Disney vs Netflix - Kampfansage ans Streaming der Zukunft

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© Walt Disney / Netflix
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"Was die Oberflächen zeigen ist nur ein Teil der Wahrheit. Darunter steckt das, was mich am Leben interessiert: die Dunkelheit, das Ungewisse, das Erschreckende, die Krankheiten." (David Lynch)

Seit der Gründung im August 1997 geht die Erfolgskurve von Netflix nur nach oben. 2,5 Millionen Dollar betrug damals das Startkapital, heute hat Netflix einen Börsenwert von über 80 Milliarden Dollar. Immer mal wieder wurde gemunkelt, dass der größte Entertainment-Konzern der Welt, The Walt Disney Company, sich den Streamingdienst einverleiben würde. Aber nie gab es ein Kaufangebot und die aktuelle Meldung ist eher eine Kampfansage. Disney kündigt die Kooperation mit Netflix auf. Ab 2019 werden keine neuen Disneyfilme auf dem Streamingdienst verfügbar sein. Das ist für Netflix ein herber Verlust, denn Disney ist einer der größten Content-Lieferanten für den Anbieter. Über 100 Disney-Titel sind aktuell im Archiv verfügbar. Die Kündigung wird Konsequenzen haben. Wir versuchen, einige Fragen zu beantworten.

Kann ich weiter Disney-Klassiker bei Netflix schauen?
Aktuell könnt ihr auf Netflix diverse Titel aus dem Hause Disney und Pixar sehen, unter anderem Animationserfolge wie Die Eiskönigin und Alles steht Kopf oder Disney-Klassiker wie Der König der Löwen. Für einen Familien-Account ist das Angebot hervorragend. Vorerst wird sich für euch nichts ändern: Bis Ende 2019 werden aller Voraussicht nach die Disney-Filme im Angebot bleiben. In manchen Ländern kann dies sogar noch länger der Fall sein, da eventuell Lizenzverträge länger ausgehandelt worden sind.

Wo kann ich nach 2019 Animationsfilme von Disney sehen?
Disney plant einen eigenen Streamingdienst, der besonders auf den Animationsbereich setzen soll. Schon länger besitzt der Konzern Anteile am Streaming-Spezialisten BAMTech, nun hat Disney die Mehrheit übernommen und will mit den Know-how des Sport-Streaming-Anbieters seine eigenen Dienst aufbauen. Einer davon soll die Heimstätte für die Produktionen der Marken Disney und Pixar werden. Diese werden wohl als Zugpferde fungieren, aber auch auf die Bibliothek des Konzern wird zurückgegriffen. Sendungen von Disney Channel, Disney Junior und Disney XD sollen ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.
Zudem besteht immer noch die Möglichkeit, dass der Konzern auch nach 2019 einen Deal mit Netflix schließt und dort weiterhin Animationsfilme aus dem Hause Disney zu sehen sein werden.

Wie sieht es mit Star Wars & Co. auf Netflix aus?
Im Hollywoodreporter wird Bob Iger, CEO beim Disney-Konzern, zitiert: Das Star Wars-Universum sowie die Klassiker der Lucasfilm sind explizit aus dem neuen Streaming-Dienst ausgenommen. Die Fans seien zu unterschiedlich, ist eines der Argumente. Während sich der neue Dienst auf den Animationsbereich konzentrieren soll, werden unterschiedliche Möglichkeiten für Star Wars & Co. diskutiert. Ein eigener Streaming-Dienst könnte entwickelt werden. Vielleicht aber auch alles, wie es aktuell ist. Hier muss Disney noch Entscheidungen treffen und wird kommende Entwicklungen im Streamingbereich abwarten bzw. forcieren.

Wie sieht es mit den Marvel-Serien bei Netflix aus?
Die Marvel-Serien wird es weiterhin auf Netflix geben. Disney ist hier "nur" Koproduzent, denn Serien wie Daredevil, Jessica Jones, The Defenders & Co. werden unter anderem von Netflix mitproduziert.

Also alles beim Alten: Welche Auswirkungen hat die Kündigung?
Auf den ersten Blick ändert sich für euch nichts, auch auf den zweiten Blick scheinbar nur wenig. Wer allerdings mit einem sensibilisierten Blick auf die Nachrichten rund um Streamingdienste schaut, blickt mit etwas Sorge auf die neusten Entwicklungen. Auch CBS will mit CBS All Access einen eigenen, weltweiten Streaming-Dienst entwickeln und breitet sein Programm aktuell nach Kanada aus. Weitere Länder sollen folgen. Netflix kauft derweil den Comicverlag Millarworld, um autarker Comic-Adaptionen produzieren zu können und sich von den Studios unabhängiger zu machen.

Alles deutet daraufhin, das die großen Studios jeweils eigene Dienste entwickeln, um das Publikum langfristig an sich zu binden. Vorteile für Fans könnten die zahlreichen Archive sein, deren Schätze vielleicht nun endlich digital gehoben werden. Auch den speziellen Genre-Interessen wird mehr Rechnung getragen. Einer der Nachteile liegt auf der Hand. Schon jetzt gibt es mit Netflix, Amazon, Sky, Maxdome, Google Play, Youtube Red ein für den Nutzer unübersichtliches und zersplittertes Angebot. Mühsam muss sich der Nutzer sein Programm aus den Diensten zusammensuchen und ärgert sich dann womöglich, eine empfohlene Serie gerade nicht sehen zu können, weil sie auf dem anderen Dienst läuft. Die Euphorie der Streaming-Anfangs-Zeit, mit Netflix endlich einen Anbieter zu haben, der das Programm der verschiedenen Studios bündelt und verfügbar macht, ist definitiv verflogen. Es tritt mit Blick auf den persönlichen Geldbeutel eher Ernüchterung ein: Wer kann sich mehr als zwei, drei Streamingdienste leisten?

Was haltet ihr von der Aufkündigung der Kooperation zwischen Disney und Netflix? Wie seht ihr die Zukunft der Streaming-Dienste?

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"Was die Oberflächen zeigen ist nur ein Teil der Wahrheit. Darunter steckt das, was mich am Leben interessiert: die Dunkelheit, das Ungewisse, das Erschreckende, die Krankheiten." (David Lynch)
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