Außer Atem
À bout de souffle, FR 1960
- Genre
- Liebesfilm, Gangsterfilm
- Inhalt
Der Bonvivant Michel Poiccard - ein Gauner, Rebell, Draufgänger auf der Jagd nach seinem Vergnügen. In einer gestohlenen Luxuslimousine ist er auf dem Weg nach Paris. Doch er gerät in eine Geschwindigkeitskontrolle. Ein Polizist stellt ihn - und wird… — Mehr
Der Bonvivant Michel Poiccard - ein Gauner, Rebell, Draufgänger auf der Jagd nach seinem Vergnügen. In einer gestohlenen Luxuslimousine ist er auf dem Weg nach Paris. Doch er gerät in eine Geschwindigkeitskontrolle. Ein Polizist stellt ihn - und wird von Michel kaltblütig erschossen. Auf der Flucht vor dem Gesetz taucht er bei Patricia, einer Zeitungsverkäuferin, die Journalistin werden will, unter. Er versucht Geld für die gemeinsame Flucht nach Italien zu beschaffen. Aber der Kreis der Polizei wird immer enger. Patricia wird verhört. Und sie muss sich entscheiden: Karriere oder Liebhaber?
- Cast
- Jean-Luc Godard, Henri-Jacques Huet, Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Van Doude — Mehr
- Regisseure
- Jean-Luc Godard
- Autoren
- François Truffaut, Jean-Luc Godard
- Laufzeit
- 90 Minuten
- Zeit
- 1950er Jahre
- Ort
- Champs-Élysées, Frankreich, Marseille, Paris
- Handlung
- Affäre, Auto, Autodieb, Durchbrennen, Existenzialismus, Fluchtwagen, Freigeist, Freundschaft, Gebrochenes Herz, Geld, Geldgeschäfte, Geldnot, Geldübergabe, Geliebte, Große Liebe, Hotelzimmer, Journalismus, Journalist, Kampf, Kleinkrimineller, Mord an Polizist, Pistole, Rauchen, Rennen, Schwangerschaft, Sterben und Tod, Student, Verfolgungsjagd, Verlust einer geliebten Person, Verrat, Versteck, Wohnung, Zeitung
- Stimmung
- Eigenwillig, Spannend
Über diesen Film
Mit dreißig Jahren schrieb Jean-Luc Godard Filmgeschichte. Obwohl es sich bei À Bout De Souffle um sein Erstlingswerk handelt, verstand sich Godard nicht als Anfänger:
… — MehrIch machte Außer Atem nach 10 Jahr
Mit dreißig Jahren schrieb Jean-Luc Godard Filmgeschichte. Obwohl es sich bei À Bout De Souffle um sein Erstlingswerk handelt, verstand sich Godard nicht als Anfänger:
Ich machte Außer Atem nach 10 Jahren ernsthafter Studien und kritischer Schriften für cahiers du cinéma und nachdem ich fünf Kurzfilme gemacht habe. Also war ich kein Neuling. Ich war ein alter Hase1.
In seinem ersten Langfilm verleiht der ehemalige Filmkritiker Godard seiner Liebe zum Kino Ausdruck. Gleichzeitig bricht er mit den damaligen Sehgewohnheiten und schafft einen (post-)modernen Film, wie es ihn zuvor nicht gab.
Der Regisseur teilt seinen Film in drei Teile ein, die jeweils in einer bestimmten rhythmischen Geschwindigkeit ablaufen: “Der Film hat drei Rhythmen, die erste halbe Stunde schnell, die zweite moderato und die dritte wieder allegro vivace2.” Diese Einteilung wurde durch die Musik und die neue Schnitttechnik des Jumpcuts nachträglich verstärkt.
Handlung
Auf dem Weg zu Patricia
“Eigentlich bin ich ja ein Schwein. Aber was hilft’s – Es muss sein. Es muss sein.” Mit diesen Worten von Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) beginnt der Film. Poiccard ist ein französischer Kleinkrimineller, der die Freiheit liebt und sagt, was er denkt.
In der Anfangsszene stiehlt er am Hafen von Marseille ein Auto. Poiccard fährt mit dem Wagen quer durch Frankreich nach Paris, um seinen Anteil einer Beute abholen und seine Affäre Patricia Franchini (Jean Seberg) wiederzusehen. In einer Baustelle überschreitet er die zulässige Höchstgeschwindigkeit und wird von zwei Polizisten auf Motorrädern verfolgt. Dem Autodieb Poiccard gelingt es zunächst seine Verfolger abzuhängen. Er versteckt sich in einem Waldweg. Als er aber gerade damit beschäftigt ist den gestohlenen Wagen erneut zu starten, spürt ihn einer der Polizisten auf. Mit einem im Handschuhfach gefundenenen Revolver erschießt Poiccard den Polizisten und flieht zu Fuss.
