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Plattdeutsche Krawallschachtel

Heidi Kabel ist tot

15.06.2010 - 15:13 Uhr
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Volksschauspielerin Heidi Kabel
© Foto: news.de, Montage: moviepilot
Volksschauspielerin Heidi Kabel
Die Hamburger Schauspielerin Heidi Kabel war der Star des Ohnsorg-Theaters und machte die plattdeutsche Sprache landesweit bekannt. Vergangene Nacht ist die Schauspielerin im Alter von 95 Jahren gestorben.

Die berühmte Volksschauspielerin Heidi Kabel ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 95 Jahren verstorben. 64 Jahre lang spielte die Schauspielerin am Hamburger Ohnsorg-Theater, dessen unumstrittener Star sie war, und wirkte nebenbei immer wieder in zahlreichen Filmen und Fernsehsendungen mit.

Ihre Karriere begann eher zufällig, denn eigentlich wollte die damals 18-jährige Heidi Kabel Pianistin werden. Als sie jedoch eine Freundin zum Vorsprechen am Ohnsorg-Theater begeleitete, wurde sie kurzerhand selbst entdeckt und blieb dem Theater mehr als sechs Jahrzehnte treu. In der Nachkriegszeit musste sie ihr mageres Schauspieler-Gehalt durch Auftritte mit dem Schifferklavier aufbessern.

Erst 1954 gelang ihr der deutschlandweite Durchbruch, als die Aufführungen des Ohnsorg-Theaters im Fernsehen übertragen wurden. Heidi Kabel fand mit Henry Vahl ihren perfekten Bühnenpartner, wirkte in mehr als 160 plattdeutschen Stücken mit und gemeinsam garantierten die beiden Schauspieler jahrelang ein volles Haus. Zu den bekanntesten Stücken zählten „Tratsch im Treppenhaus“, „Pension Sünnschien“ und „Mutter Mews“. Auch im Tatort: Pleitegeier war sie zu sehen und für ihre Rolle als Firmenschefin in der ARD-Serie Mutter und Söhne erntete sie von den Kritikern großes Lob.

Heidi Kabel galt als Verkörperung der Hamburger Nachkriegsfrau. Sie lehrte Deutschland den hanseatischen Witz und brachte ihrem Publikum den Hamburger Klönschnack näher. Die selbsternannte „Krawallschachtel“ veröffentlichte außerdem zwölf Kochbücher und drei Erinnerungsbände.

Silvester 1998 verabschiedete sie sich von der Bühne. Vor drei Jahren kehrte sie ein letztes Mal zum Schauspiel zurück und stand gemeinsam mit ihrer Tochter für den Kinderfilm Hände weg von Mississippi vor der Kamera. Auf Grund ihres gesundheitlichen Zustandes – Heidi Kabel litt laut Aussage ihrer Familie an Demenz – drehte sie anschließend der Schauspielerei jedoch endgültig den Rücken zu. Die 95-Jährige lebte zuletzt in einem Altersheim in Hamburg.

Heute würdigte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust die Schauspielerin mit den Worten: „"Heidi Kabel (Heidi Kabel)":/people/heidi-kabel gehörte zu Hamburg wie der Michel.“

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