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Stan Lee und die Menschlichkeit der Superhelden

Stan Lee 2014 auf der Phoenix Comicon
© Gage Skidmore [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons, Ausschnitt aus dem Original
Stan Lee 2014 auf der Phoenix Comicon
13.11.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Wir blicken zurück auf die Karriere und die Bedeutung von Stan Lee, der bis ins höchste Alter nicht müde wurde, seine Marvel-Helden der Welt näherzubringen.

Wer an Marvel-Comics denkt, denkt an Stan Lee. Durch eine Kombination aus Einfallsreichtum, Geschäftssinn, Gespür für den Zeitgeist, der Auswahl der passenden Mit-Schöpfer und nicht zuletzt dadurch, seinen eigenen Anteil nicht kleinzureden, wurde der 1922 als Stanley Martin Lieber geborene Lee zum bekanntesten Gesicht eines Comic-Verlages überhaupt. Für Marvel Comics erschuf er als Chefredakteur zusammen mit Künstlern wie Jack Kirby und Steve Ditko Spider-Man, Hulk, die Fantastic Four oder die X-Men, zusammen mit seinem Bruder Larry Lieber unter anderem Iron Man und Thor.

Stan Lee lebte den Geist seiner Marvel-Helden

Nicht erst seit seinem Kino-Cameo-Debüt in X-Men im Jahre 2000, dem mehr als zwei Dutzend weitere Kurzauftritte folgten, war Stan Lee auch als Person jenseits seiner Schöpfungen präsent. Schon in den 70ern trat er nicht nur auf Comic-Conventions auf, sondern hielt auch Vorträge an Colleges, war in Fernsehsendungen zu Gast und nahm an öffentlichen Diskussionen teil. Stan Lee verkörperte wie kein Zweiter den frischen Geist von Marvel, der auf den buntbedruckten Seiten zu neuartigen Helden wie Spider-Man führte, welcher sich neben Superschurken auch mit Jugendlichen-Problemen herumschlagen musste, oder den X-Men, die gerade wegen ihrer Superkräfte von der Gesellschaft verachtet wurden. Lee überzeugte die Marvel-Leser auch durch seine Person, dass sie die richtigen Comics für ihren Lebensstil lasen. In den Heften wandte er sich stets persönlich an seine Leser und berichtete ihnen, gerne superheldenkonform überhöht, vom Alltag in den Marvel-Büros. "Ich wollte, dass sich die Leser fühlen, als wären wir eine auserlesene kleine Gruppe", erzählte er 2016 dem Hollywood Reporter .

Stan Lee in X-Men im Jahre 2000

Stan Lees unglaubliche Karriere

Vom Tintenfass-Auffüller bei Timely Comics im Jahre 1939 führte Stan Lee seine Karriere über das Schreiben erster Comics bereits 1941 zum Interim-Herausgeber mit knapp 19 Jahren, danach zum Posten des Chefredakteurs bis 1972, dann wurde er Herausgeber. Als Autor verkörperte er die Marvel Method, bei der er mit dem Zeichner eine kurze Story-Zusammenfassung erdachte und dann erst auf den fertigen Seiten die Sprechblasen füllte. Dabei wollte Lee in den 1950ern das Comic-Geschäft aufgeben, bis ihm seine Frau Joan den Ratschlag gab: "Schreib doch mal eine Geschichte, die du richtig magst". Heraus kamen die Fantastic Four, Superhelden neuen Typs, die selten alles im Griff hatten und mit sich selbst genauso zu kämpfen hatten wie mit megalomanischen Schurken.

Stan Lee machte seine Helden auch jenseits der Comics bekannt

Schon 1981 begann Stan Lee dann, sich auch um den Sprung der Marvel Comics ins Fernsehen und Kino zu kümmern. Es folgten bis ins hohe Alter zahlreiche weitere Geschäftsideen auch jenseits von Marvel, die zwar alle etwas mit Superhelden zu tun hatten, aber nicht immer erfolgreich waren. Auch mit über 90 Jahren war Stan Lee daneben immer noch in Sachen Marvel unterwegs, wobei er in Zeiten des MCU seine verlässlich ungezügelte Begeisterungsfähigkeit vornehmlich dafür einsetzte, die Kino-Abenteuer der von ihm mitgeschaffenen Figuren dem Publikum schmackhaft zu machen.

Stan Lee 2015 auf der San Diego Comic-Con

Die Kontroverse um Stan Lee

Schattenseite dieses ungezügelten Bewerbens der Großartigkeit von Marvel und seiner Helden war jedoch, dass damit der Eindruck einherging, Stan Lee allein sei die treibende Kraft hinter den Marvel-Geschichten, und der Anteil von Jack Kirby, Steve Ditko und anderen mehr und mehr in den Hintergrund trat. Zwar setzte Lee dem häufigen Impuls der Berichterstattung über Marvel, einen geborenen Verkäufer wie ihn zum Aushängeschild und zur Personifizierung seines Produkts zu machen, wohl nicht allzu viel entgegen. Andererseits war er dafür verantwortlich, dass die Namen der Zeichner, Inker und Letterer erstmals am Anfang jeder Geschichte standen, statt wie zuvor komplett unter den Tisch zu fallen. Und unfehlbar waren bei Marvel ja nicht einmal die Superhelden.

Seinem eigenen Ruhm begegnete der nun im Alter von 95 Jahren gestorbene Stan Lee dabei schon 1996 recht pragmatisch. Lee, der als Highschool-Nebenjob einst Nachrufe auf Vorrat schrieb, sagte in der Late-Night-Show von Conan O'Brien : "Ich stelle mir liebend gerne vor, dass mein Nachruf schon irgendwo aufbewahrt wird. Dann wüsste ich, ich habe es geschafft."

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