Nach Paris kommt er per Anhalter. Seinen Komplizen, Tolmatchoff (Richard Balducci), von dem er das Geld erhalten soll, erreicht er nicht. Da er keinen Cent mehr hat, schaut Poiccard bei einer alten Freundin vorbei und stiehlt ihr 500 Francs. Auf der Champs-Élysées sucht er seine geliebte Patricia auf. Die amerikanische Studentin verkauft gerade die New Yorker Zeitung Herald Tribune. Michel begrüßt sie mit den Worten: “Fährst Du mit mir nach Rom. Es ist idiotisch. Aber ich liebe Dich.” Mit seiner direkten liebevollen Art kann er die schöne Particia davon überzeugen, dass sie sich am Abend wiedersehen. Poiccard trifft Tomatchoff, der ihm einen Kuvert überreicht. Der Verrechnungsscheck, der in dem Umschlag lag, hilft ihm allerdings nicht weiter. Unmittelbar nachdem er Tomatchoffs Büro verlässt, kommt die Kriminalpolizei herein und fragt nach dem Polizistenmörder Poiccard.
Bei Patricia
Um Patricia zum Essen einladen zu können, raubt Michel auf einer öffentlichen Toilette einen Mann aus. Patricia teilt ihm mit, dass sie die Verabredung nicht einhalten kann. Sie geht mit einem potentiellen Arbeitgeber aus. Aus Trotz schleicht sich Michel in ihr Hotelzimmer und wartet auf sie. Nachdem sie wiedergekehrt ist, beginnen die Beiden ein langes Gespräch in dem kleinen Hotelzimmer Nr. 12. Sie vertrauen sich einander an und Patricia eröffnet Michel, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Nach anfänglichen Zögern beteuert er sie über alles zu lieben.
Gemeinsam auf der Flucht
Das verliebte Paar verlässt sein Hotelzimmer, damit Patricia in ihrem neuen Job als Journalistin ein Interview mit einem Romanautor führen kann. Michel muss entdecken, dass er über die Zeitung als Mörder gesucht wird. Auf der Titelseite ist ein Photo von ihm abgedruckt. Die Polizei kommt ihm immer dichter auf die Spur. Schließlich wird Patricia verhört. Sie ist aber nicht bereit ihn zu verraten. Die Beiden treffen sich und finden gemeinsam bei einem Freund Unterschlupf.
Am nächsten Morgen hat es sich Patricia anders überlegt und verrät Michel doch an die Polizei. Noch bevor die Polizei eintrifft, teilt sie Michel mit, dass sie ihn nicht liebt und denunziert hat. Doch der Verratene flieht nicht. Er fühlt sich “todmüde” und möchte an seiner großen Liebe festhalten. In dem Moment als die Polizei ankommt, überreicht gerade Tomatcheff Michel das versprochene Geld. Die Beamten eröffnen das Feuer und erschießen ihn auf offener Strasse. Patricia rennt zu dem Sterbenden. Michel haucht den Rauch seiner letzten Zigarette aus. Bevor er sich selbst die Augen schließt, sagt er: “Du bist wirklich zum Kotzen.”
Weiterführende Informationen
- Godards revolutionierende Filmästhetik
- Die Drehorte
- Die Technik des “last-minute-thinking”
- Informationen über die Bewegung der Nouvelle Vague
- Über den Kultstatus von Jean Seberg
Wissenswertes
- Für A Bout De Souffle wurde Jean-Luc Godard als Bester Regisseur der Silberne Bär in Berlin überreicht. Im Jahre 1960 wurde ihm der französische Prix Jean Vigo und ein Jahr später der französische Kritiker Preis verliehen.
- 30 Jahre nach dem Film wurde in dem Hotelzimmer, in dem die 20-minütige Szene zwischen Patricia und Michel stattfand, erneut gedreht. Bevor das Hotel de Suède abgerissen wurde, wurde die Hommage an A Bout De Souffle gedreht: Chambre 12 Hotel de Suède.
- Passend zu der Beziehung zwischen Patricia und Michel fand im Sommer 1959 während der Dreharbeiten ein französisch-amerikanisches Spitzentreffen in Paris statt. Im Film ist ein kurzer Ausschnitt zu sehen, in dem Eisenhower und Charles de Gaulle über die Champs-Élysées fahren.
Weitere Informationen im Internet
- Filmanalyse auf Privater Seite von Steve Masters zu Jean Renoir
- Filmbesprechung auf Fx3.org
- Breathless bei der Wikipedia (eng.)
- Theatralität und Filmsprache bei A Bout De Souffle auf Kreimeier-online.de
Quellen
- Filmkritik bei Dieter Wunderlich
1 Interview mit Jean-Luc Godard. in: David Sterritt (Hrsg.): Interviews, 1. Auflage, 1998, Mississippi, University Press of Mississipp, S.11
2 Interview mit Jean-Luc Godard. in: David Sterritt (Hrsg.): Interviews, 1. Auflage, 1998, Mississippi, University Press of Mississipp, S.06
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Kritiker — Sehenswert 7.4
Der Film Außer Atem wurde von 23 Kritikern bewertet.
alviesinger: Frankfurter Stadtkurier
Jump Cut, Shots an Originalschauplätzen, Skript an den Drehtagen schreibend...filmhistorisch und stilistisch sicherlich bahnbrechend und mit dem damaligen Status Quo brechend. Ansonsten tauschen Schmolllippchen Belmondo und die Seberg mit ihrem nervigen Akzent geistreiche Ergüsse zum Thema Existenzialismus wie "Schlafen ist traurig" oder "Ich will nicht in dich verliebt sein" in einer austauschbaren Odyssee durch Paris aus. Nouvelle Vague-Klassiker, der in Sachen Filmgeschichte seinen gerechtfertigten Stellenwert hat aber einem nicht gefallen muss.
