Sie küßten und sie schlugen ihn

Les Quatre cents coups (1959), FR Laufzeit 99 Minuten, FSK 16, Drama, Kriminalfilm, Kinostart 22.10.1959

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8.2
Kritiker
22 Bewertungen
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7.9
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630 Bewertungen
27 Kommentare
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von François Truffaut, mit Jean-Pierre Léaud und Claire Maurier

Am liebsten schwänzt Antoine Doinel (Jean-Pierre Léaud) in Sie küßten und sie schlugen ihn die ihm verhasste Schule und schaut sich Filme im Kino an. Dafür kassiert er von seiner hartherzigen Mutter und seinem Stiefvater regelmäßig Schläge. Als er mit einem Freund eine Schreibmaschine stiehlt und gefasst wird, kommt er in ein Heim für Schwererziehbare.

Das sensationelle Regiedebüt von François Truffaut gewann 1959 den Regie-Preis in Cannes, was den endgültigen Durchbruch für die Filmemacher der Nouvelle Vague bedeutete. Die Geschichte und das Schicksal seines Helden, der lernen muss, im Leben alleine zurechtzukommen, verfolgte der Regisseur in vier späteren Filmen des Antoine-Doinel-Zyklus weiter. Truffaut bezeichnete Jean-Pierre Léaud, der die Hauptrolle übernahm, als sei ‘Alter Ego’, zumal der Antoine-Doinel-Zyklus durch Referenzen auf Truffauts eigenes Lebens stark autobiographisch eingefärbt ist.

Die Filme des Antoine Doinel Zyklus:
Sie küßten und sie schlugen ihn
Antoine et Colette
Geraubte Küsse
Tisch und Bett
Liebe auf der Flucht

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Cast & Crew


Kritiken (5) — Film: Sie küßten und sie schlugen ihn

Dietmar Kesten: Filmmag.de

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7.0Sehenswert

[...] Truffaut ist ein Meister der Zeichnung der Figuren. Er begründete den Ruhm der „Neuen Welle“. Seine Geschichten waren stets einfach, aber detailliert erzählt. [...]

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Flibbo: Wie ist der Film?

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6.0Ganz gut

[...] „Sie küßten und sie schlugen ihn“ trifft das Publikumsherz über nostalgische Assoziationen des Zuschauers eher als mit der eigentlichen Inszenierung, welche von einer entfesselten Schnitttechnik und Szenen mit durchwachsenem Timing lebt, wobei sich die Nouvelle-Vague-Experimentierlust hier aber noch in Grenzen hält. Es ist einer dieser Filme, die etwas mehr von ihrem Stellenwert in der Filmgeschichte als von ihrer eigenen Qualität leben. Dennoch kommt die große Beliebtheit nicht von ungefähr. Schließlich gelang Truffaut mit seinem Debüt ein sympathischer Spagat zwischen Nachdenklichkeit und Niedlichkeit.

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Almut Steinlein: critic.de

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In seinem Debütfilm setzt François Truffaut filmische Mittel wie Großaufnahmen und Schuss-Gegenschussverfahren mit großer stilistischer Intelligenz so ein, dass die Geschichte konsequent und authentisch aus der Sicht des Jungen in Abgrenzung zur Erwachsenenwelt erzählt und die Empathie des Zuschauers für seinen Protagonisten gewonnen wird. Das Talent seines Hauptdarstellers Jean-Pierre Léaud, der zu einem Star der Nouvelle Vague werden sollte, beeindruckt insbesondere in der berühmten Szene des Fragegesprächs zwischen Antoine und einer Jugendpsychologin, in der Truffaut seinen Schauspieler die Antworten improvisieren ließ und mit Direktton aufzeichnete.

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M. Phillips: Chicago Tribune M. Phillips: Chicago Tribune

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10.0Herausragend

Im Widescreen Dyalscope und schwarzweiß gedreht, wirkt Truffauts Meisterwerk aus dem Jahr 1959 ewig jung. Truffaut wusste, wie er mit einem Publikum kommunizieren kann, das begierig auf unsentimentale Sentimentalität war und eine Vorliebe für die Straße hatte; und teilweise, weil die Nouvelle Vague an einen bestimmenten Moment der Geschichte verhaftet bleibt, aber seine lebendigsten Bilder werden ewig vom Jungbrunnen trinken.

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Chuchaqui: Critic.de

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9.5Herausragend

Der Film heißt im Deutschen "Sie küssten und sie schlugen ihn", nicht andersherum. Ein absolutes Meisterwerk der Filmgeschichte, das zusammen mit "Außer Atem" die französische Nouvelle Vague einleitete. Truffauts Erstling lebt natürlich von seiner großartigen Entdeckung Jean-Pierre Léaud und der völlig befreiten Inszenierung. Kann man immer wieder genießen.

