Musical-Verfilmung Cats: "Wir haben sehr viele Katzen-Videos studiert"

Cats - Trailer (English) HD
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© Universal Pictures
Francesca Hayward in Cats
24.12.2019 - 13:39 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Das Musical Cats erobert die große Leinwand. Wir haben mit Hauptdarstellerin Francesca Hayward im Interview über Taylor Swift, Katzen und Digital Fur Technology gesprochen.

Basierend auf Gedichten von T.S. Eliot entwickelte Andrew Lloyd Webber nach dem Erfolg von Jesus Christ Superstar und Evita das Musical Cats, uraufgefführt 1981 im New London Theatre. Darin lernen wir verschiedene Katzen kennen, die sich zusammenfinden, um den Jellicle Ball zu feiern. Am Ende wird eine Katze ausgewählt, die wiedergeboren wird und somit ein neues Katzenleben erhält.

Menschliche Darsteller schlüpfen dazu in Katzenkostüme und kriechen auf einer Bühne umher, die mit überdimensionalen Requisiten ausgestattet ist - ja, das hört sich ziemlich verrückt an und auch Andrew Lloyd Webber kamen kurz vor der Premiere einige Zweifel an der Produktion, wie Michael Riedel auf Vulture  schreibt. Knapp vier Dekaden später ist Cats längst ein unvergleichliches Phänomen.

Francesca Hayward im Interview über Cats

Anno 2019 bringt Tom Hooper, der mit der Verfilmung von Les Misérables bereits ein namhaftes Musical-umgesetzt hat, Cats auf die große Leinwand. Wir haben uns mit Hauptdarstellerin Francesca Hayward zum Interview getroffen.

Moviepilot: Seit 2016 tanzt du als Primaballerina für das Royal Ballet in London. Und jetzt trittst du als Hauptdarstellerin eines der größten Filme des Jahres erstmals vor die Kamera. Wie fühlt sich das an?

Francesca Hayward: Alleine, wie du das sagt, bringt mich zum Lachen. Es wirkt alles so surreal - auch schon, als wir den Film gedreht haben. Aber jetzt kann ich das Ergebnis tatsächlich sehen. Wenn man so etwas macht, kann man sich das alles nur sehr schwer vorstellen. Aber jetzt passiert es wirklich. Immer wieder sehe ich neue Schnittfassungen des Films, kann es aber immer noch nicht so richtig glauben, dass ich wirklich darin bin.

Cats

War das etwas, an das du schon immer gedacht hast, deine Karriere in Richtung Schauspiel und Gesang auszubauen?

Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht. Die Schauspielerei habe ich zwar schon immer geliebt. Als Ballerina muss ich auf der Bühne auch viel schauspielern, aber das nur im Bezug auf Ballett. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages in einem Film mitspielen würde.

Wie bist du als Primaballerina zu einem Film wie Cats gekommen?

Als ich noch viel jünger war, hatte ich eine Videokassette von der originalen Bühnenversion von Cats. Da habe ich immer meine Freunde zum Spielen eingeladen und wir haben uns die Aufnahme im Wohnzimmer angeschaut. Schon damals habe ich als Victoria getanzt und meinen Freunden gesagt, sie sollen die anderen Katzen spielen - "kopiert einfach den Fernseher."

Aktuell habe ich zwar einen Job, den ich liebe. Als ich von den Vorsprechen für Victoria [in der Verfilmung] erfahren habe, dachte ich mir, es einfach auszuprobieren - immerhin hatte ich nichts zu verlieren. Ich liebe es, eine Ballerina zu sein, aber warum nicht einfach zu einem Vorsprechen [für einen Film] gehen und abwarten, was passiert?

Mit dem Wissen, wie das Internet auf den ersten Cats-Trailer reagiert hat - was waren da deine Gedanken?

Ich habe es nicht persönlich genommen. Der gesamte Cast ist all dem mit Humor begegnet. Wir sind stolz auf das, was wir geschaffen haben. Und ich kann es gar nicht erwarten, dass die ganze Welt den Film sieht. Ich bin mir ziemlich sicher, sie werden ihn genießen.

