Wie der Wind sich hebt

Kaze tachinu / The Wind Rises (2013), JP Laufzeit 127 Minuten, FSK 6, Animationsfilm, Drama, Kinostart 17.07.2014


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7.6
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7.5
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44 Kommentare
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von Hayao Miyazaki, mit Emily Blunt und Stanley Tucci

In Wie der Wind sich hebt von Hayao Miyazaki entwirft der sensible Jiro mit dem Traum Flugzeuge zu bauen den Zero Fighter aus dem Zweiten Weltkrieg.

Handlung von Wie der Wind sich hebt
Der kleine Jiro träumt am liebsten von Flugzeugen. Im Traum erscheint ihm auch der Flugzeugkonstrukteur Caproni, der ihn auffordert, selbst Flugzeuge zu entwerfen. Jahre später hat er die Hochschule mit Auszeichnung abgeschlossen und befindet sich auf dem Weg nach Tokio, um seine erste Arbeitsstelle anzutreten. Doch auf der Reise nach Tokio gerät er in das katastrophale Erdbeben des Jahres 1923, welches fast die ganze Stadt zerstört. Doch er überlebt und kann sogar die junge Nahoko und ihre Amme retten. Doch bevor sich Naoko bei ihm bedanken kann, werden die beiden durch die Wirren des Erdbebens wieder getrennt.

In Nagoya beginnt er eine Stelle beim Flugzeughersteller Mitsubishi Kōkūki, doch er muss bald feststellen, dass das arme Japan in der Entwicklung um Jahrzehnte hinter den Deutschen hinterherhinkt. Dennoch drängen vor allem die Militärs auf neuartige Entwürfe. Dem sensiblen Jiro verursachen die Kriegsahnungen Albträume, denn alles, was er will, ist ein schönes Flugzeug gestalten, auf das sein Vorbild Caproni stolz sein kann.

Hintergrund & Infos zu Wie der Wind sich hebt
Als der Flugzeugkonstrukteur und Visionär Jiro Horikoshi die Flugmaschine Mitsubishi A6M – besser bekannt als ‘Zero Fighter’ – entwirft, ist ihm nicht bewusst, dass sein aeronautisches Wunderwerk später traurigen Einsatz in der Attacke der japanischen Luftwaffe auf Pearl Harbour finden wird. Wie der Wind sich hebt erzählt in fiktionaler Weise den Aufstieg des späteren ‘Helden’ Jiro Horikoshi.

Wie der Wind sich hebt (OT: Kaze Tachinu) basiert auf dem gleichnamigen Manga von Hayao Miyazaki, welcher wiederum Inspiration fand in der Kurzgeschichte von Tatsuo Hori. Wie der Wind sich hebt ist der erste Film von Hayao Miyazaki (Mein Nachbar Totoro, Prinzessin Mononoke) seit Ponyo – Das große Abenteuer am Meer aus dem Jahre 2008, der mit seinem Studio Ghibli Filmgeschichte schrieb (bzw. zeichnete) und u.a. für Chihiros Reise ins Zauberland mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Es wird voraussichtlich auch der letzte Film des Ghibli-Gründers bleiben, der sich jetzt in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen will. (ST)

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Wie der Wind sich hebt
Genre
Zeichentrickfilm, Drama, Anime, Biopic
Zeit
1920er Jahre, 1930er Jahre
Ort
Flugzeug, Japan, Sachsen, Tokio
Handlung
Beruf, Designer, Erdbeben, Erste Liebe, Flugzeugabsturz, Flugzeugunfall, Ingenieur, Japaner, Japanisches Militär, Krieg, Liebe auf den ersten Blick, Militarismus, Militär, Rettung, Traum, Traumdeutung, Verlust der Ehefrau, Verlust der Großen Liebe, Vorbild
Stimmung
Berührend, Geistreich, Traurig
Verleiher
Universum/24 Bilder
Produktionsfirma
KDDI Corporation, Studio Ghibli

Kommentare (42) — Film: Wie der Wind sich hebt


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LokisSon

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Bewertung6.5Ganz gut

Das wars jetzt. Hayao Miyazakis letzter Anime. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach viel zu hoch, aber ich muss sagen: ich bin enttäuscht.

Ich wusste vor meinem Kinobesuch auch nicht worum es in Miyazakis Abschiedsfilm gehen wird und so hat mich das Biopic über einen Flugzeugkonstrukteur kalt erwischt. Die Story ist dabei grundsätzlich nicht schlecht auch wenn ich Miyazakis Passion für Flugzeuge nicht annähernd teilen kann, aber die Einbettung in die jüngere japanische Geschichte durchaus spannend. Leider fällt durch dieses sehr realistische Setting einiges weg was ich an Miyazaki so liebe. Die allgegenwärtige Magie, die Verwobenheit mit der japanischen Mythologie und die Steampunk-Atmosphäre. In „Kaze tachinu“ scheint dies immer mal wieder durch, wie z.B. beim Kantō-Erdbeben (von der Zugfahrt bis zur zerstörten Uni die beste Sequenz des ganzen Films) oder den Träumen von Jiro Horikoshi (zweitbesten Szenen), aber liegt immer in Ketten, um das Setting nicht zu zerstören. Durchaus nachvollziehbar, trotzdem schade.
Ich hätte auch kein Problem auf diese Elemente einmal zu verzichten, wenn die Story ansprechend genug wäre und da kommen wir zum großen Knackpunkt: die Story ist ansprechend genug, aber schafft die Interaktion nicht. So wie der Protagonist Jiro scheinbar keine Beziehung zu irgendwem hat, so fällt es auch mir schwer zu irgendwem eine Beziehung aufzubauen. Wobei der Film durchaus nahelegt, dass Jiro diese Beziehungen hat. Zu seiner Schwester, zu seinem Freund, zu seiner Frau. Nur die Interaktionen, die diese Beziehungen mit Leben füllen würden, fehlen mir. Jiro bleibt der edle Ritter der Verletzten nach dem Erdbeben hilft und Kindern Kuchen anbietet, aber ansonsten nur Interesse für Flugzeuge aufbringt. Das ist mir zu wenig.
Des Weiteren konnte ich auch keine Beziehung zum gesellschaftspolitischen Kontext aufbauen. Hier eine Andeutung, da eine Andeutung, aber eine Auseinandersetzung findet kaum statt. Die handelnden Personen scheinen großteils unbeeindruckt davon, was um sie herum passiert. Eine Gleichgültigkeit legt sich über den Film, die leider ansteckend ist.
Der Soundtrack von Joe Hisaishi, den ich abseits vom Film sehr schön finde, hat dies leider noch unterstrichen.

