Berlinale 2009: Claudia Llosa und Angst in Peru

The Milk Of Sorrow
© Oberon Cinematográfica
The Milk Of Sorrow

Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa arbeitet in ihrem Film Eine Perle Ewigkeit die bedrückende Vergangenheit ihres Landes auf: Die im Jahre 2001 eingesetzte peruanische “Wahrheitskommission” hat für den Zeitraum von 1980 bis 2000 fast 70.000 ermordete Menschen, unzählige Vergewaltigungen, Entführungen und andere Menschenrechtsverletzungen verzeichnet.

Fausta leidet unter der “Milch des Leids”, einer Krankheit, die durch die Muttermilch übertragen wird. Es ist dies keine Krankheit, die durch Bakterien oder Ansteckung herbeigeführt wird – von ihr betroffen sind ausschließlich Frauen, die in Peru während der Jahre des terroristischen Kampfes misshandelt oder vergewaltigt wurden. Diese schlimme Zeit ist längst Vergangenheit. In Fausta aber ist sie lebendig. Ihre Krankheit heißt Angst und hat ihr die Seele geraubt.

Als überraschend ihre Mutter stirbt, ist Fausta gezwungen, sich ihren Ängsten zu stellen. Wie übermächtig diese sind und zu welch verzweifelten Handlungen sie Fausta veranlassen, lässt sich leicht ermessen, wenn man Faustas größtes Geheimnis erfährt: Um widerliche Eindringlinge aus ihrem Körper fernzuhalten, hat sie eine Kartoffel in ihre Vagina eingeführt, die gewissermaßen als eine Art antibakterieller “Abwehrschild” fungiert. Doch dann löst der Tod der Mutter unerwartete Ereignisse aus, die Faustas Leben und das Leben anderer Beteiligter einschneidend verändern. Für Fausta aber beginnt eine Reise aus der Furcht in die Freiheit…

Claudia Llosa, die 1976 in Lima geborene Filmemacherin, studierte in Spanien bevor sie in Peru beim Fernsehen begann. 2006 entstand ihr erster Spielfilm Madeinusa, der auf zahlreichen internationalen Festivals Preise gewann. Hier wird von einem jungen Indio-Mädchen erzählt, das in ihrem Dorf an der Enge zu ersticken droht. Beim deutschen Kinostart des Films im November 2006 lobte Sebastian Handke im TagesspiegelClaudia Llosa, Nichte des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa, ist vor der großartigen Kulisse der Andenlandschaft ein erstaunlicher und ungewöhnlicher Debütfilm gelungen: eine farbenprächtige, ironische Fabel über die Bruchstellen zwischen Moderne und Archaik, Neigung und Pflicht, heidnischen Bräuchen und christlichem Glauben – vor allem aber: zwischen Indios und Mestizen. … Das Schöne an Madeinusa ist, dass er diese Kluft weder korrekt noch sentimental zur Darstellung bringt, sondern unkonventionell, witzig und böse.”

Quelle: Mit Material der Berlinale

Moviepilot Team
Ines W. Ines Walk
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Chefredakteurin von Moviepilot, sozialisiert von Gerippchen Unsterblich, David Lynch und Kirk aus Stars Hollow. Einziges Redaktionsmitglied, welches Mathe mag. Wertet deshalb am liebsten Daten aus.
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