Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen - Kritik

Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans

US · 2009 · Laufzeit 122 Minuten · FSK 16 · Kriminalfilm, Thriller, Drama · Kinostart
Du
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    2 Fliegen mit einer Klappe: ein Film von Werner Herzog, der in New Orleans spielt. Nicolas Cage mag ich auch. Er spielt hier einen drogensüchtigen Ermittler mit kriminellen Energien. Das passt zu ihm, ist aber nichts Neues. Vom Charme New Orleans ist nicht so viel zu sehen. Die erste Szene, die mir überhaupt gut gefallen hat, war ungefähr nach einer halben Stunde...
    Anfang Handlungsspoiler
    ...da sieht man einen Autounfall verursacht durch einen Alligator, der wohl die Straße überqueren wollte.
    Ende Handlungsspoiler
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das im Umland von New Orleans tatsächlich manchmal passiert. Immerhin leben hier wohl 2 Mio Alligatoren (http://www.wlf.louisiana.gov/frequently-asked-alligator-questions). „Bad Lieutenant“ hat mir beim Zuschauen immer mehr gefallen. Trotzdem sagt mir der Stil insgesamt nicht so zu. Ich weiß nicht, ob das typisch Herzog ist, aber mir war vieles zu übertrieben und zu wenig vertieft. Für mein Empfinden war es eine Aneinanderreihung von Ereignissen, zum Teil auch recht extremen, ohne großen Übergang oder Tiefe.

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      Hat mich nicht getroffen, sorry.

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        Dergestalt 06.06.2018, 00:25 Geändert 08.08.2018, 12:14

        Nischengrinder Werner Herzog macht auf Genre und holt sich dafür Genrecrasher Nicolas Cage. Daraus entsteht ein sprunghafter Mix aus Sozialdrama, sanfter Mörderhatz und Herzog'schem Ideenexzess. Die Kamera immer ums Schauspiel eines wirklich irren Cops geworfen - der mit Cage'scher Zerrsichtwachsmimik und Überübersteigerung; dazu viele Figuren als Stichwortgeber für weitere abstruse Selbstoffenbarungen. Da öffnet sich eine Tür und Cage steht mit dem Rasierapparat dahinter, da gibt es einen Joke und die Grinsefresse Cages geht in den Lachloop. Herzog will inszenatorisch mithalten und zaubert etwas Tiermystik - da geht die Kamera gerne mal auf bluesigen Kuschelkurs mit Eidechsen oder versucht die Beobachtungen eines Krokodils empathisch zu begleiten. So sehr "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" nach TV-Produktion klingt, so sehr zerstört er genau jenes Konzept vorhersehbarer Serialität. Oder vielleicht erscheint hier Serialität auch einfach anders: Handlungsepisode folgt prompt auf Handlungsepisode und schließlich wird nicht ganz klar, wohin der Film eigentlich wollte. Ein Trip geht nur langsam zu Ende und irgendwie fügt sich schon alles, wenn der Irrsinn nur seinen Ort finden darf.

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          Nachdem ich mich damals so dermaßen durch SALT & FIRE (oder wie immer der auch hieß) von Herzog im Kino gequält und geärgert hatte, wollte ich eigentlich keine Filme mehr aus seinem Spätwerk mehr sehen. (Bei einer Cage Trilogie auf BR für 4,90 € bin ich dann aber doch schwach geworden.)

          Der Film ist Okay, Cage macht im Film sogar eine der berühmt berüchtigten "Kinski-Schrauben" in die Szene und Kamera hinein. (Wer nicht weiß, was das ist, einfach die "neutrale und unorchestrierte" Doku von Herzog sein Verhältnis mit Kinski, MEIN LIEBSTER FEIND ansehen!)

          Cage sieht stellenweise herrlich abgerockt aus. Die Charaktäre verhalten sich nicht wie in 0815-Produktionen. Die Szene mit der Befragung des Teenager-Zeugen ist vom mimischen Standpunkt perfekt.

          Dass es sich um ein Remake handeln soll, spürt man überhaupt nicht. Herzog hat ja auch immer stets betont, das Original nie gesehen zu haben und selbst den Namen des Regisseurs nicht zu kennen. Das ist schon etwas assig und respektlos aber vermutlich auch nur seine Strategie von ihm nicht am Original gemessen werden zu können und den Film nicht als Remake sondern als eigenes Werk verkaufen zu können. (Meines rudimentären gefährlichen Halbwissens bassierend hat Herzog bis auf NOSFERATU ja kein Remake gemacht.)

          Fazit: Gut anzuschauen, wenn man beide BAD LIEUTENANT rezipiert einfach auch um tiefer in persönliche Regiestyle einzusteigen.

