Leonardo DiCaprio in Shutter Island
© Paramount Pictures
Große Namen, große Filme und einer der herausragendsten Regisseure der Gegenwart: Als bekannt wurde, dass Martin Scorsese persönlich seinen neuen Film Shutter Island mit Leonardo DiCaprio auf der Berlinale vorstellen wird, war die Euphorie groß. Schließlich konnte der Regisseur von Taxi Driver, Casino und Gangs of New York 2007 sogar den Oscar für Departed: Unter Feinden mit nach Hause nehmen. Nachdem Shutter Island am Samstag dann erstmals vor Publikum vorgeführt wurde, machte die Spannung einer breiten Enttäuschung Platz. Shutter Island sei zu unglaubwürdig, zu unspannend und dem Namen Martin Scorsese nicht würdig. Überraschend oft fällt in den Kritiken das Wort B-Movie. Waren die Erwartungen an den Meister-Regisseur zu groß?
Harald Martenstein vom Tagesspiegel ist deutlich die Enttäuschung der Vorfreude anzumerken: “Der Reiz von halbdunklen Räumen in alten Gemäuern, von Schreien und rinnendem Blut, von Figuren, die dem Helden aus dem Off überraschend an die Kehle springen, all das erschöpft sich, für halbwegs erfahrene Kinogänger, doch recht schnell. Die Dramaturgie und die Bilder sind, trotz sparsamer Beleuchtung, schnell durchschaut, einem B-Picture würde man das natürlich durchgehen lassen. [...] Auch Horrorfilme können erstaunlich langweilig sein, und auch der für seinen Perfektionismus berühmte Martin Scorsese kann, unterstützt von großartigen Schauspielern, eine mittelmäßige Arbeit abliefern.”
Birgit Roschy von Schweizer Tagesanzeiger zeigt sich angesichts der großen Namen ebenfalls von der fehlenden Qualität überrascht: “Das opernhaft stürmische Wetter, das brillante Setdesign von Dante Ferretti und die markanten Charaktere betonen aber oft nur, dass hier mit viel Aufwand ein eher dünner Plot über die Entdeckung des grössten Spinners zum theatralischen Moraldrama aufgeblasen werden soll. Ob man Scorsese bis zur leider ziemlich vorhersehbaren Auflösung dieses über zweistündigen Rätsels folgt, hängt auch davon ab, ob man zu einem Nervenarzt Vertrauen hat, der aussieht wie Ben Kingsley. So gerät das Drama mit seinen schauerromantischen Anwandlungen gelegentlich in gefährliche Nähe zu einem B-Movie”.
Lediglich Sophie Albers vom Stern ist begeistert. Dafür ist ihr Lob allerdings umso überschwänglicher: “Shutter Island ist ein Trip, fast eine Odyssee durch die Geschichte des Kinos und des Menschseins. Scorsese denkt in einem eher kleinen Krimi über die ganz großen Fragen nach. Und das mit so großartigen Bildern des alten Hollywood, dass man immer wieder an Standardwerke [...] denken muss, denen er mit eleganten Hinweisen seine Ehre erweist. Was ist eine Gesellschaft? Welcher Kitt hält sie zusammen? Welche Regeln halten uns am Leben und welche töten? Shutter Island ist ein brillanter Nachfolger für Scorseses Mobsterdrama Departed: Unter Feinden”.
Wer keine Berlinale-Karten bekommen konnte, muss sich noch bis zum 25. Februar gedulden. Dann läuft der Film deutschlandweit in den Kinos an. Wer den hochkarätigen B-Movie sehen möchte, kann in unserem Kinoprogramm ein Kino in seiner Nähe finden.
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Prestigeww (Stefan Tiess) 2010/02/15 08:55:00
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Kommentare
über Shutter Island bei Berlinale versenkt
Kommentar schreibenJoshdeniro 2010/02/15 10:03:01
Kommentar löschenB-Movie? wasn quatsch. Wenn etwas überzeugt hat, dann der Look und vor allem der Cast.
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BumbleBee1988 2010/02/15 11:43:32
Kommentar löschennaja, davon mach ich mir lieber selber ein Bild ... das Buch hat mir sehr gefallen und davon wird glaube ich dann auch meine Meinung zum Film abhängen. "zu Unglaubwürdig, zu Unspannend" war das Buch nämlich nicht. Mal gespannt, wie Scorsese es umgesetzt hat. Irgendwie kann ich es mir nicht so schlimm vorstellen, wie es von den Kritikern teilweise ja beschrieben wird. Aber abwarten.
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Jonni 2010/02/15 12:25:30
Kommentar löschenVielleicht waren die Erwartungen einfach zu groß. Ich mache mir auf jeden Fall auch noch ein eigenes Bild: Kommenden Sonntag im Friedrichstadtpalast!
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DerFilmeKenner 2010/02/15 14:05:32
Kommentar löschenDie Kritiken haben meine Euphorie gedämpft.
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eXonic 2010/02/15 16:28:52
Kommentar löschenHm, nachdem ich den Trailer im Kino gesehen habe, hatte ich noch so richtig Lust auf diesen Film. Aber jetzt... Ach egal, schau ich mir trotzdem an.
