Rettet Batman:
Das DC-Universum
am Scheideweg

Update:
Wir haben dieses moviepilot-Special zum Kinostart von Suicide Squad erstellt. Für das DC-Universum ist viel Zeit vergangen; es sind zahlreiche Projekte entwickelt, verworfen und wieder auferstanden, aber viele Argumente in dem Text sind immer noch aktuell.
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Wie geht es weiter mit den DC-Superhelden im Kino? Vor dem Start von Suicide Squad blicken wir auf die kommenden Filme des DC Extended Universe: von Wonder Woman über Justice League bis The Batman. Denn während DC-Helden im Fernsehen durch immer mehr Serien flitzen, polarisieren Kinofilme wie Man of Steel und Batman v Superman die Zuschauer. Lest im neuen Special alles über die kommenden DC-Blockbuster und ihre großen Herausforderungen. Wie können sie sich im populären Superhelden-Genre behaupten?

Wer Nippel findet, darf sie behalten.

Rettet Batman: Das DC-Universum am Scheideweg

Im Umbruch: Die Zukunft der DC-Filme

"If I'm going to have a past, I prefer it to be multiple choice!"
- Alan Moore, The Killing Joke

Fühlt es sich so an, wenn Filmgeschichte geschrieben wird? Hollywood durchläuft eine Phase dramatischer Veränderung. Kinos und Streaming ringen um die Filmauswertung. China eröffnet ganz neue Produktions- und Casting-Optionen und das Fernsehen schwankt mit seinem Serienboom zwischen Blüte und Blase. Auf der Leinwand werden die Turbulenzen der Industrie mit beruhigender Gleichförmigkeit kompensiert. Das filmische Valium für die Panikattacke bilden Reboots und das monolithische Superheldengenre.

Seit 16 Jahren können Studios und Zuschauer den Blick nicht abwenden von kostümierten Weltenrettern, und wer mag es ihnen übelnehmen? Symptome einer Latex-Allergie finden sich nicht, die Einsätze der Comic-Helden wurden bis ins nächste Jahrzehnt vordatiert. Sie erhalten einen Vertrauensvorschuss, wie er sonst nur dem Krieg der Sterne zukommt. Bei manchen Studios scheint die Formel erprobt, Experimente unnötig oder unerwünscht. Anders sieht es bei Warner Bros. und DC aus. Das Superhelden-Franchise des Comic-Hauses wurde mit Man of Steel im Kino neu lanciert und wartet nach Batman v Superman: Dawn of Justice auf die volle Entfaltung seines Potenzials. Kurz vor dem deutschen Kinostart von Suicide Squad verfolgt dieses moviepilot-Special die Erschaffung eines Universums, das sich seinen Ruhetag noch nicht verdient hat.

Drei Jahre ist das DC Extended Universe (DCEU) alt. Um seinen aktuellen Stand nachvollziehen zu können, werden wir die ambitionierten Pläne für die Justice League vor dem Hintergrund bisheriger DC-Helden im Kino betrachten. Warum führte ausgerechnet ein Film, der fast 900 Millionen Dollar eingespielt hat, zu personellen Umstellungen an der Spitze des DCEU? Und welche Folgen hatte das Abschneiden von Batman v Superman für die Ausrichtung von Suicide Squad und Justice League? Von gesonderter Bedeutung sind dabei die Gründe für das Image des DCEU als hyperseriöses Spaßvakuum.

Die personellen und kreativen Tumulte sind allerdings auch eine Chance für die Weiterentwicklung des Genres. Im Fernsehen haben sich die DC-Helden erfolgreich etabliert. Das Zuschauerinteresse für Batman, The Flash oder den Joker scheint ungebrochen, nun muss es im Kino übers erste Startwochenende hinaus gebunden werden. Beim neuen DC Films-Chef Geoff Johns liegt es, die Comic-Ikonen für die Zukunft in einer sich wandelnden Industrie und einer übermächtig wirkenden Konkurrenz zu wappnen. Doch wie bei vielen Superhelden liegt die echte Herausforderung nicht beim Gegner, sondern im Vertrauen in die eigenen Kräfte und Ziele.

Vielleicht sollte die Finsternis das Markenzeichen von DC bleiben. Oder das Comic-Haus findet seine Nische durch die individuellen Handschriften einzelner Regisseure und Autoren. In jedem Fall haben Warner und DC die Reise noch nicht beendet. Das Superheldengenre tuckert seit Jahren selbstgewiss durch die gleichen Galaxien. Dabei gibt es im Universum noch so viel zu entdecken.

