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Leben mit Chester Bennington

24.07.2017 - 23:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Minutes to Midnight
© Warner Bros Records Inc.
Minutes to Midnight
One More Light

Es war einmal, vor langer Zeit…

Das Folgende wird nicht mehr sein, als eine persönliche Huldigung an einen Sänger, der zumindest in meinem Leben einiges verändern konnte. Vielleicht könnt ihr euch selbst darin sehen...

In der Ich mein erstes Linkin Park Album in der Hand hielt. Ich war noch sehr jung, verschlang Hybrid Theory, besonders aber den Song Papercut und den vermutlich allergrößten Hit in der Geschichte der Band und Chester Bennington: In the End.

Hybrid Theory

In Papercut heißt es:

Why does it feel like night today?
Something in here's not right today
Why am I so uptight today?
Paranoia's all I got left

Schon hier war zu der sehr schwungvollen und aggressiven Musik auch der Text bereits sehr vielversprechend, tiefgründig und verlieh der Zeit früher einen rebellischen Touch, den die Jugend sehr liebte. Ich auch, so machte ich mich mir Papercuts früher häufig an schrie mit:

It's like I'm paranoid lookin' over my back
It's like a whirlwind inside of my head
It's like I can't stop what I'm hearing within
It's like the face inside is right beneath my skin

Es waren damals noch keine Worte, die ich deuten wollte, sondern die Rebellion, die jeder Jugendliche mal in sich spürt. In eine andere Welt eintauchen, die Augen schließen und Schreien, so laut, so lange und so weit, wie man möchte. Freiheit. Ich schrie sie in den jungen Jahren heraus, ohne mir Gedanken zu machen, worum es wohl gehen mag… Damals ging es oftmals nur darum meinen Eltern oder sonstwem mit meiner krassen Anlage den Stinkefinger zu zeigen. Der Nachbar freute sich zwischendurch und bat mich doch noch ein wenig lauter zu machen. Es war das Größte aller Gefühle, wenn ich mir den Text auf meinen Bildschirm öffnete, die Anlage an machte und so laut aufdrehte, dass ich kaum mein eigenes Wort verstand. Dazu war der Stil des Albums, die Klänge, die Brutalität, die Melodramatik, die darin verborgen war, auch ganz ohne textliches Verständnis zu vernehmen. Die Gitarren-Klänge, das Schlagzeug und der markante Gesang von Chester und Mike Shinoda war in vielerlei Hinsicht ein Geschenk, für das ich früher und heute unendlich dankbar bin. Ohne sie hätte ich das Gefühl gehabt, meinen Hass, meine Wut und meine Trauer nicht richtig kanalysieren zu können. Musik ist Kunst.

Mit In the End haben Linkin Park ihre Texte dann schon mehr und mehr verfeinert, auch wenn Chester in dem lied nicht der einzige Sänger/Rapper ist. Es war nicht einfach nur purer Hass, sondern das hinterfragen der normalen Dinge unseres Lebens. So hinterfragte er in In The End auch die Zeit, hob hervor, wie wichtig sie ist und wie schnell sie gleichzeitig auch wieder um ist. Manchmal geht sie so schnell um, wie ein Blitz, der auf die Erde einschlägt. Und dabei können Krater entstehen, die Spuren hinterlassen. Es war immer etwas in den Texten… Man musste sich nur, wie bei einem guten Film, die Zeit nehmen, hinzuschauen, zu verstehen. Dazu musste man nur in der richtigen Verfassung sein, hinsehen und hinhören, denn was uns die Texte sagen wollten, kann uns vor Fehlern bewahren. Es sind wichtige Zeilen dabei, die aus dem Leben selbst stammen, wie die Band selbst auch immer schon verlauten ließ...

All I know
Time is a valuable thing
Watch it fly by as the pendulum swings
Watch it count down to the end of the day
The clock ticks life away

It's so unreal
Didn't look out below
Watch the time go right out the window
Trying to hold on, but didn't even know
Or wasted it all just to watch you go

Gespalten

Da ich nicht bei jedem Song Halt machen kann, reduziere ich mich etwas und gehe nicht auf alle Alben, sondern diejenigen ein, die mich früher schon am meisten fasziniert haben.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Musik etwas weicher, wenn auch immer ein sehr roher und rauer Ton auf jeder einzelnen Platte eingearbeitet und graviert war. Der Weg war geebnet. In dem 2003 erschienen Album Meteora beispielsweise war der raue Metal Klang noch präsent, er war hart, die E-Gitarren Klänge brannten sich in das Hirn und die Ohren, es wechselten aber auch vermehrt weiche und sanfte Klänge mit dem hartem Sound. So befand sich in Somewhere I Belong vom selbigen Album zwar harter, rhythmischer und typisch-verzerrter E-Gitarren-Sound, den Linkin Park auch zum Markensymbol gemacht hatte, aber eben auch die weiche Stimme, die Chester erklingen lässt. Und sie gehört auch für die Zukunft zu den markantesten und außergewöhnlichsten aller Zeiten. Der Wechsel zwischen harter und weicher Stimme blieb mir bei keinem Sänger so sehr in Erinnerung, wie bei Chester Bennington. Für mich ist er schon vor Jahren eine Legende gewesen und wird es jetzt auch auf immer bleiben. In Somewhere I Belong war für meinen Geschmack sogar eine traurige und dramatische Melodie verborgen. Der verzerrte E-Gitarren-Sound...er war hart, bissig, rebellisch, aber genauso war er auch traurig und mitreißend. Kaum in Worte zu fassen, aber so ging und geht es mir mit vielen der Songs von Linkin Park.

I wanna heal, I wanna feel, what I thought was never real
I wanna let go of the pain I've felt so long
I wanna heal, I wanna feel, like I'm close to something real
I wanna find something I've wanted all along
Somewhere I belong

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