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            Ein nominelles und allenfalls sehr loses, höchstens noch dem Namen nach Remake eines der großen Autorenfilme der 1990er Jahre mit Nicolas Cage in der Hauptrolle? Kaum etwas hätte wohl im Filmjahr 2009 mehr mit einem müden Gähnen rechnen dürfen als The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans. Säße da nicht ein gewisser Werner Herzog auf dem Regiestuhl, der sich dem Film von Abel Ferrara gegenüber absolut nicht verpflichtet sieht und lediglich eine zwar ähnliche Geschichte erzählt, jedoch einen gänzlich anderen Verlauf dafür wählt und sich vor allem tonal deutlich abhebt. Wo der Film von 1992 eine schwer deprimierend düstere Stimmung aufweist, da kommt der von Werner Herzog geradezu surreal und beinahe schon märchenhaft lynchesk daher und hat nur sehr wenig gemein mit Ferraras katholischer Meditation über Schuld und Sühne. Stattdessen folgt Port of Call – New Orleans einer anderen Perspektive und erzählt seine Geschichte vor allem wertfrei und losgelöst von moralischen Konnotationen: so widerwärtig die Taten von Terence McDonagh stellenweise auch sein mögen, Herzog bremst die dem inne wohnende Tragik immer wieder geschickt zu Gunsten eines verschmitztem Augenzwinkern aus.

            Ferrara stellte seiner Zeit den Zuschauer schon gleich zu Beginn vor vollendete Tatsachen und präsentiert mit seinem Bad Lieutenant einen Protagonisten, dessen Weg von vornherein vollkommen klar ist. Weder eine sauber ausgearbeitete Erzählstruktur noch griffige Charakterisierungen kann man hier finden und stattdessen konfrontiert der Film seine Zuschauer gleich mit diesem dem Untergang geweihten Cop, welchen Harvey Keitel so eindrücklich wie abstoßend in einem wahren Kraftakt einer Tour de Force spielt. Nackt, schnaufend, fickend, koksend, halluzinierend, wichsend, saufend, heulend, zitternd, fixend, zockend. Am Rande des totalen Zusammenbruchs und darüber hinaus. Aber wie er der geworden ist, der er ist, das interessiert Ferrara nicht weiter, genauso wenig wie die üblichen Methoden, dem Zuschauer einen ambivalenten Charakter sympathisch zu machen. Er heftet sich viel lieber unmittelbar an die Fersen seiner Titelfigur, überlässt ihr die Struktur, bleibt erzählerisch eher episodisch und hält auch in den privatesten, peinlichsten und schmerzhaftesten Momenten noch gnadenlos drauf.

            Werner Herzog beschreitet da dann doch andere Wege, ist sein Bad Lieutenant zwar kaum weniger ein ziemliches Arschloch, verleiht er seinem Film innerhalb des Genres jedoch einen gewissen Exoten-Status, lässt er ihn doch immer wieder ins surreal überhöht Märchenhafte abkippen, überführt geschickt wachsende Anspannung ins Groteske und lässt Alligatoren, Leguane und break dancende Seelen erschossener Gangster den eigentlich grimmigen Ton aufbrechen. Port of Call – New Orleans ist letztlich der rundere Film und weniger stachelig und giftig als der von Ferrara, ist vielleicht leichter zu konsumieren und entlässt mich immer etwas versöhnlicher als der von 1992. Beschwingt wäre wohl übertrieben, aber ich habe nach diesen rund zwei Stunden jedenfalls eher weniger das Gefühl duschen zu wollen und fühle mich nicht immer so mies wie nach Ferraras hässlicher Abwärtsspirale, geht diese doch unter die Haut und an die Substanz und reißt einen mit in diesen gierigen Schlund aus Schmutz, Ekel, Wahnsinn und Exzess namens Bad Lieutenant.

            Und dann ist da noch ein vollkommen entfesselt und wild agierender Nicolas Cage in absoluter Höchstform. Ich finde ja, es ist oftmals ein leichtes, sich über sein überdrehtes Schauspiel lustig zu machen, doch verkennt man dadurch auch die ganz eigene Qualität, welche dem nämlich inne wohnt. Ich kann das meist nur feiern, wenn Cage vollkommen aufdreht und Filmen wie Raising Arizona, Wild at Heart, Face/Off und nun seinem Bad Lieutenant seinen ganz besonderen Stempel unnachahmlich aufdrückt. Und hier übertrifft er sich selbst, entwickelt eine ungeahnte Eigendynamik in seinem Spiel und liefert eine solch elektrisierende Performance ab, welche so vielleicht tatsächlich nur unter der Regie eines Werner Herzog möglich ist. Nicht erst seit Klaus Kinski wissen wir, dass unter seiner Anleitung schauspielerisches Talent nicht bloß ausgeschöpft wird, sondern vielmehr essentiell destilliert. Vielleicht hat Herzog den wahren Wert eines Nicolas Cage entdeckt und die pure Essenz eines der wohl eigenwilligsten Schauspieler der modernen Kinogeschichte freigelegt und für uns alle sichtbar gemacht.

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              BeniJean 10.03.2018, 01:39 Geändert 10.03.2018, 01:40

              Irgendwas an der Filmatmosphäre hat mich extrem gestört. Nicolas Cage spielt seine Rolle als abgefuckter Cop aber bombastisch! Einmal mehr.. und so langsam glaub ich wirklich unser Nicolas ist auch im wahren Leben ein wenig Psycho. ^^

              Da die Story leider auch nicht viel neues mit sich bringt und Spannung mal so gar keine Vorhanden ist.. kann ich leider nur für Cage's schauspielerische Leistung Punkte verteilen. Ich kann absolut nachvollziehen wenn man diesen Film mag. Für mich war das Ding aber nichts. Leider...

