwäche

Liebhaberin oder Mutter?
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Das Sally Field-Phänomen ist einfach erklärt. 1988: Sally Field spielt Tom Hanks romantische Partnerin in Punchline - Der Knalleffekt. 1994: Sally Field spielt Tom Hanks Mutter in Forrest Gump. Das Prinzip ist klar, oder? Während Hanks bleibt, was er ist, die Hauptrolle, wird Field altersdegradiert. Wie absurd das ist, bemerkt man vor allem im Altersunterschied der beiden. Denn demnach hätte Field Hanks mit 10 Jahren gebären müssen. Dieses Prinzip ist aber nichts Neues. Das hat Hollywood schon in den 1960er Jahren gemacht.

In Blaues Hawaii spielte damals Angela Lansbury (damals 35 Jahre alt) Elvis Presleys Mutter. Der Altersunterschied: 9 Jahre. In Der unsichtbare Dritte ist Jessie Royce Landis Cary Grant Mutter. Sie ist 10 Monate jünger als er. Rachel Griffiths in Blow ist Johnny Depps Mutter und fünf Jahre jünger als er. Zachary Quinto ist 5 Jahre jünger als seine "Mutter" Winona Ryder in Star Trek. Ich könnte jetzt noch zwanzig andere Beispiele nennen, aber das wäre langweilig. Und das ist nur ein Teil des Problems. Schlimmer als diese bescheuerte Altersdiskriminierung ist doch, dass diese Rolle stets so öde ist.

Denn laut Hollywood muss es wohl so sein, dass, sobald man ein oder mehrere Kinder aus sich herausgedrückt hat, man plötzlich nur noch Strickjäckchen tragen möchte, in einem schönen Vorstadthaus wohnen und den Kindern einen Seitenscheitel kämmen will. Mit der Placenta drückt man also auch noch schnell seine Wünsche, seine Karriere, seine Sexualität und vor allem seine Persönlichkeit raus. Dafür bekommt man aber als Kompensationspaket zwei Bücher. Das große Buch der Ratschläge und das große Buch der Sorgen. Denn darauf reduzieren sich die paar Sätze, die die Judy Greers dieser Welt noch äußern dürfen: gut gemeinte Mutti-Ratschläge und "Pass bloß auf mein Kind!"-Satzkonstruktionen. Kurzum, fast jede Mutterrolle in Hollywood ist so komplex und spannend wie das hier:


Dabei ist das überhaupt nicht nötig. Wenn man einmal einen kurzen Blick in Richtung Fernsehserien wirft, sieht man, dass diese Rollen viel komplexer sein können. Wie beispielsweise Keri Russell in The Americans, die nicht nur Mutter zweier Kinder ist, sondern auch eine KGB-Superspionin, die ihrem Mann in nichts nach steht. Oder Empires Taraji P. Henson, eine Frau, die das Geschäft fest im Griff hat, eine kämpferische Mutter ist und gleichzeitig eine Frau voller Leidenschaft und Sexualität.

Und Judy Greer? Spielt in der Fernsehserie Married gerade eine Mutter. Mit einem Ehemann, der genauso alt ist wie sie. Und drei Kindern, einem Job, Hobbies, Sex und allem, was eine ganze Persönlichkeit eben so ausmacht.


Also: geht doch. Könnte Hollywood jetzt bitte seine Mutterrollen zurück in die 1950er Jahre schicken könnte, wo sie hingehören? Danke.

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Rocky Balbea ist Filmwissenschaftlerin, Filmkritikerin, Filmkuratorin und ein Fünftel der Fünf Filmfreunde, weil sie Filme und Alliterationen mit "F" mag. Man kann ihrem Moviepilot Blog auch gerne folgen, dann verpasst man keine Ausgabe ihrer montäglichen Kolumne.

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