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DC Extended Universe: Endlich wieder lachen dürfen

"I hear you can talk to fish?" - Justice League

Humor. Wenn wir ein Wort vom diesjährigen Comic-Con-Panel für die Filme des DC Extended Universe mitnehmen sollen, dann: Humor. Im Trailer für Wonder Woman können wir mit Steve Trevor (Chris Pine) über die originelle Weltsicht von Diana Prince (Gal Gadot) schmunzeln. Das Justice League-Material nutzt den Flash (Ezra Miller) als Comic Relief, und Ben Afflecks Bruce Wayne verweist indirekt sogar auf Aquamans (Jason Momoa) Stellung als maritimer Pointengarant. Selbst wenn die Suicide Squad-Nachdrehs nicht den Witze-Anteil erhöhen sollten, haben Warner Bros. und DC Films im Juli in San Diego den Funken Wahrheit in der Story quasi nachgeliefert. So begegnet das Studio offenbar Vorwürfen, Man of Steel und Batman v Superman hätten den Helden den Spaß verboten. Humor hat sich bei Filmen wie Guardians of the Galaxy und Deadpool bezahlt gemacht. Die Botschaft der Comic-Con-Präsentation war eindeutig: DC will lustig sein, DC will selbstreferenziell sein und das nicht nur im Trailer für Suicide Squad.

Um diesen Schritt nachzuvollziehen, müssen wir uns einen Fakt vor Augen halten: Wir leben in einer Welt, in der ein Film, der weltweit 872,7 Millionen Dollar eingespielt hat, nicht als voller Erfolg gilt. Mancher mag sich Superkräfte wünschen, um diese Aussage zu verarbeiten. Doch verschiedene Faktoren bestimmen über dieses finanzielle Fazit zu Batman v Superman: Dawn of Justice: das Budget von mindestens 250 Millionen, Marketing-Ausgaben (laut THR 150 Millionen), Kino-Abgaben, geringere Gewinnbeteiligungen im Ausland und mehr. 800 Millionen, so Variety, musste Batman v Superman erreichen, um mit den Kino-Erlösen überhaupt in die Gewinnzone zu kommen.

Obwohl Studios aufs Startwochenende fixiert sind, dürfen wir trotz Rekorden nicht unterschätzen, wie ein Film am zweiten oder dritten Wochenende abschneidet. Das hängt auch von der Mundpropaganda ab. Die US-Zuschauer gaben Batman v Superman in Umfragen am Starttag den Cinemascore B, also eine theoretisch gute Note 2 in der Einschätzung. Nur gilt ein B in der Industrie als besorgniserregend. A oder A- sind gewünscht, um zu erahnen, ob die Mundpropaganda einen Film zu einem akzeptablen zweiten Wochenende verhilft. Batman v Superman indes erhielt denselben Cinemascore wie Catwoman, Green Lantern und Elektra. Sogar der allseits vergessene Der unglaubliche Hulk erhielt ein A-. Was wenig über die Qualität von Batman v Superman aussagt und viel über sein langfristiges Abschneiden. Am zweiten Wochenende in den USA knickte das Treffen der Ikonen um 69 Prozent ein und am Ende seines Laufs verbuchte der Film in seinem Heimatland nur rund 40 Millionen Dollar mehr als Man of Steel. Trotz des Auftrittes von Milliarden-Dollar-Kinoheld Batman. Was der Chefetage von Warner zudem Schweiß auf die Stirn treiben sollte: In der Volksrepublik China, dem nach Ticketverkäufen zweitgrößten Filmmarkt der Welt, brach Zack Snyders Film in der zweiten Woche ebenfalls ein.

Batman v Superman: Dawn of Justice ist kein Flop. Die Millionen-Investition unterliegt allerdings anderen Maßstäben als übliche Blockbuster. Über die Quartalsbilanz und Heimvideo-Absätze hinaus bildet das Superheldenabenteuer das Fundament von zehn Filmen, die bis 2020 ins Kino kommen sollen. Diese DCEU-Tentpoles müssen Warners Filmproduktion mittragen. Jedes Studio will oder hat diese finanziellen Zeltstangen in Franchise-Form. Sie gleichen die Verluste kleinerer Filme aus und ihre Jahre im Voraus geplanten Starts suggerieren Anlegern eine stabile Entwicklung. Deswegen wurden die Star Wars-Filme bis 2020 datiert und werkelt Universal an einem Monster-Universum.

Das DCEU übernimmt diese Funktion bei Warner, so wie es früher die Herr der Ringe-, die Harry Potter-, die Dark Knight- und die Hobbit-Reihe taten und bald die Fantastic Beasts-Reihe tun soll. Das ist der ewige Kreis im Reboot-Zeitalter. Konkurrent Sony befindet sich mit der Marvel-Kooperation Spider-Man: Homecoming bereits im dritten Zyklus der Erneuerung, 20th Century Fox mit den X-Men im zweiten, Paramount mit Star Trek im dritten usw. Es lässt sich freilich darüber spekulieren, wie lange das Box Office-Karma die Wiedergeburten antreiben kann und der Sommer 2016 gibt wenig Anlass zu Optimismus. Doch das schien das brillante am DC-Kino-Universum: Batman und Superman treten als Vorhut von Wonder Woman, Flash, Aquaman und Cyborg an, die wiederum das Franchise- und Reboot-Potenzial für Jahre vervielfachen. Ein Einbruch von rund oder mehr als 70 Prozent in den zwei größten Filmmärkten der Welt lässt uns dieses Potenzial in Frage stellen. Wie viele jener Zuschauer, die keine Trailer analysieren und am Starttag nicht in der Schlange stehen, erreicht ein Film? Und wie viele davon halten dank der Mundpropaganda auch danach Abstand?

