Tatort: Spannend trotz Pilawa!

Jörg Pilawa in Tatort: Wolfsstunde
© ARD
Jörg Pilawa in Tatort: Wolfsstunde

Es war der große Aufhänger und Werbegag dieses Tatorts: TV-Plaudertasche Jörg Pilawa absolviert einen Gastauftritt im Münsteraner Tatort: Wolfsstunde. Er spielt einen Journalisten, der den Satz sagen darf: “Glauben Sie, der Mann schlägt noch mal zu?” Die Cross-Promotion diente natürlich im wesentlichen, um einen Aufhänger für das vergangene Woche ausgestrahlte und mässig erfolgreiche Tatort-Quiz der ARD zu haben.

Pilawa überflüssig

Diese Schützenhilfe hätte es jedoch gar nicht gebraucht, findet unser Kritiker Oliver Lysiak (Batzman). Er bescheinigt dem Tatort: "Beste Krimi-Unterhaltung am Sonntagabend. Ungewohnt ernst gab sich das Team Thiel und Börne diesmal, nach einigen Folgen, die fast mehr Klamotte als Krimi waren. Der viel gehypte Auftritt von Pilawa war dabei eher ein schlechter Witz, der zum Glück nicht weiter störte.

Spannend war wieder einmal die Chemie, der ewige Zwist zwischen dem diesmal besessen ermittelnden Kommissar Thiel und dem wie immer arrogant, schmierigen Börne. Der Humor war dieses Mal wohldosiert und knapp gesetzt: Typische Frotzeleien von Börne, der seiner kleinwüchsigen Assistentin sagt: “Wenn ich je eine Kleinfamilie gründen will, wende ich mich an sie” wechselten sich mit knallharten Thriller Elementen ab."

Serienvergewaltiger oder Einzeltäter?

Ein junge Frau wird von einem Mann misshandelt, gedemütigt, vergewaltigt und zu Tode geprügelt, in ihrer eigenen Wohnung. Der Mörder kam über den Balkon und könnte jeder Zeit wieder zuschlagen. Der Ex-Freund der Toten (Thomas Dannemann) wird zunächst verdächtigt, aber Kommissar Thiel (Axel Prahl) glaubt nicht, dass hier der Richtige gefasst worden ist. Seine Kollegen – allen voran Gerichtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) und Staatsanwaltin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) – sind da anderer Meinung. Also muss Thiel beweisen, dass er recht. Bald ist er einem Geheimnis auf der Spur …

Weniger Comedy, mehr Spannung

Im Tatort: Wolfsstunde aus Münster herrscht oft eher Spaß als harte Ermittlungsarbeit. Thiel und Boerne spielen sich die Bälle zu und sind wohl das humorigste Team beim deutschen Vorzeige-Krimi. Die Qualität der Fälle hat darunter auch häufig gelitten, doch diesmal ist alles anders.

Oliver Lysiak meint: "Das Finale gibt Axel Prahl einmal mehr Zeit zu zeigen, was er kann. Die traumatische beinah Vergewaltigung der schon einmal zum Opfer gewordenen Frau dürfte niemanden kalt lassen. Denn die letzte Wendung des Krimis gibt dem von seinen Kollegen schon zum Spinner abgestempelten Thiel recht: Der Täter ist der Ex-Freund des Opfers, der auch andere vergewaltigte Frauen auf dem Gewissen hat.

So muß Krimiunterhaltung aussehen, die sich zuerst um eine spannende Story kümmert, statt in belehrender Sozialpädagoge-Manier “wichtige Themen” aufzuarbeiten, wie es bei den Teams anderer Tatorte leider oft üblich ist. Die Münsteraner konnten einmal mehr ihrem Ruf gerecht werden und beweisen, dass sie mehr können, als “witzig” zu sein. Und das nächste mal, geht das sicher auch ohne Pilawa-Hype."

Kritiker begeistert

Auch die Print-Kritiker sind begeistert: Wie Christian Buss in der taz feststellt, gelingt es in dem Tatort dem Regisseur Kilian Riedhof “in dieser Studie über Macht und Ohnmacht, die für die Münsteraner bestimmende Balance aus Härte und Humor zu halten.”

Frank Kober von der Märkischen Allgemeinen meint, es liege an Axel Prahl. Die Filmemacher verpassen ihrem “Kommissar eine sehr ernsthafte Attitüde – als Frauenversteher und -beschützer, der sich von nichts und niemanden aufhalten lässt. Und über diesen Trick, über diese emotionale Konstante funktioniert die Geschichte tatsächlich. Ja, Prahl spielt sich fast in einen kleinen Rausch bei seiner Mission. Gegen alle anderen Figuren, für die Gerechtigkeit.”

Jetzt ist eure Meinung gefragt: Top oder Flop am Sonntag Abend?

Wie war der Tatort: Wolfsstunde für Euch?

moviepilot Team
Ines W. Ines Walk
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