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Tatort aus Münster

Genugtuung für Zorro: Das Erste wiederholt den Tatort "Satisfaktion"

12.07.2009 - 12:46 Uhr
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Gerichtsmediziner Boerne wird von seiner Vergangenheit als "El Zorro" eingeholt
© WDR
Gerichtsmediziner Boerne wird von seiner Vergangenheit als "El Zorro" eingeholt
Der Fund einer skelettierten Leiche bedeutet für Gerichtsmediziner Boerne ein unangenehmes Rendez-Vous mit seiner Vergangenheit. In “Satisfaktion” tritt die Lösung des Kriminalfalles in den Hintergrund zu Gunsten der privaten Befindlichkeiten der Hauptfiguren.

Als am Anfang von Tatort: Satisfaktion eine skelettierte Leiche im Wald bei Münster gefunden wird, sieht zunächst alles nach einem ganz normalen Fall für Kriminalkommisar Thiel (Axel Prahl) und den ewig neunmalklugen Gerichtsmediziner Professor Boerne (Jan Josef Liefers) aus. Als der Tote identifiziert ist, erlebt Boerne jedoch eine böse Überraschung: Es handelt sich eindeutig um den seit über zehn Jahren vermissten Studenten Raimund Stielecke, der zum Zeitpunkt seines Verschwindens – wie Boerne damals auch – Mitglied der traditionsbewussten Studentenverbindung Pomerania-Guestphalia war. Dass die Kugel in seinem Kopf aus einer alten Duellpistole stammt, ist ein weiteres Indiz, das in Richtung der Verbindung weist.

Der Vater des Toten ist der einflussreiche Professor Walter Stielecke, wie Boerne inzwischen ein “Alter Herr” in der Verbindung. Er zeigt erstaunlich wenig Emotionen, als er Nachricht vom gewaltsamen Tod seines Sohnes erhält. Nicht anders verhält es sich beim Bruder des Opfers, Staatsanwalt Karsten Stielecke. Das gesamte Umfeld des Toten begegnet den Ermittlern kühl und reserviert. Während Kommisar Thiel sich nur widerwillig und mit schweren Vorurteilen belastet in die Welt der Schmissträger wagt, bewegt sich Boerne routiniert auf dem Parkett der alten und neuen Eliten. Der einst wegen seiner Fechtkünste als “El Zorro” bekannte Mediziner merkt kaum, wie seine Vergangenheit als radikaler Corpsbruder ihn langsam einholt. Verfolgt er noch die gleichen Ziele wie sein Kollege Thiel?

Mit dem Filz und Klüngel elitärer Studentenverbindungen wird hier ein Thema aufgegriffen, das aktueller ist, als es den Anschein hat. “Schnell stellte ich bei meinen ausführlichen Recherchen fest: In einer immer komplexer und globaler werdenden Welt stehen heute alle Formen von Netzwerken und alten Verbindungen ganz hoch im Kurs”, kommentiert Drehbuchautor Johannes W. Betz die Arbeit an Satisfaktion.

Der zwölfte Fall für Thiel und Boerne wurde sehr zwiespältig aufgenommen. Kritiker bemängeln, dass die Krimihandlung ins Hintertreffen geriet zu Gunsten privater Befindlichkeiten und Marotten der Hauptfiguren. Eben diese Verschiebung des Fokus erlaubte es jedoch Regisseur Manuel Flurin Hendry, dessen zynischer Neo-Neo-Noir Strähl bis heute als Geheimtip im deutschsprachigen Independent-Kino gilt, die piefige Behäbigkeit deutscher Fernsehkrimis zumindest hier und da zu sprengen und Kameramann Egon Werdin gelangen Bilder, die tatsächlich einen Hauch von Kino atmen. Bei der Erstausstrahlung am 28. 10. 2007 wurde Satisfaktion von 8,1 Millionen Zuschauern gesehen und erzielte eine Quote von 21,9%.

ARD und ORF2 zeigen Tatort – Satisfaktion heute um 20:15 zum ersten Mal seit der Erstausstrahlung. Wenn Ihr wissen wollt, was sonst noch so alles im TV läuft, werft doch mal einen Blick in unser Fernsehprogramm.

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