Dschungelcamp 2019 - Die beste Staffel seit Jahren?

Dschungelcamp 2019: Gisele Oppermann
© MG RTL D / Stefan Menne
Dschungelcamp 2019: Gisele Oppermann
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Meint es gut mit den Menschen.

Lammfromm ging es in der sonst beschaulicheren ersten Dschungelwoche diesmal nicht zu. Was Staffel 13 von Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! bislang an handfesten Kleinkriegen und Missverständnissen auffuhr, lässt manchen der von zwischenmenschlicher Friedfertigkeit beseelten jüngeren Jahrgänge alt aussehen. Auf Seiten der Produktion scheint die Freude darüber groß. Sowohl das Zeremonienmeisterteam der Hauptshow als auch die Moderatorin des auf RTL Plus laufenden Gesprächsablegers werden nicht müde zu betonen, dass das Dschungelcamp 2019 ein ziemlich tränen-, konflikt- und daher ereignisreiches ist. Nachhilfe durch künstliche Eskalationsstrategien wird der Sender, im Gegensatz zum gezielt nikotinarmen letzten Jahr, vorerst nicht leisten müssen.

Bestellte Konflikte

Andererseits macht sich die unerwartet früh gestillte Lust am Ausarten verdächtig. Gift und Galle waren nie Vorrausetzungen für das Dschungelcamp, kein lautstark ausgetragener Streit hätte es mit dem süffisanten Grinsen von Alexander "Honey" Keen, den tödlichen Blicken von Ramona Leiß oder grundlos begeistert über 1-2 gewonnene Sterne ins Camp spazierenden Peter Bond aufnehmen können. Das Format avancierte nicht durch irgendwelches Gezänk, sondern die Herausforderungen außerplanmäßiger Showgestaltung zur Königsklasse des Fernsehens: Teilnehmeraufstände, Leistungsverweigerungen, Gegenkultur - im Mittelpunkt des Dschungelcamps steht immer das Dschungelcamp selbst, Auseinandersetzungen und Gereiztheiten verzieren es lediglich.

Zur Wahrheit über die aktuelle Staffel gehört deshalb der Hinweis auf jene Voreinstellung ihrer zentralen Konflikte, die mit dem Format an sich nichts zu tun haben. Der Markigkeitswettbewerb zwischen Bastian Yotta und Chris Töpperwien wurde genauso von außen ins Dschungelcamp gebracht wie die Trennungsdisharmonien von Evelyn Burdecki und Domenico de Cicco. Es handelt sich um Fortsetzungen bestehender Dispute, gewissermaßen um Selbstläufer, die im Kern ohne Beteiligung der anderen Kandidaten und ohne formateigene Dynamiken auskommen. Ihnen fehlt die unerwartete und unabsehbare Qualität großer Dschungelreibungen wie Maren Gilzer vs. Walter Freiwald, Larissa Marolt vs. Winfried Glatzeder oder Sarah Knappik vs. alle.

Funken statt Fäuste: Bastian Yotta und Chris Töpperwien

Sehr vergnüglich ist das Dschungelcamp 2019 natürlich dennoch. So besticht der um eine offenbar kurzzeitige Freundschaft, böse Gerüchte und Nachforschungen beim Management kreisende Clinch von Bastian Yotta und Chris Töpperwien durch die außerordentliche Schwierigkeit seiner Parteinahme. Zwar vereint Yotta, über dessen erfolglose Selbstvermarktung bereits jeder erdenkliche Witz gemacht worden ist, allenfalls Fansympathien auf sich - deutlicher kann Selbstergriffenheit ("ich bin immer noch ein kleiner Junge, der nach Liebe strebt") nicht ins Leere laufen. Doch profitiert Töpperwien trotz eines schön ranzigen Charmes nur bedingt von diesen Schwächen. In Sachen Eitelkeit und Gefallsucht nehmen sich die beiden nichts.