Dabei ist „Kaze tachinu“ nicht so schlecht, wie es hier vielleicht klingen mag. Er ist wie von Ghibli gewohnt wunderschön animiert und durchaus oft kurzweilig. Eine halbe Stunde kürzer und man hätte sich viel an Leerlauf erspart. Es bleibt ein durchaus unterhaltsamer Anime, der sich aber leider bei Miyazakis Œuvre ziemlich weit unten einreihen muss.

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Jek-Hyde

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Bewertung7.0Sehenswert

So ein klein wenig enttäuscht bin ich schon, dass hauptsächlich dadurch zu Stande kam, dass ich mich vorher um mich nicht zu Spueler kaum belass; so war es wohl kein Wunder, dass ich einen anderen Film in dem kleine ein-Raum-Kino erwartete, statt die verfilmte Biografie, die ich schließlich zu sehen bekam.
Besonders da es Hayao Miyazakis letzter sein soll, erwartetet ich, dass der alte Knabe die Tube nochmal voll aufdreht.
Ja, ich kann verstehen, wie es sich anfühlt um einen Traum zu kämpfen und es war eine wunderschöne, tief traurige Liebesgeschichte, aber die Sache mit den 10 Jahren ist totaler Müll. Man kann sehr wohl über seine 10 Jahre aktiv bleiben (will sich Miyazaki etwa entschuldigen (was er keinesfalls muss) und sich so durch die Hintertür unbemerkt aus dem staub machen?) Und ich vermisste so die surreale, über brodelnde Fantasie die ich sonst beim Studio Ghibli immer so zu schätzen wusste. Aber gut, warum nicht, seine wir mal etwas ernster, was? Seine wir mal erwachsen?
Trotzdem fehlte irgendwie dieses *schnipp!* "Den könnte ich mir gleich nochmal ansehen." Die Handlung plätschert recht träge vor sich hin. Und auch den "Kressefresser" hätte ich eine größere Rolle zugetraut, da er nun so schön ausgeleuchtet wurde, und ob man es in diesem Film nun sieht oder nicht; ich traue dem Kauz kein Stück über den Weg. Ist liebenswürdig, singst sogar und verschwindet, da muss was faul sein! O_o
Wie der Wind sich hebt hat leider auch dessen Flüchtigkeit, wobei ich nicht behaupten will, dass er nicht auch die Schönheit desselben besäße. Die Zeichnungen sind wunderschön, ebenso die Musik, ist anspruchsvoll und irgendwie traurig melancholisch und wenn ich mir die Deutschen Schatten besehe sogar recht Kafkaesk; doch trotzdem, wenn ich an den Traum an Anfang denke, warum wurde das nicht weiter gesponnen, es hätte so großartig werden können?! Hätten wir doch weiter geträumt und wird man des Träumes schwach, ein wenig Opium und dann geht's weiter ;3 Doch so flüchtig wie der Wind kam ist er wieder fort.
Flaute.
Wie der Wind sich hebt ist die Geschichte eines alten Mannes, also setzen wir und vor den Schaukelstuhl Miazakis, der genüsslich an der Pfeife nuckelt und uns eine Geschichte erzählt, die so schön anfängt, doch wie das so mit den Gesichtern ist sich verdunkelt, und leider nicht so richtig aus der Quark kommt. Eben die Geschichte eines alten Mannes. ;)

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xmoex

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Bewertung7.0Sehenswert

Visuell ansprechend, kommt aber die ganze Zeit nicht richtig aus dem Quark. Leider kaum hinterfragen der Rolle Jiros.

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zenows

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Absolut sehenswertes Meisterwerk aus der Feder eines Genies.

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colorandi_causa

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein letzter Blick in die Welt des Hayao Miyazakis und ein wenig Wehmut kommt auf, wenn man mit der Tatsache konfrontiert ist, dass dies das letzte Projekt des Altmeisters ist.

Und wie immer präsentiert er uns eine Welt fernab des Schwarz-Weiß-Denkens unserer westlichen Gesellschaft und kommt mit einem Biopic daher, welcher im ersten Moment für Verwirrung sorgen könnte. Doch genau das ist, was Miyazaki auszeichnet, in dem er sich auf das Wesentliche seiner Erzählung konzentriert und den Menschen in all seinen Schattierungen präsentiert, was in diesem Fall die hingebungsvolle Leidenschaft für den Flugzeugbau ist. Garniert wird dieser Leitfaden mit einer Liebesgeschichte, die unter schwierigen Bedingungen stand halten muss und bei der sich beide Parteien stets entscheiden müssen, für wen und was sie leben wollen.

Die Animation ist wunderschön und detailreich umgesetzt, so wie man es von einem Miyazaki-Film erwartet und doch gibt es immer diese Besonderheiten, die sich von anderen seiner Werke abgrenzen. In diesem Fall ist es Szene während und nach dem Erdbeben, die so bildgewaltig daherkommt, dass man die Vibrationen und Nachwirkungen förmlich miterlebt. Zusätzlich unterhält uns Joe Hisaishi mit seiner Musik, wie er es auch zuvor immer tat und entführt uns in die Welt von Traum und Wirklichkeit.