Vorbild von Warner und DC ist das Marvel Cinematic Universe (MCU), das sich seit Iron Man 2008 ausbreitet. Nur gibt es fundamentale Unterschiede zwischen den Situationen von Warner Bros. und Marvel Studios. Die Folgen der Bankrotterklärung 1996 im Rücken, krempelte Marvel mit Hilfe einer 525-Millionen-Finanzspritze sein Geschäftsmodell im Filmbereich um. Der große "Plan", aus dem heraus sich das MCU entfaltete, entstand aus einer Flucht nach vorn. Warner Bros hingegen hatte mit The Dark Knight und später The Dark Knight Rises Milliarden eingespielt. Wiederholung und Steigerung der Ergebnisse bildeten die logischen nächsten Schritte. Superman war der Held mit dem nötigen Wiedererkennungswert, um die Reise in Man of Steel anzutreten. Hinzu kam Green Lantern, dessen Misserfolg kaum Anlass gab, geduldig ein Filmuniversum mit Aquaman oder dem Martian Manhunter aufzubauen.

Der damalige Chef von Warners Filmabteilung, Jeff Robinov, prophezeite für Man of Steel noch im Juni 2013 das höchste Einspielergebnis der Studiogeschichte. Mehr als 1,3 Milliarden Dollar hätte Zack Snyders Film einspielen müssen, um in die Stratosphären der CEO-Träume vorzudringen. Es blieb bei der Hälfte und aus Man of Steel 2 wurde Batman v Superman: Dawn of Justice.

Bei der Analyse der Gründe für das Abschneiden von Batman v Superman schleichen sich womöglich das Einspielergebnis von Deadpool, negative Kritiken oder die enthusiastische Rezeption der Suicide Squad-Trailer ins Blickfeld. Humor allein wird die Diskrepanz zwischen Box Office-Traum und -Wirklichkeit nicht überwinden. Nach dem Start von Batman v Superman wurde die Führungsetage des DCEU umorganisiert. Vorher galten die Produzenten Zack Snyder, Deborah Snyder, Charles Roven und DC-Vertreter Geoff Johns als “Brain Trust” der Filmreihe. Seit Mai 2016 besitzt Warner mit DC Films erstmals eine dem Comic-Verlag nahestehende Filmabteilung. Geoff Johns, Präsident von DC Entertainment, und Warners Jon Berg leiten DC Films und die Geschicke des DCEU. Roven und die Snyders beschäftigen sich nur noch mit der Produktion einzelner Filme. Warner hat also Strukturen implementiert, die denen von Marvel Studios ähneln, wo Kevin Feige die kreative Kontrolle über das MCU besitzt. Gleichzeitig betrachtet Warner das DCEU als "filmmaker-driven". Es sei ein von der Vision der Regisseure - nicht Produzenten - gesteuertes Universum. All das geschah, während die Produktion von Justice League anlief. DCs Äquivalent zu den Avengers versammelt Batman, Wonder Woman und Co. zum ersten Team-Film. Mit der geballten Heldenpopularität bildet die Liga der Gerechten das Kronjuwel des DCEU. Enttäuschung ist keine Option.

Bei Setvisits in London musste Produzentin Deborah Snyder erklären, dass sie mit ihrem Ehemann Zack erstmal nur einen Justice League-Film drehen wird, keinen Zweiteiler. Regie auf Bewährung oder weil der enge Zeitplan keinen Wechsel zuließ? Manche führten den Ton des Justice League-Trailers bereits auf Geoff Johns zurück, der in Interviews "Hoffnung und Optimismus" der DC-Comics betonte. Der neue Leiter von DC Films hat unter anderem an den Fernsehserien Arrow und The Flash mitgearbeitet. Das dürfte ihn für den Posten empfohlen haben. Er ist ein echter Comic-Liebhaber, der einen mit seiner Begeisterung anstecken kann. Wie viel Einfluss er bei der Gestaltung des DCEU konkret besitzt, ist derweil unklar. Beim Comic-Con-Panel stand Zack Snyder auf der Bühne, während das Justice League-Material für Amüsement sorgte. Von Johns keine Spur.

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Flash & Arrow: Die Erfolgsstory der neuen DC-Serien

"It's time to think big." - The Flash

Für Fans der Serien Arrow und The Flash gibt es vielleicht kein wichtigeres Datum als den 17. Juni 2011. Denn lassen wir einmal die Fantasie spielen: Befördert von herausragenden Kritiken startet an diesem Tag Green Lantern in den USA in ein Rekordwochenende. Bereits sieben Tage später gibt Warner Bros. seinen Segen für die Kinofilme Green Lantern 2 und The Flash. Marc Guggenheim, Michael Green und Greg Berlanti arbeiten an den Drehbüchern, Berlanti steigt für The Flash zum Regisseur auf. Damit legt Warner nach Batman Begins den Grundstein für zwei weitere DC-Franchises. Berlanti hat keinen Grund, Arrow ins Fernsehen zu bringen, und Grant Gustin zieht niemals das Kostüm des Roten Blitzes über.

