Schlag den Star: To Bee or not to Bee

Jetzt verdirbt uns Corona sogar die Realitätsflucht!

22.03.2020 - 17:39 UhrVor 12 Monaten aktualisiert
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Blümchen vs. Dagi Bee
© ProSieben / Brainpool TV GmbH
Blümchen vs. Dagi Bee
Leere Zuschauertribünen, ausgetauschte Kandidatinnen, verpixelte Videocalls: Die neueste Ausgabe von "Schlag den Star" erinnerte uns sekündlich daran, dass ein unbeschwertes Fernsehen in Zeiten des Coronavirus nicht mehr möglich ist. Die TV-Kritik.

Als Fan von TV-Shows hat man es dieser Tage ja nicht leicht. Wo der Blick in die Röhre sonst als Flucht aus der Realität dienen soll, wird unsereins aktuell an ebendiese erinnert, wenn in Sendungen, wie Let's Dance, der heute-show oder The Masked Singer eine gespenstische Leere herrscht, wo sonst das Publikum sitzt.

Im Falle des Promis-bleiben-wach-Experiments Wer schläft, verliert!  wirkte das Ganze bisweilen wie ein skurriles Theaterstück, bei dem man vermutete, dass jede Sekunde Lars Eidinger nackt aus der Studiodeko hüpfen würde. Die leeren Ränge, die sterile Stille war man also mittlerweile ein Stück weit gewohnt. Dann konnte Schlag den Star ja nun nichts mehr im Wege stehen: Model Cathy Hummels gegen Influencerin Dagi Bee, möge die Bessere gewinnen!

Vor der Quarantäne noch mal schnell einkaufen

Aber nix da, am Vortag der Show kam die schlechte Nachricht: Cathy Hummels fällt aus! In ihrem Familienkreis seien Coronatests positiv ausgefallen, deswegen würde sie nun kein Risiko eingehen wollen und müsse daher die Teilnahme an der Show absagen und zu Hause bleiben. Verantwortungsbewusst, vernünftig und vollkommen verständlich, wollte man meinen ... nur, um kurze Zeit später festzustellen, dass sie aber vorher noch mal einkaufen gehen würde, dann ginge es aber wirklich in die Isolation, versprochen. Logisch, man muss ja Prioritäten setzen!

Es dauerte nicht lange, bis der Shitstorm, angeführt vom apokalyptischen Reiter Oliver Pocher, auf Cathy Hummels einprasselte und sie sich mit einer dünnen Verteidigung zu retten versuchte: Wer solle denn bitteschön für sie einkaufen, ihre über 80-jährige Oma? Hilfsbereite Freunde scheint es in ihrer Welt nicht zu geben. It's lonely at the flop.

Insta-Live is the new Fernsehen?

Um die Lage zu beruhigen, kündigte Cathy für Samstagmittag einen Live-Coronatest auf ihrem Instagram-Account  an, mitsamt fachlicher Beratung von einem befreundeten Arzt. Sekunde, sollte das hier nicht eine TV-Kritik zu Schlag den Star sein? Oder war das einzig wichtige Live-Event, das einzig wahre Lagerfeuer-Erlebnis am Samstag Cathy's Coronatest?

Nein, so weit ist es noch nicht gekommen, Schluss damit! Konzentrieren wir uns lieber wieder auf die eigentliche Sendung, in der Cathy Hummels ganz zu Beginn dann doch noch mal zu Wort kommen konnte - via verpixeltem Videocall auf Eltons Handy. Das sich selbst isolierende Model live auf ProSieben, eingesperrt auf sechs Zoll in der Hand des Moderators. Welch ein Schicksal, ich verdrücke eine Träne!

Selbst für den Tigerentenclub zu aufgedreht

In der Show gab es natürlich ebenfalls kein Publikum, die Produktionsfirma Brainpool hatte allerdings weder Kosten noch Mühen gescheut und vereinzelte Pappfiguren - es grüßten u.a. Matthias Opdenhövel oder Greta Thunberg mit teilnahmslosen Blicken - auf die Zuschauertribüne geklebt, vermutlich gehalten vom selben Gaffer Tape, das auch die nun mittlerweile fast 15 Jahre alte Studiodeko notdürftig zusammenhält.

Aber kommen wir doch nun endlich mal auf die neue Gegnerin zu sprechen: Jasmin Wagner aka Blümchen war kurzfristig eingesprungen und stellte sich hoch motiviert ihrer Konkurentin Dagi Bee. Und mit "hoch motiviert" ist eine unglaubliche Aufgekratztheit gemeint: die extrovertierte Begeisterung und unkonzentrierte Sektlaunigkeit ersetzte quasi im Alleingang das fehlende Publikum, sorgte aber nicht unbedingt für Höchstleitungen, während sich Dagi Bee souverän und clever mit Leichtigkeit gen Sieg spielte.

Lassen wir die Details, so spannend war das alles nicht, was sich auch schon am Endpunktestand zeigt: Dagi Bee gewann mit 61:17 gegen Blümchen.

Die Erinnerung an glückliche Zeiten

Nun, was gibt es abschließend noch zu sagen? Für die leeren Zuschauertribünen kann ja nun wirklich niemand etwas und die Beteiligten waren wie sonst auch mit Ehrgeiz und Herzblut dabei - und dennoch wirkte es sehr steril und befremdlich, wenn nach Eltons Ankündigung des Preises von sagenhaften 100.000 Euro im Hintergrund nur die Aufnahmeleitung und die Kabelträger klatschten.

Direkt im Anschluss lief dann eine Wiederholung von Schlag den Star aus dem Jahre 2017, in der Lena Meyer-Landrut gegen Lena Gercke antrat. Die Ränge waren voll, das Publikum applaudierte, stöhnte, fieberte mit. Spätestens da war klar: Auch Show-Publikum ist systemrelevant!

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