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Kommentare (21) — Film: Sie küßten und sie schlugen ihn


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Hooded Justice

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Bewertung10.0Herausragend

« J'en avais jamais mangé à la fraise. »
Wie ehrlich François Truffaut seine eigene Kindheit Revue passieren lässt, ist schlicht atemberaubend. Und dann in so schönen Aufnahmen des damaligen Paris‘. Und diese Momente der Filmmagie: Wenn Antoine ins Heim gefahren wird und ihm in all der Dunkelheit eine Träne übers Gesicht rollt; oder als er dann über den Strand läuft. Wow.

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Wumz

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Du sagst es, pure Filmmagie! =)


hollygolightly1

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<3 <3 <3


Trimalchio

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Was ist Film? Das fragte sich der große André Bazin Ende der fünfziger Jahre. Wer dieses Meisterwerk gelesen hat muss anerkennen, dass François Truffaut in seinem ersten Film in Spielfilmlänge alle Ideen praktisch verwirklicht hat. Er zeigt hier bedrückende Schwere in Kombination mit unglaublicher Leichtigkeit und gleichzeitig den unermüdlichen Ruf nach Freiheit. Nach Revolution des Kinos. Das Wunderbare ist, dass sich der Film sowohl wortwörtlich als auch als Geschichte des neuen Kinos, der Nouvelle Vague, verstehen lässt. Und noch schöner ist eigentlich, das alles was Truffaut an Neuigkeiten zeigt, tatsächlich gewonnen hat. Genauso wie Antoine.

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mariega

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Bewertung10.0Herausragend

"DIE SUCHE NACH DEM ABSOLUTEN" Balzac
Les Quatre Cents Coups:
Un coup d'essai (ein erster Versuch)
Un coup de maître (ein Meisterstück)
Mon coup de foudre (Meine Liebe auf den ersten Blick)
Antoine Doinel, Truffauts filmisches Alter ego, als ungewolltes Kind geboren, von Mutter und Stiefvater geduldet, verbringt seine Zeit hauptsächlich ausserhalb der Schule. Er sucht Zuflucht in der Welt der Bücher und Filme. Er vertieft sich in " La recherche de l'absolu" von Balzac, den er verehrt.
Balzacs Werk ist ein Spiegel der im Truffauts Film enthaltenen Themen:
"La Femme abandonnée" 1832 (Die verlassene Frau) : Antoine ist ein uneheliches Kind, das seine Mutter in der Schule für tot erklärt.
"La Peau de chagrin" 1831 (Das Chagrinleder): Über dem Film schwebt eine unendliche Traurigkeit.
"La Comédie humaine" (Die Menschliche Komödie): Antoine wird zum Lügen erzogen. Als man ihn fragt, ob er lüge, antwortet er: Wenn es nötig ist. Die Wahrheit würde man sowieso nicht glauben.
"Illusions perdues" 1837 (Verlorene Illusionen): Jeder Versuch von seiner Seite sich zu integrieren, sich zu "verbessern" mißlingt.
"La Recherche de l'absolu" 1834 (Die Suche nach dem Absoluten): Antoine, der zu Hause nur gut genug ist, um den Müll runter zu tragen ("Antoine, descends les poubelles!), sehnt sich nach Befreiung. Er flieht vor dieser trostlosen Realität, er will ans Meer...

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FumerTue

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Der Kommentar macht richtig Bock auf den Film =)


mariega

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Ja, den muss man unbedingt sehen ;)!


jacker

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Bewertung7.0Sehenswert

Truffaut's Debut-(Spiel)film "Les quatre cent Coups" ist mein zweiter (bewusster) 'Nouvelle Vague'-Ausflug. Seit ich vor einiger Zeit ganz unbedarft "A bout de souffle" sah, habe ich zumindest mal ein wenig Allgemeinbildung walten lassen und mich in groben Zügen schlau gemacht, was es denn mit dieser Filmströmung eigentlich auf sich hatte. Truffaut's "Une certaine tendance du cinéma français" habe ich zwar nicht gelesen, mir aber im Groben dessen Kernaussage und Kritik am damals bestehenden System einverleibt.

Schade ist nun, dass ich als Filmhistorik-Laie keinerlei Ahnung habe wie denn französischer Film aussah bevor Truffaut, Goddard und co. ihren radikalen, neuen Ansatz starteten. Beschrieben hat er sie, die 'Tradition der Qualität', wie das damals wirkte kann ich ohne Sichtungen natürlich nur schwer nachvollziehen. Vielleicht ein wenig wie Großteile des deutschen Films heute? Wenig mutig, rasterhaft und immer so sehr um Verträglichkeit bemüht, dass jegliche Kreativität im Keim erstickt wird?