Trotzdem sind die Menschen sehr fasziniert, geradezu besessen von Cats. Woher kommt diese Faszination?

Ich glaube, sobald du es einmal gesehen hast, kannst du es einfach nicht mehr vergessen. Die Musik ist unglaublich, also wirklich absolut unglaublich. Es gibt zwar viele Musicals, aber nur wenige, bei denen der Tanz so wichtig ist. Wie hier die Tänze mit den Szenen verschmelzen, ist wirklich fantastisch. Es ist einfach unvergesslich und auch sehr berührend.

Was sind die bewegendsten Themen in dieser Adaption von Cats?

Mein Charakter hat eine sehr starke Verbindung mit Grizabella. Das ist für mich definitiv einer der bewegendsten Teile der Geschichte: Die Art und Weise, wie die beiden Figuren aufeinanderzugehen und wie Victoria Grizabella Hoffnung gibt und sie dadurch rettet.

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Wenn ich an Cats denke, schießen mir viele ikonische Dinge in den Kopf wie die Katzenkostüme oder der Song Memory. Gibt es etwas, das Tom Hooper speziell dem Film hinzufügt und noch nicht in der Musiclal-Version war?

Allein die Technologie, also das digitale Fell, so etwas hat es vorher noch nicht gegeben. Tom Hooper hat der Geschichte außerdem mehr Leben und Humor eingehaucht. Und dann gibt es da noch neuen Song, Beautiful Ghosts. Der wurde extra für den Film geschrieben und das ist sehr aufregend.

Beautiful Ghost ist wirklich ein sehr schöner Song. Wie ist es, einen neuen Song zu singen, der von Taylor Swift und Andrew Lloyd Webber geschrieben wurde - mit dem Wissen, dass auch eine Taylor Swift-Version existiert?

Ich würde mich nie mit Taylor Swift vergleichen. Sie ist einfach unglaublich. Stattdessen fokussiere ich mich auf die Worte, die sie für mich geschrieben hat, und darauf, wie ich diese mit meinem Charakter zum Leben erwecken kann.

Habt ihr euch getroffen und den Song gemeinsam besprochen?

Ja, Taylor hatte die Lyrics geschrieben und wollte mir den Song persönlich vorsingen. Das war das erste Mal, dass ich ihn überhaupt gehört habe. Also bin ich in einen Raum in den Filmstudios gegangen und es waren nur Taylor, Tom Hooper und ein Pianist da. Sie hat den kompletten Song gesungen - wie ein privates Konzert in einem sehr kleinen Raum. Als sie fertig war, fragte sie mich: "Ist das okay?" Als wollte sie fragen, ob der Song gut genug für mich war.

Und war er das?

Oh ja, er war definitiv gut genug. (lacht)

Du hast sie vorhin schon kurz erwähnt: Digital Fur Technology [also digitale Fell-Technologie]. Wie funktioniert das? Und wie kann ich mir das bei den Dreharbeiten vorstellen?

Also wir hatten alle diese besonderen Anzüge an. Es waren Lyrca-Anzüge und die hatten Sensoren auf unseren Beinen und unseren Armen. Zweimal am Tag mussten wir eine Art Kabel von einem Computer in einen Akku an unserem Bein stecken und dann verfolgte der Computer den ganzen Tag all unsere Bewegungen.

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Alle Bewegungen im Film stammen also wirklich von uns, genauso wie der Live-Gesang. Das wird nicht nachträglich eingefügt. Alles, was du im Film hörst, haben wir tatsächlich live am Set gesungen. Und jeder Schritt, den wir getan haben, war ebenfalls da. Das einzige, was digital hinzugefügt wurde, war das Fell. Alles andere stammt von uns.

Ist es wichtig, den Gesang direkt am Set aufzunehmen?

Ja, definitiv. Tom Hooper hat darauf Wert gelegt, dass wir uns niemals perfekt anhören. Du musstest nicht wie ein professioneller Sänger klingen und das war großartig, weil es uns ermöglicht hat, die Emotionen einzufangen, die wir [im Film] haben wollten.

Wie hast du reagiert, als du das erste Mal die Fell-Version von dir gesehen hast?

