Zurück ins Rampenlicht: Wie Mel Gibson das Hollywood-Comeback gelang

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Mel Gibson in Daddy's Home 2
03.08.2018 - 09:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mel Gibson steht als Schauspieler vor einem größeren Comeback. Die Art und Weise, wie ihm das gelungen ist, könnte für andere Männer, die kürzlich aus Hollywood verbannt wurden, als Vorbild dienen.

Auch wenn er in Hollywood längere Zeit als Persona non Grata galt, steht Mel Gibson zurzeit wohl vor einem größeren Comeback als Schauspieler. Als Regisseur hatte sich der frühere Mad Max- und Lethal Weapon-Star zuletzt mit dem brachialen Kriegsfilm Hacksaw Ridge zurückgemeldet, der ihm bei der Oscarverleihung 2017 unter anderem Nominierungen in den angesehenen Kategorien Bester Film und Beste Regie einbrachte. Zwar hat es am Ende nur für eine Auszeichnung für den Besten Schnitt und Besten Ton gereicht, doch alleine die gut gelaunte Präsenz der zuvor aus Hollywood verbannten Skandal-Persönlichkeit zwischen anerkannten Größen der Filmindustrie während der Verleihung setzte ein deutliches Zeichen: Mit Mel Gibson ist wieder zu rechnen.

Diese Projekte plant Mel Gibson in Zukunft als Schauspieler und Regisseur

Erst gestern wurde angekündigt, dass der Schauspieler bald eine Rolle in dem Actionthriller War Pigs von Tommy Wirkola an der Seite von Colin Farrell übernimmt. Zu sehen sein wird Gibson außerdem in Dragged Across Concrete von S. Craig Zahler zusammen mit Vince Vaughn und neben Frank Grillo in dem Science-Fiction-Zeitschleifen-Film Boss Level. Seine nächste eigene Regie-Arbeit plant der Schauspieler zudem bereits mit dem Kriegsfilm Destroyer. In gegenwärtigen Zeiten der #MeToo-Bewegung, in denen Karrieren namhafter Stars aufgrund von drastischen Enthüllungen in Bezug auf sexuelle Anschuldigungen von einem Moment auf den anderen beendet werden, könnte der Schauspieler derzeit als Vorbild dienen, wie betroffenen Schauspielern zukünftig noch einmal der Weg zurück ins Rampenlicht gelingt. Dabei lassen sich einem aufschlussreichen Artikel von Vox  4 entscheidende Strategien entnehmen, die Gibson für ein Comeback genutzt hat.

Get the Gringo

Mel Gibson diskutiert seine Ausfälle selten in der Öffentlichkeit, weist Schuld von sich und inszeniert sich als Opfer

Kontroversen erregte Mel Gibson in der Öffentlichkeit wiederholt durch antisemitische Äußerungen bei polizeilichen Kontrollen sowie schwerwiegende Vorwürfe von seiner Ex-Freundin, er habe sie körperlich misshandelt. Eine Tonbandaufzeichnung, auf der Gibson mit wüsten Beschimpfungen über Afroamerikaner herzieht, beförderte den Schauspieler neben wiederholten Alkoholeskapaden endgültig ins Aus. Hierbei wurde er im Jahr 2010 auch von seinem Management fallen gelassen, das betonte, dass Gibson momentan niemand auch nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Als erste vorsichtige Maßnahme zog es Gibson vor, diese Vorfälle in der Öffentlichkeit gegenüber der Presse selten bis nie zu adressieren.

Kommt er doch in Interviews auf die belastenden Vorfälle zu sprechen, weist Mel Gibson nach wie vor jegliche Schuld von sich. Anstatt sich zu entschuldigen, was er bis heute konsequent vermieden hat, stellt sich der Schauspieler vielmehr selbst als Opfer dar, dem verheerende und intime Momente, in denen er verletzlich und angreifbar war, als unverbesserliche Schuld angelastet werden. Über das an die Öffentlichkeit gelangte Skandal-Gespräch mit seiner damaligen Freundin Oksana Grigorieva sagte Gibson zunächst Deadline , "Wer erwartet schon, dass er aufgenommen wird? Wer erwartet das? Wer erwartet diesen persönlich Betrug?". Zum selben Vorfall wird er fünf Jahre später von Yahoo  zitiert: "Stell dir den schwächsten Moment deines Lebens vor, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, und dass er aufgenommen und in die Welt übertragen wird."

