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Berlinale-Tagebuch

Bildschöne Faustkämpfe & Stars, die vorbeieilen

08.02.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Die Berlinale - Tag 1
© Weinstein Company / moviepilot
Die Berlinale - Tag 1
Heute war der erste Festival-Tag meines Lebens, dementsprechend aufgeregt war ich unterwegs. Dafür verlief letzten Endes alles sehr entspannt und reibungslos. Lest hier, was ich auf dem ersten Berlinale-Tag erlebt habe.

Wie früh ist früh genug?
Das ist eine Frage, die mich bereits seit Tagen beschäftigt. Da meine Festival-Erfahrungen gegen 0 streben, konnte ich nicht einschätzen, wann ich im Kino sein sollte, wenn die Vorstellung um 12 Uhr beginnt. Und wir reden hier schließlich nicht von irgendeinem Film, es geht um die Pressevorführung von The Grandmaster von Jury-Präsident Kar Wai Wong. Wenn ich die verpasse, ist die Berlinale im Grunde gelaufen. Von Angstzuständen angepeitscht machte ich mich also recht früh auf den Weg, schließlich brauchte ich auch noch einige Karten für den morgigen Tag. Ohne jegliche Komplikationen war ich schließlich bereit für The Grandmaster – um halb 11. Ich pirschte behutsam zu dem Herren vor dem Saaleingang, dem weit und breit einzigen Menschen auf der Etage und fragte vorsichtig Ähm… Grandmasters?

Er sah mich etwas entgeistert an. Eine unangenehme Stille machte sich breit. Ich hatte mich als Fanboy geoutet. Der Mann fing sich wieder und wies mich freundlich darauf hin, dass die Vorstellung ja erst in anderthalb Stunden beginne und der Einlass dementsprechend erst in 45 Minuten ist. Etwas beschämt schlenderte ich vor den Eingang und machte es mir gemütlich. Doch das Warten hat sich gelohnt. Mit The Grandmasters bekam ich im Grunde genau das, was ich erwartet hatte. Eine wunderschöne visuelle Gestaltung mit gewohnt hervorragender musikalischer Untermalung – die Emotionen sprangen förmlich auf mich herüber, auch wenn ich zugeben muss, dass ich dem Plot nicht durchgehend folgen konnte. Denn wie aus seinen bisherigen Arbeiten bekannt, springt Wong Kar-wai auch hier gerne in den Zeiten und Orten, was die Sichtung etwas erschwert hat. Nichtsdestotrotz genoss ich jede einzelne Minute, denn in Sachen Atmosphäre und Gefühl kann dem Chinesen aktuell niemand etwas vor machen, was er wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Wong Kar-wai – In greifbarer Nähe!
Das Highlight des Tages war für mich persönlich die anschließende Pressekonferenz, an der Wong Kar-wai (natürlich mit Sonnenbrille), der Kameramann Philippe Le Sourd und die beiden Hauptdarsteller Tony Leung Chiu Wai und Ziyi Zhang teilnahmen. Im Laufe der Konferenz wurde Wong Kar-wais ungewöhnliche Arbeitsweise mit seinen Schauspielern deutlich. Wenigstens wusste ich dieses Mal, wen ich spiele sagte Tony Leung mit Hinblick darauf, dass der Regisseur seine Darsteller normalerweise komplett im Dunkeln lässt. Das Drehbuch für den jeweiligen Drehtag wurde ihnen jeden Morgen ausgehändigt, sodass ein Großteil improvisiert werden müsste. Da er in The Grandmasters in Form von Kung Fu-Großmeister Ip Man eine reale Person als Vorbild hatte, habe es sich deutlich angenehmer drehen lassen. Leider konnte ich nicht bis zum Ende der Pressekonferenz bleiben, da mit I Used to Be Darker bereits der nächste Film auf dem Plan stand. Freunde des US-Indie-Familiendramas werden dort sicherlich auf ihre Kosten kommen. Bei mir hat das leider nicht geklappt. Zwar gab sich der Film angenehm musikalisch und zurückhaltend, gleichzeitig plätscherte er mit seiner Shaky Cam-Ästhetik jedoch ziellos vor sich her und langweilte mich über den größten Teil der Laufzeit.

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