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Gewinner der Aktion Lieblingsmonster

Frankie, ich liebe dich

19.10.2016 - 09:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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© Universal/moviepilot

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Aktion Lieblingsmonster und gewann den 1. Platz.

Die Idee von einem Leben nach dem Tod hatte schon immer irgendwie etwas faszinierendes auf mich. Es ging mir dabei weniger um das in den Religionen der Welt hochbesungene Himmelreich, ich bin nicht besonders religiös. Natürlich gefällt mir auch diese Vorstellung. Nein, was ich meine, ist die Idee, einem toten Körper wieder Leben zu schenken. Eine Eigenschaft, die ich mit Doctor Victor Frankenstein teile. Nun ist meine Faszination allerdings nie zu einem halbwegs ordentlichen Ergebnis gekommen. Weder habe ich eine gute Geschichte geschrieben, einen guten Film gedreht oder ein tolles Musikalbum produziert. Und ich bin weit entfernt davon, diese Idee auch nur Ansatzweise in die Wirklichkeit umzusetzen. Klar, ich kann dank meines Erste-Hilfe-Scheins und meines Semivollständigen Wissens aus den Sanitätertum jemanden reanimieren (mit meinen Händen und gegebenenfalls einem AED), aber viel näher dran komme ich nicht an die Verwirklichung meines Traums. Anders Doctor Frankenstein. Ihm gelingt es, einem beziehungsweise mehrere lange toten Körpern neues Leben einzuhauchen. Großartig, wa'? Und aus dieser Obsession entsteht dann auch ein Monster, von den großen Denkern und Kreativen als „Frankensteins Monster“ tituliert. Nun, wie geht es Frankie denn so mit seinem neuen Leben? Well, Frankie does not like it. In fact, findet Frankie sein neues Leben sogar ziemlich blöd. Aber Frankie! Warum nur? Warum? Kleiner Scherz, wir alle wissen doch, warum Frankeeeeey sein neues Leben nicht gefällt. Ihn liebt doch keiner! Ich mein, die Hackfresse sieht man sich auch nicht besonders gern freiwillig an. Aber, HALT STOP! Bevor du jetzt depressiv wirst (oder noch depressiver wirst, als du es ohnehin schon bist) und ein zweites mal stirbst (diesmal durch deine eigene Hand), halte ein, Frankie! Höre mich an! Ich, Frankie, ich liebe dich. Aus ganzem Herzen. Warum fragst du dich? Nun ja, Frankie, das habe ich mich auch lange gefragt. Tatsächlich aber ist die Antwort ganz einfach: Weil du bist, wer du bist! Du benutzt kein Make-Up, um zu verschleieren, dass du kein „richtiger“ Mensch bist, sondern eher ein wandelnder Hackbraten. Du versuchst nicht, deinen Mikrobenhaften Intellekt durch Oscar Wilde-Zitate erhabener wirken zu lassen. Du lernst keine Fremdsprachen, die du sowieso können wirst, um Mädels zu beeindrucken. Du bist einfach ganz natürlich Frankie. Und du bist traurig. So traurig. Das finde ich richtig sexy. Einmal so richtig heulen dürfen? Mit Frankie geht das klar. Da können wir dann zusammen schluchzend durch Schloss Frankenstein streifen und beklagen, warum uns keiner liebt und darüber reflektieren, wieso Victor der Idiot uns überhaupt ins Leben gerufen hat. Es sind die Fragen, die du stellst, Frankie, die ich so fantastisch an dir finde. Beziehungsweise nicht die Fragen die du stellst, weil du redest meistens ja nicht. Also eher die Fragen, die ich mir stelle, wenn ich wieder einmal deine Hackfresse ertragen muss. Zum Beispiel, wie es sich so anfühlt, ganz alleine zu leben. Ohne Liebe. Ohne Sinn. Ohne Verstand. Lass dich drücken, Frankie. Armer, alter Frankie. Oder auch die Frage, ob eine Wiederauferstehung erstrebenswert ist. Wie fühlt man sich denn so, wenn man weiß, dass man eigentlich nur 'ne Leiche ist, der irgendso ein Verrückter mit Gotteskomplex irgendwie ein völlig lebensunwertes Leben eingehaucht ist, dessen einziger Zweck es ist, jemand sehr gestörten zu befriedigen und dessen einziger Inhalt elendiges, unendliches Leid ist? Nicht weinen, Frankie. Ich kann mir vorstellen, wie sich das anfühlt. Wisst ihr, Freunde, Frankie ist so richtig traurig. Und dann lässt er auch alles raus. Ist Frankie denn dann ein Monster, oder ist das nicht eher sein Erschaffer? Du musst jetzt ganz stark sein, Frankeeeeey. Ich glaube, dass sie beide ein Monster sind. Frankeeeeey, der kann nämlich in seiner Trauer ganz schön die Kontrolle verlieren. Und das junge Fräulein Frankenstein (Gott gehabe sie wohl) steht danach vielleicht auch nicht mehr auf. Der Doc auf der anderen Seite, der hat Frankie ja eigentlich erst erschaffen. Er hat einen gequälten Geist zurück ins Leben gezerrt und ihm danach nur noch mehr Leid bereitet. Welch Monster! Aber ich liebe Frankeeeeey. Ich liebe das Biest in ihm, aber vor allem auch seine Schwermut. Seine Ambivalenz, und die existentiellen Fragen, die seine Existenz aufwirft. Deshalb liebe ich auch ein bisschen den Doc. Eigentlich sind sie ja auch beide Verbunden, wie Vater und Sohn. Eine Familie trennt man nicht. Insofern ist mein Lieblingsmonster Frankenstein, egal welcher.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Sponsoren der Aktion Lieblingsmonster:

Aktion Lieblingsmonster


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