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Präsidenten-Porträt

Beim Filmfest Venedig lobhudelt Oliver Stone, dieses Mal Hugo Chavez

08.09.2009 - 09:04 Uhr
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Dreharbeiten zu South of the Border
© image.net
Dreharbeiten zu South of the Border
Der US-Regisseur hat wieder einmal einen Präsidenten porträtiert. Nach Kennedy, Nixon, Fidel Castro und George W. Bush folgt jetzt der venezolanische Präsident Hugo Chavez. Der feierte auch selbst in Venedig mit.

Was sagt es aus, wenn der porträtierte Präsident bei der Weltpremiere seines Filmporträts South of the Border extra zum Filmfest nach Venedig reist? Sind Regisseur und Porträtierter Freunde geworden? Ist das Porträt vielleicht eher Lobhudelei statt kritische Auseinandersetzung? Ging da die Distanz zum Objekt verloren? Kritiker beim Filmfest in Venedig stellen sich die gleichen Fragen und das Urteil fällt für Regisseur Oliver Stone nicht gerade positiv aus.

Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung kann dem Politzirkus in Venedig nicht viel abgewinnen. “Oliver Stone, der sich wohl fühlt in der Rolle des Querulanten, bewegt mehr als Moores Wutbestätigungskino, doch er macht auf halbem Weg Halt. Auch er versucht die mediale Übermacht in den USA mit ihren eigenen Waffen zu schlagen – Verkürzung, Aussparung, Agitation. Und dann trotten Chávez und Oliver Stone traulich auf eine Maismehlmühle zu und Chávez kichert, hier baue er die iranische Atombombe. Oliver Stone fragt Chávez nicht, ob er sich der antisemitischen Implikationen seines Schulterschlusses mit Ahmadinedschad bewusst ist. Der Mann hat seine Karriere, Kopf und Kragen schon für nebensächlichere Fragen riskiert. Aber den Mut, auch seinen eigenen Glauben zu erschüttern, hat Oliver Stone hier nicht gehabt.”

Als unterhaltsame wie unkritische Schwarzweissmalerei bezeichnet Hans Jürg Zinsli von der Berner Zeitung die Dokumentation. Außerdem entdeckt der Kritiker ein “Problem: Der Mann von der Strasse, wie ihn etwa der US-Dokumentarfilmer Michael Moore benutzt, wird hier ausgeblendet. Was es mit Druckversuchen des Internationalen Währungsfonds auf sich hat, wird nirgends erklärt. Und vor allem: Seit der Amtsübernahme von Barack Obama ist in den USA keine Rede mehr von südamerikanischen Diktatoren. Wie schon bei W – Ein missverstandenes Leben über den Ex-US-Präsidenten George W. Bush scheint Oliver Stone mit South of the Border den richtigen Film gewollt zu haben. Gemacht hat er ihn zur falschen Zeit.”

Felicitas Kleiner kann bei Merkur South of the Border wenigsten noch einiges abgewinnen. Die “Botschaft lässt sich relativ simpel so zusammenfassen: Hugo Chavez und andere linke Staatsoberhäupter Lateinamerikas sind keine Monster, sondern demokratisch gewählte Vertreter ihrer Nationen. Um dies zu zeigen, kontrastiert Oliver Stone Schnipsel der Chavez, Morales & Co. verteufelnden US-Berichterstattung mit Interview-Sequenzen, in denen er selbst den Präsidenten/die Präsidentin in Fragen stellt und ihn/sie über Politik erzählen lässt. Während man sich bei Moores Kapitalismus-Kritik nicht des Eindrucks erwehren kann, dass sein Film vor allem ein kompaktes Feindbild, aber nicht sehr viel darüber hinaus vermittelt, bietet Oliver Stone s Arbeit dank seiner hochkarätigeren Gesprächspartner doch mehr an Einblicken – auch für ein Publikum, das zuvor keiner medialen Verteufelung der Politiker ausgesetzt war.”

Wann South of the Border in unsere Kinos kommt, ist noch nicht geklärt.

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