Insofern sollten sich Fans der aktuellen DC-Serien glücklich schätzen, dass sich Green Lantern ab diesem 17. Juni als Flop herausstellte. Am Ende spielte der 200 Millionen Dollar teure Film insgesamt nur 220 Millionen ein. Keine Flause: die Pläne für Green Lantern 2 und The Flash. Beide Filme wurden nach dem Green Lantern-Start auf Eis gelegt. Marc Guggenheim, Michael Green und Greg Berlanti zog es danach ins Fernsehen und heute können sie ein erfolgreich expandierendes Superhelden-Universum ihr Eigen nennen, von dem die Kinohelden lernen können: das Arrowverse. Derzeit laufen mit Arrow, The Flash und Legends of Tomorrow drei DC-Serien beim Sender The CW. Die Animationsserie Vixen ergänzt das Geschehen online und im Herbst reiht sich die zweite Staffel von Supergirl ins CW-Programm ein. Zusammen bilden sie das Arrowverse. Davon unabhängig läuft bei FOX das Batman-Prequel Gotham, weitere Serien sind in Planung. Der neue DC Films-Chef Geoff Johns war an der Entwicklung von The Flash, dem Quotenrenner des Arrowverse, beteiligt und könnte dessen Lehren ins Kino tragen.

Einen Monat vor dem Kinostart von Green Lantern feierte die Superman-Serie Smallville bei The CW ihr Finale. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Mini-Network vor allem von jungen, weiblichen Zuschauern geschaut. Unter dem neuen Sender-Präsidenten sollte die Zuschauerschaft erweitert werden. Der düstere DC-Superheld Green Arrow kam da gelegen. Marc Guggenheim, Michael Green und Greg Berlanti hatten die Serie entwickelt, und im Oktober 2012 machte sich der reiche Playboy Oliver Queen (Stephen Amell) erstmals mit Pfeil, Bogen und Kapuze auf Verbrecherjagd in Starling City. In den Folgejahren sollten Flash/Barry Allen (Grant Gustin) in Central City sowie die zeitreisenden Legends of Tomorrow dazustoßen.

Anstatt durch Cameos oder Abspannsequenzen werden neue Helden im Arrowverse in einer erfolgreich laufenden Serie eingeführt, bevor sie die nächste starten. Das gehört zu den Vorteilen langer Serienerzählungen. Dabei macht sich aber auch die Vision eines zusammenhängenden Universums bemerkbar. Mit dem grüblerischen Arrow hat Flash wenig gemein. Trotzdem können die Helden einander glaubhaft in Crossover-Events über den Weg laufen. Ein Universum bedeutet bei den CW-Serien nicht automatisch Gleichförmigkeit. Vielmehr liegt ihr Reiz in der Suggestion seiner Größe und einer Unmenge an Abenteuern. In jeder Folge kann ein neuer Held oder Schurke auftauchen, dem wir bald in seine Heimatstadt nachjagen. Die Welt der DC-Serien erscheint so groß, weil selbst ihre Helden in ihnen klein wirken. Sie sind nur ein Teil des Ganzen. Demgegenüber formen Filme wie Batman v Superman ihre Welt aus betont ikonischen Heldengestalten. Alles andere dient als Füllmaterial.

DC-Doppelgänger: Wer spielt wen in Film und Serie?

Supergirl startete beim Sender CBS, wurde aber von Greg Berlanti mit kreiert und von Warner Bros. Television produziert. Die Serie spielt in einem Universum, in dem Grant Gustins Flash nicht existiert. Das in Comics beliebte Konzept des Multiversums, also parallel existierender Erden, ermöglichte trotzdem den Crossover. In der Supergirl-Folge Worlds Finest landet Gustins Roter Blitz aus Versehen in der Parallelwelt von Kara Danvers (Melissa Benoist), in der ihn niemand kennt (immerhin gibt es Mariah Carey). Der fluffige Flash fügt sich problemlos in die zuckrige Supergirl-Welt ein. Gustin und Benoist ergänzen einander, als hätten sie nie anderes gespielt, die selbstreferenziellen Dialoge passen zu beiden Heldenwelten. Die Quoten von Supergirl stärkte dies langfristig nicht. Dank der Firmennähe der beiden Sender kann das Girl of Steel dafür ab Herbst bei The CW weiterfliegen.

Zwischen den Autoren von Arrow, Flash, Supergirl und Legends of Tomorrow bildet der erfahrene Showrunner Greg Berlanti (Brothers & Sisters) das wiederkehrende personelle Element. Berlanti ist an allen Serien des Arrowverse beteiligt und in Episoden wie Worlds Finest zeigt die kreative Konstante ihre Vorzüge. Bei einem derart großen Serienoutput machen sich Nachteile bemerkbar. Die jüngsten Staffeln des Arrowverse lassen teils auf ausgedünnte Ideen oder schlicht kreative Überlastung schließen. Mastermind Berlanti träumt nach der Green Lantern-Erfahrung trotzdem weiter vom Kino. Er wird mit einem Booster Gold-Film in Verbindung gebracht. Andererseits machten erst im Juli Gerüchte über neue Serien für Batwoman/Oracle und Dämonenjäger Constantine die Runde. Warum in ein anderes Universum reisen, wenn einem ein Multiversum gehört?