Ich weiß es nicht, macht aber nichts denn geholfen hat es mir zumindest dabei, im Nachhinein zu verorten was diesen Film hier seiner Zeit so außergewöhnlich machte. Ich denke primär ist es der Fakt, dass der Film sich über weite Strecken unheimlich echt anfühlt. Keine Film-Charaktere tummeln sich im schicken Paris, sondern Menschen mit Problemen, Menschen die lachen und weinen, ins Kino gehen, die Schule schwänzen und vor allem bis ins tiefste Innere verletzlich sind.

Diese Verletzlichkeit und ihre Folgen bilden das zentrale Motiv in dieser melancholisch-traurigen Geschichte über das Leben. Der kleine Antoine lebt emotional ausschließlich an zwei extremen Polen - Momente des Glücks halten nicht lange an, der Wechsel zu enormer Härte und eisiger Kälte fiindet aprubt statt - er fühlt sich nicht gewollt und beschließt nach einigen Rückschlägen sein Leben allein zu meistern. Oberflächlich tough und doch im Kern noch viel zu jung und unsicher streunt er nachts durch die Straßen von Paris, kommt bei seinem ebenso vernachlässigten Kumpel unter und versucht durch kleine Gaunereien das Leben zu meistern.

Die Echtheit seines Charakters ist bezeichnend für den Rest des Films, Kulisse und Kamera harmonieren enorm und zeigen ein tolles Bild des damaligen Paris. Bereits die Eröffnungs-Sequenz - eine spiralförmige Annäherung an den Eifelturm, dieser immer zentral im Bild, egal ob verdeckt oder sichtbar - verdeutlicht die Experimentierfreude der Macher, den Drang auf visueller Seite Neues zu schaffen. Auch die spärlich eingesetzte Musik trifft überwiegend ins Schwarze. Teils locker und leicht, teils bedrückend mysteriös vermitteln reduzierte Arangements immer die richtige Stimmung.

Interessanterweise haben die musikalisch untermalten Szenen am besten auf mich gewirkt. Während der Sichtung habe ich den Film, emotional gesehen, bis auf vereinzelte Spitzen (oft auch musik-gefördert) nach oben, relativ neutral aufgenommen. Das ist komisch, denn je mehr ich die Geschichte reflektiere, umso bitterer stößt der tragische Werdegang von Antoine auf! Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Neutralität ein Relikt der Erstsichtung bleibt, je bewusster Antoine's Schicksal schon im Vorfeld ist umso mehr kann der Film sicherlich wirken.

Auf jeden Fall war "Les quatre Cent Coups" eine starke filmische Erfahrung und hat das Interesse für diese filmische Epoche geweckt! Wer also Empfehlungen hat, oder aus dem Nähkästchen über Ursache, Umsetzung und Wirkung der 'Nouvelle Vague' plaudern kann, immer her damit (natürlich auch gerne interessante Links)!

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Stallforce

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Quel chef-d'œuvre. Von Anfang bis Ende passt hier einfach alles. Jean-Pierre Léaud wird nach diesem Film nicht umsonst zu einem der Lieblinge Truffauts, der wiederum den Coming-Of-Age Film schlechthin geschaffen hat. Vielleicht ist 'Les Quatre cents coups', der einflussreichste Film, aus dem Nachbarland westlich von uns. Wie oft wurde dieser Schlussszene, so einfach sie auch erscheinen mag, Tribut gezollt. 'Quand je serai petit', 'Noordzee Texas', 'Knocking on Heaven's Door', 'Einer flog über das Kuckucksnest', 'The Simpsons',... . Lange koennte man diese Liste fortfuehren und jedes mal freue ich mich wenn ich es sehe - egal, ob die 89 Minuten gerade fuer die Tonne waren. Fuer die letzten 30 Sekunden ist das Gefuehl wieder da. Das Gefuehl, das ich hatte, als ich 99 Minuten lang aus dem Leben Antoine Doinels miterleben durfte. Merci François et merci Jean-Pierre!

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mariega

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Merci Stallforce :)!


hoffman587

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Les Quatre cents coups

»Les Quatre Cents Coups« - Der Anbeginn aller guten Dinge. Der Beginn der Novuelle Vague. Der Beginn des großen Francois Truffaut. Der Beginn des persönlichen Doinel-Zyklus. Durch den Beginn des Nouvelle Vague auch der Beginn vieler anderer großer Regisseure von Godard, Chabrol, Rohmer (ok, den mag ich nicht) bis Resnais und auch der Beginn des oft zitierten Schlussbildes - obgleich es vor Truffaut wiederum auch nicht möglich gewesen wäre. Aber nicht der Beginn meiner Liebe zum Film - das wäre zu klischeehaft. Der Anbeginn von allem Guten - nun gut das wäre zu weit gefächert. Aber immerhin ein Beginn. Aber genug von zweitrangigen Buchstaben: »400 Blows« aus dem Jahre 1950 legte schließlich den Grundstein für den Anfang wie auch ersten Spielfilm von Francois Truffaut. Und auch dieser Film beginnt: Kunstvoll wie Truffauts gesamtes Schaffen. Mit einer Kamerafahrt durch das bezaubernde Paris. Bevor uns Truffaut kurz darauf mit seinem Alter Ego bekannt macht: Antoine Doinel.

