Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg in Außer Atem
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Am 16. März 1960 erschien in Frankreich ein Film, der eine neue Epoche des französischen und europäischen Kino einleitete. Nie zuvor brach ein Film so kompromisslos mit den goldenen Regeln des Filmemachens und nie danach war das Ergebnis ein derart unterhaltsames.
Der Gangster und das Mädchen
Außer Atem von Jean-Luc Godard ist ein Film zum Genießen. Dank der Drehbuch-Vorlage von Hitchcock-Schüler und Frauenverehrer François Truffaut ist Außer Atem eine große Liebeserklärung an das wilde Leben und die Frauen, die es lebenswert machen. Es zeigt uns eines der größten Traumpaare der Kinogeschichte: Einen ultracoolen Jean-Paul Belmondo als kleinkriminellen Filou, der sich für Humphrey Bogart hält und doch zu Butter in den Händen von Jean Seberg wird. Diese spielt eine amerikanische Studentin, die sich für Existenzialismus interessiert und sich als Zeitungsverkäuferin über Wasser hält. Ihrer selbstbewussten und charmanten Art ist der junge Franzose nicht gewachsen. Während das zierliche Mädchen zögert, ihn zurückweist und sich anderweitig vergnügt, ist der knallharte Straßenjunge über beide Ohren verliebt.
Hinzu kommen viele kleine Gimmicks für Cineasten: Neben den zahlreichen Anspielungen auf Humphrey Bogart und den amerikanischen Film-Noir überrascht er durch Cameo-Auftritte von Jean-Luc Godard als denunzierenden Passanten oder Jean-Pierre Melville als Dichterfürst, der die Rolle von Jean Seberg zusammenfasst: “Amerikanische und französische Frauen sind grundverschieden. Die amerikanische Frau dominiert den Mann, die französische noch nicht”.
Die Revolution am Schneidetisch
Außer Atem ist auch ein revolutionärer Film. In einer Zeit, in der es als Aufgabe des Filmemachers galt, seine Kunst möglichst unsichtbar zu gestalten, lässt uns Jean-Luc Godard seine Eingriffe als Regisseur bei jeder Gelegenheit spüren. Auffällige Schnitte (Godards berühmte Jump Cuts), in die Kamera schauende Passanten oder Jean-Paul Belmondo, der den Zuschauer direkt anspricht. Jean-Luc Godard zeigt uns, dass wir einen Film – und zwar seinen – anschauen, ohne dabei die Geschichte außer Acht zu lassen.
Diese Kombination aus einer einfachen packenden Story und formaler Brillanz machten aus Außer Atem einen der Hauptfilme der Nouvelle Vague, die sich gerade noch in ihren Kinderschuhen befand. Filme wie Sie küßten und sie schlugen ihn von François Truffaut und Hiroshima mon amour von Alain Resnais deuteten bereits an, dass diese Gruppe junger Filmschaffender das Mainstreamkino der 1950er auf den Kopf stellen will. Doch erst in Außer Atem wurde die ganze revolutionäre Kraft eines Kinos deutlich, dass Konventionen bewusst bricht und dem Zuschauer zeigt, dass hinter den Filmen keine Studios, sondern Künstler stehen.
Daher lohnt sich Außer Atem auch für Fans aktueller Kinofilme. Denn wer Außer Atem gesehen hat, der versteht, weshalb die Produktionsfirma von Quentin Tarantino nach einem Film von Jean-Luc Godard benannt ist. Beide Regisseure haben Eines verstanden: Ein Film kann intelligente Kunst sein und trotzdem eine Menge Spaß machen.
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Prestigeww (Stefan Tiess) 2010/03/16 08:50:00
Kommentare
über Jean-Luc Godard - Seit 50 Jahren Außer Atem
Kommentar schreibencannibal83 2010/03/16 11:52:37
Kommentar löschenAuch wenn ich dafür vermutlich ganz böse auf's Maul kriege: Neben seiner filmischen Bedeutung ist "Außer Atem" leider auch so langweilig das man am liebsten heulen möchte. Der Artikel ist aber trotzdem schön geschrieben.
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Tyler__Durden 2010/03/16 12:32:15
Antwort löschenDito! So groß die Film-historische Bedeutung des Films sein mag, gefallen hat Außer Atem leider nicht wirklich.
annaberlin 2010/03/16 13:19:44
Antwort löschenDas liegt wohl an Godard, der super interessante, wichtige und tolle Filme gemacht hat - die aber immer auch super anstrengend zu sehen sind...
Phryx 2010/06/08 17:11:42
Antwort löschennein! wieso langweilig? action, liebe alles dabei was der hollywood cineast braucht ;-)
bordelaise 2010/03/16 12:20:58
Kommentar löschen"Ein Film kann intelligente Kunst sein und trotzdem eine Menge Spaß machen" = perfekte Zusammenfassung von was ich von guten Filmen halte, beziehungsweise von guter Unterhaltung allgemein. Ich würde mich sogar trauen zu sagen : Ein Film kann intelligente Kunst sein und deshalb noch mehr Spaß machen.
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moep0r 2010/03/16 19:41:58
Kommentar löschenSchoener Artikel ueber einen wunderbaren Film. Neben Casablanca einer meiner absoluten Lieblinge.
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als ich noch kind war liefen solche filme ebenso wie western immer im öffentlich rechtlichen, die einzige alternative zu nur drei programmen mit solchen kinder feindlichen filmen war draussen spielen. wenn man lieber james bond oder krieg der sterne sehen würde man aber ständig filme wie ausser atem vorgesetzt bekommt prägt einen das nachhaltig. ich werde wohl noch ein paar jahre brauchen bis ich mich davon endgültig erholt habe. mittlerweile traue ich mich aber schon an lino ventura ran. eine grosse leistung wenn man bedenkt wie sehr ich ihn damals gehasst habe.
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