Letztlich dient der Film einem jeden als Impression und zwingt einem keine Moral oder Maxime auf, sondern beschreibt viel mehr die Abläufe in ruhigem Fahrwasser, die uns eine Einsicht in die Welt eines Träumers und Verehrers zeigt. Miyazaki teilt diese Hingebung und offenbart sich ein Stück selber mit diesem Schlussakt.

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Nutella?!!

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Bewertung9.0Herausragend

- " Spannend! Flugzeuge Sind So Spannend! "

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DarthNova

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Ach du bist ein Windelpilz ! :D


Nutella?!!

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-der schnellste!


mikkean

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Er bilden den Abschluss eines Lebenswerks. Hayao Miyazaki verabschiedet sich mit "Wie Der Wind Sich Hebt" vom aktiven Dienst und schlägt ein letztes Mal die goldene Brücke zwischen Kitsch und Ernst, dem Zeichentrick-Film als süß harmloses Kinder-Produkt und der höchstanspruchsvollen Poesie des Animations-Genres. Für seine letzte Regie-Arbeit widmet sich Meister noch einmal ausgiebig seiner Leidenschaft für Flugzeugbau und Aerodynamik.

"Wie Der Wind Sich Hebt" zeichnet Leben und Streben des Konstrukteurs Jiro Horikoshi nach. Dieser begeistert sich schon in jungen Jahren für die Gestaltung und Fertigung der Flug-Maschinen, die den Menschen in den Himmel befördern. In seinen Träumen wird Jiro von Giovanni Battista Caproni, dem großen italienischen Luftfahrt-Ingenieur, ermutigt. Der kleine, kurzsichtige Junge hält an seinem Traum fest.

Was jetzt schon wie die Inhaltsangabe eines harmlosen, naiven Biopic klingt, bildet bei Hayao Miyazaki jedoch nur den Auftakt. "Wie Der Wind Sich Hebt" ist nicht nur diese eine Geschichte von einem Aufsteiger und Idealisten. Einem Jungen, der von den Wolken träumt und nebenbei die Liebe auf Erden findet.

Horikoshi ist nicht nur irgendein Ingenieur. Seine Entwürfe bildeten im Zweiten Weltkrieg die Grundlage für die japanische Luftwaffen-Flotte. Auch davon handelt der Film. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Tatsache bei Miyazaki eine wichtige Rolle spielt.

Es dürfte sehr unterschiedliche Auffassungen darüber geben, ob "Wie Der Wind Sich Hebt" reale Kriegsgräuel und deren Vorbereitung total verklärt. Ob dieser Film mit rosaroter Brille einen verkitschten Romantik- und Rosen-Teppich über diese Themen stülpt.

Sicherlich mag die Gestaltung und Bildsprache den Anschein erwecken. Wie jeder Ghibli-Titel und jedes Miyazaki-Werk, sieht der Film einfach nur wunderschön aus. Die Figuren meine ich beinahe schon zu kennen. Denn wie immer hat Hayao Miyazaki ein Händchen für Gesichter, die ihre Güte und Ausstrahlung nach außen tragen. Und außerdem immer auch an Charaktere vorheriger Ghibli-Klassiker erinnern. Noch so ein Miyazaki-typischer Aspekt für mich.

Die prächtige Gestaltung, mit ihrer Epochen-Treue, der Natur-Verbundenheit oder die umwerfende Erweckung der Flugzeug-Technik, sind jedoch dazu da, um uns Sand in die Augen zu streuen. Bei der Träumerei von Jiro, seinen ständigen Anläufen oder bei der tragischen Liebe zur kranken Nahoko, geht der lauernde Ernst der Dinge nie verloren.

Seinen letzten Film nutzt Hayao Miyazaki nicht plötzlich dazu, die japanische Geschichte in ein falsches Licht zu rücken. Dieses Werk dient nicht als eine Art Persil-Schein für alle Erfinder der Marke Wernher von Braun. Der wollte ja auch auf den Mond, seine Raketen nahmen zunächst eine Umleitung Richtung England. Kriegs-Szenen beschwört Miyazaki durchaus, so wie er auch das Große Kantō-Erdbeben von 1923 aufgreift.

"Wie Der Wind Sich Hebt" mag keine eindeutige Anti-Kriegs-Position einnehmen. Aber das ist auch gar nicht der Job des Films. Was Miyazaki viel eher zeigt, das ist die Lebens-Aufgabe und Passion eines Mannes, die leider nur durch Militär und Regierung gestützt werden. Deren Kriegs-Lüsternheit jedoch nie direkt erfüllen soll. Jiro Horikoshi und auch Giovanni Battista Caproni werden nicht als Teil der Kriegs-Meute gezeigt. Sie sind keine Schreibtisch-Täter, die sich ausmalen, wie viele Tote die Maschinen-Gewehre oder Bomben auf ihren Entwicklungen anrichten werden.

Der große Bruch kommt natürlich dadurch, dass die hier agierenden Personen allesamt liebenswürdig und überaus edel ausfallen. Gleichzeitig sehe ich "Wie Der Wind Sich Hebt" als ein letzte Botschaft, ein finales Statement des Künstlers Miyazaki. Ein Film, der verdeutlichen will, welch meilenweiter Unterschied zwischen Intention und Zweck(Entfremdung) liegt. Mag sein, dass es naiv gedacht ist. Aber so simpel ist nunmal auch der Traum vom Protagonisten Jiro. Er will das bestmögliche Flugzeug bauen, um Menschen in die Luft zu bringen. Und er ist ebenso niedergeschlagen, wenn er daran denkt, welches Ausmaß ein Krieg annehmen kann.

Was die anfangs genannte Brücke zwischen Erwachsenen- und Kinder-Film betrifft, gelingt Miyazaki auf diesem Wege ein weiterer Genie-Streich. "Wie Der Wind Sich Hebt" ist kein Anti-Kriegs-Trauma, beschwört dieses dunkle Gräuel aber auf leise wie poetische Art und Weise. Selbst Kinder dürften erfassen, dass hier etwas über den Köpfen der Menschen schwebt. Ganz gleich, wie frei hier die Macher von Ideologie und Bewusstsein für Kriegs-Schuld und Kriegs-Verbrechen agierten, dies ist ein wirklich wichtiger Film.