Die Handlungen der Film- und Serien-Universen von DC/Warner Bros. entwickeln sich getrennt voneinander. Dennoch wurden Amanda Waller und Deadshot aus Arrow herausgeschrieben, während Viola Davis und Will Smith für die Figuren in Suicide Squad gecastet wurden. Mehrere Seriendarsteller haben bereits ihr Unverständnis darüber geäußert, und bei der Comic-Con standen Kino- und Serien-Flash in getrennten Panels Rede und Antwort. Wir müssen keine Teilchenbeschleuniger-Explosion durchleben, um uns Gründe für die parallelen Serien- und Film-Universen vorzustellen. Angesichts der vergleichsweise kurzen Produktionszeit der ersten vier DCEU-Filme war eine Einbindung der TV-Serien wohl schlicht nicht möglich. So wird außerdem die Organisation von DC Films und Warner Bros. Television nicht verkompliziert und die kreative Vielfalt obendrein gefördert.

Werden TV-Figuren fürs Kino gekillt, erscheint die Trennung inkonsequent. Serien bleiben den Filmen untergeordnet. Dabei stellt ein autonomes Serien-Universum Lehren bereit, wie Figuren von Comic-Seiten auf die Leinwand transportiert werden können. Smallville-, Arrow- und Flash-Autor Geoff Johns könnte mit dem Ziel zur Arbeit schreiten, den Ton der Kinofilme aufzuhellen, sodass er dem Quotenerfolg Flash gleicht. Viel wichtiger für das DCEU sollte aber die Entwicklung einer Vision sein, die das Kino-Potenzial der Helden ausschöpft. In Comics werden limitierte Serien wie The Long Halloween oder Kingdom Come parallel zu den laufenden Reihen erzählt. Ein vergleichbares erzählerisches und ästhetisches Spektrum können wir DC in Kino und Fernsehen eigentlich nur wünschen.

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Batman im Kino: Warum sind DC-Filme so ernst?

“Sometimes it’s only madness that makes us what we are.” - Grant Morrison, Batman: Arkham Asylum

Ein Gespenst geht um unter DC-Fans - das Gespenst eines Latex-Nippels. Können oder wollen wir Joel Schumacher die Schuld zuschieben dafür, wie DC-Filme im Jahr 2016 wahrgenommen werden, nämlich als wichtigtuerische Trauerparade, die den Sense of Wonder des Superhelden-Genres mit der Feierlichkeit eines Leichenzugs auf die Leinwand trägt? Den Filmen von Zack Snyder tun wir mit dieser Verkürzung Unrecht, genau wie sich Schumachers Batman Forever und insbesondere Batman & Robin nicht als Design-Geschmacklosigkeiten beiseiteschieben lassen. Wenn allerdings die Stimmung eines Films schon zwei Jahre vor dessen Kinostart akkurat memefiziert werden kann, scheint eine Bestandsaufnahme der eigenen Vision angebracht.

Im Sommer 2013 stand Zack Snyder auf der Bühne von Halle H des San Diego Convention Centers. Man of Steel lief gerade einen Monat im Kino. Der nominelle Auftakt des DC Extended Universe hatte sich weitgehend als Superman-Geschichte präsentiert. Ein Wayne Enterprises-Symbol auf einem Satelliten belohnte eher aufmerksame Fans, statt Supermans Welt zu erweitern. Den langen Marketing-Zyklen von Blockbustern sei Dank, startete die Bewerbung des Sequels von Man of Steel bereits, bevor dieser sich im Kino ausgetobt hatte - oder ein Drehbuch für den Nachfolger vorlag. Bei Marvel-Filmen von Disney und Fox läuft dies über kryptische Abspannszenen, etwa mit einem bläulichen Alien auf einem Weltraum-Thron oder mit einem blassen Jüngling, der in der Wüste eine Pyramide mit der Leichtigkeit eines erfahrenen Tetris-Spielers zusammensetzt. Kenner eines Franchise werden so für den nächsten Eintrag sensibilisiert, die Konversation wird am Laufen gehalten, obwohl es nichts zu sagen gibt. Warner und Zack Snyder erzielten diesen Effekt bei der Comic-Con 2013. Schauspieler Harry Lennix zitierte auf der Bühne aus Frank Millers Comic-Klassiker The Dark Knight Returns, bevor Batman v Superman angekündigt wurde: "I want you to remember the one man who beat you." Halle H brach in stürmischem Jubel aus, als das Doppellogo der beiden DC-Recken erschien. Miller sollte zwar nicht adaptiert werden, dafür wurde die Stimmung für Batmans Rückkehr ins Kino gesetzt.