Auftrag Rache

Mel Gibson überlässt das Sprechen oftmals Freunden und engen Vertrauten

Während sich Mel Gibson selbst überwiegend mit Äußerungen zu den Vorwürfen gegen ihn bedeckt hält, gibt es immer wieder Freunde oder engere Angehörige von ihm, die sich verteidigend äußern. Nach jahrelangen Berichten über Gibson, die sie automatisch näher an den Menschen heranführte, kam die Journalistin Allison Hope Weiner in einem Deadline-Artikel von 2014  beispielsweise zu dem Entschluss, dass Gibson ein unzurechnungsfähiger Alkoholiker sei, der sein Temperament in den bekannten Vorfällen dazu nutzen würde, das zu sagen, womit er die heftigsten Reaktionen erzielt. Zudem weist sie auf wiederholte Spenden hin, die Gibson für verschiedene jüdische Wohltätigkeitsvereine gespendet hätte, und kommt nach Recherchen zu dem Ergebnis, dass Gibson ihrer Ansicht nach niemals gewalttätig gegenüber seiner Ex-Frau gewesen sein soll.

Im Zuge der Presse-Tour für das Drama Der Biber, für das Schauspielerin Jodie Foster Regie führte, äußerte sie sich extrem positiv über Gibson, dem sie erstmals seit seinem Hollywood-Aus eine Hauptrolle in einer massenkompatiblen Filmproduktion bescherte. Sie würde Gibson lieben und ihm für immer dankbar für seine Leistung sein, in die er so viel von seiner eigenen vorbelasteten Persönlichkeit eingebracht hätte.

Der Biber

Mel Gibson hat genügend Zeit verstreichen lassen und hielt sich im Schatten

Eine dritte Strategie für das Comeback von Mel Gibson ist der Faktor Zeit. Indem der Schauspieler zwischen 2006 und 2016 fast ausschließlich in unauffälligeren oder kleineren Genre-Produktionen wie Auftrag Rache, Get the Gringo, Machete Kills oder Blood Father mitspielte, fasste Gibson wieder ansatzweise Fuß als Darsteller, ohne allzu große mediale Aufmerksamkeit zu erregen. Als er mit Hacksaw Ridge im Jahr 2016 schließlich als Regisseur zurückkehrte, waren 10 Jahre seit dem Vorfall der Polizeikontrolle im betrunkenen Zustand sowie 6 Jahre seit den Vorwürfen der häuslichen Gewalt vergangen.

Mel Gibson kehrte erst als Regisseur und dann als Schauspieler in die breite Öffentlichkeit zurück

Einen letzten Vorteil, den Mel Gibson auf dem Weg zum Comeback zusätzlich für sich nutzte, ist die Tatsache, dass er zuerst als Regisseur und dann als Schauspieler in die breite Öffentlichkeit zurückgekehrt ist. Hacksaw Ridge bescherte Gibson wieder eine größere Aufmerksamkeit, ohne dass sein Gesicht selbst vor der Kamera zu sehen war. Stattdessen agierte er weiterhin eher im Hintergrund und genoss den Erfolg des Films, durch den sein Name plötzlich wieder in verschiedenen Gesprächen innerhalb der Industrie fiel. Erst im Anschluss an diese Entwicklung war Gibson wieder vor der Kamera zu sehen, wobei seine Rolle in der Komödie Daddy's Home 2 neben Schauspielern wie Will Ferrell und Mark Wahlberg definitiv als kommerzielle Rückkehr bezeichnet werden darf.

Daddy's Home 2

Inwiefern diese Entwicklung von Mel Gibson nun für andere Filmschaffende, die aufgrund der jüngsten Entwicklungen aus der Filmbranche verbannt wurden, gewissermaßen eine Vorbildfunktion einnimmt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass Gibson, der sich in der Vergangenheit am Tiefpunkt seiner Karriere befand und von zahlreichen Personen längst abgeschrieben wurde, so sicher wie nie zuvor auf ein großes Comeback zusteuert. Die beschriebenen Strategien werden seine Rückkehr ins Rampenlicht unterstützt haben.

Was haltet ihr von einem Comeback von Mel Gibson als Schauspieler?

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