Nicht nur als Abgesang eines Groß-Meisters an sein Lebenswerk und all das, was ihn als Filmschaffender ausmachte. Dies ist ein Film, der in leisen und umso beeindruckenderen Farb- und Klang-Tönen seine Geschichte erzählt. Vom Leben eines jungen Mannes, der großes zu Schaffen vermag, auch wenn dies missbraucht wird. Am Ende denke ich, ist die Melancholie in einer gezeichneten Figur wie Jiro spürbar. Es ist vielleicht auch die Melancholie von Hayao Miyazaki selbst, der sich fragt, ob er das richtige geleistet hat. Ob es richtig war, seine Träume zu verfolgen, auch wenn die Auswirkungen ganz anders ausfielen als beabsichtigt.

Ich denke, Hayao Miyazaki kann da ganz beruhigt sein. Sein Werk wurde nie zweckentfremdet wie eine V2 oder ein Kriegs-Flieger. Er hat den Menschen immer etwas besonderes, einzigartiges geschenkt. Etwas mahnendes, wie oft auch schönes. Für Kinder-Augen und Erwachsenen-Hirne. Da bildet "Wie Der Wind Sich Hebt" keine Ausnahme. Danke Miyazaki-san.

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StrawStar

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Bewertung6.0Ganz gut

Die Verankerung der Geschichte dieses schön gemachten Erwachsenen-Animationsfilms in der Wirklichkeit mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturverweisen mag ja durchaus ihren Reiz haben. Dennoch fehlte mir die Fantastik und der letzte Miyazaki-Film gestaltete sich für meinen Geschmack etwas zu langatmig.

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Kurono

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Bewertung7.0Sehenswert

Nach dem Ende von „Wie der Wind sich hebt“ war ich wirklich traurig und wehmütig. Gar nicht so sehr, weil es aller Wahrscheinlichkeit nach Miyazakis letztes Werk war, sondern vielmehr weil ich den Film selbst als sehr niederdrückend empfand. Besonders das Ende ist sehr melancholisch. Horikoshi steht vor seinem zerstörten Traum und fragt sich quasi selbst, ob die Verwirklichung dieses Traumes die Mühen und Entbehrungen überhaupt wert waren. Die Antwort ist nicht eindeutig, einerseits denkt er, seine Zeit als Ingenieur gut genutzt zu haben andererseits scheint er aber lieber in seiner Traumwelt zu verweilen als die Realität weiter entgegenzutreten.
Es ist leicht, in den Flugzeugkonstrukteur Horikoshi ein Stück weit den Künstler Miyazaki zu sehen und so fühlt sich die letzte Szene so an, als ob sich Miyazaki in seinem letzten Werk, die Frage stellt, ob sein Lebenswerk die Anstrengung wert war.
Nicht zum ersten Mal frage ich mich dabei, was es wohl den Künstlern kostet mag, solche Filme zu stemmen und zu verwirklichen?
Ich kann nur hoffen dass Miyazaki, wenn er auf sein Leben und Wirken zurückblickt, deutlich weniger bereut als sein Horikoshi. Wie dem auch sei, mit „Wie der Wind sich hebt“ hat er seinem herausragenden Lebenswerk einen weiteren sinnigen, wenn vielleicht auch ungewohnt schwermütigen Film hinzugefügt.

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Kuya

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

[spoiler]

Der letzte Miyazaki-Film hat die Tür zu der Art von Anime-Film wieder aufgemacht, von der ich hoffe in der Zukunft viel, viel mehr zu sehen. Auch wenn Totoro wohl für immer das Logo von Studio Ghibli ziert, so ist auch das bekannteste Anime-Studio nicht frei von Wandel. Miyazakis Feder schickte es durch die einmaligen Fantasy-Welten von Nausicäa und Prinzessin Mononoke, zu den hochgelobten, verzauberten Alltagsgeschichten Totoro und Ponyo, um am Ende ein Gegenstück zu dem Film zu schaffen, der sich in Japans kollektives Gedächtnis wohl am tiefsten festgesetzt hat - DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN. Anders als Takahatas filmgewordenes Denkmahl an den Zweiten Weltkrieg, welches sich nicht scheute den Tod an die Leinwand zu werfen, bleibt bei Miyazaki alles nur angedeutet. Naokos Tod in den Bergen, die Menschen, die von den Flugmaschinen Horikoshis oder Capronis zugrunde gehen, sogar der Holocaust wird nur durch eine flüchtige Verfolgung eines einzelnen fliehenden Judens aufgebracht. Stattdessen: das Zelebrieren von Tagen außerhalb der Wirklichkeit, die Zeit, in der lebensjahende deutsche Lieder angestimmt werden kann, die noch blühende Landschaft gemalt und Liebschaften geschlossen werden können.

WIE DER WIND SICH HEBT, stellt sich so weder als Kriegs- noch Antikriegsfilm heraus. Vielmehr ist er seinem Genre mehr verhaftet, als es scheint, wenn sich letzten Endes Jiros Traumwelt zum Debakel für die Menschheit und für sich selbst entpuppt. Dieselbe Traumwelt, die in Animes sonst als wertvollste Quelle des Menschen gilt, die Totoros Abenteuer möglich macht, die Chihiro die Weisheiten des Lebens lehrt oder die Kinder im Angesicht des Todes das heile Nachleben erwarten lässt, verursacht im letzten Miyazaki-Film eine Welt und Flammen und Trümmern. Miyazakis Zivilisationspessimus reißt selbst den unschuldigen Kindertraum Jiros hinunter. Um es für Miyazaki adäquater zu formulieren: der reine, urmenschliche Traum zu fliegen wird in Schönheit realisiert - die Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts krümmt das Mirakel zur selbstzerstörerischen Katastrophe.

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Couga[MH]

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Den Kommentar zu meiner 700. Bewertung "widme" ich Hayao Miyazakis Abschiedswerk:
THE WIND RISES.

