Brust raus und Zehen strecken

Tanzfilme - Herzschmerz, Rebellen & Millionen

Das Remake zum 80er Kultfilm Fame
© Warner
Das Remake zum 80er Kultfilm Fame

Ballerinas strecken ihr Bein für einen Wettbewerb, der draufgängerische Rebell macht seinen Salto, um die zugeknöpfte Gesellschaft zu öffnen und das Mädchen von nebenan schwingt für mehr Anerkennung ihre Hüften. Tanzfilme haben schon immer das Kinopublikum fasziniert. Jede Generation hatte dabei ihre eigenen Helden. In den achtziger Jahren waren es vor allem die Underdogs oder Rebellen, die mit ihrem Tanz die Welt ein Stückchen besser machen wollten oder einfach um mehr Anerkennung in der Gesellschaft kämpften. Filme wie Footloose oder Dirty Dancing zogen Millionen in die Kinos und ließen anschließend die Tanzstudios überquellen. Seit einigen Jahren erleben wir nun ein enormes Tanzfilm-Revival: Überall schießen die Filme, in denen Jugendliche für ihren Traum kämpfen, aus dem Boden und scheinen trotz erheblichen Mangels an inhalticher Tiefe die Kinosäle zu füllen. Doch warum genau ist das so? Wie können Aufgüsse vom Aufguss immer noch Millionen von Menschen in die Kinos ziehen und ihr Produktionsbudget ums mehrfache einspielen?

Mit kleinen (Tanz)Schritten zum Erfolg
Nach dem Erfolg des Tanzfilms in den Achtzigern blieb es ein Jahrzehnt später vergleichsweise ruhig um das rhythmische Genre. Erst Anfang der 2000er Jahre deutete sich eine neue Welle der wackelnden Hintern an. Mit dem Überraschungserfolg Save the Last Dance bekam das Genre eine Frischzellenkur verpasst. Nun tanzten junge Menschen zwar in lässigen Klamotten zu Black Music-Klängen, doch das Grundgerüst war immer noch dasselbe. Die moderne Mischung stellte sich als gewaltiger kommerzieller Erfolg heraus. Bei einem Produktionsbudget von 13 Millionen Dollar spielte der Film weltweit das Zehnfache wieder ein. Die Studios hatten wieder Blut geleckt. Von der Hochzeit der Tanzfilme sind wir allerdings noch etwas entfernt.

Ein paar Jahre später konnte das Genre des Tanzfilms endgültig sein Comeback feiern. 2006 kam mit Step Up ein weiterer sensationeller Erfolg in die Kinos. Ähnlich wie Save the Last Dance fünf Jahre zuvor, spielte auch Step Up, mit dem damals noch unbekannten Channing Tatum, sein Produktionsbudget um ein Vielfache wieder ein und löste damit eine wahre Welle der Tanzfilme aus. Bereits ein Jahr später erschien Stomp the Yard in den Kinos und konnte durchaus an den finanziellen Erfolg von Step Up anknüpfen, dessen Sequel auch nicht lange auf sich warten ließ. Auch Remakes von kultigen Tanzfilmen der Achtziger Jahre fanden ihren Weg zurück auf die große Leindwand. So erstrahlten Fame und Footloose im neuen Gewand und konnten ebenfalls erhebliche Erfolge verzeichnen. Die Story war bei allen Filme immer noch die selbe von damals, nur Look und Setting hatten sich geändert. Außerdem gerieten jetzt viel mehr Street- und Breakdance in den Fokus der Tanzfilme.

Außen hui, innen pfui
Grundsätzlich behandeln Tanzfilme stets die gleichen Themen. Ein Paar oder eine Gruppe von jungen Leuten muss die Aufnahme in eine angesagte Tanzschule schaffen, sich in einem Wettkampf gegen eine rivalisierende Gruppe oder der Gesellschaft gegenüber beweisen oder sich gegen selbige durch ihren heißen Hüftschwung auflehnen. Gespickt sind die Geschichten wie gewöhnlich mit einer ordentlichen Portion Herzschmerz und Dramatik, um die jungen Mädchen in den Kinosälen mitzureißen. Ein einfach gestricktes Genre also, doch das ist keineswegs Zufall. Die Menschen schauen sich nicht Tanzfilme an, um die Intentionen und Gefühlswelten der Protagonisten zu ergründen oder zu hinterfragen. Es geht einzig und allein um die Schauwerte, die dieses Genre zu bieten hat. Ausgeklügelte Choreografien ausgetanzt von attraktiven Akteuren und stimmungsvolle Musik sollen den Zuschauer unterhalten und zum Mitwackeln animieren, nicht mehr und nicht weniger. Perfektioniert wird diese Vorgehensweise noch durch die 3D-Revolution, die die optischen Vorzüge eines Tanzfilmes heraus stellt. Wie kein anderes Genre weiß es der Tanzfilm, die 3D-Technik für sich zu nutzen. Hat der Zuschauer bei einem anderen Blockbuster oft das Gefühl, nur Betrachter einer etwas realeren Welt zu sein, wird er in einem Tanzfilm direkt ins Geschehen gezogen. Wie bei dem ersten Genrefilm in 3D, StreetDance, bewegen sich die Tänzer auf den Zuschauer zu und dieser tanzt mit, taucht völlig in die Szenerie ein. Da mögen wir von der inhaltslosen Story halten, was wir wollen. Doch technisch gesehen spielt der 3D-Effekt bei Tanzfilmen ganz vorne mit.

Nicht die Stars machen die Filme, die Filme machen die Stars
Das Gute für den Geldbeutel der Tanzfilme ist, dass sie ohne jegliche Stars auskommen. Viel mehr noch erschaffen sie eher die Stars von Morgen, wie wir es anhand von Filmen wie Honey (Jessica Alba) und Step Up (Channing Tatum) beobachten konnten. Mit unbekannteren, doch dafür umso attraktiveren Schauspielern lassen sich die Produktionskosten vergleichsweise niedrig halten, so dass die Filme einen enormen Gewinn einspielen können. Es ist ein bewährtes Rezept und die Studios täten gut daran, nichts zu verändern. Schneller, schöner und ausgefallener müssen die Choreografien sein, die uns die jungen Schauspieler darbieten. Und je weniger Textil und je mehr Wasser dabei im Spiel sind, desto besser.

Derzeit befinden wir uns noch in einer Hochphase des Genres, doch auch das könnte schon bald wieder abklingen, um in ein paar Jahrzehnten wieder ein Revival zu erleben. Diese Woche könnt ihr euch bei Street Dance 2 3D selber von der Technik der Tanzfilme überzeugen.

Was haltet ihr von dem Strickmuster des Tanzgenres? Schaffen die Produzenten es, auch euch ins Kino zu locken?

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Quit smiling, ya idiot, you're suppose to be professional. - Rocket Raccoon
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