Der Held des Nouvelle Vague. Der Revolutionär. Das Symbol der Nouvelle Vague. Kein Rebell und doch ein Rebell, der gegen die Normen der alten Generation ankämpft. Ein zweckloser Kampf? Noch nicht ganz. Der tapfere Kämpfer. Die Sympathiefigur? Ein respekloser, frecher, dreister, ungeliebten und schemlischer Junge? Auch ein Kleinkrimineller. Und ein Lügner. Als Projektion wie Intention dieser Stilrichtung? Als Kampf des Individums gegen das Systems? Ja, so was gab es schließlich nur bei Truffaut und seiner selbstreflexionistischen Figur. Überall kleinere filmische Revolutionen. Und ja Doinel als Symbol der Stilrichtung. Der Schrei nach Veränderung. Der Charakter des Doinel lässt sich zweifelsfrei auf den Gedanken dieser übertragen. »Wind of Change« in der Generation wie auch im Medium Film. Der Junge, der sich nicht anpassen will. Weg vom alten hin zum neuen. Eine neue Hoffnung.

Der Wille des Truffaut geschieht aus Kinderaugen und die Konventionsbrüche werden beantragt, etwas kleiner und zahmer, aber noch wie gesagt jeder beginnt klein. Daher mag »400 Blows« doch noch Konventionen enthalten, was so mancherlei Stilmittel betrifft. Unser Antoine Doinel kristallisiert sich stark heraus, während sein Umfeld hierbei mit Klischees belegt wird, um zu verdeutlichen, auch wenn es Truffaut schafft diesen Klischees durchaus Authenzität zu verleihen. Liegt vielleicht auch nur an heutigen Umständen, so etwa die desinteressierte Mutter, der bemühte Stiefvater, der treue Kumpel oder die tyrannischen Lehrer. Doinel grandios dargestellt vom späteren Nouvelle Vague-Star der Herzen, Jean-Pierre Leaud - mit gerade mal 14 Jahren - lebensnah, faszinierend wie auch glaubwürdig gemimt. Mit besonderer Intensität und nicht zuletzt unendlich sympathisch dabei. Schon hier beweist Leaud großes Können. So auch der ewige Träumer, so wird auch »Cinema« selbst gehuldigt, für welches Antoine eine Vorliebe prägt oder essentiell auch das Buch wie von Balzac.

Truffaut, dieser alte Büchernarr reflektiert sich selbst. Wenn auch hier schon seine Handschrift deutlich erkennbar, frisch wie eh und je und mit einem Charme, den man sich nicht entziehen könnte. Federleicht, in manchen Momenten melancholisch wie auch tragisch und doch zugleich so frech und spontan inszeniert, nicht ohne Humor - Truffaut beschwört die Nostalgie des Kinos geschickt herauf. Behutsam erzählt und sensibel gefasst. Verführt auch mit seinen wundervollen Bildkompositionen und seiner poetischen Ader dieser. Stilistisch hervorragend wie auch kühl gefilmt und stets mit Authenzität und purer Eleganz in Szene gesetzt. Die Kamera, inteniv schwebt sie nahezu meisterhaft über den Protagonisten und doch so umfassend. Der Nouvelle Vague lebt.

Vielleicht somit auch ein Beginn für den Coming-of-Age-Film. Wie unendlichfach erwähnt, hier beginnt vieles. Von Stil bis Truffaut. Ein verzückendes Werk. Antoine Doinel gegen die Unterdrückung der Erwachsenen. Ein Kämpfer. Ein unermütlicher Renner. Bis zur Unendlichkeit oder einfach nur bis zum Meer. Das Schlussbild deutet und setzt dann schließlich den Jungen zwischen Sehnsucht, Zuneigung, Unabhängigkeit und Freiheit. »So shine sweet freedom?« - Es bleibt den unseren verschlossen, doch Truffaut wird fortsetzten - zunächst schießt er noch frech auf seine Pianisten - bevor er Antoine die Liebe mit Zwanzig entdecken lässt.