"All I wanted was to make something beautiful."

Es heißt Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Eben wie Kunst.
Ob Miyazaki natürlich hier nach den Stift für immer beiseite legt, ist sicher nicht final. Doch es wäre passend. Perfekter könnte er seiner Laufbahn als Regisseur eigentlich nicht ein Ende setzten. Nicht unbedingt weil ich davon überzeugt bin, dass dies der beste Film Miyazakis ist.

Jeder Künstler hat die Intention etwas Schönes zu erschaffen, das ihn erfüllt. Jeder Künstler muss aber auch damit leben, dass das Vermächtnis seines Schaffens weniger bei ihm selbst liegt - sondern bei den Betrachtern.
Jedoch befindet sich Miyazaki nicht in einer so tragischen Position wie die seines Protagonisten, da ich bezweifle, dass jemand mit seinen Werken so viel Leid anstellen könnte, wie im Falle von Jiros Luftfahrzeugen.

Doch Miyazaki setzt sich mit diesem Werk für die Künstler und vor allem für die Träumer ein, ohne dabei politisch sein zu wollen. Er stellt die Geschichte einer Person da, die ihren großen Traum mit Leidenschaft verfolgt.
Man kann es wohl naiv nennen, aber letztendlich liegt die wahre Schuld meiner Meinung nach immer bei denen, die missbrauchen.

"The wind is rising, we must try to live."

THE WIND RISES ist allerdings nicht nur ein Werk über Erbe und Nachlass.
Wind ist sogut wie permanent präsent währends des Films, symbolisch passend zu dem ständigen Wandel den er bringt - in dem sich die Welt befindet.
Bewusst des Moments, begreifend der Vergangenheit aber mit einem Traum für die Zukunft. ("Solange ich Träume hab, kann mir keiner von euch was." - Genetikk, oder wahlweise "Take me to the magic of the moment on a glory night where the children of tomorrow dream away in the wind of change" - Scorpions)

THE WIND RISES markiert damit den wahrscheinlich erwachsensten Moment in der filmischen Geschichte Miyazakis, als auch kontroversesten, was aber oft ein gutes Zeichen ist. Fast schon minimalistisch im Vergleich zu früheren Werken Miyazakis, als auch melancholischer und nach innen gekehrter, passend zu seinem wohl persönlichstem Film.

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Corolla54

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Bewertung9.5Herausragend

Sehr sehenswert -spätestens auf DVD/Blu unbedingt anschauen.

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lukas.stracke

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Bewertung9.0Herausragend

Rotz, Wasser, eine halbe Packung Taschentücher und der Abschiedsfilm eines Meisterregisseurs: "Wie der Wind sich hebt", das letzte Werk von Hayao Miyazaki, dem wohl berühmtesten Anime-Regisseur überhaupt, ist der bisher beste Film des Jahres und der beste Animationsfilm seit mindestens zwölf Jahren (seit "Chihiro").

Wunderschön gezeichnet, abermals mit großartiger Musik vom Ghibli-Stammkomponisten Joe Hisaishi (ohne den die Ghibli-Filme niemals so genial wären, wie sie sind) und einer fantastischen Detailverliebtheit.
"Wie der Wind sich hebt" ist die fiktive Biografie des bedeutenden Flugzeugentwicklers Jiro Horikoshi und stellt somit wohl das realitätsverbundendste Werk Miyazakis dar. Stilistisch lässt sich der recht ruhige Film am ehesten mit Miyazakis "Porco Rosso" oder jüngeren Ghibli-Filmen, wie "Der Mohnblumenberg" vergleichen. Doch was den Film von den letzten Ghibli-Produktionen und auch den beiden vorangegangenen, schwächeren Miyazaki-Filmen ("Das wandelnde Schloss", "Ponyo") abhebt, ist die ungewöhnlich anspruchsvolle Handlung, in denen Themen, wie die Weltkriege, Naturkatastrophen, Krankheit und Tod, aber auch völlige Hingabe, behutsam und unglaublich gefühlvoll behandelt werden. So ist "Wie der Wind sich hebt" auch der traurigste Film Miyazakis und reicht damit fast an Isao Takahatas "Die letzten Glühwürmchen" heran, den wohl bisher unbequemsten Ghibli-Film.
Dass der Film so zu Herzen geht, liegt nicht zuletzt an den sympathischen Charakteren und den teils großartigen Dialogen. So meint Horikoshi in einer der besten Szenen, sein Flugzeug könnte noch schneller sein - würde man die Maschinengewehre weglassen. Hier zeigt sich wieder der Pazifismus Miyazakis, der sich in jedem Film seiner Karriere wiederfindet und die Überflüssigkeit der angestoßenen Kriegsverherrlichungsdebatte.

Diese, 40 Jahre dauernde Karriere, hat letztes Jahr mit der Ankündigung seines Ruhestands voraussichtlich ihr Ende gefunden. Kein Mensch hat den Zeichentrickfilm seit den frühen 80ern so sehr geprägt, wie Miyazaki-san, seine Lücke wird kaum zu füllen sein.
Also tut euch selbst den Gefallen und geht, falls ihr nur das geringste mit Animes anfangen könnt ins Kino und schaut euch "Wie der Wind sich hebt" an, es wird wohl eure letzte Chance sein, einen Miyazaki-Film im Kino zu sehen. Zur Zeit läuft der Film noch in Leipzig (Passage-Kinos), Dresden (Schauburg) und Chemnitz (Filmpalast am Roten Turm).

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lukas.stracke

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Übrigens eine sehr schöne Idee, viele Geräusche durch menschliche Stimmen zu imitieren. War das Grummeln beim Erdbeben Miyazaki-san persönlich? Das klang zumindest etwas danach.