Dabei müssen wir die betont "erwachsene" Selbstdarstellung des DCEU bei den ersten beiden Filmen nicht nur als Versuch verstehen, sich gegenüber der Konkurrenz abzugrenzen. Die gerüchteweise verbreitete "No Jokes"-Politik von Warner Bros. kann als Lehre aus dem Erfolg der Dark Knight-Trilogie abgeleitet werden. Christopher Nolan "rehabilitierte" Kino-Batman als seriösen Helden. Superheldenfilme stehen wie ihre Vorlagen im Verdacht, auf die Träume von 14-Jährigen zugeschnitten zu sein. Die Dino-Skate-Aktion in Batman & Robin hat insofern den schlimmsten Albtraum all jener in Bilder gefasst, die darum kämpfen, dass ihr Lieblingsgenre als erwachsen, als seriös, als Kunst wahrgenommen wird. Kritikerreaktionen auf The Dark Knight gaben ihnen im Grunde Recht. Wie auch immer wir zu diesem engen Kunstbegriff stehen - Nolan wurde für seine Interpretation reich belohnt. Milliarden spielte die Trilogie ein und eröffnete Diskussionen um unterschlagene Oscar-Nominierungen. Seriöser geht es nicht.

Die potenzielle Lächerlichkeit des weltbesten Detektivs schwebt nun wie ein Damoklesnippel über den Batman-Filmen. Trotz größerer Misserfolge finden wir bei Marvel-Verfilmungen jedoch keinen vergleichbaren neurotischen Exorzismus des Camp durch einen "realistischen" oder bedeutungsschweren Ansatz. Denn während Stan Lee und Jack Kirby in den 60er Jahren ihre geerdeten Helden erschufen, hatten die DC-Götter bereits ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Superman, Wonder Woman und Batman wurden als Idealbilder einer Gesellschaft zwischen Großer Depression, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg erschaffen. Sie werden in der Schule nicht vermöbelt und durch Spinnenbisse zu Größerem gedrängt. 1966 fassten William Dozier und Lorenzo Semple Jr. die liebenswerte Naivität der ersten DC-Jahrzehnte in ihrer Batman-Serie sowie dem Kinofilm Batman hält die Welt in Atem in kunterbunte Bilder. Dieser Batman (Adam West) will verzweifelt eine Bombe loswerden und muss dabei Kinderwagen, Musikanten und süßen kleinen Enten ausweichen. Humor steckt in jeder Faser seines Kostüms, gerade weil Adam West ihn mit vollem Ernst spielt. Er ist das genaue Gegenteil von Frank Millers dunklem Ritter der 80er Jahre. Gemeinsam mit Alan Moores Watchmen und anderen Comics läutete dieser das Dunkle bzw. Moderne Comic-Zeitalter ein und distanzierte sich aggressiv von Wests populärer Batman-Interpretation. Elf Jahre später wurde letztere in Batman & Robin fürs Blockbuster-Zeitalter trotzdem aktualisiert. "Remember everyone, this is a cartoon", soll Joel Schumacher am Set von Batman & Robin gerufen haben.

DC-Figuren im Wandel der Zeit

Man of Steel und Batman v Superman bewegen sich in der Tradition der "erwachsenen" Comic-Verfilmungen. Nicht von ungefähr wurde der Regisseur von 300 und Watchmen für den Job engagiert. Snyder visualisiert seine Filme vielfach wie Einzel-Panels einer spezifischen Stimmung. Anders geht beispielsweise Christopher Nolan vor, der die filmischen Mittel eher in ihrer Beziehung zum Plot versteht. Entsprechend häufig greift Snyder auf Zeitlupen zurück, um die Atmosphäre in audiovisuellem Bernstein festzuhalten. Da weht das rote Cape eines Jungen zwischen Wäscheleine und Blumenwiese im Wind oder schwebt Superman gottgleich über Hilfesuchenden. Es ist nicht die richtige oder falsche Herangehensweise an DC-Helden, aber eine ästhetisch derart markante, dass sie zu Parodien einlädt. Indem Warner und Snyder nicht nur das erste Kino-Meeting von Batman und Superman ankündigten, sondern drei Jahre vor dem Kinostart die Atmosphäre ins Zentrum des Marketings rückten, bereiteten sie den Boden für allerhand Reaktionen. 2013 war es Jubel. Im Mai 2014 fand sich der neue Batman Ben Affleck als trauriges Meme neben verregneten Schaukeln, ausverkauften Eiswagen und der brennenden Hindenburg wieder. Ein Interview mit "Sadfleck" ging kurz vor Kinostart viral, befeuert sowohl durch negative Kritiken für Batman v Superman als auch die privaten Probleme des Darstellers. Schadenfreude 3.0 traf hier fatalerweise auf das streng gepflegte Image des jungen DCEU. Daran änderte auch Ben Afflecks überzeugende Leistung als Batman und Bruce Wayne wenig. Der ernste Gegenentwurf zum Marvel Cinematic Universe hatte sich noch vor dem Kinostart des zweiten Films in eine Lachnummer verwandelt. Ganz ohne Latexnippel.

