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2005 - Fans spinnen das Star Wars-Epos weiter

2005 - Fans spinnen den Star Wars-Epos weiter
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2005 - Fans spinnen den Star Wars-Epos weiter

Würde ich mich hier an einem Artikel versuchen, der den Einfluss von Star Wars in der Filmgeschichte umfassend beleuchtet, so könnte ich wahrscheinlich nur verlieren. Erstens ist dieses Feld viel zu weitläufig und zweitens käme ich mit meinem Allgemeinüberblick über das Universum der Sternenkrieger nicht im Ansatz an das Wissen von Heerscharen eingefleischter Fans heran. Als George Lucas 1977 Krieg der Sterne in die Kinos brachte, ahnte er vielleicht noch nicht, dass er mit den fünf folgenden Filmen und einem ausgeklügelten Merchandising das finanziell erfolgreichste Filmprojekt aller Zeiten anstoßen würde.

Was er aber außerdem auslöste, war ein gewaltiger Kult, den Fans auf der ganzen Welt bis heute am Leben erhalten. Vor allem seitdem das Internet ab Mitte der neunziger Jahre die Vernetzung der Fans erheblich erleichterte, entstanden online Clubs mit regem Zulauf. Und wo sich Menschen mit gleichen Interessen zusammenraufen, lassen kreative Gemeinschaftsaktionen oft nicht lange auf sich warten.

Cops, fliegende Barbies und ein verliebter Regisseur
1997 tauchte ein Video in den Tiefen des World Wide Web auf. Es zeigte eine Parodie des jungen Filmemachers Kevin Rubio, der die US-amerikanische Reality-Show Cops in das Star Wars-Universum verlegt hatte. Der Kurzfilm mit dem Namen Troops war so beliebt, dass sogar George Lucas höchstselbst davon Wind bekam. Er gab Rubio einen Job als Autor der Star Wars-Comicbuchreihe und auch über die Finanzierung weiterer Filmprojekte brauchte sich der junge Kreative nicht mehr zu sorgen.

Seitdem haben viele eifrige Fans ihre Lieblingsgeschichte weitergesponnen und eine Menge an Parodien, Dokus, Mockumentaries, Mash-ups oder eigenen Fortsetzungen erdacht. Für George Lucas in Love verschmolz Joe Nussbaum 1999 die Entstehungsgeschichte der Space Opera mit der Schmonzette Shakespeare in Love. Und der Filmemacher und Landschaftsarchitekt Evan Mather lebte seinen anarchischen Humor in einer Serie von animierten Kurzfilmen aus, in denen er den Star Wars Action-Figuren Dialoge aus Pulp Fiction in den Mund legte, sie wahlweise gegen Godzilla oder fliegende Barbiepuppen antreten, oder den sterbenden Darth Vader „Rosebud“ murmeln ließ.

Ein Wettbewerb nach eigenen Regeln
Die Sache mit der sogenannten Fan fiction unterliegt bis heute keiner endgültig geklärten Rechtslage, George Lucas aber war der erste, der das Potential seiner Fans erkannte. Er stellte einzelne Bild- und Soundschnipsel seiner Werke zur Verfügung und initiierte die Official Star Wars Fan Film Awards, bei denen er jährlich die besten Fanfilme – natürlich zu seinen Bedingungen – auszeichnet. Auch Kevin Rubio wurde 2002 nachträglich mit einem Pioneer Award für sein kleines Meisterwerk geehrt.

Wenn ich hier aber von den Bedingungen von George Lucas schreibe, dann meine ich das auch. Mit Copyright-Inhabern ist manchmal nicht gut Kirschen essen, das müssen auch all die Filmemacher am eigenen Leib erfahren, deren Werke nicht in den offiziellen Wettbewerb aufgenommen oder sogar mit Klagen überzogen werden. George Lucas mag es zum Beispiel gar nicht, wenn seine eigens erdachten Figuren für ganz neue Geschichten herhalten müssen. In seinem Wettbewerb akzeptiert er nur Dokus und Parodien, die auf seinen eigenen Plots aufbauen.

Ein Fanprojekt mit professionellen Ambitionen
So erklärt es sich auch, dass der bis heute ambitionierteste Fanfilm nicht vom Star Wars-Regisseur ausgezeichnet wurde. Regisseur Shane Faleux drehte 2005 den Fan fiction-Film Star Wars: Revelations, der zwischen Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith und Krieg der Sterne spielt und das Verschwinden des Jedi-Ordens in der Originaltrilogie erklärt. Ganze 200 Schauspieler, Crewmitglieder und Special Effects-Leute aus der ganzen Welt arbeiteten über zwei Jahre lang an dem Projekt, dessen Downloadmöglichkeit die Server der Fanseite TheForce.net schon kurz nach der Veröffentlichung in die Knie zwang.

Auch Kritiker lobten das Werk für seine ambitionierten Effekte und die professionelle Aufmachung. Ein eigens komponierter Soundtrack und das Budget von immerhin 20.000 US-Dollar hob Star Wars: Revelations deutlich von anderen Amateurproduktionen ab. Aufwendige Drehs des Nachts im Shenandoah Valley sind für einen Fanfilm schließlich genauso beeindruckend wie stattliche Achtundvierzig Minuten Laufzeit. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Beziehung zwischen kreativen Amateuren und großen Produktionsfirmen zukünftig entwickeln wird. Denn eins ist ja nun mal klar: Ohne Fans nützt auch das aufwendigste Franchise nichts.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 2005 bewegte:

Sechs Filmleute, die gestorben sind
10. Februar 2005 – Arthur Miller, Drehbuchautor von Nicht gesellschaftsfähig
06. März 2005 – Teresa Wright, Miss Birdie aus Der Regenmacher
26. April 2005 – Maria Schell, Anna aus Die Spaziergängerin von Sans-Souci
06. Juni 2005 – Anne Bancroft, die verführerische Mrs. Robinson aus Die Reifeprüfung
08. Juni 2005 – Ed Bishop, Shuttle-Captain aus 2001: Odyssee im Weltraum
27. November 2005 – Marc Lawrence, der Gauner Erhard aus Der Marathon-Mann

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscars – Million Dollar Baby von Clint Eastwood (Bester Film, Regisseur, Hauptdarstellerin)
Goldener Löwe – Brokeback Mountain von Ang Lee
Golden Globe Awards – Aviator von Martin Scorsese

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Harry Potter und der Feuerkelch von Mike Newell
Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith von George Lucas
Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia von Andrew Adamson

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
19. April 2005 – Wir sind Papst!
07. Juli 2005 – islamistische Selbstmordattentäter verüben Terroranschläge im Londoner Nahverkehr
22. November 2005 – Angela Merkel wird zur ersten deutschen Bundeskanzlerin

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