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                Nicolas Cage versucht das Beste aus einem miserablen Drehbuch herauszuholen. Dafür Respekt, Lob und Anerkennung. Das reicht aber leider nicht.
                Ich finde das Original um Welten besser und habe es nicht geschafft, mir diesen Murks bis zum Ende anzusehen. Nach 40 Minuten war die Schmerzgrenze erreicht. Ein hoch auf Netflix, wenigstens habe ich kein zusätzliches Geld hierfür ausgegeben.

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                • 5 .5

                  Ich mag eigentlich die Filme von Werner Herzog aber dieser hier ist nur mittelmäßig. Das Cast mit Nicolas Cage,Eva Mendes,Val Kilmer und X-Zibit ist gut besetzt, obwohl ich von Cage mehr erhofft hätte.
                  Der Film ist teilweise langatmig und es passiert nix besonderes auch die Actionszenen konnten mich zuwenig überzeugen. Der Film ist zwar nicht schlecht aber von gut ist auch nicht die Rede.

                  Unterhaltsam.

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                  • 7 .5

                    Perfektes Acting. Genauso will ich einen kaputten schmerzmittelabhängigen und verrückten Lieutenant sehen. Im Gegensatz zum Original herrscht hier maßloser Spaß und Wahnsinn. Das man das bei Herzog mal erleben darf.

                    Ich feier mit den Echsen!

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                    • 7

                      Die Diskussion ob dies ein Remake des gleichnamigen Films aus den 90er Jahren ist tue ich mir garnicht an, denn so oder so ist es ein Film wies ihn schon lange nicht mehr gegeben hat: ein Cage-Film. Schon sehr lange nicht mehr hatte Nicolas Cage eine solche Rolle die zwar eigentlich keinen Sinn ergibt, aber ihn schauspielerisch bis an die Grenze fordert. Das Hirn des Zuschauers wird’s jedenfalls nicht, man hat eine ganz banale, simple Krimistory die zu nichts anderem dient als Szenen aneinander zu reihen in denen Cage widersprüchlich aufspielt: mal jault er drogenumnebelt herum, sorgt dafür dass Gangster sich gegenseitig abknallen oder hat Halluzinationen von tanzenden Leichen und Leguanen, dann streitet er sich mit seiner Familie, beschimpft einen kriminellen und rettet ihn dann oder darf tiefsinnige Sätze sagen wie „Träumen Fische eigentlich?“ - bis hin zu der Szene wo er eine Frau vor den Augen des Freundes poppt.. Mich erinnert das stark an „Bringing out the Dead“ wo auch weniger die Handlung sondern mehr Cages extreme Darstellung und permanenter Launenwechsel den Reiz ausmachte – und wer Cage mag und eben solche Darstellungen von ihm vermisst hat wird hier für vieles entschädigt. Alle anderen Zuschauer kann ich voll verstehen die weder den Film noch die Hauptfigur oder dieee sehr schräge verwendung der Musik verstehen oder gar gut finden!

                      Fazit: Inhaltlich handlungsarm und total sinnlos – dafür aber die perfekte Bühne auf der Nicolas Cage aufdreht und abgeht wie schon lange nicht mehr!

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                        Der Film ist extrem durchschnittlich. Was ihn mMn jedoch aufwertet, ist sein spezieller Humor, der wie ich vermute nicht jeder Mann (/Frau) liegen wird. Mir hat der Humor jedenfalls sehr gut gefallen (-> Eidechse, Heidi, sein "Drogenproblem" etc etc.)

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                          Fazit: "Bad Lieutenant" ist ein gelungenes Remake, welches in ein paar Punkten besser und in ein paar Punkten schlechter ist als das Original. Die Handlung besitzt nun zwar weniger Anspruch, ist aber abwechslungsreicher ausgefallen. Dazu gibt es gute Darsteller und einen Nicolas Cage in Höchstform. Die Figurenzeichnung erreicht nicht so viel Tiefe, ist dafür aber facettenreicher und handwerklich wurde der Film sehr gut gemacht. Die Atmosphäre macht viel Laune, hat mir im Original aber besser gefallen, weil der Film einfach roher war. Dafür ist der Unterhaltungswert etwas besser, weil hier einfach mehr geschieht. Alles in einem ein rundum gelungener Film, den ich empfehlen kann!

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                          • 8

