John McTiernan, Actiongott der 80er wird 60
goodspeed (Orlindo Frick), Veröffentlicht am 09.01.2011, 09:00
John McTiernan am Set von Rollerball
© Helkon National Distribution
John McTiernan hat es Ende der 80er Jahre mit gerade mal drei aufeinander folgenden Filmen geschafft, sich nicht nur als Actionfachmann zu etablieren, sondern auch in einem Atemzug mit Regisseurlegenden wie Ridley Scott oder Richard Donner genannt zu werden. Was besonders beachtlich erscheint, weil John McTiernan bis heute nicht als Regisseur mit einer herausragenden oder einzigartigen Handschrift oder als Schauspielerregisseur gilt. Seine Stärken liegen stattdessen in der Glaubwürdigkeit seiner noch so überstilisierten Handlungen und Charakteren. Georg Seeßlen porträtierte den Actionregisseur 2002 in epd Film 4/2002 und schrieb: “McTiernan verlangt seinen Helden ein Mindestmaß an Menschlichkeit und emotionaler Intelligenz ab […] In dem Dreieck Stil, Moral und Kommerz gibt es nur wenige Gewinner.”
Die drei Filme, die seinen Ruf begründeten, waren Predator, Stirb langsam und Jagd auf Roter Oktober. Die sehr unterschiedlichen Werke hatten aber etwas gemeinsam: Trotz ihrer völligen Überzeichnung der Realität akzeptierte der Zuschauer dank John McTiernans Gespür die formvollendete, aber reichlich unrealistische Darstellung der Actionszenen als schlüssiger Bestandteil innerhalb des Filmuniversums. Mit seinem ersten Ausflug abseits des Actiongenres landete der Filmemacher gleich seinen ersten kommerziellen Flop. Das Öko-Drama Medicine Man – Die Letzten Tage von Eden wurde ähnlich wie der behandelte Regenwald gnadenlos niedergemacht. Um sich davon zu erholen, beschloss der Regisseur mit Arnold Schwarzenegger den Film Last Action Hero zu drehen. Aber dieser Mix aus Filmparodie, Buddymovie und Actionfilm stieß ebenfalls auf wenig Gegenliebe, was aber auch an dem immensen Negativhype lag, der dem Projekt bereits vor Kinostart zusetzte. Mit Stirb langsam – Jetzt erst recht, dem dritten Teil der Actionreihe, konnte er 1995 zwar wieder an seine alte Klasse und Erfolge anknüpfen, aber es bewahrte ihn nicht vor dem großen beruflichen und persönlichen Fall, der daraufhin folgen sollte.
Mit fragwürdigen und konfliktbehafteten Produktionen wie Der 13te Krieger oder Rollerball untergrub er später seine eigene Reputation, die auch von dem soliden Basic nicht mehr gerettet werden konnte. Im Oktober letzten Jahres wurde John McTiernan zudem zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Regisseur wurde beschuldigt, den Privatdetektiv Anthony Pellicano engagiert zu haben, der den Filmproduzenten Charles Roven bespitzelt haben soll. Mit den erlangten Informationen wollte er die US-Bundespolizei belügen. Der Filmemacher bekam neben der Gefängnis- auch eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar auferlegt. Bereits 2007 stand John McTiernan aufgrund derselben Angelegenheit vor Gericht und wurde zu vier Monaten Gefängnis und 100.000 Dollar Strafe verurteilt. Inwiefern der juristische Streit sein aktuelles Projekt – The Camel Wars – beeinträchtigen wird, steht noch nicht fest. Der Film handelt von einem amerikanischen Soldaten irakischer Abstammung, der in den Irak-Krieg geschickt wird und sich zwischen seinem Gewissen und seinem Land entscheiden muss.
Nichtsdestotrotz wünschen wir John McTiernan alles Gute! Sollte sich seine Lage entspannen, freuen wir uns auf weitere Adrenalin treibende Actionfilme von ihm.
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Kommentare
über John McTiernan, Actiongott der 80er wird 60
mikadoapache Sun, 09 Jan 2011 11:37:38 -0000
Kommentar löschenich denke sein problem war, dass er sich nie dem schwachsinnigen genre der selbstjustiz-filme hingeben wollte, mit dem fast jeder deppen-regisseur in hollywood punkten kann - actionfilme mit ner soliden story, wie tiernan sie am besten konnte, werden nich mehr gebraucht - stramm-reaktionär is heut wieder trumpf
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Chris12zero Sun, 09 Jan 2011 01:49:45 -0000
Kommentar löschen"Rollerball" war definitiv sein Tiefpunkt !! Aber ich werde ihm ewig für die "Die Hard"-Filme, Predator, Last Action Hero, Jagd auf Roter Oktober und auf jeden Fall auch für den 13. Krieger danken !!
Happy Birthday, good old John !!
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pickpark Sat, 08 Jan 2011 23:31:52 -0000
Kommentar löschenDer Irak Film klingt Kacke!
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dompathug Sat, 08 Jan 2011 15:38:07 -0000
Kommentar löschenLast Action Hero ist rückblickend definitiv eine grosse Satire des Actionfilms. Total underrated.
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Dany O'Neal Sat, 08 Jan 2011 16:55:08 -0000
Antwort löschenyup. der negativ-hype von "Last Action Hero" damals, ist bis heute einer der größten holywood-mysterien. heutzutage muss man schon 10 blockbuster zusammenlegen, um soviel kreative ideen wie in LAH zu erhalten.
Reload Sat, 08 Jan 2011 14:50:50 -0000
Kommentar löschenKlasse Artikel. John McTiernan wünsche ich nochmal einen richtigen Actionkracher in Tradition der 80er bzw. 90er Jahre. Er ist beleibe kein herausragender Regisseur, hat sich aber mit den beiden "Die Hard" Filmen einen guten Platz auf meiner "Actionliste" gesichert.
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Narrisch Sat, 08 Jan 2011 19:58:22 -0000
Antwort löschenNatürlich ist McTiernan ein herausragender Regisseur. Sein Gefühl für Timing für Characterzeichnung, für Momente auf den Punkt ist hearausragend.
Narrisch Sat, 08 Jan 2011 14:06:05 -0000
Kommentar löschenDer 13 Krieger würde ich heute als Klassiker bezeichnen und Last Action Hero als ein der besten Satiren aller Zeiten. McTiernan ist ein großer des Actionskinos und hat dabei mehr als einmal Vielseitigkeit bewiesen.
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summerwine-lee Sat, 08 Jan 2011 10:21:43 -0000
Kommentar löschenHappy Birthday, danke, dass du uns Die Hard geschenkt hast! Danke!Hab ich schon danke gesagt?
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So ein schöner Actionfilm wie damals wäre mal wieder was feines! The Expendables ging da schonmal in die richtige Richtung. Hoffe er kann sein Genre wieder aufleben lassen ... ;)
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