Mehr Empörung im deutschen Fernsehen!

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Veröffentlicht am 16.05.2011, 08:50

Der Bremer Tatort Der illegale Tod nahm sich dem Thema der Sicherung der europäischen Außengrenzen und der Abwehr von Flüchtlingen an – durchaus gelungen!

Tatort - Der illegale Tod Tatort - Der illegale Tod © RB

Der Bremer Tatort Der illegale Tod vom 15. Mai versuchte wie andere Tatorte vor ihm auch schon (zum Beispiel Tatort: Grabenkämpfe zu Stuttgart 21) sich einem politisch aktuellen Thema anzunehmen. Diesmal war das Thema nicht nur für Deutschland hoch brisant. Es ging um illegale Einwanderung nach Europa, um Frontex, der europäischen Grenzschutzagentur. Tatsächlich wurde Frontex bisher wenig in den Medien kritisiert, trotz des zunehmenden Flüchtlingsproblems wegen den arabischen Aufständen in Nordafrika – eine mutige Themenwahl, bei der man sich jedoch mehr Empörung gewünscht hätte.

Der feierlustige Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) trifft seinen alten Kumpel Peer (Michael Pink) wieder. Die beiden Männer feiern die Nacht durch – mit fatalen Folgen. Am nächsten Morgen ist Peer spurlos verschwunden, Blutflecken deuten auf ein Verbrechen hin. Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund fahnden nach Peer und einer afrikanischen Asylbewerberin namens Amali Agbedra (Florence Kasumba), welche die beiden in der Nacht mit nach Hause genommen haben und die zusammen mit Peer verschwunden ist. Mit der Zeit kristallisiert sich als zentraler Punkt der Geschichte ein Einsatz von Peer und drei weiteren Kollegen auf dem Mittelmeer heraus. Die ehrgeizige Elena Janson (Ulrike C. Tscharre), Robert Böhm (Arnd Klawitter), der labile Klaus Kastner (Daniel Lommatzsch) und Peer Förden – sie alle waren im Auftrag von Frontex mit einem Schiff vergangenen Sommer bei Malta unterwegs. Bei dem Versuch Flüchtlinge abzuwehren, die versuchten, auf das Polizeiboot zu gelangen, brachten die Beamten das Flüchtlingsboot zum Sinken. Alle Flüchtlinge kamen ums Leben – außer Amali Agbedra. Die drei Polizisten, Elena, Robert und Klaus, versuchten mit allen Mitteln diesen Vorfall zu vertuschen. Peer hingegen schloss sich heimlich mit Amali Agbedra zusammen. Sie inszenieren Peers Entführung, um den Vorfall auf dem Mittelmeer zu enthüllen. Amali und Peer werden vom schuldigen Trio erschossen, doch Inga Lürsen und Stedefreund schaffen es dennoch, den Fall aufzuklären und Ermittlungen über den Frontex-Einsatz einzuleiten.

Die Story überzeugte, obwohl die schauspielerische Leistung oft nur mittelmäßig war und die Kritik an Frontex konsequenter hätte sein können. Zwar wurden die Frontex-Mitarbeiter als ausgewachsene Bösewichte, die nur Karriere und Null Moral kennen, dargestellt, aber differenzierte Kritik am System von der angeblichen Idealistin Inga Lürsen oder dem pragmatischen Stedefreund suchte man vergeblich. Inga Lürsen bricht Staatssekretär Neumann in ihrer Wut zwar versehentlich die Nase, ihre Kritik geht jedoch nicht über den konkreten Vorfall auf dem Mittelmeer hinaus. Der durchaus spannende Hauptstrang der Erzählung war gut in die Nebengeschichten, zum Beispiel den Generationenkonflikt zwischen Inga Lürsen und ihrer Tochter Helen (Camilla Renschke), eingebettet. Dieser Tatort beeindruckte mit vielen starken Frauencharakteren. Schade nur, dass die Frauen, die ihre Karriere ernst nehmen, klischeehafter Weise häufig ihre sozialen Kontakte vernachlässigen und egoistisch handeln. Trotz kleiner Makel: Mehr davon!


