Insatiable: Backlash gegen Netflix-Serie grenzt an Zensur, sagt Schöpferin

Insatiable
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Lauren Gussis, Schöpferin der neuen Netflix-Serie Insatiable, sieht in der harschen Kritik, die ihre Serie erfahren hat, Gefahren von Zensur. Bereits nach dem ersten Trailer wurde eine Petition gegen die Veröffentlichung von Insatiable ins Leben gerufen. Als Netflix die 1. Staffel bereit stellte, liefen die Dinge nicht viel besser, Kritiker übertrumpften sich gegenseitig im Schreiben von Verrissen. In einem Interview mit dem Hollywood Reporter möchte Lauren Gussis nun ein paar Dinge klarstellen.

Insatiable zeigt die Dinge so, wie sie sind

Einer der vielen Kritikpunkte an der Serie richtete sich gegen den Umgang mit der Thematik: Die Serie möchte nach außen hin ein Statement gegen Fatshaming sein, bediene aber im Kern der eigenen Dynamiken genau derselben Strukturen. An einer Stelle des Interviews merkt die Journalistin des Hollywood Reporters an, dass Insatiable beispielsweise sehr frei mit Fatshaming-Sprache hantiere. Darauf Lauren Gussis:

Das ist die Realität, es passiert immer noch. [...] Meiner Erfahrung nach gibt es immer noch Menschen in der Welt, die denken, [Fatshaming] sei okay. Diese Leute, die tatsächlich in der Welt existieren, zu porträtieren, ist echt. Ich denke wirklich, dass wir von Zensur bedroht sind, falls wir uns dazu entscheiden, dass alle ihre Geschichten auf eine bestimmte Weise erzählen müssen, nur damit alle anderen sich sicher fühlen.

Insatiable will sich keine Message vorschreiben lassen

Später im Interview kommt Lauren Gussis nochmals darauf zu sprechen, dass sie die Gesellschaft von Zensur bedroht sieht. Zuerst erzählt sie davon, dass Schönheit im Innern anfange. Für Gussis ist die Reise ihrer Protagonistin eine Reise, während der sie feststellt, dass sie fürs Schönsein bei sich im Innern anfangen müsse. Darauf erwidert die Interviewerin: "Aber hilft das wirklich, wenn die Leute um sie herum sie grausam behandeln, weil sie fett ist? Sollte die Message nicht sein, dass Menschen andere Menschen nicht grausam behandeln sollen?" Eine Frage, die Gussis wieder auf die Zensur zu sprechen kommen lässt:

Ich denke, dass 'sollte' in der Kunst ein sehr, sehr gefährliches Wort ist. Ich denke, dass, wenn wir versuchen, den Leuten zu sagen, wie sie ihre Geschichten zu erzählen haben, wenn wir sie zum Schweigen bringen wollen, dann machen wir das Gegenteil davon, was Kunst tun muss, und zwar eine Konversation in Gang setzen, und ich denke, dass wir, als Gesellschaft, sehr nahe an die Gefahren der Zensur kommen. Und ich finde, wenn wir den Leuten, insbesondere den Künstlern, sagen, dass man eine Geschichte nur auf eine bestimmte Weise erzählen kann und dass es nur erlaubt ist, eine Geschichte auf solch eine Weise zu erzählen, mit der ich mich wohlfühle, dann haben wir keine Möglichkeit zu wachsen.

Weiter fasst Gussis ihren Standpunkt zur Insatiable-Debatte zusammen:

Künstler haben das Recht und die Verpflichtung, ihre eigenen Wahrheiten zu erzählen und sich nicht sagen zu lassen, es auf eine bestimmte Weise zu tun.

Die 1. Staffel von Insatiable ist auf Netflix zu sehen.

Könnt ihr Lauren Gussis zustimmen? Bringt uns die Form der Kritik näher an die Zensur?

moviepilot Team
Pfizze Sven Pfizenmaier
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