Ohnehin scheint es zwischen ihnen eher zu knistern statt zu brodeln, wofür jedenfalls manch defensives und sich auffällig fasziniert vom Kontrahenten zeigendes Verhalten spricht. Als Chris Töpperwien garstig des Dschungelcoachs Morgenritual verlachte, konterte der mit unsicheren, die Missbilligung registrierenden Blicken. Wie unglaublich lahm und zugleich berührend! Klar also, dass Bastian Yotta die angestauten Aggressionen an Gisele Oppermann auslässt. Nicht nur scheitert dessen Motivationsquatsch bei ihr auf herrlichste Weise (selbst RTL ist völlig durch den Wind, eine Prüfungswiederaufnahme trotz Abbruch gab es noch nie), sondern führt sie seine Optimierungsversprechen auch noch in der zweiten gemeinsamen Prüfung süffisant vor: 0 Sterne für Bastian "Gisele is a little bit lost" Yotta.

Gisele Oppermann und die Prüfungsfrage

"Weiter, immer weiter" lautet eines der Yotta-Credos, an das sich Gisele Oppermann zunächst auch vorbildlich hielt (in der ersten Prüfung ging sie tatsächlich immer weiter, nämlich an den Tieren vorbei). Als der Drill Instructor schließlich fragte, warum sie ihm "öffentlich in den Rücken" falle, erinnerte ihn Gisele Oppermann mit unbeschwertem Witz ans Format Dschungelcamp, bei dem "doch alles öffentlich" sei. In solchen fein gesetzten Hieben gelingt es ihr besser als Chris Töpperwien, den merklich um Kontrolle bemühten Bastian Yotta aus der Reserve zu locken. Dass sich das nicht auszahlen dürfte, hat allein mit einem der größten Missverständnisse in und ums Dschungelcamp zu tun – der Annahme, dass Dschungelprüfungen gut absolviert werden müssten.

Diesem fürs Anrufverhalten des Publikums leider allzu entscheidenden Kriterium liegt seit jeher ein völlig idiotischer Leistungsgedanke zugrunde (für die Dschungelkrone müsse man sich "bewähren"), auf den eigentlich nur kommen kann, wer die Show nicht kapiert. Es sollte eigentlich keine Rolle spielen, ob Bastian Yotta und Gisele Oppermann in den Prüfungen "über sich hinauswachsen", oder ob die eine dem anderen danach schadenfroh, wenngleich nachvollziehbar übermütig ans Bein pinkelt. Nicht 4 gegen 0 gesammelte Sterne beweisen Größe, sondern der Gang zum Mitstreiter und die Bitte um Entschuldigung. Gisele Oppermann mag nerven, das Herz aber trägt sie am rechten Fleck. Und wer vermisst schon die ellenlangen Dschungelprüfungen?

Kraftlos medienwirksam: Evelyn Burdecki und Domenico de Cicco

Von der Verpflichtung der kurzzeitig verliebten Bachelor-Kandidaten Evelyn Burdecki und Domenico de Cicco erwarteten RTL und die zusammen immerhin 350.000 Instagram-Follower des hauseigenen Ex-Pärchens vermutlich ein gewisses Restbegehren, exquisite Details zum Split und besonders auch fliegende Fetzen. All das ließ nicht einmal drei Tage auf sich warten. Und obwohl die getrennten Lager der Solidarität (minus Chris Töpperwien, der beide Versionen der Geschichte hören wollte) zum Teil an jene ritualisierten Glaubwürdigkeitsmarker erinnern, die in Staffel 5 brutal gesetzt und dann zum TV-Ereignis der Nation wurden, fehlt es den Spätfolgen des längst fertig erzählten Medientechtelmechtels an durchschlagender Dschungelpower.

Vor den Fernsehern dürfte es sowieso keine Urteilsschwierigkeiten geben. Falls Domenico de Cicco wirklich Anhänger hat, werden diese viel Mühe aufbringen müssen, um das alberne Gerede über Familie und den darin mitschwingenden Ehrbegriff von anno dazumal nicht hochnotpeinlich zu finden. Mehr aus Mitgefühl und in Ermangelung bisheriger Alternativen hat sich daher Evelyn Burdecki zur momentan aussichtsreichsten Kandidatin für die Dschungelkrone gemausert. Joey Heindle oder Jenny Frankhauser haben gezeigt, dass sich das Publikum im Zweifel auf sympathische Doofheit einigt. Echte Siegermomente allerdings ist uns Evelyn Burdecki noch schuldig.

Die 13. Staffel vom Dschungelcamp läuft bis 26. Januar 2019 auf RTL. Hier geht es zum Dschungelarchiv mit allen Thementexten.

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