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Schreibwettbewerb 2017

Mein liebster Kinomoment

James Bong jagt Dr. No
© MGM
James Bong jagt Dr. No
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Mein liebster Kinomoment liegt weit zurück, in den frühen achtziger Jahren. Genau genommen war es auch nicht nur ein ganz besonderer Momente, sondern zahlreiche große Momente für einen damals kleinen Jungen. Aber sie brachten die Magie, die Kino bis heute für mich hat, wenn das Licht ausgeht.

Ich war vielleicht zwölf, aber so genau weiß ich das nicht einmal mehr. Helmut Schmidt war in der Endphase seiner Zeit als Bundeskanzler und ein anderer Helmut schickte sich aber bereits an, die Regierung zu übernehmen. Es gab Demos gegen Atomkraft und gegen Pershing II-Raketen. Twix hieß damals noch Raider und Apple sollte erst rund 25 Jahre später sein erstes iPhone vorstellen. Unsere Telefone hatten noch Kabel und Wählscheiben, die Tasten hatten fast schon etwas revolutionär modernes. Videostreaming war noch nicht mal Zukunftsmusik, denn wir waren froh, wenn der VHS-Videorekorder zuverlässig seinen Dienst tat und keine Bänder fraß. Netflix sollte erst gut 35 Jahre später das Licht der Welt erblicken.

Der Kinocenter in der Marienstraße in Stuttgart, schon damals nicht gerade die schickste Ecke der Stadt, mit seinen vier Kinos und rund 700 Sitzplätzen ist seit 1999 geschlossen und inzwischen längst irgendwelchen Läden gewichen, die plötzlich da sind und ebenso schnell auch wieder weg. Über dem Eingang zur Passage waren groß die Titel der Filme angeschlagen, die gezeigt wurden. In den Glaskästen neben dem Eingang dann die Filmplakate und Bilder aus den Filmen. Ach, wie gerne hätte ich sie alle mitgenommen und in mein Zimmer gehängt.

Immer Donnerstags wurde dort ein James-Bond-Film gezeigt. Seit 1962 wurden die Romane von Ian Fleming verfilmt und im Rhythmus von zwei Jahren erlebte ein Millionenpublikum die Abenteuer des Agenten auf der großen Leinwand . Aber anders als heute, flimmerte nicht fast täglich ein Bond-Film aus einem der unzähligen Programme über den heimischen Bildschirm. Die alten Bond-Abenteuer zu sehen war also etwas Besonderes. Also lange, bevor am 9. Juni 1984 mit „Liebesgrüße aus Moskau“ das zweite Bond-Abenteuer als erster Film durch die deutschen Wohnzimmer flimmerte (sieht man mal von der Verfilmung von Casino Royale mit David Niven in der Hauptrolle aus dem Jahr 1966 ab, den die ARD bereits 1980 im Programm hatte, der jedoch mit den eigentlichen Bond-Serie gar nichts gemein hat). „James Bond jagt Dr. No“ folgte dann im Dezember desselben Jahres.

Aber zurück ins Kino mit der großen Leinwand und den weichen Sesseln, mit Cola aus kleinen Glasflaschen oder Bechern und Popcorn. Gezeigt wurden die Filme allerdings im Mittagsprogramm. Was mich gleich vor mehrere Herausforderungen stellte. Es mussten irgendwo immer ein paar Mark für die Straßenbahn und die Kinokarte herkommen. Dann musste ich nach der Schule schnell nach Hause und die Sachen abstellen, zur „Strampe“ flitzen, wie die gelbe Stuttgarter Straßenbahn damals liebevoll genannt wurde, und mit ihr nach Stuttgart über die Gleise rumpeln. Meist wussten meine Eltern nicht einmal davon, sie mussten ja arbeiten und ich hatte die Mittage für mich alleine, wenn ich nicht zu einer meiner beiden Omas wollte.

So kann ich mich rühmen, alle bis dahin gedrehten Bond-Filme bestimmt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen zu haben. Und wenn mir einer entging, dann wartete ich eben, bis er mal im Cinema, dem Kino in Fellbach, meiner Heimatstadt, gezeigt wurde. Auch das Cinema ist längst Geschichte. Aber Bond und mich gibt es immer noch.

Und noch heute bin ich immer dabei, wenn das Licht ausging und der Blick durch den Pistolenlauf den Blick auf Bond freigibt und das berühmte Bond-Theme von Monty Norman und John Barry erklingt. Es gibt nicht mehr viel Konstante in unserer Welt. Bond gehört bisher noch dazu – und sei es nur in meiner Cineasten-Fantasie.

Bis heute ist Ur-Bond Sean Connery, für mich der Darsteller, der dem Bond aus Ian Flemings Abenteuergeschichten ein Gesicht verliehen hatte. Obwohl ich zugeben muss, der beste Bond-Film ist für mich bis heute „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Doch dort gab der Australier George Lazenby sein einmaliges Bond-Gastspiel, ehe der Schotte Connery 1971 für „Diamantenfieber“ erneut anheuerte. Dem damaligen Zeitgeist entsprachen natürlich die Filme mit Roger Moore in der Rolle des britischen Geheimagenten. Er war 1973 in „Leben und sterben lassen“ erstmals in die Rolle des Agenten geschlüpft und sollte sie bis 1985 verkörpern, bis zu „Im Angesicht des Todes“. Im Rückblick waren die Filme mit Roger Moor in der Titelrolle wirklich abenteuerlich. Da sind mir die Action-Geschichten aus den 60er Jahren wesentlich lieber. Aber da Bond auch eine Figur des Zeitgeistes geworden ist, hat jede Zeit ihren Bond. So war auch Timothy Dalton ein ebenso echter Bond, wie Pierce Brosnan. Mit Daniel Craig hatte man die ideale Besetzung für den Anfang des neuen Jahrtausends gefunden. Und ich muss zugeben: Wegen mir darf Craig gerne noch öfter in die Rolle des Agenten schlüpfen.

***

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