Edgehead0920

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der wahrscheinlich letzte Film von Hayao Miyazaki ist ein kleines Meisterwerk geworden. The Wind Rises steht seinen Filmnachbarn wie Spirited Away oder Prinzessin Mononoke in Sachen Qualität in nichts nach. Im Gegensatz hierzu ist er aber sehr bodenständig, realistisch und erwachsen gelungen. Es stehen vor allem sehr starke Charaktere und eine eindringliche und sehr interessante Story im Vordergrund mit einem „sehr guten“ und abschließenden Ende. Kurzum gefasst, wer schon die alten Ghimli-Filme mochte und bereit für einen sehr erwachsenen Anime ist, hat auf jeden Fall von mir eine klare Filmempfehlung.

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David "Noodles" Aaronson

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es gibt wohl nur wenige Filme die es so eindringlich vermögen ein Genie oder eine besondere Gabe einzufangen wie es Miyazakis neuestes (& erwachsenstes) Wunderwerk schafft.
Jiro Horikoshi geboren um den alten Menschheitstraum ein Stück weit realer werden zu lassen. Jemand der uns glauben macht dass seine tollkühnen Maschinen beinahe nur auf Begabung, Talent, nein eher Berufung denn harter Arbeit basieren. Visionär & verträumt ist er der junge Bursche & genauso fängt der Film auch sein Leben ein.
Gegen alle Widerstände natürlich; welche es auch immer sein mögen. Für den jungen Mann ist Japans faschistisches Militär nur Mittel zum Zweck. Wir werden gefragt: wollen wir wirklich eine Welt ohne Pyramiden haben? Diese großen Monumente stehen für die Leistungen großer Ingeniere, ihr Fundament freilich gebaut auf Stein wie auf Blut! "Wie Der Wind sich hebt" lässt dies offen im Raum stehen, so wie er auch seinen Helden am Ende stehen lässt, indem er ihm einen einzigen Satz verwehrt. **
Er ist ein großer Künstler dieser Jiro Horikoshi, kein Mörder, kein Fitzcaraldo (aber ist der nicht auch ein Genie?). Doch am Ende erlaubt uns der Film, nach all seiner Pracht all seinem Feuer, unaufdringlich zu fragen ob Jiros Anstrengungen wirklich sinnvoll waren, ob großartiges im Verhältnis zu dem Preise steht. Und ich selbst glaube mit Nein antworten zu müssen & starre dabei bewundernd die Flieger an welche sich über die Pyramiden erheben.
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**SPoiler: dem letzten Satz seiner Frau ('Ich liebe dich'), bevor sie stirbt, kann er von der Arbeit entkräftet nicht mehr antworten.... Irgendwie der bitterste aller Miyazaki Momente

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The Freewheelin Fonda

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Toller text von dir, habe den Streifen genauso empfunden!


David "Noodles" Aaronson

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merci, dann viel Spass mit den anderen Miyazaki/Ghibli Filmen


huggybaer

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Bewertung9.5Herausragend

Jeder gute Künstler hat seine 10 Jahre, wo er aus den Vollen schöpfen muss. Großartigen Künstlern, wie Hayao Miyazaki, sind offenbar glücklicherweise auch deutlich mehr Jahre vergönnt, auch, wenn die Botschaft klar rüberkommt: Jeder Künstler erreicht sein persönliches Ende - und bei Hayao Miyazaki ist es dieser Film.

Zum Abschluss seiner beachtlichen Karriere präsentiert er uns sein erwachsenstes und vielleicht auch verträumtestes Werk. Obwohl große Teile des Films voller Fantasie stecken, so bleiben die aus den anderen Filmen bekannten Fantasy Elemente größtenteils unter dem Deckmantel der ernsten Geschichte verborgen.
Trotzdem fühl sich "Wie der Wind sich hebt" in jeder Sekunde wie ein Ghibli Film an. Dafür sorgen, wie immer, die hervorragenden, detailverliebten Animationen, der ganz besondere Erzählstil und die inspirierende Musik von Joe Hisashi, die diesmal etwas westlich angehaucht ist. Außerdem finden sich in dem Film tolle Referenzen, werdensurreale (Mein Nachbar Totoro) und erschreckend reale Szenen (Die letzten Glühwürmchen) verbunden, immer begleitet von einer angemessenen Menge an Poesie.

Die Geschichte bietet Momente zum Lachen und zum Weinen, zum Mitfühlen, zum Staunen - aber in erster Linie zum Träumen. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, wirkt die Liebesgeschichte nicht aufgesetzt, sondern ist zwingender Bestandteil der Geschichte und trägt maßgeblich zur Entwicklung des Hauptcharakters, Jiro, bei. Jiro ist ein Träumer, der Krieg interessiert ihn nicht (gleichwohl er ihn auch nicht kalt lässt, es ist nur einfach nicht SEIN Krieg), seine Erfüllung ist es, schöne Flugzeuge zu bauen.
So ist es auch nicht die Aufgabe des Films uns die Grausamkeit des Kriegs aufzuzeigen (der übrigens im ganzen Film durchgehend präsent ist, aber einfach nicht zur Hauptgeschichte gehört), sondern uns von der Begeisterung des Hauptcharakters anstecken zu lassen. Dies muss auch nicht zwingend die Begeisterung am Flugzeugbau sein, sondern vielmehr die Begeisterung an der Erfüllung der eigenen Träume.

Außerdem sollen wir uns in den verträumten Geist von Jiro hineinversetzen, wobei hier neben der Musik und den Bildern auch die weitere Tonspur tolle Arbeit leistet: Der Film kommt trotz modernsten Möglichkeiten im Stereo Ton, was mich im ersten Moment gestört, aber erstaunlich gut dabei geholfen hat, mich in den Film hineinzuversetzen. Ein Großteil der Geräusche, hauptsächlich bedrohliche und maschinelle, sind durch Menschen, also Stimmen, erzeugt worden. Viele Nebengeräusche wurden einfach weggelassen, nur die wesentlichen Geräusche sind zu hören, was einen Großteil zur verträumten Atmosphäre des ganzen Films beiträgt. Ein weiterer Aspekt, der den Film nahezu einzigartig macht.