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FumerTue

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Wieso sprichst du eigentlich durchweg von "400 Blows"? Das ist weder der Originaltitel noch der deutsche. Und wir sind in einem deutschsprachigen Forum^^
Und gerade die deutsche Titelübersetzung finde ich gelungen.


hoffman587

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Der prägnanteste und passenste Titel, bedeutet dasselbe wie der Originaltitel. Ist ansonsten auch sehr verbreitet. ;) Und der deutsche Titel ist nicht nur schrecklich langegzogen, sondern verfehlt in seiner Eindimensionalität die eigentliche Intention des Films, was sich so mehr nach einem biederen Kindheitsalptraum anhört als denn eine Hommage daran. ;)


Wumz

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Die Kindheit, welch schwere Lasten während ihr schon auf den Schultern liegen können. Und doch ist sie in besonderen Momenten von einer sagenhaften Leichtigkeit geprägt. Genau diese Leichtigkeit und Freiheit der Kindheit, allen Widerständen zum Trotz, hat Truffaut hier sagenhaft eingefangen. In wunderschönen schwarz-weiß Bildern erzählt Truffaut uns eine Geschichte von einem Jungen, der es nicht einfach hat in seinen jungen Jahren. Zu Hause wird er nur sporadisch geliebt, wenn alles "gut" läuft kriegt er vielleicht mal tausend Franc in die Hand gedrückt. In der Schule findet er seinen richtigen Platz im Gefüge des autoritären Systems nicht, aber wer tausend Franc in der Tasche hat, der ist in der Schule nicht wirklich gut aufgehoben. Viel lieber Frei sein, mit einem Freund durch die Stadtziehen und die Welt entdecken. Truffauts Hommage an die Kindheit. Seine Eigene? Sehr wahrscheinlich. Hier wurde ein realistisches Bild der Kindheit eingefangen, welches so detailgetreu und genau ist, dass es unmöglich reine Fiktion sein kann. Es wird auf diesem Planeten viele Menschen geben, die sich mit diesem Film identifizieren können. Ich gehöre dazu. Wenn Jeane-Pierre mit seinem Freund unterwegs ist, untermalt mit schön anzuhörender und sehr verspielter Musik, dann macht mein Herz einen kleinen Sprung. Spätestens die finalen Sequenzen machen dann aus diesem tollen Film einen meiner Lieblingsfilme.

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hollygolightly1

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Schließe mich hoffi an. Schöner Text und absolut nachvollziehbar, dass du dem Film das Herz gegeben hast. :)


Wumz

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Danke =)


SKURRIL

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Bewertung9.0Herausragend

[ANTOINE-DOINEL-ZYKLUS I]

Nach seinem Kurzfilm "Les Mistons" 1958, in dem auch schon Kinder und deren Gedanken im Vordergrund standen, drehte François Truffaut 1959 sein kunstvolles Spielfilmdebüt "Les Quatre Cents Coups". Es ist ein Stück Wahrheit, ein zeitbestimmendes und wegweisendes Werk der "Nouvelle Vague". Antoine Doinel ist eine Mischung aus einer Autobiographie Truffauts und Biographie seines Erlebten. Nichts ist fiktiv und das sieht und spürt man. Jean-Pierre Léaud, der großartige Protagonist, verleiht seiner Figur enorme Authentizität, Leben und Sympathie. Schon auf seinem Vorsprechvideo lässt sich sein immenses Potenzial erkennen, mit seiner spitzbübischen, aber nervösen Leichtigkeit. Er repräsentiert den typischen zeitlosen Bengel voller Menschlichkeit und Kindlichkeit. Unterdrückung, Unmenschlichkeit, Belanglosigkeit, Ignoranz und Lüge: Dadurch ringt sich Antoine durch und flüchtet. Flüchtet vor der Zeit, in der er lebt. Er will auf neuen Wellen schwimmen und die absolute Freiheit, weswegen er sich romantisch nach dem Meer sehnt. Truffaut selbst meinte, er hatte als Kind stets das Gefühl, man sei grundsätzlich schuldig gewesen und würde diese Schuld mit dem Erwachsenwerden verlieren. Dies zeigt sein bedrückendes und bedrücktes Aufwachsen, sowie: "Meine Mutter ertrug keinen Lärm, im Grunde genommen ertrug sie gar nichts. Ich musste mich unsichtbar machen, ganz still auf meinem Stuhl sitzen und lesen, ich durfte weder spielen noch Krach machen, ich musste so tun, als sei ich gar nicht da." Doch die französische Welle erobert die Zeit und verleiht dem Medium Film neue Perspektiven, die zuvor nur in eskapistischen Träumen Realisation fanden.