                            Schon bei seiner Ankündigung war der Film wohl für unzählige Zuschauer eine faustdicke Überraschung. Kein geringerer als Werner Herzog sollte also ein Remake von Abel Ferraras wahnhaftem Copdrama Bad Lieutenant drehen, einem Werk, das er laut eigener Aussage noch nicht einmal gesehen hat – noch dazu mit Nicolas Cage, der in die Fußstapfen von Harvey Keitel treten sollte. Als der Film dann einige Zeit später in die Kinos kam, sahen die Reaktionen besagter Zuschauer wohl nicht großartig anders aus. Unglauben, Verunsicherung, Irritation und Unverständnis sind zweifelsohne Empfindungen, die einem während der Sichtung beinahe zwangsläufig in den Kopf kommen. Denn Werner Herzog hinterfragt einmal mehr jegliche (Hollywood)Konventionen, indem er ihre Existenz schlichtweg ausblendet, neutralisiert und verneint. Zwischen Witz und Wahn, Heiterkeit und Tobsucht, inszeniert der deutsche Regisseur einmal mehr abseits jeder Grenze. War das Original noch durch die Sinnsuche seines Protagonisten bestimmt, so geht es in Herzogs Version lediglich um das rauschhafte Treiben, um die Omnipräsenz und Unausweichlichkeit einer lebensuntauglichen Sinnlosigkeit. Erpressung, Sex, Drogen, Glücksspiel, Mord, Korruption und Diebstahl sind zwar die einzigen Inhalte im Leben des bad Lieutenants, gleichsam aber nicht mehr als schemenhafte Randnotizen, die sich in scheinbar unendlicher Wiederholung durch seine Existenz ziehen. Herzog fängt das alles auf unnachahmliche und auch einzig mögliche Art und Weiße ein, als groteske Sinnlosigkeit (oder auch Reflexion darüber), exzessiv und wahnhaft, mit einem Nicolas Cage der völlig neben der Spur und gleichzeitig auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist. Was nun ironisch ist und was ernst, inwiefern Elemente Hommage oder Parodie sind, gilt es im Laufe der zwei Stunden zu entschlüsseln – oder auch einfach zu erfahren.

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                            • 8 .5

                              Ganz großes Kino!

                              Ein wirklich genialer Film. Nicolas Cage spielt seine Rolle so perfekt. Der Film wird hauptsächlich von ihm getragen. Die Handlung sticht aber genauso hervor. Die Idee und Umsetzung sind einfach auf den Punkt. Mit Eva Mendes hat man die heißeste Frau des Planeten als weiblicher Gegenspieler. Val Kilmer kommt etwas zu kurz aber blüht dann in seinen kurzen Momenten wieder auf. Die Dramatik, diese schwarze Loch in das Terence reingezogen wird, scheint einfach endlos. Der Film setzt von Minute zu Minute einen drauf. Genau so sieht ein düsteres Krimi-Drama aus. Ich bin einfach hin und weg von dem Film. Das Ende und das Wiedersehen der beiden zum Schluss rundet den Film nochmals ab.

                              Frage:

                              Lohnt sich das Original, wenn man den hier gesehen hat bzw. besser/schlechter?

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                                JordanBelfort 15.01.2017, 19:03 Geändert 19.01.2017, 16:05

                                Nicolas Cage als Junkiecop mit dünner Haut und Riesenrevolver bei der Arbeit zu sehen macht einfach Laune. Die Crime-Geschichte wird zur Nebensache und der Charakter mit seinem menschenverachtenden Verhalten inmitten des verschwitzten New Orleans wortwörtlich in den Vordergrund jeder Szene gestellt. Ab und zu traut sich der Film auch richtig was und bricht aus dem altbekannten Polizeifilmmuster aus, wenn beispielsweise Drogentrips von alten Soulsongs begleitet als Reptilien verkörpert werden. Dazwischen sind leider viel generischer Score und vorhersehbare Storyentwicklungen mitgemischt. Doch insgesamt hat mir dieser Cage-Trip ziemlich gut gefallen.

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                                  Juli Jane 21.12.2016, 10:41 Geändert 21.12.2016, 12:34

                                  Werner Herzog ist wieder da.
                                  Na ja, eigentlich war er ja nie weg, aber ich hatte ihn irgendwie vergessen. Okay... von seinen Dokus hörte ich mal was, aber dafür hatte ich irgendwie nie die Motivation oder die Gelegenheit gehabt. Natürlich habe ich ihn nie ganz vergessen. Wie könnte ich die unglaubliche Kombination Herzog / Kinski aus meinem Gedächtnis verlieren. Deren gemeinsamer Wahnsinn hat sie doch die ungewöhnlichsten Werke schaffen lassen. Nur..er gehörte für mich irgendwie schon zu einer längst vergangenen Dekade. Kinski starb 1991. Und der letzte Film des Duos stammt von 1987. Da kann man leicht das Gefühl bekommen, Werner Herzog sei Geschichte.
                                  Und nun das.
                                  Ich muss gestehen, dass ich erst ein wenig auf dem Schlauch stand. Als ich nämlich zufällig den Bad Lieutenant-Trailer begutachte, entging mir doch glatt, dass da Herzog drunter steht. ;-) Ich nahm nur Nicolas Cage wahr und... so kann es einem gehen... allein dessen Auftauchen war schon genug, um den Film als absolut unsehenswert abzustempeln.;-) Nicht falsch verstehen, ich hielt früher in den 90ern viel von Cage, ich halte ihn für hochbegabt, ich bin ein absoluter Fan von Wild at Heart und nach Leaving Las Vegas liebte ich Cage gar. Aber was danach kam... es gibt wohl wenige Schauspieler, die sich so sehr in billigen und billigsten Filmen verloren wie er. Eigentlich reichte mir am Ende, wenn sein Name im Cast auftauchte, um den Film abzuschreiben. Auch den.
                                  Und nun das.