Es ist ziemlich verrückt, wenn man sich als Katze sieht. Sehr schräg ist vor allem, sich selbst ohne [menschliche] Ohren zu sehen. Aber irgendwie war es auch ganz cool, besonders dann, wenn du all deine Freunde genauso siehst.

Hattest du manchmal das Gefühl, dass es zu schräg wird?

Nein, dazu gibt es viel zu viele Dinge in der Geschichte, zu der man eine Beziehung aufbauen kann. Ich meine, so viele Gefühle existierten da - sie sind überall. Es geht nicht nur um die Katzen, sondern ebenso um die Menschen.

Um Mensch und Katze miteinander verschmelzen zu lassen, hattet ihr Katzen-Lehrer und Katzen-Unterricht. Was macht ein Katzen-Lehrer den ganzen Tag?

Wir haben, nun ja, sehr viele Katzen-Videos studiert und dabei versucht, herauszufinden, wie sie sich verhalten, wenn sie allein und in Gesellschaft sind. Wie begrüßen sie sich gegenseitig, wenn sie sich sehen? Wir haben gelernt, dass der wichtigste Sinn einer Katze der Geruchssinn ist. Sie riechen erst, bevor sie irgendetwas anderes machen.

Wir Menschen, wir sehen zuerst - das ist unser Hauptsinn. Katzen hingegen riechen zuerst. Zudem ging es auch darum, die Dinge zu sehen, die nicht am Set waren, zum Beispiel, wie [die Katzen] ihre Ohren und ihre Schwänze bewegen. Dadurch haben wir viele Ideen bekommen und es war einfach, sich das alles am Set vorzustellen.

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Du hast sehr viel Erfahrung, was Tanz auf einer Bühne angeht. Wie ist das jetzt vor der Kamera? Gibt es da Unterschiede?

Ich musste viele Dinge komplett neu lernen. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann muss ich sehr weit herausragen, um auch das Publikum zu erreichen, das in den entfernteren und höheren Ränge sitzt. Also benutze ich auf der Bühne intensiv meinen Körper und meine Schultern, um meine Emotionen für die Zuschauer sichtbar zu machen, denn die sehen nicht immer mein Gesicht.

Vor der Kamera muss ich das alles zurückschrauben. Die Darbietung muss viel intimer werden, da jetzt jede Regung in meinem Gesicht gelesen werden kann. Ich musste da einiges lernen. Tom Hooper hat mir aber viele Ratschläge gegeben, wie ich das erreichen kann, auch aus technischer Perspektive. Wo ist es am besten, zu stehen? Und wie schaue ich in die Kamera? Und überhaupt, die Sprache, die Menschen an einem Filmset sprechen - das war alles neu für mich. (lacht)

Und wie war das mit dem Gesang?

Ich habe früher nur ein bisschen in der Schule gesungen. Ich konnte also nicht sehr viel und musste einige Gesangsstunden nehmen. Es ging darum, zu lernen, wie man die Stimme kräftiger macht, denn meine Stimme ist eigentlich sehr leise und weich. Die meiste Zeit über war ich sehr nervös, erst am Ende hat sich das gelegt. Jetzt kann ich sagen, dass ich in Gegenwart von Andrew Lloyd Webber und Taylor Swift und einem ganzen Raum voll von Menschen gesungen habe.

Was bleibt dir von deiner Cats-Erfahrung besonders in Erinnerung?

Ich hatte wirklich unglaublich viel Spaß mit jedem am Set, vor allem Judi Dench war sehr lustig. Manchmal verbringt man am Set viel Zeit damit, zu warten. Sie hatte immer ein großartiges Spiel auf Lager, um die Zeit zu überbrücken. Auch mit Rebel [Wilson] und James [Corden] hatte ich sehr viel Spaß, denn die improvisieren die meisten ihrer Dialoge. Du wusstest nie, was passieren würde.

Das Interview wurde zur Leserlichkeit gekürzt und verdichtet. Cats startet am 25. Dezember 2019 in den deutschen Kinos.

Was erwartet ihr euch von der Kinoversion von Cats?

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