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FumerTue

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Bewertung9.5Herausragend

Immer musst du irgendwas leisten in unserer leistungsorientierten Gesellschaft der Tugenden.
Hätten Antoine Doinels Eltern damals das Abitur gemacht, wäre das Leben der Familie nun natürlich rosig, und der Familie gehe es nur so schlecht, weil der Sohn nichts für die Schule lernt und schwänzt. Anstatt die Ursachen fürs Unglück woanders zu suchen, zum Beispiel, dass man in einer kleinen Wohnung inmitten der lärmenden Stadt wohnt und viel zu selten bzw. nie am Meer ist, sucht man Ausreden: dass mit besserem Schulabschluss alles besser sei.
Und anstatt sich zu fragen, wo des Sohnes Gründe fürs Schwänzen liegen, gibt es kalte Strafen statt Zuwendung, was wiederum Ursache fürs Weglaufen und Schwänzen ist.
"Dabei wollte er nur mal ans Meer" wäre ein Alternativtitel für "Sie küßten und sie schlugen ihn" bzw. "Quatre Cent Coups".
Der Junge will halt auch mal durch die Straßen von Paris streunen und vor allem ans Meer. Stattdessen schickt man ihn in die Besserungsanstalt; wo soll das hinführen?
Der ganze Film ist eine einzige Flucht vor den moralischen Schlägen und gesellschaftlichen Ausstechformen.
Ganz großer Film (auch dank Jean-Pierre Léauds Schauspiel) mit einer legendären Schlussszene!

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hollygolightly1

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Bewertung9.0Herausragend

[Enthält Spoiler]

Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet "Les Quatre Cents Coups" mein 10. Truffaut sein würde. Seltsam wie viel ich schon vom Film wusste, bevor ich ihn gesehen habe. Den (deutschen) Titel hatte ich schon als ich jünger war hier und da gehört und er hat mich nie losgelassen. Was hatte es sich mit ihm nur auf sich? Aber den Film zu SEHEN ist ein ganz anderes Gefühl.
Die Geschichte des jungen Antoine, der seinen Eltern Ärger bereitet, in der Schule bestraft wird und in seiner Freizeit Dinge klaut, dürfte ziemlich bekannt sein. Doch nur wenn man den Film sieht, erkennt man, dass mehr dahinter steckt. Es macht keinen Unterschied, ob Antoine lügt oder die Wahrheit sagt, weil ihm sowieso niemand glaubt. Selbst seine ignorante Mutter wäre ihn am liebsten los und sein Stiefvater, der gelegentlich nett sein kann, interessiert sich in Wahrheit auch kaum für ihn. Die einzige Möglichkeit, Problemen aus dem Weg zu gehen, ist für Antoine die Flucht.
Setzt man sich mit François Truffauts Autobiographie auseinander, so stellt man schnell fest, dass seine Kindheit und Jugend der von Antoine sehr ähnelt und er in "Les Quatre Cents Coups" seine eigenen Erfahrungen verarbeitet. Und das tut er auf eine bemerkenswerte Weise, da er seine persönliche Geschichte, den Gegenstand, mit seiner kinematographischen Begabung verbindet. Das Produkt ist ein Coming-of-age-Drama der anderen Sorte.
Doch was genau macht diesen Film so besonders, so unsterblich? Ist es die Handlung? Die Darstellung? Oder ist er eigentlich nicht das Meisterwerk, das er gern wäre?
Zunächst einmal handelt es sich um Truffauts Erstlingswerk in Spielfilmlänge und so etwas nimmt gewöhnlich eine individuelle Stellung in der Filmographie des Betroffenen ein. Auch nach mehr als 50 Jahren hat der Film eine exquisite Wirkung auf den Zuschauer. Wenn man ein wahrer Filmfan ist, sollte man diesen hier ebenfalls zu schätzen wissen. Schon allein seine Bedeutung hinsichtlich des (französischen) Kinos ist Anlass dafür.
Darüber hinaus huldigt Truffaut mit dem Film die Kindheit. Antoines Unschuld und sein Schicksal berühren den Zuschauer, aber Mitleid schenkt man ihm nicht wirklich. Scheinbar soll "Les Quatre Cents Coups" auch kein Drama in dem Sinne sein, da Ironie und Humor nicht zu kurz kommen und die präsentierte Tristesse mildern. Vielmehr stellt der Film den Anfang von Truffauts Selbstverwirklichung dar. Er tut nichts weiter, als sich selbst auszudrücken, das zu kreieren, was ihm auf der Seele brennt. Das betrifft jedoch nicht nur die Geschichte selbst, der Plot ist erstaunlich einfach, sondern auch die erkennbare Hingabe, mit der er das Werk geschaffen hat. Der Film ist bis ins kleinste Detail liebevoll inszeniert und glänzt insbesondere mit seinen verträumten, luftigen, kindlichen Melodien und der engagierten filmischen Darstellung. Bereits im Vorspann bewegt sich die Kamera kreuz und quer durch ein paar Straßen von Paris und macht den Zuschauer mit der Umgebung und der Atmosphäre vertraut. Noch hat man einen friedlichen, ruhigen, angenehmen Eindruck.
Auch die Szene, in der Antoine vom Psychologen ausgefragt wird, sticht hervor, da man den Psychologen selbst nicht zu sehen bekommt. Stattdessen scheint Antoine in die Kamera zu sprechen.
Den Rahmen vervollständigt die allerletzte Szene, in der ein Bild von Antoine erscheint, der zuvor geflohen ist. Der Optimismus, den diese letzten Einstellungen hervorrufen, ist gerechtfertigt. Das Ende ist es schließlich bei weitem nicht. Antoine wird wieder zurückkommen...
"Les Quatre Cents Coups" war nicht nur revolutionär, sondern auch der Beginn einer neuen Ära, die wiederum in zwei Richtungen tendiert: die der Nouvelle Vague und die des Antoine Doinel, Truffauts filmischem Alter ego. Sein Debütwerk ist herausragend und überzeugt mit stilistischer Sicherheit wie mit seiner bemerkenswerten Aufrichtigkeit.