Die Präsentation bei der Comic-Con 2016 entfernte sich von der wahrgenommenen Freudlosigkeit des DC Extended Universe. Wir sollen wieder lachen dürfen. Wohingegen der erste Wonder Woman-Trailer den Zuschauer effektiv in die Welt von Diana Prince einführte sowie rudimentär die Story skizzierte, diente das Justice League-Panel als Stimmungsaufheller. Selbstreferenzieller Humor kündigt sich im Videomaterial als Präventivmaßnahme gegen unfreiwillige Komik an. Dabei müssen die Autoren in Justice League, wie in jeder Verfilmung klassischer DC-Helden, die widerstrebenden Tendenzen der langen Comic-Geschichte filtern. Ein Stück Adam West steckt in Batman und ein Stück Frank Miller. Batman & Robin zeigte die Flucht ins eine Extrem, Batman v Superman die ins andere. So oder so könnte Justice League die Chance bilden, das DCEU aus dem Zwiespalt zu befreien, der so eng mit Batmans Kino- und Seriengeschichte zusammenhängt. Wie schrieb Erich Kästner noch: "Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch."

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Aus dem Schatten: Wie DC-Filme das Kino bereichern können

"It's not an 'S.' On my world it means 'hope'." - Man of Steel

Ein neuer Batman-Film kommt. Lange vor dem Start beschweren sich Fans über das Casting der Hauptfigur, über den Regisseur, über den Ton. Alldieweil trommelt das Marketing den größten Film des Jahres herbei. Ein Teaser rückt die düstere Atmosphäre in den Vordergrund. Das wird ein anderer Batman, ein Antiheld, er wird Gotham und den Superheldenfilm retten. Im Sommer der "Batmania" landete Batman zum Start mit einem Rekord in den Kino-Charts. Das Gesamtergebnis von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug konnte Batman 1989 nicht toppen, dazu fehlte dem Fledermausmann das Durchhaltevermögen, wie Forbes anmerkt. Als erfolgreichster Film der Studiogeschichte ging er in die Annalen von Warner Bros. ein und für die Werbemethoden von Sommer-Blockbustern entwickelte Batman Vorbildcharakter. Heute folgt so gut wie jede Blockbuster-Kampagne diesem Muster. Das Spielfeld ist mittlerweile derart überfüllt, die Einsätze so hoch, dass Batman v Superman: Dawn of Justice dieses Jahr vom Mai auf den März ausweichen musste. Die Sommer-Saison ist in Auflösung begriffen.

Einen Faktor des Erfolges von Batman dürfen wir nicht unterschlagen: Tim Burton. Hollywood habe genug Regisseure für "entmenschlichte Spektakel", hieß es damals in einem NY Times-Artikel. Regisseur Tim Burton müsse nun den "lebenswichtigen Funken" schlagen, der den dunklen Ritter in die Herzen der Zuschauer befördert. Mit seiner der Hässlichkeit verschriebenen Version von Gotham und dessen Gruselgestalten gelang Burton und seinem Team genau dies, trotz beträchtlicher Probleme mit Studio und Produzenten. Beim Nachfolger Batmans Rückkehr erhielt der Regisseur größere Freiheit. Den Reboot der Reihe 2005 unternahm Christopher Nolan, ebenfalls ein eigensinniger Filmemacher ohne Blockbustererfahrung. Auch er konnte den zweiten Teil The Dark Knight mit größerem Gestaltungsfreiraum umsetzen. Fälle wie diese umreißen das Image eines Studios der Regie-Visionäre: Warner Bros.

Der Mann, der lacht: Der Joker in TV und Film

Warner gab grünes Licht für Filme wie Inception, Gravity, Mad Max: Fury Road und Jupiter Ascending. Sie sind dank der kompromisslosen ästhetischen oder erzählerischen Herangehensweise ihrer Regisseure kommerzielle Wagnisse. Aufwendige Filme vom Format Gravity oder Inception, die ohne Franchise-Anbindung entstehen, sind bei anderen Studios kaum denkbar. Bei der Comic-Con im Juli wurde dieses Selbstverständnis von Warner betont, als die Regisseure der kommenden Filme des DC Extended Universe gemeinsam in einem Panel vorgestellt wurden. Statt eines zentralen Produzenten wurde zumindest in der Öffentlichkeit die Vielfalt der kreativen Köpfe hervorgehoben, von Ben Affleck (The Batman) und Zack Snyder (Justice League), über James Wan (Aquaman), Patty Jenkins (Wonder Woman) und Rick Famuyiwa (The Flash) hin zu David Ayer (Suicide Squad).

Trotz dieses talentierten Personals stimmen die Details über die Nachdrehs von Suicide Squad sorgenvoll. Sie wurden allem Anschein nach als Antwort auf Trailer-Reaktionen und das Abschneiden von Batman v Superman in Gang gesetzt. Regisseur David Ayer betont, die Drehs seien der Action zugutegekommen. Von konkurrierenden Schnittfassungen war kurz vor dem US-Start im Hollywood Reporter zu lesen, eine des Regisseurs und eine des Studios. Prinzipiell ein normaler Vorgang, doch die Studiofassung wurde mit einer Firma umgesetzt, die normalerweise Trailer schneidet. Diese "leichtere" Version setzte sich bei Test-Screenings durch und beeinflusste so die bisweilen konfuse Endfassung. Die kreative Einmischung der Studio-Oberen bei Projekten dieser Größe ist selbstverständlich. Sie kann Filme entgegen der landläufigen Meinung bereichern. Warners DC-Universum bewegt sich nach Batman v Superman jedoch durch eine entscheidende Phase des Umbruchs, in der jede Kurzschlussmaßnahme zukünftige Filme negativ beeinflussen kann. Suicide Squad startete mit 135,1 Millionen am ersten Wochenende in Nordamerika mit einem August-Rekord. Der Cinemascore B+ und ein Niedergang von 41 Prozent von Freitag auf Samstag rufen nach Batman v Superman trotzdem ein Déjà-vu-Gefühl hervor. Nun mag ein jeder von Zack Snyder halten, was er will. Batman v Superman aber litt unter seinem Ernst weniger als unter der Mehrfachbelastung als Sprungbrett von fünf Filmen.