Dass der Film im Mittelteil mal kurzzeitig das Ziel aus den Augen verliert und hier und da eine Priese Spannung nicht schaden könnte, ist bei meisterlich dirigierten Szenen, wie der "Papierflieger"-Szene oder auch den Traumsequenz- Szenen wieder verziehen. Diese Geschichte über das Leben des Flugzeugbauers Jiro ist weder ein Fantasy, noch ein Kinderfilm und sie nimmt sich viel Zeit um alle Aspekte in Ruhe zu beleuchten. Der Film war überraschend lang und mag einigen dadurch zu langwierig wirken, ich persönlich würde aber keine der Szenen missen wollen.

Der ganze Film fühlt sich wie ein Abschied an. Er vereint die tollsten Elemente aller Ghibli Filme und nutzt sie, um eine neue, erwachsenere Geschichte zu erzählen. Ich möchte mich auf gar keine Diskussion einlassen, welcher Ghibli Film der Beste wäre. Ohne Zweifel aber ist dies Hayao Miyazakis persönlichster Film, sein letzter gelungener Versuch, seiner eigenen großen Liebe, nämlich den Flugzeugen, ein Denkmal zu setzen. Hayao Miyazaki benannte sein Studio nach einem Kriegsflugzeug, von dessen Konstruktion er begeistert war, und sicherlich steckt auch ein Großteil von seiner Persönlichkeit in Jiro. Vielleicht hatte ja auch er einen Traum, in dem er seinem Vorbild begegnet ist (vielleicht ja Walt Disney, wer weiß) und dieses ihm zu seinem Lebenswerk gratuliert hat. Seine Filme sind eben seine persönlichen "Flugzeuge". Vielleicht hätte der Film nur 8 bis 9 Punkte verdient. Aber aufgrund dieser meisterlichen Landung einer großartigen Filmkarriere, vergebe ich einen Bonuspunkt und komme auf 9,5/10 Punkte.

"Wie der Wind sich hebt" ist sicherlich einer der besten Filme, für die man dieses Jahr Kinoeintritt bezahlen kann und ein wohlverdienter Abschied in den Ruhestand.

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MaxN91

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"The Wind Rises" vom japanischen Animations-Mastermind Hayao Miyazaki hat mich sowohl überrascht als auch beeindruckt. Obwohl ich mit Anime und asiatischem Film durchaus vertraut bin, habe ich seltsamerweise bis heute noch nie einen Film von Miyazaki gesehen. "The Wind Rises" hat meine Aufmerksamkeit erregt, da ich hörte dass dies Miyazakis letzer Film werden soll.
Hatte mich die Thematik des Fliegens zuerst abgeschreckt - da ich an diesem Thema grundsätzlich eher weniger interessiert bin - war ich sehr froh als der Film sich nicht auf dieses Grundthema versteifte. "The Wind Rises" ist nämlich kein Film über Krieg, Flugtechnik oder die japanische Katastrophe von 1923, sondern ein Film über das Leben seiner Figuren. Das heißt nicht nur, dass der Zuschauer am Leben vom tagträumischen Protagonisten Jiro teilnimmt, sondern die Welt auch durch seine, oftmals im Tunnelblick verharrenden, Augen sieht. Miyazaki entscheidet sich bewusst dafür seine Geschichte in der tatsächlichen Welt anzusiedeln und dabei historische Gegebenheiten zu erwähnen, aber genauso bewusst dafür diese eigentlich verheerenden Katastrophen wie Regentropfen auf einem Schirm abperlen zu lassen. Was davon übrig bleibt ist aber die stets präsente melancholische Stimmung, die den Film und seine Figuren umgibt.
Die ganze große Stärke dieses Films ist seine Inszenierung. Die Zeichnungen und die Animation sind atemberaubend schön, der Score klassisch genial komponiert und die Regie unglaublich kreativ. Insgesamt wird so eine fast magische Stimmung erzeugt.
Das schöne und lobenswert abwechslungsreiche an "The Wind Rises" ist, dass jeder Zuschauer andere Aspekte der Geschichte zu schätzen wissen wird. Den hier wird nur zu einem geringen Teil ein klassischer Plot verfolgt, vielmehr sind es die Momente und die Augenblicke des Lebens der Hauptfigur Jiro, die fast nebenbei sein Leben erst mit Inhalt füllen und so dem Zuschauer am längsten im Kopf haften werden. Auch wenn sich Miyazaki ab und an in seiner Melancholie zu verlieren scheint, bleibt "The Wind Rises" ein äußerst gelungener, aber auch anspruchsvoller Film, der vom Zuschauer mehr ausgefüllt als konsumiert werden möchte.
Eines steht jedoch fest: Mit Hayao Miyazaki geht einer der letzten Träumer im Filmgeschäft. Möge sich stets der Wind für ihn erheben!

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philipp.warnke

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Bewertung7.5Sehenswert

Würde ich den Film in einem Wort einschätzen müssen, würde ich "Melancholie" sagen.
Wenn man sich bewusst ist, dass dies Myazaki´s letztes Werk ist, so kann man den Film viel besser nachvollziehen.
Um die Grausamkeit von Krieg und Tod geht es hier absolut nicht, sondern um die Entfaltung einer kreativen und sensiblen Künstlerseele die es schafft trotz der Sinnlosigkeit von Krieg ihr volles Maß an Kunst zu entfalten.
Wer einen von Fantasie übersprudelnden Film wie "Chihiro´s Reise ins Zauberland" erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Es ist ein sehr realistischer und geerdeter Ghibli Film dessen Stärken die tollen Charaktere und die realistische Story sind.
Visuell gesehen ist er auch schön klassisch gezeichnet und die Traum-Sequenzen sehen sehr schön aus und versprühen etwas Ghibli-Charme.
Es ist bei weitem nicht der beste Ghibli, aber es ist ein erwachsenes, schönes Abschlusswerk und ein tolles Ende für die Ära Myazakis.