                                  Herzog hat einen neuen Dschungel gefunden:
                                  Das geflutete New Orleans
                                  Und einen neuen Wahnsinnigen:
                                  Nicholas Cage
                                  Cage spielt hier so dermaßen gut wie schon ewig nicht mehr. Zum Niederknien...
                                  Und der Wahnsinn nimmt abermals seinen Lauf in diesem Film. Wer einen (ein)gängigen Cop-Film erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht, denn Herzogs Markenzeichen ist schließlich die Seherwartungen und -gewohnheiten zu unterlaufen. Wer hier gar eine Moralstütze sucht.. *abwink*
                                  Die Geschichte basiert lose auf dem Skript des Abel Ferrara Films, aber Herzog ist nicht in erster Linie Geschichtenerzähler. Das soll wohl wirklich kein echtes Remake des (ebenfalls tollen) Filmes von 1992 sein. Die beide Filme haben eigentlich lediglich den korrupten Cop in der Krise gemeinsam. Gewohnt unkonventionell herzogt der Thriller mit diversen Versatzstücken des Genres in eine düstere Farce hinein, wandelt dort traumwandlerisch und genüsslich, bis in einen finalen surreal anmutenden Höllentrip hinein.

                                  Eine Schlange windet sich durch die Gitterstäbe eines überfluteten Gefängnisses in New Orleans nach der Flutkatastrophe. In dieser genialen Eingangssequenz, weiß man eigentlich sofort in was für einem Film man da gelandet ist, bekommt gleich die richtige Dosis Noir und Gewissenlosigkeit ab. Cop Mc-Donagh (Cage) errettet während der Flutkatastrophe widerwillig einen Gefangenen und bekommt für seinen "Heldenmut" den Lieutenantstitel verliehen. Durch seinen selbstlosen ;-) Einsatz verdarb er nicht nur seine teuere Designer-Shorts, es blieb ihm auch eine dauerhaft schmerzende Rückenverletzung. Geplagt von den starken Schmerzen irrt Mc-Donagh ständig auf Vicodin und anderen Drogen durch den Dschungel von New Orleans. Selbst alte Damen im Altersheim sind nicht vor ihm sicher.

                                  Damit können nicht viele:
                                  <<Also was hier dem Zuschauer erwartet, ist die reinste Zumutung.>>
                                  << Der Film hat keinerlei Story, davon abgesehen, dass Cage nur auf Drogen ist, sich gerade Drogen reinzieht, auf der Suche nach Drogen ist oder sich Drogen beschafft, auf welche Art auch immer.>>
                                  << Cage spielt einen völlig verpennerten drogensüchtigen. in diesem film gibt es keine guten, nur böse und Abschaum.>>

                                  Yep. Stimmt.
                                  Najaa... ganz ohne Story isser ja nicht. Mc-Donagh hat immerhin einen Fall zu lösen: Drogendealer Big Fate hat ein Massaker an einer 5-köpfigen senegalesischen Einwandererfamilie verbüßt. Ihn zu jagen gilt es und den Botenjunge Daryl zu schützen. Daryl ist der einzige Augenzeuge des brutalen Mordes. Lieutnant Mc-Donagh berauscht sich während seiner Arbeit auf eigenwillige Art mit Sex- und Machspielchen, betäubt seine heftigen Rückenschmerzen, sowie seine Sucht mit Koks, Crack, Marihuana, Heroin, Vicodin, ... was er halt so findet.
                                  Einfach der Knaller: Grimassierend, steifschultrig, die Hand stets nervös an der Nase, klatscht er launig-gereizt in die Luft. Nur Alkohol verpönt er, glaub ich. So schlurft er irgendwie knochenlos und mit Zischlauten , durch die dunstigen Hinterzimmer der Dealer. Abgefahren...
                                  Seine Freundin, die Nobellhure Frankie (Mendes), braucht ihn, emotional, aber auch als Drogenspender. Sie ist fast so druff wie er. Und sie verstrickt sich schnell mit ihm in diesem neworleanschen Sumpf.
                                  Ein bemerkenswertes Ende, es mündet, man glaubt es kaum, doch wieder in einer Art Parodie. Oder wie soll man das sonst verstehen? :))

                                  Auch wen Eva Mendes für mich bisher stets lediglich eine Art Dekobeigabe war, hat sie hier eine Rolle und mich fast überzeugt. Aber eigentlich zählt hier von den Akteuren nur Cage. Das hier ist seine Show. Welcome back. Das krude Mienenspiel einer gequälten Seele beherrscht er einfach aus den ff.
                                  Den toten quer über der Straße liegenden Alligator fand ich auch klasse, irgendwann übernimmt die Kamera den Blickwinkel seines lebenden Artgenossen. Dann die in der Untersicht gefilmten "Halluzinations-Leguane"...*tihi * wohl typisch für den Regisseur, allerdings riefen sie bei mir zunächst lediglich ein irritiertes "Häh?" hervor, was vermutlich auch ihre Aufgabe war, stehen aber wohl auch für "bedrohlich lauernd" und den zunehmenden Drogenwahn.
                                  Am Ende gibt es noch träumende Fische. *g*

                                  Ich war unglaublich überrascht von diesem Film! Wie ein Fiebertraum. Amphibisch fiebriges New Orleans. Irgendwo zwischen Kunst- und B-Movie. Ich empfand ihn als dicht, noir, bissig, ungewöhnlich, auf 'ne irre Art witzig, irgendwie sogar sexy, fesselnd, völlig wertfrei aber absolut sehenswert.
                                  Wenn man so was mag.