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SaulSilver85 2010/02/15 16:34:07
Kommentar löschenNach den ganzen positiven Kritiken zu Avatar geb ich nicht mehr einen Pfifferling auf Kritiker. Hab das Buch "Shutter Island" von Dennis Lehane auch gelesen und kann mir nicht vorstellen, dass der Film so schlecht ist.
Bei der Anzahl an qualitativen Filmkritiken, die Herr Harald Martenstein im Monat abgibt, sehe ich seine Meinung genauso stark, wie die, wenn ein Kindergartenkind ne Kritik schreibt.
Die negative Kritik eines ALLGEMEINEN Journalist beim Tagesspiegel ist für mich nicht Aussage genug, da sein Metiere eher allgemein anzusiedeln ist und nicht in der Filmwelt. Ähnliches gilt für Birgit Roschy.
Wenn hier auf moviepilot die Mehrzahl der Kritiker den Film eher mau bewerten, glaub ich das, aber sich von ein paar Pressemitteilungen verrückt machen lassen?Nö...
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Shiku 2010/02/15 18:26:01
Kommentar löschenWieder mal ein Dämpfer ... aber Kritiker sind ja glücklicherweise auch nur Menschen. So sind wir wenigstens gewarnt, gehen vielleicht nicht mit zu hohen Erwartungen ran ... und wer weiß, nachher wird es doch noch klasse.
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IzzO 2010/02/15 18:32:23
Kommentar löschenGlaub nicht, dass der Film schlecht sein wird. Scorsese hat mich bis jetzt noch nie enttäuscht...keiner macht es so wie er!Peace
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WhatTheFudge 2010/02/15 18:45:51
Kommentar löschenAls ob ein guter Regisseur nicht auch mal einen "vorhersehbaren" Film machen dürfte. Hat man schon viele Filme eines Regisseurs gesehen, wird es doch mit jedem neuen sowieso vorhersehbarer oder? Weil man den Stil kennen lernt. Es sei denn derjenige macht auf Madonna...
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Tyler__Durden 2010/02/15 19:22:16
Kommentar löschenWas heißt hier "Lediglich Sophie Albers vom Stern ist begeistert"
Todd McCarthy, Chefkritiker von Variety, findet Shutter Island z.B. auch gut und vergleicht ihn sogar mit Kubrick's Shining.
Also etwas mehr Meinungen einholen bitte.
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Batzman 2010/02/16 01:50:15
Antwort löschenIn der Tat ist die angelsächsische Kritik - die generell weniger Probleme mit E und U hat und auch B-Film nicht als Schimpfwort benutzt - positiver gestimmt und das wird sich auch in unserem Kritikerspiegel so wiederfinden. Shutter Island hat seine Probleme - aber das sind nicht die, die dort oben angeführt werden. Wer glaubt der Film wolle ein Moraldrama sein, hat wohl Scorceses Ansatz so gar nicht kapiert.
Und was Sophie Albers vom Stern geraucht hat, als sie diesen Schwurbelkram da oben verfasst hat, will ich gar nicht wissen. "Odyssee durch die Geschichte des Kinos und des Menschseins" - Du liebe Güte, kleiner gings grade nicht, oder? Zukünftig bitte keine Stimmungsaufheller mehr in den Berlinale-Goody-Bag packen.
Vagabond 2010/02/16 13:48:30
Kommentar löschenIch glaube, dass die Story in Buchform einfach besser funktioniert, als auf der Leinwand. Außerdem haben die wenig subtilen Trailer meiner Meinung nach schon zu viel von der Handlung verraten (ein Problem, das aber nicht nur Shutter Island betrifft). Ich freue mich trotzdem auf den Film.
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NightListener 2010/02/17 00:56:23
Kommentar löschenScorsese sagt, er habe sich bei der Inszenierung an Filmen aus den 30er und 40er Jahren orientiert. Ob man deshalb von einer Odyssee durch die Geschichte des Kinos sprechen kann, sei mal dahingestellt, aber die Bezeichnung "B-Movie" hat nur für wenige Kompliment-Charakter und für viele einen ziemlich schlechten Beigeschmack und deshalb finde ich es total verfehlt, wenn Kritiker sie für diesen Film verwenden; denn "Shutter Island" ist ein guter Film mit stimmungsvollen Bildern, herausragenden darstellerischen Leistungen in den Haupt- und Nebenrollen und ausreichend psychologischem und emotionalem Tiefgang. Er hat mir persönlich besser gefallen als Scorceses hochgelobter "The Departed".
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Wieso wird eigentlich in diesem Zusammenhang dauernd das B-Movie als negative Eigenschaft genannt? Scorsese wollte einen Hitchcock machen und eine solche Art zu inszenieren sieht wegen unserer heutigen Sehgewohnheiten nach einem B-Movie aus. Also eher ein Kompliment. Sicherlich funktioniert "Shutter Island" in mancherlei Hinsicht nicht, man sollte aber nicht vergessen, worum es Scorsese hier geht.
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