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Puni

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Na, du holst innerhalb weniger Wochen mal eben ne ganze Masse an Filmen nach, die man gesehen haben muss. :D


hollygolightly1

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Ach so meinst du das :) Ich habe sonst immer wenig Zeit und deshalb kommen die Ferien mir grad sehr gelegen :D


La Bardot

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Mein erstes Mal ... französisch" brachte mich auf den Gedanken, doch auch mal eine Kleinigkeit zu François Truffauts erstem Film in Spielfilmlänge zu schreiben.
Es war ein kleines Kino.
Eines von der Sorte, in dem die Snackbar kleiner als die Handtasche einer Frau ist. Es gibt nur diesen einen, riesengroßen Raum mit herrlich bequemen Sitzen. Wir waren eine kleine Französischklasse von 10 Schülern.
Es ist nicht ganz einfach, eine Sprache nicht zu verstehen und somit komplett auf die Untertitel angewiesen zu sein. Viel zu sehr fixiert man die Übersetzung, als auf die Schauspieler und Bilder zu achten.
Was bei diesem Film so wunderbar ist, dass man überhaupt nicht mitlesen muss, um zu verstehen, was Truffaut damit ausdrücken will. Woher ich das weiß, kann man sich an dieser Stelle wohl nun denken. Zu meiner Entschuldigung: ich war 13.
Im Mittelpunkt des Filmes steht der junge Antoine, der in ärmlichen und lieblosen Verhältnissen aufwächst. Nachdem er in der Schule, angestachelt von seinen Mitschülern, auffällig wird und dann auch noch die Schreibmaschine das Stiefvaters in einem Leihhaus versetzen will und dabei erwischt wird, beschließen die Eltern, ihn in eine Besserungsanstalt zu bringen, in der Grausamkeit an der Tagesordnung steht.
Truffaut ging sehr engagiert an diese Thematik heran. Nicht zuletzt, weil er sich zeitlebens für Problemkinder und pädagogische Maßnahmen interessierte. Das macht den Film auch unheimlich authentisch. Die Atmosphäre der Schwarzweiß-Filme hat sowieso ihre ganz besondere, eigene Magie, die hier zusätzlich die Thematik intensiviert. Truffaut kritisiert in seinem Film, in dem die humane Geisteshaltung seines Regisseurs klar widergespiegelt wird, den Umgang mit eben diesen Kindern, die in einem ignoranten Umfeld heranwachsen.
Manchmal erscheint der Film regelrecht überengagiert, aber diesen kleinen Makel machen seine Aufrichtigkeit und stilistische Intelligenz wieder wett.

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David "Noodles" Aaronson

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Um Antoine mit Morrisseys Worten zu beschreiben:
he stole from the rich and the poor
and the not-very-rich and the very poor
and he stole all hearts away
he stole all hearts away

Die Kindheit wie so oft völlig falsch erinnert - entweder mythisch verklärt oder als Ort des Grauens und der Knechtschaft. Truffaut nun, ja der setzt uns einen gewissen Antoine Doinel vor, einen Buben schlimmer als ein Schwarm Heuschrecken, unverbesserlich, egozentrisch, respektlos, aufrührerisch – und klauen tut er auch noch!

Er ist eingezwängt zwischen Mutter (die ihn nicht mag), Vater (der es wohl zu gut mit ihm meint) und Lehrern die ihm einfach nur immer neuen Stoff einhämmern wollen. Da erfolgt der Ausbruch des wenig geliebten (mithin das schlimmste was einem Kind passieren kann), Flucht ein ums andere mal. Oft auch witzig, gerne ein wenig verschroben, wie das bei Truffaut nun mal so ist. Im Schlechten das Gute sehen, im Guten das Schlechte… Die Gut-Meinenden versagen hier leider letztlich völlig. Aus du schöne Zeit!
Es folgt die Hölle der Jugend, das (Erziehungs)Lager für die Verachteten.

