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Verschmelzung

Crossmedia – Der Film der Zukunft?

01.03.2011 - 08:50 Uhr
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Collapsus
© Submarine
Collapsus
Zum Talent Campus der Berlinale trafen sich Experten, um über dem Film im Zeitalter des Internets zu diskutieren. Müssen Filme interaktiv werden und zukünftig Elemente aus Videospielen enthalten, um junge Generationen noch zu faszinieren?

Wie sieht der Film der Zukunft aus? Aktuelle Crossmedia-Dokumentarfilme könnten ein Wegweiser für zukünftige Filme im Internet, den sogenannten Webfilmen, sein. Diese Crossmediaprodukte verbinden Dokumentarfilme mit Game-Elementen und teilweise auch mit fiktiven Komponenten.

Jane McGonigal gehört zu den Verfechtern der Theorie der zukünftigen Verschmelzung von Film und Videospiele. Die Amerikanerin ist führende Spieleforscherin und Spieledesignerin, die unter anderem an der University of California, Berkeley, unterrichtet hat. Ihre Schwerpunkte sind alternative Videospiele und ortsgebundene Videospiele, bei denen der Standort des Spielers über GPS erfasst wird und die Spieler meist auf einer Schnitzel- oder Verfolgungsjagd sind, die zum Teil im Internet und zum Teil an realen Orten stattfindet. Jane McGonigal ist fest davon überzeugt, dass junge Menschen andere und neue Erwartungen an den Film haben.

Die Pionierin argumentiert, dass ein 20-Jähriger heutzutage 10.000 Stunden seines Lebens in der Schule verbracht hat und – weitere 10.000 Stunden damit Computer- und Videospiele zu spielen. Innerhalb von 10.000 Stunden kann ein Mensch ein Experte in einem Bereich werden, somit sind die jungen Generationen Experten – im Videospielen? McGonigal folgert, dass sich junge Menschen an die Erzählweise und das Interagieren in Computer- und Videospielen gewöhnt haben und diese Game-Elemente daher in jedem Bereich notwendig sind, um junge Menschen zu fesseln und zu faszinieren. Doch wie können diese Filme aussehen? Sind Webfilme überhaupt Filme? Und ist diese ganze Crossmediatheorie vielleicht völliger Unsinn?

Bisher gibt es wenige Crossmediafilme. Im Auftrag von ARTE ist der Webdokumentarfilm „Prison Valley – Wirtschaftssektor Strafvollzug“ entstanden, der im Juni 2010 als Dokumentarfilm ausgestrahlt wurde und seitdem auch Online als Webdokumentarfilm zugängig ist. Der innovative Film von David Dufresne und Philippe Brault handelt von der Gefängnisstadt Cañon City in Colorado. Mit einer Einwohnerzahl von 36.000 Einwohnern und 13 Haftanstalten, in denen 16 Prozent der Gesamtbevölkerung leben, ist die Stadt ein Einzelfall in den USA. Auch die hochmodernen Gefängnisse in Cañon City, das spöttisch Prison Valley (Tal der Gefängnisse) genannt wird, sind rekordverdächtig und gehören zu den größten der Welt.

Auf www.prisonvalley.arte.tv können Zuschauer den 60-minütigen Dokumentarfilm „sehen“ bzw. interagieren. Zusätzlich zu dem ursprünglichen Film können die Zuschauer nach jedem Kapitel auf weitere Informationen in Form von Text und Bild zurückgreifen. Außerdem besteht die Möglichkeit, in Diskussionsforen und zu festgelegten Zeiten mit den Angehörigen von Gefängnisinsassen in Live-Chats zu diskutieren.

„Crossmediafilme sind neu. Die Grenzen und Möglichkeiten dieser Gattung müssen erst noch entdeckt und definiert werden“, glaubt der Franzose Michel Reilhac, der Direktor von ARTE France Cinéma und der Leiter der Filmakquise für ARTE France. „Ich schätze, dass in den nächsten 5 Jahren ein Umbruch im Bereich Crossmedia stattfinden wird. In den folgenden Jahren wird wie bisher weiter experimentiert werden, bis greifbar wird, was Crossmediafilme sind und wie die Erzähltechniken im Film zukünftig mit interaktiven Elementen erweitert werden“, erklärt Michel Reilhac.

Ein weiteres Beispiel für einen Crossmediafilm ist der Webdokumentarfilm „Collapsus“ zum Thema Energie- und Ressourcenknappheit. Während Prison Valley als interaktiver Dokumentarfilm benannt werden kann, entfernt sich Collapsus noch weiter von einem klassischen Dokumentarfilm. Das Crossmediaprojekt ist seit Frühjahr 2010 online und besteht aus den drei Komponenten von Game-Elementen, Dokumentarfilm-Elementen und einer fiktiven Story. Auf www.collapsus.com können Zuschauer 10 Protagonisten in einer fiktiven Story über Ressourcenknappheit in der nächsten Dekade zuschauen, auf Interviews von Klimaforschern und Energieexperten zurückgreifen und den Verlauf der fiktiven Geschichte beeinflussen. Beispielsweise schlüpft der Zuschauer/Spieler in die Rolle des Bürgermeisters von London und trifft energiepolitische Entscheidungen, während London von Stromausfällen, Energieknappheit und Steuerschulden betroffen ist.

„Collapsus“ entstand unter der Regie von Tommy Pallotta. Verantwortlich für das innovative Projekt ist die niederländische Produktionsfirma submarine, die weltweit führend im Bereich Crossmedia ist.

Sollten Dokumentarfilme sich jedoch zukünftig mit Fiktion und Game-Elementen verbinden? Es lässt sich streiten, ob diese Verschmelzung erstrebenswert ist. Dennoch ist „Collapsus“ seinem Ziel, jungen Menschen das Thema Energieknappheit und Ressourcenknappheit interessant zu vermitteln, gerecht geworden. Wie ist deine Meinung dazu? Wie stehst du zu Crossmediafilmen wie „Prison Valley“ und „Collapsus“? Moderne Fernseher haben einen Internetzugang – wird dies das Verhalten und die Anforderungen der Zuschauer weiter verändern? Sind interaktive Webfilme die Zukunft – oder Hirngespinste?

Im Folgenden könnt ihr euch den Walkthrough zu “Collapsus” und den Trailer von “Prison Valley” anschaun.

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