Dem Image von Marvel Studios schaden kriselnde Produktionen wie Iron Man 2, Thor 2: The Dark Kingdom oder Ant-Man selten langfristig, weil gewiss Nachschub kommt. Dieser wird mit fließbandartiger Präzision bei gleichbleibender Schablone justiert. Klar skizzierte, auf Unterhaltsamkeit getrimmte Charaktere liefern sich Wortgefechte, egal ob sie im Stark Tower stehen, in Asgard oder der Milano. Die Einheitlichkeit im Universum wird von aufstrebenden Kino- oder erfahrenen TV-Regisseuren und ihren Autoren gewährleistet. Alles geschieht unter der kreativen Führung von Kevin Feige. Für Marvel ist das ein Erfolgsrezept sondergleichen. Kopieren wir diese Vorgehensweise auf andere Studios, droht eine künstlerische Dystopie, so unglaublich dröge, dass sie Furcht einflößt.

Im Kino: Der erste Superman-Film

Marvel zu imitieren ist nicht die Lösung

Warner kann einen Gegenpol zu Marvel schaffen, sodass der Konkurrenzdruck das Genre befruchtet. Gewinner wären wir Zuschauer. Die talentierten und diversen Filmemacher des DC-Universums bilden ein wichtiges Mittel, mit dem dessen Identität herauskristallisiert werden kann. Jeder Blockbuster legt heute Städte in Trümmer, ob mit sonnengespeisten rechten Haken, magnetisch begabten Mutanten oder Heli-Carriern. Das gewisse Etwas, der Funke lässt sich weniger einfach erzeugen als Zerstörungsorgien.

Und wir gewinnen bereits: Durch Wonder Woman kommt Warner dem MCU zuvor und legt den ersten größeren, von einer Frau inszenierten Superheldenfilm seit Punisher: War Zone (2008) vor. Nächstes Jahr macht sich die feministische Comic-Ikone schlechthin in ihr erstes Solo-Abenteuer auf. Marvel drückt sich indes seit Jahren um den Black Widow-Film herum und datierte seinen ersten Solo-Film mit einer weiblichen Heldin, Captain Marvel, ganze elf Jahre nach dem Urknall seines Kino-Universums. Beim Genre-Primus erwarten wir keine Risikobereitschaft. Warner und DC Films hingegen können sich auf ihren Marken nicht ausruhen. Ein "Batman" im Titel oder ein Joker im Trailer ersetzen keine Strategie für die Erschaffung eines Universums. Wie dieses aussehen kann, zeigen die aktuellen DC-Serien ebenso wie die Dark Knight-Trilogie, die Batman-Filme der 90er Jahre und Richard Donners und Bryan Singers idealistische Verehrung von Superman. Oder kommende Abenteuer von Wonder Woman, The Flash, Aquaman und Cyborg, die allesamt das Potenzial besitzen, die erzählerischen und ästhetischen Konventionen des Genres zu erweitern. Wenn es denn gewollt ist.

DC ist nicht Marvel. Die Unterschiede beginnen bei den Helden und ihrer jeweiligen Ära der Comic-Geschichte und reichen bis zu den Studio-Bindungen der Verlage. Deswegen können wir nur hoffen, dass Geoff Johns und Jon Berg beim neu geformten DC Films für Stabilität sorgen und nicht für Uniformität. Ein an Marvel orientierter House Style sollte das letzte sein, was wir dem Studio hinter ungleichen Filmen wie Superman, Batmans Rückkehr, Batman & Robin, The Dark Knight und auch Man of Steel wünschen. Denn wird die Option zu scheitern aus dem System getilgt, resultiert dies in künstlerischer Langeweile.

"...no matter how dark it seems. There's always a way."
- Grant Morrison, All-Star Superman

Einige Ikonen der DC-Geschichte warten auf ihre Kino-Einsätze. Mit ihnen kann das DC Extended Universe seinem Namen gerecht werden. Momentan kreist es neurotisch um Batman. Seine Justice League-Kollegen wirken im Schatten seines filmischen Capes wie Teilnehmer einer Gruppentherapie, die nicht zu Wort kommen. Insofern ist es eine glückliche Fügung, dass beim Treffen der Ikonen eine Wiedergeburt ansteht. Ein Batman-Film nach dem anderen kommt ins Kino, Rettung hat er wohl gar nicht nötig. Sein sonnengestärkter Gegenpart Superman hingegen muss in diesen Boom-Jahren erst noch lernen zu bleiben. Er muss, wie auch die DC-Filme, seinen Platz in diesem Universum finden.

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