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Kommentare — Sehenswert 7.8
Der Film Außer Atem wurde von 784 Mitgliedern bewertet.
Stefan Ishii 2009/12/09 22:36:31
"Außer Atem"... das bin ich jedesmal wieder, wenn ich dieses Meisterwerk vom Genie Godard geniesse.
Wunderbare Dialoge, superschöne Bilder und tolle Hauptdarsteller, deren Figuren man einfach mögen muss. Der erste Langfilm von Godard ist ein wegweisendes und fast zeitloses Meisterwerk, dessen Schönheit und Leichtigkeit fast unvergleichbar ist. Aber auch kein Wunder: Neben Jean-Luc Godard waren auch mit François Truffaut (Vorlage) und Claude Chabrol (technische Beratung) zwei weitere große Meister des französischen Kinos an diesem Werk beteiligt. Die Geschichte von "Außer Atem" kann sicherlich mit wenigen Sätzen beschrieben werden. Diese Tatsache nimmt dem Film aber nicht die Genialität.
Die Figur von Belmondo ist in gewisserweise eine Hommage an Humphrey Bogart, der Ikone des amerikanischen Film Noir. Mit dem großen Unterschied, dass er einfach kein Siegertyp ist. Er kopiert lediglich dessen Gesten.
"Außer Atem" machte die "Nouvelle Vague" berühmt. Godard half quasi mit, einen neuen Filmstil zu etablieren, dem sich unter anderem auch François Truffaut, Alain Resnais oder Éric Rohmer zuordnen lassen... Das Drehen an Originalschauplätzen mit natürlichem Licht und Handkamera, die sogenannten Jump Cuts und andere experimentelle Mittel sind markant für diese visuelle Ästhetik. Im Grunde geht es gerade auch um das "Nichtverstecken" der Existenz der Regie. In späteren Filmen (wie zum Beispiel "Eine Frau ist eine Frau") experimentierte Godard mit dieser Problematik intensiver...
Zusätzlich macht das Vermischen von als kulturell hochwertig eingeschätzten Dingen (wie Mozarts Klarinettenkonzert oder Gemälden von Picasso und Renoir) mit Popkulturerscheinungen (wie französische Popmusik oder Pinups von nackten Frauen) in "Außer Atem" einen gewissen Reiz aus.
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Tyler__Durden 2009/11/18 22:12:38
Godard,Godard. Was mach ich nur mit dir.
Der Visionär und das Aushängeschild der Nouvell Vague. Hochgelobt und in den Regiehimmel gehoben von dutzenden Leuten vorallem mit diesem Film. Berechtigt ? Jain.
Wichtig ist der Film, das steht außer Frage und wurde schon einige male klargestellt aber nur weil er wichtig ist heißt es nicht das er unbedingt gut ist. Denn das ist der Fall mit "À bout de souffle". Eine mehr als nur simple Story die eigentlich in einer halben Stunde erzählt wäre streckt Godard hier auf 1 1/3 Stunden. Charaktere die Unglaubwürdige und nerviger manchmal kaum sein könnten und der Jump Cut. Revolutionar - JA. Gefallen tut er mir aber bis heute noch nicht, jedenfalls nicht in dem ausmaße wie er hier benutzt wurde. Um aber was positives loszuwerden ( irgendwo müssen die Punkte ja herkommen), Der Humor war an einigen Stellen wirklich gut und Jean Seberg ist sowieso immer einen Blick wert, ob Godard oder nicht. Godard, Godard. Was mach ich nur mit dir.
DA schau ich mir doch tausendmal lieber "Le Mepris" an da hast du bewiesen das das ganze Lob nicht von nirgendwo her kommt.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
willy50 2009/11/12 07:05:28
Überschätzt, wie alles von Goddard. Truffaut hat alleine viel schönere und sehr viel bessere Filme gemacht. Natürlich ist Belmondo cool. Der ist immer cool.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
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Der Film Außer Atem gehört zum Genre Liebesfilm, Gangsterfilm. Regie führte Jean-Luc Godard.
In einem Feuerwerk intertextueller Verweise, vor allem auf den amerikanischen film noir, verweist Godard auf die Geschichte des Kinos und damit auch auf die Geschichtlichkeit seines Ausdrucksmaterials. Godards Antwort auf das moderne Dilemma liegt in einer revolutionären Ästhetik, die auch heute noch fasziniert, einerseits durch den konsequenten Bruch mit sämtlichen damals geltenden Erzählnormen und andererseits durch einen geradezu unerhört spontanen Regiestil ohne Drehbuch, in dem sich Schnelligkeit mit Improvisation verband.
Link zu vollständiger Kritik (externer Link)
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