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                                    RolfMuller 28.11.2016, 16:05 Geändert 29.11.2016, 08:49

                                    Werner Herzog macht es einen nicht einfach Zugang zu seinem Film und seinen Figuren zu finden. Der Kriminalfall um die Ermordung einer Einwandererfamilie ist weder sonderlich ausgefallen geraten noch nervenzerreißend spannend inszeniert. Aber er schreit natürlich geradezu nach einem guten Cop, der diesen Fall emotional und ehrenhaft aufklärt und den Schuldigen die gerechte Strafe zukommen lässt. Doch auch das bleibt uns verwehrt.

                                    Daweil bekommen wir Nicolas Cage vor den Latz geballert. Und WIE! Der Mann hat Rücken, aber vorallem mächtig Kopf! Völliger Wahnsinn diese Figur und wie diese von Nicolas Cage dargestellt wird. So gut habe ich ihn seit seiner Rolle als Trinker in „Leaving Las Vegas“ nicht mehr gesehen. Dauerschnupfend und schluckend schlurft und schreit der Cage hier eskapisch wie ein unbeschupptes, aber reichlich beschrupptes und durchtriebenes Reptil durch dieses Thrillervehikel und nimmt einen als Zuschauer völlig gefangen. Mehrmals schien der Film mich fast schon anzuöden, als dieser Cage mich aus dem Sofa riss.

                                    Kein Film zum Mitfiebern. Kein Film zum Schwelgen. Aber ein Film zum entgeistert dreinschauen. Ein Film über einen irren Cop, der nicht mehr alle Bandscheiben im Rücken und nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Ein Film über die Abgründigkeit der Menschen und des Lebens. Wie man selbst auf dem Sturzflug in den Abgrund noch die Kurve bekommen kann, ohne aber je wieder aus dem Abgrund herauszukommen. Gut dieser „Bad Lieutenant“.

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                                      Ich hab es wirklich kaum durchgehalten den Film bis zum Ende zu sehen. Ab der Hälfte der Laufzeit wurde jede weitere Minute zur Qual und ich sehnte mich nur noch nach den Credits. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in letzter Zeit einen Film gesehen habe, der mich so unglaublich kalt gelassen und unheimlich angeödet hat. Was ich nicht verstehe ist: Wo ist hier der Reiz? Zwei Stunden lang stolpert Nicolas Cage durch einen total nichtigen Plot, der uninteressanter nicht sein könnte und benimmt sich dabei dauernd wie der größte Arsch. Klar, der Film heißt "Bad Lieutenant", aber wie soll ich denn auch nur den Hauch von Interesse für eine drogenabhängige, kaputte Figur aufbringen, die so dermaßen wenig Dimensionen hat, nie im Konflikt mit sich ist und scheinbar keine Motivation hat außer sich die nächste Ladung Drogen aus der Aservatenkammer zu besorgen? Dadurch bleibt für mich nur ein egomaner, spielsüchtiger, korrupter Quasi-Vergewaltiger übrig, der mir einfach nur schrecklich egal ist. Ich fand das so dermaßen langweilig, dass mich nicht mal Nicolas Cages manisch-geniales Spiel mitreissen konnte. Schon nach 15 Minuten war bei mir jegliche Sympathie verflogen.
                                      Und wie schon bei "Fear and Loathing in Las Vegas" oder "Inherent Vice" wird mir mal wieder bewusst, dass ich mit Protagonisten, die Drogen nehmen einfach gar nichts anfangen kann. Klar, durch den Drogenkonsum ändert sich deren Realität, was durchaus aufregende surreale Bilder nach sich ziehen kann, aber mir erschließt sich einfach nicht der Sinn dahinter, inwiefern mich das jetzt bereichert, was ich dadurch aus dem Film ziehen kann, wenn es doch eh nur halluziniert ist und nicht wirklich etwas ist, was die Figuren in ihren "normalen" Alltag erleben. Ich fühl mich da einfach nur ausgeschlossen und verliere komplett den Draht zu den Figuren. Das wäre ja so, als würde ich mit Freunden in die Kneipe gehen, jeder besäuft sich und nur ich bleibe trocken. Genauso fühle ich mich wenn ich "Bad Lieutenant" ansehe.
                                      Richtig wütend habe mich dann diese ewig langen Close-ups auf Krokodile und Leguane gemacht, als ob diese irgendwas aussagen würden. Weird for weird´s sake - und das sage ich als jemand, der David Lynch für den größten noch lebenden Regisseur hält. Auch das Setting fand ich extrem austauschbar. Na gut, dann hat der Hurrikane eben die ganze Stadt verwüstet - ein paar coole Shots hier und da, schön - und vermütlich soll die in Trümmer liegende Stadt den chaotischen Zustand von Nic Cages Verstand darstellen, aber come on, das kann ich doch nicht ernstnehmen. Und anscheinend war ja der Kriminalplot nicht so wichtig und soll sich einfach den stundenlangen Drogentrip unterordnen, aber warum zum Geier muss ich dann so viele Standard Crime-Procedural-Szenen mitansehen, die extrem öde inszeniert sind und in denen ohnehin nur belanglose Informationen vermitteln werden?
                                      Und der Gedanke, dass es sich bei Werner Herzogs "Remake" um eine Parodie/Karikatur von Hollywood oder Cop-Filmen handeln soll, kann ich auch schwer nachvollziehen. Nur weil Cage mal nen Verdächtigen im Alleingang festnimmt, während das vor dem Haus stehende Einsatzkommando nur beeindruckt zusieht, wie toll er das macht anstatt reinzustürmen und die halbe Bude zu zerlegen?
                                      Bis auf Cage fand ich auch alle Schauspieler unheimlich schwach. Eva Mendes, diese komplett durchtrainierte Hollywood-Schönheit soll eine drogensüchtige Prostituierte sein? Ja ne is klar. Aber vielleicht war das ja Teil der Parodie , da in Hollywood-Filmen immer gutaussehende Menschen besetzt werden, egal um welche Rolle es sich handelt. Wow, wie deep.
                                      Val Kilmer ist auch zum Vergessen, da er viel zu wenig Screentime hat. Fand ich nicht gut, da durch sein Zusammenspiel mit Cage wenigstens mal eine wenig Dynamik ins Geschehen kam. Überraschendweise fand ich X-Zibit allerdings ziemlich passend besetzt und er füllte die Gangsterrolle gut aus.
                                      Insgesamt muss ich sagen bin ich einfach nur sauer auf den Film und ich will ihn mir nie wieder ansehen.