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Bastieff

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Hayao Miyazaki’s letzter Film? Ich wünsche es mir nicht. Aber er hat trotz alledem
eine beachtliche und eine seltene Erfolgskarriere hinter sich gebracht. Sein letzter Film
Kaze Tachinu knüpft an seine vielen anderen, wunderbaren Ghiblifilme an. Es ist sogar mein erster Ghibli auf der großen Leinwand und ich hoffte, dass dieser Film nie zu Ende gehen würde.
Der Film wirkt sehr reif, erwachsen, entschlossen, vll weniger magischer, wie seine Vorgänger, aber trotzdem irgendwie Miyazaki’s Handschrift. Das kommt wegen seiner malerischen Poesie – mit Joe Hisaishis einzigartigen westlich angehauchten Soundtrack – und sein Liebe zum Detail zustande. Zwar zieht sich der Film zunächst etwas, wird aber „hinten raus“ immer besser und hat wunderbare Momente, wenn Jiro sich zum Beispiel in das Mädchen Nahoko verliebt und sie Papierflieger draußen vor einem Hotel fliegen lassen. Die Liebe zu ihr ist brillant bebildert und geht warm ans Herz. Deswegen finde ich, dass besonders das letzte Stück, wenn es sich um die Jiro und Nahoko dreht, der beste Teil des Filmes ist.
Caproni: She was beautiful, just like the wind.
Sie trägt ihn, sie lässt seine Gedanken schweben und gibt ihm das letzte fehlende Fünkchen Hoffnung und Kraft. Und wenn der Wind sich hebt und Jiro ihn spürt, dann weiß er, was passiert ist.

Wie immer stehen bei Miyazaki die Flugzeuge im Vordergrund. Schon als kleiner Junge träumt Jiro davon, Flugzeugingenieur zu werden und merkt nicht – oder erst viel zu spät, was er damit anrichten wird. Seine Tagträume lassen sein Verlangen spürbarer werden und er sehnt sich seinem Ziel schon nahe. Allerdings muss er dafür hart schuften, arbeiten und immer wieder Rückschläge und Gefahren auf sich nehmen.

Mit einem wunderschönen Song im Abspann endete dieser Ghiblifilm
Danach war es mucksmäuschenstill. Das sagt alles über die Qualität dieses Filmes aus.

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Val Vega

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Bewertung6.5Ganz gut

Ich persönlich hatte mit Anime nie viel am Hut, aber dieser Film hat mich einfach hellhörig gemacht und mit der hier auf Moviepilot angeführten Kontroverse musste ich ihn sehen. Zum Glück konnte ich diesen Film in der englischen Fassung sehen. Gordon-Levitt, Tucci und Herzog machen als Synchronsprecher eine unfassbar gute Figur und können den wunderbar gezeichneten und animierten Figuren viel Leben einhauchen.

Zur Kontroverse: Meiner Meinung nach zu heftig. Natürlich ist es bekannt, dass unsere Freunde im fernen Osten nicht gerade die Spitzenreiter in Aufklärung und Vergangenheitsbewältigung sind, doch im Prinzip legt der Film weniger Wert auf die Arbeit von Horikoshi als auf den Menschen, der er war. Dass solche Figuren, gerade aus düsterer Vergangenheit stammende, tatsächlich auch Menschen waren, wird heute viel zu oft vergessen, da man oft zu stark dämonisiert. Hierbei ist übrigens zu erwähnen, dass gerade in den USA, der Kriegsgegner Japans, der unter Horikoshis Erfindung am meisten zu leiden hatte, dieser Film sehr gut ankommt. Übrigens gibt es im Film eine Szene, in der im Traum Horikoshis er neben Giovanni Battista Caproni, dem italienischen Flugzeugbauer gesprochen von Stanley Tucci, in der er bedauert, dass diese nie wieder zurückkehren werden. Beide konnten ihr ganzes Leben nur ausschließlich für die Armee und den Krieg bauen, ihre Erfindungen werden in sinnlosen Kämpfen zerstört und so müssen sie sich es selbst schön reden, es verdrängen, dass ihr ganzes Lebenswerk, dem sie so viel geopfert haben, im Krieg wieder zerstört wird. Miyazaki war sich zuerst unsicher darüber, ob er den Film machen sollte, doch als er hörte, dass Horikoshi nur etwas Schönes, schaffen wollte, beschloss er ihn zu machen. Für mich erzählt der Film die Geschichte eines zwischen Realität und Traum gefangenen Visionärs, der seine Arbeit, auf einem von der Kriegsmaschinerie Japans dominierten Marktes, den Umständen anpasste, und seinen Traum schließlich in Trümmern sah.

Und obwohl der Film eigentlich gut ist, muss ich sagen, dass er gut eine halbe Stunde zu lang für mich war. Die Bilder sind zwar wunderschön gezeichnet, und all jene Szenen zwischen den beiden Liebenden, insbesondere die auf dem Berghotel, welches als Referenzraum zu Thomas Manns „Der Zauberberg“ dient, triefen nur so vor surrealer Poetik. Diese Szenen sind wunderschön und offenbaren all das Talent und die Erfahrung des Anime-Meisters. Im Endeffekt ist „The Wind Rises“ ein schöner Film über Traum, Vision und bittere Realität, der in seinen stärksten Momenten eine wunderbare Liebesgeschichte erzählt. Hie und da ist er zwar zu lang und man kann dem Film einiges ankreiden was schlichte Auslassung (NICHT Beschönigung) betrifft, doch den Film zu verdammen und an den Pranger zu stellen ist einfach gesagt: Stuss.

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The Freewheelin Fonda

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Schöner Kommentar(war bei mir ja auch erst der erste Ghibli)
und zu der "Kontroverse" habe ich eig. die gleiche Meinung wie du, was dazu schreiben wollte ich aber nicht, ich glaub in Deutschland hat man zu diesem thema ja schon genug nichtssagende Diskussionen geführt ;)


Val Vega

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Danke Fonda ;) Diese Kontroverse geht aber auch doll auf den Sack.



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