Johans (Johanna Montanari)

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Shio

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Ist das jetzt ein Nachricht über einen ausgebliebenen Skandal? Skandal!

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Darbon

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"Jetzt reiß dich mal zusammen", faucht Elena Janson (Ulrike C. Tscharre) ihre Mutter (Kerstin de Ahna) an, als diese um ihr Enkelkind bangt, als wär so ein Kind etwas Kostbares. Denn eine Flüchtlingsfrau aus Togo (Florence Kasumba), die bei einer Mittelmeerflucht aus dem grausigen Afrikakontinent – es könnte auch Uganda sein - ihr Kind verlor, so ist es halt in 2011, nimmt nun Elena Jansons Tochter als Geisel.
So eine Geiselnahme ist zwar so notwendig wie richtig, aber wohl hierzulande nicht rechtens, wie auch der Nasenbruch eines Staatssekretärs nach der Begegnung mit Inga Lürsens Faust. Zusammenreißen müssen sich Ermittlerin Lürsen (Sabine Postel) wegen einiger Querelen mit konservativem Serienkind Camilla Renschke und Stedefreund Mommsen beim Verlust seines am illegalen Verbrechen beteiligten Blutsbruders, doch mehr noch als die Kriminalen bewährt sich die zentrale Antiheldin Elena Janson, die ein Kommando an der Flüchtlingsgrenze zu Europa leiten hatte, in Contenance, um sich in die Rechtlichkeit freizugiften. Denn deren Untergebene (großartige Tour de force: Daniel Lommatzsch, souverän: Arnd Klawitter) drehen durch, weil die Überlebende eines Unglücks oder auch - im sogenannten rechtlichen Graubereich - Mordes, Rache nehmen will an den legalen Grenzschützern oder nur aufklären, sich öffentlich empören. Weg mit so einer, zudem Negerin, wegwegweg! Zugunsten der europäischen Richtlinien.
Ein Hund - Balou - muss durch die Hand Elenas sterben, um ein Missgeschick zu vertuschen, das im Legalen liegt, weil abgesegnet von der EU und übertragen an die Agentur Frontex. Elena Janson, das ist Ulrike C. Tscharre, die nach zwei Wochen - vorletzten Sonntag noch in Münster - erneut einen Tatort bereichert und in ihrer Rolle auch die Argumente jener, die für den Einsatz von Frontex et cie plädieren, denn ihr gehört im letzten Moment das letzte Wort gegen unbelehrbare Gutmenschen wie Lürsen: "Sie haben überhaupt nichts begriffen!" Ein immer wieder als gültig geltender Satz im diplomatischen Jargon.
Herzlichen Glückwunsch, Frau Tscharre, die Sie sonst so jolie sind - bis auf Ihre ebenso elenanahe Sabine Jaschke "im Angesicht des Verbrechens" - und an diesem Sonntag zudem Ihren Geburtstag feiern. Hoch die Korken, lasst sie knallen für dieses in allem freche Werk aus Bremen.

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CarrionFairy

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ich fühle mich mindestens 40 jahre zu jung für tatort (sowie traumschiff, musikantenstadl, hitparade und wetten dass [hier kann ich gar nicht so alt werden, als das ich DAS noch sehen würde])

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zouzou

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Dass man in einem Tatort immer wieder mal Schauspieler sieht, die auch schon in anderen Tatorten mitgespielt haben, ist klar. Aber dieses Mal fand ich es doch zuviel, dass Arnd Klawitter schon im letzten und Ulrike Tscharre im vorletzten Tatort vorkamen.
Außerdem hat mich gewundert, dass Inga Lürsen vorher noch nie von Frontex gehört zu haben schien.
Aber ansonsten... doch, schon spannend insgesamt.

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