Doch noch rappelt sich der junge Held auf. Er läuft, rennt. Rennt gegen alles was sich der Jugend in den Weg stellt, ach, was sich allen lebensfeindlichen gegenüber, wie das tosende Meer, aufbäumt.

Au Revoir Antoine Doinel.
Man sieht sich.

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David "Noodles" Aaronson

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Musik: First Of The Gang To Die.
Künstler: Morrissey
:)


Puni

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Bewertung9.0Herausragend

Als Fan von Salingers "Fänger im Roggen" war es eigentlich abzusehen, dass auch Truffauts Erstlingswerk mir gefallen würde, denn die Parallelen bzw. eine ähnliche Erzählweise sind überdeutlich. Truffaut erzählt die Geschichte eines Jungen, der missverstanden durch seine Welt irrt und überall aneckt, wo man nur anecken kann. Straff und einfach erzählt, entfaltet der Film spätestens in der letzten halben Stunde seine volle Wucht und wird richtig berührend. Sollte man mal gesehen haben, ich muss auf jeden Fall noch mehr von Truffaut (und auch von Godard) sehen, allein dieses Erstlingswerk ist schon überaus sehenswert.

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Benni-THE-KING

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein paar Längen hat er der Film, aber schon irgendwie schön das ganze. Und dieses Ende...

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cannibal83

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Wirkt bis ins letzte Detail authentisch. Truffaut muss sich hier gar nicht die Mühe machen Kritik an der Gesellschaft oder den Erwachsenen zu äussern, denn das erledigt die Realität die der Film zeigt bereits für ihn.

Heute in den Tagen von Antiautoritärer-Erziehung und dem Bewusstsein in den Eltern die Schuldigen zu suchen mag "Sie küssten und sie schlugen ihn" ein nicht mehr ganz so zeitgemässes Thema ansprechen. Damals war dieser Film aber sicherlich sehr aufrüttelnd für einige Herrschaften.

Insgesamt ein wirklich toller Film, der zurecht auf vielen Bestenlisten steht und dabei enorm davon profitiert das der Regisseur hier schonungslos eigene Wunden offen legt.

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dbeutner

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Bewertung7.0Sehenswert

Der Film schlägt sich auf eine sehr sympathische Weise auf die Seite und des Jugendlichen und dessen Sicht, stellt den Wert von Freundschaft - gerade in diesem Alter, gegen die Welt der kommandierenden Erwachsenen - ganz hoch heraus, ohne dabei die Erwachsenen als (nur) seelenlose Maschinen abzuwerten. Dieses behutsame Vorgehen macht den Film inhaltlich sicher "sehr wertvoll".

Aber: Die Dramaturgie hinkt hinter diesem Inhalt um einiges hinterher, eine Längen machen die Sache deutlich weniger fesselnd, als es sein könnte. Insofern empfinde ich die Inszenierung doch recht überbewertet.

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ellen_ripley

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Bewertung9.0Herausragend

Selten habe ich mich bei einem Film wieder so gut in die Kindheit versetzen können. Da drüben waren die Erwachsenen, die Eltern und Lehrer und hier war ich und dachte, die haben doch nicht alle beieinander.

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Darbon

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Heute abend habe ich mit Zoe und Mia die "Simpsons" gesehen: Lisa geht beim Sundance Festival mit Jim Jarmush ins Kino und auf der Leinwand geht Nelson Muntz als Antoine-Doinel-Double vom Meerestrand auf die Kamera zu, bis das Bild auf seinem Gesicht arretiert wie bei Léaud und dann darüber das FIN.


Lorion42

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Bewertung6.5Ganz gut

Ein Film der zum Nachdenken anregt. Mehr aber auch nicht. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihn sehr anregend fand. Die Geschichte würde in einem Buch besser funktionieren als in einem Film. Was in Erinnerung bleibt, sind völlig unnötige Längen und die schlechte deutsche Synchronisation. Besser im Original anschauen.

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Heavy_Metal

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

ich kann den ausdruck "meisterwerk" nicht leiden, aber das ist eins, da hilft alles nix. einer jener filme von denen ich mir wünsche, sie würden ewig gehen, jedes mal weiterlaufen, wenn man ihn erneut sieht. das hat sicher mit der besonderen erzählstruktur und mit dem ende viel zu tun. und der clou ist, der macht das sogar. ausgezeichnet.

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maslobojew

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Bewertung9.0Herausragend

Recht realistischer, sehr bedrückender Film, der ohne falschen oder übertriebenen Pathos auskommt, gerade das zum Mittel nimmt.
So kommt der Film in der Handlung ohne direkte Anklage gegenüber der Erwachsenengesellschaft aus. Die muss sich der Zuschauer aufgrund der Offenheit des Films selber basteln - wenn er will.

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