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                                      • Werner Herzogs fatales Portrait eines Vergewaltigers, Mörders, Drogensüchtigen (...), der unter Paranoia leidet und sich grosse Sorgen um die Leguane macht. Dieser korrupte Polizist agiert in New Orleans, kurz nach der Katastrophe des Hurricanes Katrina. Herzog gibt sich gar keine Mühe, diese legendäre Stadt in einem schmeichelhaften Licht zu zeigen. Sein Film darf auch als Komödie über einen hinterhältigen, aber doch tapferen Mann genossen werden. Und wer könnte diesen Mann besser darstellen als Nicolas Cage, der noch nie Angst davor hatte, "over the top" zu spielen? Fast könnte man meinen, Cage und Herzog wären füreinander geboren worden! Das Vorbild ist Abel Ferraras Bad Lietenant und es bleibt nur zu hoffen, dass das Original auch zu seinem Recht kommt! Cages Cop Terence McDonagh wandelt durch die nächtlichen Strassen von New Orleans, ohne auch nur den leisesten Versuch, hier etwas zu beaufsichtigen. Es geht ihm einzig darum, sich selbst zu schützen. Er ist das Gesetz und das Gesetz dient nur ihm selbst. McDonagh erwischt ein junges Paar vor einem Nachtclub auf Droge. Er bietet dem jungen Mann, der Angst vor seinem Vater hat, einen Deal an: Er beschlagnahmt die Drogen und vergewaltigt die Frau vor den Augen ihres Freundes. Mit dem Ferrara-Original hat Herzogs Film dabei nur den Titel gemein. Während Ferrara seinen Cop ohne Gnade betrachtet, vergibt Herzog geradezu leichtfertig. Schliesslich wäre Herzogs Cop als Süchtiger auch dazu bereit, die eigene Mutter zu verraten! Doch er hat sogar eine Freundin namens Frankie (Eva Mendes), eine Nutte. Er verabreicht ihr Drogen und manchmal sie auch ihm. Beide vereint Verständnis und Sympathie. Die Details von Herzogs "Krimi" haben uns dabei nicht weiter zu interessieren. Hier gehts nur um die Atmosphäre! Peter Zeitlingers Kamera fängt unglaubliche Aufnahmen von New Orleans ein und Herzog interessiert sich vor allem für die Leguane und Krokodile, die durch das Hochwasser der Stadt paddeln. Wer sonst würde es fertigbringen, die Leguane und Krokodile zu beobachten, während der Kriminalfall ins Hintertreffen gerät? Und wer könnte die Viecher so schön beunruhigt ansehen wie Nicolas Cage das tut? Der Plot ist hier ganz egal, es geht einzig um die Zutaten! Wir durften viel lesen über den Streit zwischen Herzog und Ferrara, der darin gipfelte, dass Herzog behauptete, Ferraras Original gar nicht gesehen zu haben. Darf er denselben Titel benutzen? Doch wer wäre Herzog, würde er sich vor dem genauso stolzen Ferrara ins Bockshorn jagen lassen?

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                                        • 7 .5

                                          Ich denke das ist die perfekte Rolle für Nicolas Cage Bad Boy Cop da kann eigentlich gar nichts schief gehen. Ist es auch nicht durchweg sehenswert. Super

                                          • 8

                                            Den drogenabhängigen Cop am Rande des Wahnsinns hätte wohl niemand besser hinbekommen als Nicolas Cage. Endlich hat er in diesem Film wieder eine Rolle gefunden, die ihn gleichermaßen fordert und liegt. Er trägt den Film durch seine hypnotische One-Man-Show von Anfang bis End und wird von Werner Herzog super in Szene gesetzt.
                                            Die Geschichte des Films ist ein Mix aus dem Mordfall und der Darstellung des kaputten Lebens von Cages Figur. Das ist sicherlich nicht immer spannend oder action-lastig, weiß aber trotzdem zu gefallen und hat mich sehr gut unterhalten.

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                                            • 8 .5

                                              Egal wie hässlich und chaotische dieses von Katrina verwüstete New Orleans scheint: Werner Herzog findet in den Überresten des Weltuntergangs die Kulisse eines Märchens, so abartig und verdorben, das es nicht nur irritierend, sondern mindestens auch verstörend ist. Die Boshaftigkeit des Lebens versteckt sich in jeder Faser von The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans und lauert hinter jeder Ecke der titelgebenden Metropole, in der sich Werner Herzog so aufmerksam bewegt, wie in kaum einer anderen Stadt seiner Filme. Die Kamera versackt geradezu in den Straßen, interessiert sich für Telefonleitungsmasten und die Hinterhöfe heruntergekommener Bauten. Dann bahnt sie sich ihren Weg auf einen Parklatz, verfängt sich im rauen Widerstand des nassen Asphalts und jagt schließlich in verzerrten Aufnahmen durchtriebenen Menschen (und noch lieber Tieren) hinterher.

                                              Einer dieser Menschen ist Terence McDonagh. Ehe er sich versieht, befindet er sich im gleichen Fischglas, das er wenige Augenblicke zuvor noch in Gegenwart eines Goldfischs bestaunte. Wundern sollte er sich allerdings nicht – immerhin geht es auf seine eigene Entscheidung zurück, wie es Werner Herzog gleich im Opening illustriert. Ein Sprung ins kalte Wasser verwandelt den Bad Cop in einen Good Cop. Verzweifelt versucht er es trotzdem, jeglicher Moral zu entsagen. Der Gepeitschte schwimmt im Kreis, paddelt ums Überleben, schnappt nach Luft und bekommt diese dennoch nie zu greifen. Erst am Ende erfüllt sich das Schicksal in unverschämt hoffnungsvollen Bildern und der verlorene Protagonist kann seinem gläsernen, mit Wasser gefüllten Gefängnis entkommen, sodass er sich in unerwarteter Zweisamkeit sogar dagelegen lehnen kann. Ob man dieser wunderschönen Illusion trauen kann?

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                                              • 4 .5
                                                RoboMaus 19.01.2016, 15:42 Geändert 21.01.2016, 10:12

                                                Neo-Noir - ich hätte es wissen müssen. Im Klartext: eine Story, die man in der Crack-Pfeife von Nicholas Cage rauchen kann. 'Bad Lieutenant' schickt einen lediglich auf den Trip mit dem drogensüchtigen Cage, der keine Gelegenheit auslässt, Kleinkriminelle und brave Bürger beim Nuttenbesuch um ihren Stoff zu erleichtern. Schliesslich lässt er sich mit einem Gross-Dealer ein, der ihn für Informationen mit ordentlich Stoff und Geld versorgt. Doch sein grösster Traum ist es, in die Aservatenkammer seiner Einheit versetzt zu werden, aus der er sich ungeniert bedienen kann - es merkt doch sowieso keiner.
                                                Ein Wahnsinnsplot.....zum Einschlafen. Als Lichtblick bringt der Streifen die witzige Idee, dass Cage, so übel er sich anstellt und auffällt, immer mal wieder den Tag rettet und auch noch zum gefeierten Vorzeigebullen avanciert, der die Beförderungsleiter nach oben fällt....
                                                Wieder eine gute Leistung von Cage, der mit seinem Hang zum Overacting die ideale Besetzung für den Crack-süchtigen Junkie-Bullen ist, doch leider in einem nichtssagenden, langweiligen, spannungslosen Plot untergeht.

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                                                  [...] Der kriminalistische Plot um einen Mord an einer senegalesische Einwandererfamilie läuft deshalb auch quasi fortwährend am Film vorbei. Stattdessen verlieren wir uns in einem Delirium; in einem fiebrigen Alptraum, einem in verschwommenem Grün und Blau gehaltenen Rausch, den wir in natura bestenfalls durch eine Überdosis bewusstseinserweiternder Substanzen halluzinieren könnten. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ verkommt nach und nach zu einer einzigen, überdimensionalen Chiffre, die man sich nicht wagt zu entschlüsseln, aber von ihrer wilden, äußeren Schale vollkommen fesseln lässt. [...] In „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ geht es letztlich nur darum, wie sich diese Schlange, diese fast schon bemitleidenswerte Scheißhausfliege ie kontinuierlich einer eigenen (Un-)Moral wie (Un-)Logik folgt, präsentiert, nicht, auf welchem Fundament sie errichtet wurde. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ interessiert sich folgerichtig nicht für das WAS, sondern für das WIE und wird ein überdeutliches Paradebeispiel dafür, wie intuitives Erzählen im Kino aussehen könnte. Welch grenzensprengende Konsequenzen es für den eigenen Horizont haben kann, wenn die konventionelle Erzählmethodik nicht nur unterwandert, sondern auch mit irrem Blick verhöhnt wird. „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ treibt seine Verfremdung von allem Herkömmlichen sogar so weit, das Menschliche vollends zu verdrängen und den Amphibien und Reptilien das Wort zu teilen. Welch radikal entfesselter Irrsinn.

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                                                    Man sollte sich vom albernen B-Movie-Titel nicht täuschen lassen: »Bad Lieutenant« ist ein düsterer Neo-Noir-Cop-Thriller, den man so von Werner Herzog nicht erwartet hätte. Nicolas Cage beeindruckt als drogensüchtiger und gewalttätiger Polizist. [Marcus Stiglegger]

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